erste Erfahrungen und Demut

Heute Samstag beendete ich meine erste Arbeitswoche als Bike Butler Beat. Obwohl... es war ja nur eine 4-Tage-Woche und und nicht eine 5-Tage, wie eigentlich geplant. Am Mittwochabend war ich dermassen platt, dass ich am Donnerstag zu Hause blieb um mich zu erholen. Nächste Woche will ich dann wirklich fünf Tage, von Dienstag bis und mit Samstag, durchziehen. Der Wetterbericht dafür passt auch ganz gut.

Ich habe in dieser Woche viele neue Eindrücke gewonnen und durch den Umstand, dass man beim Rikschafahren nicht allzuviel studieren muss, hatte ich auch genügend Zeit um diese Eindrücke zu verarbeiten und daraus auch erste Schlüsse zu ziehen. So werde ich zum Beispiel ein Schild für vorne am Lenker basteln, welches gross die Aufschrift TAXI trägt. Ich kriegte nämlich oftmals den Eindruck, dass viele Leute gar nicht erkennen, dass Sie mitfahren könnten. Vermutlich werde ich oft als reines Werbefahrzeug wahrgenommen. Das verbale Anpreisen (siehe letzter Beitrag) konnte ich mir noch nicht angewöhnen und irgendwie habe ich da schon eine Hemmschwelle. Ich mag generell lieber das Leise und weniger das Laute. Deshalb veruche ich als nächsten Schritt das TAXI-Schild.

Interessant waren all die Begegnungen mit Menschen. Einerseits mit den Beobachtern, aber hauptsächlich natürlich mit den Fahrgästen. Mehr als die Hälfte erzählte mir, dass Sie bereits in Berlin, London oder Paris Rikscha gefahren sind und dass sie es toll finden, dass es dies nun auch in Zürich gibt (deshalb erkannten Sie den Sinn und Zweck meines Fahrzeugs auch sofort). Natürlich sind die Fahrgäste das Salz in der Suppe. Nicht nur weil Sie ja letztendlich mein Leben finanzieren, sondern weil jeder und jede auch etwas zu erzählen hat. Weil sich alle über die lächelnden Reaktionen der Beobachter freuen und weil wirklich alle die Fahrt als etwas Besonderes erlebten. Das ist wirklich sehr schön für mich. Das Gefühl, fremden Menschen zu einem besonderen Erlebnis zu verhelfen, macht mich glücklich.

Noch fahre ich jedoch die allermeiste Zeit alleine durch die Gegend. Über die Gründe will ich mich nicht noch einmal äussern. Ich bin eher zu der Ansicht gelangt, dass mein Vorhaben vergleichbar mit einem Bauern ist, der ein Feld bestellt. Momentan beackere ich den Boden. Damit meine ich, ich zeige mich und mache die Menschen in der Innenstadt mit dem Anblick meiner Rikscha und meinem Angebot vertraut. Sobald die Werbeflyer gedruckt sind (spätestens in zwei Wochen), beginnt das aussäen. Ich werde dann in erster Priorität Hotels und Altersheime abfahren und möglichst viele Flyer unters Volk bringen. Natürlich versende ich auch viele dieser Flyer an fast alle Leute die ich kenne. Ausserdem lasse ich meinen Internetauftritt professionell gestalten, damit auch der Betriebskalender benutzerfreundlich wird und Gutscheine direkt über Internet bestellt, bezahlt und ausgedruckt werden können. Und dann hoffe ich natürlich, dass im Sommer, wenn es schön und heiss ist, die Saat aufzugehen beginnt und ich dann auch langsam zu ernten beginnen kann.

Das alles verstehe ich als einen Prozess und der geht nicht von jetzt auf sofort. Dieses Verständnis schützt mich auch vor leise aufkeimender Enttäuschung, dass derzeit rein monetär noch nicht viel läuft. Alles braucht seine Zeit. Jetzt bin ich am investieren, am aufbauen, noch nicht am ernten. So lernte ich diese Woche halt auch, dass mein Körper Zeit braucht um sich an die Belastung zu gewöhnen. Eine 95 Kilo schwere Rikscha jeden Tag an die fünf Stunden zu bewegen braucht Kraft und Training. Deshalb ist es wirklich gut, dass ich schon jetzt damit begonnen habe. Bis das schöne, warme Wetter kommt, bin ich auch wirklich fit genug.

Alles in allem ist dieses ganze Rikscha-Taxi-Projekt eine wunderbare Übung in Demut. Ich muss dran bleiben und darf mein freundliches Lächeln nicht verlieren. Auch darf ich mich von den (wenigen) Spöttern nicht beeindrucken lassen, denn für die bin ich nicht verantwortlich. Ob mich die Leute nun anlächeln oder auslachen, ob ich mich in ihren Augen zum Clown mache oder nicht, das tangiert mich innerlich nicht. Die Idee ist gut, sie überzeugt mich noch immer und ich bin nach wie vor überzeugt, dass sich die ganze Geschichte für mich selbst -in welcher Form auch immer- bezahlt machen wird. Ich erinnerte mich während meiner Stadtfahrten auch an ein Gandhi-Zitat: "Erst ignorieren sie Dich, dann lachen sie über Dich, dann bekämpfen sie Dich, doch dann hast Du schon gewonnen". Weise Worte!

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Kommentare

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Andrea am :

Da wünsche ich dir viel Erfolg mit deiner Idee! Ist doch mal eine gute Alternative zum Tram(fahrer)! Auf dass der Frühling sich von seiner schönsten Seite zeige! Andrea
Antwort

Beat Utzinger am :

Mir gefällt's! Hotel und Altersheime, das macht bestimmt Sinn! Weiterhin viel Glück mit dieser Geschäftsidee. Schade dass wir Dich am Samstag wohl nicht mehr in unserer Bikegruppe dabei haben! Gruess Bedi
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