(16) quer durch den Nationalpark

Eigentlich wollte ich heute etwas länger schlafen, doch schon um sieben Uhr begannen draussen auf die Strasse die Einheimischen zu diskutieren. Und Italiener sprechen ja nicht leise miteinander, sondern sie sind so laut, dass an weiteren Schlaf nicht zu denken war. Was soll's, stehe ich halt auf und mache mich auf den Weg zum Frühstücksraum, welcher in einem sehr schönen Kellergewölbe war. Nicht nur das, es gab da auch wirklich alles, was das Herz eines hungrigen Radfahrers begehrt. Von Eiern über Müesli, Jogurt, Früchte, verschiedene Kuchen und natürlich Brot, Butter, Konfitüre, Honig und Cappuccino, soviel man wollte. Super! Da habe ich mich natürlich reichlich bedient.

Danach packte ich meine Sachen zusammen, belud mein Bike und schickte mich an, die Hotelrechnung zu begleichen. Ich staunte ich dann nicht schlecht. Für das Abendessen wurden satte 30 Euro berechnet und die zwei Bier, die ich gestern Abend getrunken hatte, kosteten unglaubliche 14 Euro. Zusammen mit dem Coperto (Gedeck) und dem Zimmer machte das dann happige 97 Euro. Soviel hatte ich noch nie bezahlt. Ich versuchte noch etwas zu handeln, doch die Frau des Hauses blieb hart. Nein, das sei die Rechnung und die sei nun schon einmal fertig gemacht... Ich will nicht klagen, denn ich hätte ja vorher fragen können, doch teuer fand ich es trotzdem.

Ich wollte mir dadurch nicht die Laune verderben lassen, schliesslich war ich satt, das Wetter war sehr gut und die bevorstehende Fahrt durch den "Parco Nationale Foreste Casentinesi, Monte Falterone Campigna" motivierte mich. Zuerst musste ich wieder die 10 Kilometer bis nach San Benedeto in Alpe hochfahren, wo ich dann gleich einen Halt im kleinen Lebensmittelgeschäft machte um mich mit Proviant für den Tag einzudecken. So kann ich wieder ein paar Euro sparen. Danach stieg die Strasse bis auf etwas über 900 m.ü.m. an wo ich mir im Bergrestaurant dann doch noch einen Cappuccino gönnte. Die Aussicht war herrlich und man konnte gut die Strasse sehen, auf welcher ich dann knapp dreihundert Höhenmeter runter fuhr um bei der nächsten Abzweigung wieder in einen Anstieg zu wechseln um ein zweites Mal die 900er Grenze zu erklimmen.

Der Nationalpark ist wirklich sehr schön, unterscheidet sich landschaftlich vom gestrigen Tag nur wenig. Es ist einfach noch eine Spur einsamer. Während der ersten zwei Stunden Fahrzeit bin ich vielleicht 10 Autos und 10 Motorrädern begegnet. Die zweite Abfahrt führte dann wieder auf gut 500 m.ü.m. runter und an der folgenden Abzweigung stand ein Wegweiser mit der Aufschrift "Portico d.R. 12 km". Da bin ich gestartet, doch ich hatte nun schon 42 Kilometer und knapp 900 Höhenmeter auf dem Tacho... das meine ich mit "kreuz und quer".

Natürlich ging es wieder bergauf. Schon bald kam ich an einem Rifugio mit zugehörigem Angelweiher vorbei und von da weg sah ich dann über eine Stunde keinen Menschen mehr. Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn meine Strecke in eine Schotterstrasse übergegangen wäre, doch es blieb zum Glück auch über den dritten Hügel asphaltiert. Dies war wieder ein Schmetterlingstal, denn zu Hunderten flogen bunte Schmetterlinge von Blume zu Blume oder begleiteten mich ein kurzes Stück auf meinem Weg. Das war alles sehr friedlich und sehr schön. Im nächsten Tal, in der Ortschaft Corniolo musste ich mich dann entscheiden, wie ich weiterfahren will. Der aufgezeichnete Track führte über den Passo die Mandrioli, doch bis ich wieder auf weitere Dörfer stossen würde, müsste ich wohl noch etwa 30 Kilometer zurücklegen und ob es dann dort ein Hotel finden würde, war auch nicht klar.

Dann fahre ich lieber hoch nach Campigna (1'100m.ü.m.), von da über den Passo della Calla und dann runter nach Staio. Es würden weitere Dörfer folgen und spätestens in Poppi oder Bibbiena sollte ich fündig werden. Der Aufstieg bis zur Passhöhe auf etwas über 1'290 Höhenmeter war dann lang und anstrengend. In der winzigen Bar am höchsten Punkt ergatterte ich noch eine Büchse Coca Cola, bevor die Türen und Fenster verschlossen wurden. Mittlerweile war es halb sechs Uhr abends.

Für die Abfahrt wechselte ich das Veloshirt und zog noch eine leichte Jacke über. So machte es dann unglaublich Spass etwa 900 Höhenmeter und geschätzte 100 Kurven runter zu fahren. In Stanio war dann nichts los, im Pratovecchio hätte es schon Hotels gehabt, doch ich wollte etwas mehr Leben, nach diesem einsamen Tag. Die Strasse führte weiterhin ohne jede Gegensteigung talwärts was ich natürlich super fand. Bald schon sah ich Poppi, mit seinem eindrücklichen Castello auf einem kleinen Hügel. Ja! Das ist es, da will ich hin.

Die kurze Auffahrt in den alten Ortskern brannte dann zwar nochmals kräftig in den Oberschenkeln, doch es war ja nur kurz und der letzte Rest. Oben im kleinen Ort gab es nur drei Hotels, doch im Zweiten, direkt vis-à-vis der eindrücklichen Burg fand ich ein Zimmer mit Frühstück für 50 Euro. Gebucht. Dann das Standardprozedere mit Duschen und Bikekleider waschen und schon bald konnte ich einen schönen Abendspaziergang durch den malerischen Ort unternehmen.

Ich war nicht unglücklich, dass das zum Hotel gehörende Restaurant mittwochs geschlossen hat, so passierte mir nicht noch einmal das Gleiche wie gestern. In einer kleinen Bruscetteria gönnte ich mir einen Insalata Caprese und eine Pizza Napoli. Dazu trank ich ein Bier und ein Liter Wasser. Alles zusammen kostete 18.50 Euro... ein kleiner Unterschied zu gestern. Es war mir auch recht, dass das Hotel kein Internetanschluss hatte, so konnte ich schon bald müde zu Bett. Das war schon wieder ein Supertag. Das GPS sagt: 94 km., 5:58 Std., 2'080 Hm.

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