es herbstelt

In den Morgenstunden stoppte endlich der Regen und im Laufe des Vormittags wurde es immer schöner. Es blieb zwar wolkig und mit knapp 12° Grad auch ziemlich kühl aber immerhin regnete es nicht mehr.

Am Nachmittag hatte ich etwas freie Zeit und so entschied ich mich, den für gestern geplanten Bergwerk-Besuch heute nachzuholen. Dafür nahm ich das Kish aus der Garage und machte mich auf den Weg. Der Wind und Regen der letzten Tage hat viele Blätter und kleine Äste von den Bäumen geweht und mit dem wolkenverhangenen Himmel entsand so erstmals richtig Herbstatmosphäre und ich kriegte den Eindruck, als ob schon bald der Winter kommen würde. Ich trug lange Hosen, ein Windstoppershirt und darüber eine leichte Jacke doch ich musste schon bald feststellen, dass mir so zu kalt war. In weiser Voraussicht hatte ich ein Langarmtrikot in den Rucksack gepackt und so dauerte es nicht lange, bis ich einen ersten Stopp machte um mir auch noch das Trikot anzuziehen. Danach fühlte ich mich wohler. Ich staunte dennoch, wie viele Radfahrer ich heute in kurzen Hosen sah...

Im Restaurant Bergwerk waren dann nur wenig Gäste. Ich habe (wie fast immer) ein Stück Zwetschgenwähe bestellt und dazu einen Kaffee getrunken. Natürlich überkam mich dabei etwas Wehmut. Nächsten Donnerstag schliesst das Restaurant. Dann wird drei Monate restauriert und umgebaut und am 1. Januar 2011 soll dann ein Pächter das Lokal wieder eröffnen. Natürlich werde ich auch dann wieder hier her kommen, doch so wie es war, wird es bestimmt nicht mehr sein.

Alles sind Zeichen von stetem Wechsel. Vom Kreislauf des Lebens und des Vergehens. Nichts bleibt wie es war, alles ist in dauerndem Wandel und nur wenig wird morgen noch so sein, wie es gestern einmal war. Das ging mir durch den Kopf. Ich sah, wie die vierzig Jahre alten Stühle abgegriffen sind, wie die Zeit von Ländlermusik und hausgemachter Wähe, mit Früchten vom eigenen Bauernhof, einfach irgendwie abgelaufen ist. Die Wanderkarte an der Wand ist vergilbt, die Jassregeln interessieren schon lange keinen mehr. Ja, dieses Kapitel neigt sich dem Ende entgegen.

Ich mochte ab diesen Gedanken aber nicht schwermütig werden sondern verspürte eine stille Dankbarkeit, dass es dieses Lokal überhaupt so lange gegeben hat. Die Inhaberin hätte mit ihren 74 Jahren den Ruhestand ja schon lange verdient und ihre Cousine, die langjährige Küchenfrau, wollte nun, mit 66 Jahren, auch nicht mehr. Keines der Kinder wollte soviel Aufwand für so wenig Lohn in Kauf nehmen und so blieb ihnen nur noch die Möglichkeit, das Lokal zu verpachten. Aber klar ist, rein betriebswirtschaflich muss sich etwas ändern. Wer das Restaurant mieten will und Angestellte bezahlen muss, kann nicht so klein-klein weitermachen. Da braucht es ein moderneres Konzept um regelmässig mehr Gäste anzuziehen. Und dann ist es halt nicht mehr das, was es einmal war. Na ja, mal schauen.

Auf dem Rückweg bin ich noch am Flughafen vorbei gefahren und gönnte mir am Pistenende nochmals einen Kaffee. So sieht also die Zukunft aus. Take-away und Kaffee im Pappbecher... Hier darf man schmunzeln... Das GPS sagt: 40km., 1:52 Std., 450 Hm.

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