Mehr Mobilität

Auf meiner Reise konnte ich auch darüber nachdenken, was für ein Auto ich nach meiner Rückkehr kaufen will. Es schien mir klar, dass ich für meine Mobilitätsansprüche ein eigenes Auto brauche.

Schon seit längerem gefallen mir die Fiat Doblo Modelle und in Italien sieht man auch viele davon. So schlecht kann das Auto also nicht sein. Neu konnte ich es mir nicht leisten, also fragte ich das liebe Internet, wo in der Region Zürich denn solche Doblos zum Verkauf stehen und wie ich diese Händler mit dem Velo abfahren kann. Das machte ich dann gestern Freitag.

Es war frustrierend. Es gibt nur wenige Angebote und das was ich wirklich sah, hatte immer einen Fehler. Meist: falsche Farbe. Ich will blau oder rot. Eine wirkliche Farbe und nicht weiss, grau, antrazith oder schwarz. Das ist so langweilig. Aber schwer zu finden. Oder schon 130'000 Kilometer. Oder mit ziemlichen Kratzern im Lack. Oder...

In Italien, auf den Strecken über Pässe und Berge, da sieht man samstags und sonntags Motorräder vom Feinsten. Viele Gruppen, oft mit Rennsportmaschinen heizen durch die Gegend. Aber auch viele Tourenfahrer, Harley-Blubberer und schnelle Roller.

In allen Städten Italiens ist der Motorradroller ein schnelles und beliebtes Verkehrsmittel. Man schlängelt sich überall durch und parkiert wo's am einfachsten ist. Klar sieht man in Italien viel mehr Motorräder als in der Schweiz, weil es dort eben länger warm und trocken ist. Die Winter sind dort nicht so kalt, verregnet und verschneit, wie bei uns.

Wie auch immer. Die vielen Töfffahrer motivierten mich, auch mal in die Richtung nachzudenken. Ein Motorrad hat gegenüber einem Auto doch ein paar Vorteile und würde meine Mobilitätsansprüche genauso erfüllen.

Ich fahre also am Freitag mit dem Velo kreuz und quer durch die Vororte von Zürich, wo grosse Autohändler zu finden sind, suche nach besagtem Fiat Doblo und fand kein passendes Angebot. Gegen vier Uhr am Nachmittag war ich langsam Auto-müde. Ich hatte bestimmt schon 1'000 Autos gesehen und immer neue Varianten miteinbezogen, nur um dann doch nicht überzeugt zu sein. Das schien nicht zu klappen, wie geplant. Dann brannte mir eine Sicherung durch...

Plötzlich war mir bewusst, dass ich besser ein Motorrad kaufe. Hier hat es so viel Verkehr, dass ein leichtes, schnelles Motorrad das effizientere Verkehrsmittel ist. Falls ein harter Winter kommen würde, wäre ein günstiges Auto dann noch schnell gekauft. Genau, das war nun mein Plan.

Ich erinnerte mich an einen Trial-Freund aus der Jugendzeit, der ganz in der Nähe ein Motorradgeschäft betreibt und fuhr spontan mit dem Velo dahin. Ich sagte: "Emil, ich bruch en Töff!"

Er zeigte mir Modelle, die in etwa meinen Vorstellungen entsprachen und da wurde ich mutig. Wenn schon, denn schon! Ein schnelles Teil will ich einmal fahren. Die KTM 990 Supermoto T gefiel mir gut und davon hatte er auch ein Modell, welches ich für das Wochenende mieten kann, um die Sache einmal auszuprobieren. Das fand ich ein Spitzenargument! Ausprobieren über's Wochenende, ja das mache ich und wir schliessen spontan einen Mietvertrag ab. Kaum eine Stunde später begann dann der Spass!

Die KTM Supermoto T ist ein Killer! Ein V2-Motor mit 990ccm. Ein Geschoss! Diese Beschleunigung ist unglaublich. Dreht man etwas forsch am Gasgriff, muss man sich gut festhalten! Das Motorrad würde locker über 200 kmh gehen, doch das wollte ich dann doch nicht ausprobieren. Heute bin ich etwas über 100 Kilometer durch das Zürcher Oberland damit gefahren. Das Teil fährt sich wirklich super, doch ich bin damit oft viel zu schnell unterwegs. Ausgangs einer Ortschaft mal zwei, drei Gänge hochgeschaltet und man ist deutlich jenseits der Ausweisgrenze. Das macht zwar super Spass, ist aber eigentlich nicht zu verantworten. Dieses Motorrad ist zu schnell für mich (oder ich habe mich dafür zuwenig im Zaum).

Ich fuhr also wieder zu Emil und hatte zwei Kritikpunkte: Erstens sitze ich zu tief und zweitens fahre ich damit permanent zu schnell. Etwas weniger Motorrad würde mir reichen. Möglichst leicht, alltagstauglich und dennoch sportlich. So landeten wir beim Modell KTM Enduro R, ein 1-Zylinder mit 690 ccm. Davon hatte er auch ein Modell, welches ich gleich testen konnte und das mat mich dann absolut überzeugt. Das ist es! Dieses Motorrad baut hoch und passt deshalb gut für meine 192cm Grösse. Es ist leicht (ca. 140 kg), sehr wendig und hat einen guten Motor. Die fast 700 Kubikzentimeter beschleunigen auch ganz nett. Ja, so ein Dampfhammer entspricht auch einem früheren Jugendtraum. Der Entscheid war gefallen. Das kaufe ich mir!

Die Rennmaschine werde ich morgen Abend abgeben und mit dem Velo nach Hause fahren. Am Mittwoch kann ich dann meinen neuen Töff abholen. Ich wünschte mir andere Reifen mit weniger grobem Profil, da mein Einsatzzweck zu 100% auf der Strasse sein wird. Ansonsten wird es genau das Motorrad auf dem Bild sein. Da freue ich mich nun drauf! Da steckt noch einiges Verschönerungspotential drin... auch darauf freue ich mich.

Das Mobilitätsthema hat sich also vorerst mal erledigt. Nun hoffe ich natürlich auf viele sonnige Tage und einen milden Winter.

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