gut genutzter Tag

Heute Morgen bin ich wieder mit dem INTENSE zur Arbeit gefahren. Ich bin nicht Vollgas, doch ziemlich zügig gefahren, weil ich mit den gestrigen 44 Minuten für die Strecke nicht wirklich zufrieden war. Heute schaffte ich es in 42 Minuten. Nicht schlecht, doch wenn ich mich recht erinnere, liegt der Rekord bei etwas mehr als 40 Minuten. Es liegt also noch etwas drin.

Arbeitsmässig hatte ich einen guten Tag. Man merkt deutlich, dass viele Leute derzeit in den Ferien sind und so hat man auch mal Zeit um konzentriert eine Arbeit zu erledigen, ohne dass man dauernd durch Telefonate oder Mails unterbrochen wird. So konnte ich gegen abend sogar ein paar "alte" Pendenzen anpacken. Gut so.

Nach Feierabend hatte ich mich mit Jürg und Thomas auf eine Feierabend-Bikerunde verabredet und so machte ich mich kurz vor 17:30 Uhr auf den Weg. Draussen war es schön und herrlich warm. Mein Tacho zeigte 26° Grad - ideales Bikewetter also. Als ich bei Jürg im Geschäft vorfuhr, wartete er bereits auf mich und auf dem Weg zu Thomas machte er gleich klar, dass er heute gut motiviert und zügig unterwegs ist. So war es dann nicht verwunderlich, dass er zusammen mit Thomas an der Steigung zur Lägern-Hochwacht davonzog und ich die beiden schon bald aus dem Blickfeld verlor. Das machte mir nicht sonderlich viel aus. Ich kenne diese Situation ja und fuhr deshalb ganz ruhig mein eigenes Tempo. Oben auf der Aussichtsplattform trafen wir uns wieder und besprachen die möglichen Downhills. Da das Restaurant Bergwerk jeden Donnerstag geschlossen ist, können wir locker wiedereinmal die Abfahrt nach Boppelsen unter die Stollen nehmen. Stellenweise war es noch ziemlich feucht und rutschig, doch wir hatten mächtig Spass und liessen es richtig krachen. Nachdem ich gestern abend noch etwas Luft aus der Positivluftkammer der Federgabel abgelassen habe passt das Setup nun super. Gabel und Hinterbau sprechen nun feinfühlig an, ohne bei groben Schlägen durchzuschlagen. So gefällt es mir.

Wir entschieden uns im Restaurant Waldhaus Katzensee ein Häppchen zu essen und machten uns direkt auf den Weg dorthin. Die grosse Gartenterasse war sehr gut besucht und eine grosse Dixieband (mehr als 10 Mann) spielte gute Musik. Jürg und ich verdrückten eine Wurst vom Grill um für die letzten Kilometer zu Jürgs Auto nochmals etwas Kraft zu tanken.

Als es langsam einzudunkeln begann verabschiedeten wir uns von Thomas und machten uns auf den Weg. Ich fühlte mich noch gut und so entschied ich mich, direkt mit dem Bike nach Hause zu fahren und mich nicht von Jürg chauffieren zu lassen. Um nicht von der Dunkelheit verschluckt zu werden musste ich mich noch ziemlich ranhalten und als ich gegen 21:45 Uhr vor die Garage fuhr war die Sicht schon etwas grenzwertig.

Das hat dann doch noch ziemlich Kilometer gegeben. Schön. Für eine Feierabendtour sogar: sehr schön! Der Tacho sagt: 76km., 3:42 Std., 1'040 Hm

Zuhause dann duschen, etwas trinken, diesen Blogeintrag schreiben und nachher noch etwas Bike-Foren abklappern und surfen. Diesen Tag konnte ich wirklich voll ausnutzen. Schade, gibt es nicht mehr solche durchs Band positive Tage... (meist stehe ich mir dafür selbst im Weg)...

Gigathlonberichte fertig

Heute habe ich den letzten Tag des Gigathlons beschrieben und schliesse damit meine Nacherzählungen dazu ab. Es fehlen nun noch  ein Online-Fotoalbum sowie eine Art Zusammenfassung. Mit zwei, drei Wochen Abstand kann ich dann das Erlebnis Gigathlon für mich eher bewerten und ein Fazit ziehen.

Ansonsten habe ich mich heute darauf vorbereitet um Morgen wiedereinmal mit dem Bike zur Arbeit zu fahren. Ich habe frische Kleider in der Firmengarderobe platziert und die Bikekleider für morgen früh liegen auch schon parat. Da freue ich mich nun drauf. Gute Nacht.

shopping

So ein, zwei Mal im Jahr mache ich mich auf Shoppingtour um Kleider zu kaufen. Diesmal brauchte ich zwei Anzüge, Schuhe, Hemden. Ich bin schnell in der Entscheidung und wenn mir etwas gefällt kaufe ich rasch. Ein Anzug in schwarz und einer in silbergrau ist es geworden. Für meine Frau geht das irgendwie zu rasch. Ich müsste viel länger vergleichen und aussuchen ;-) . Ich gehe einkaufen und nicht shoppen. Dafür fehlt mir irgendein Gen.

D A N K E !

An dieser Stelle möchte ich den Lesern und Kommentarschreibern dieses Blogs Danke sagen. Danke für die motivierenden Worte und die vielen Klicks auf diese Seite, obwohl letzte Woche keine neuen Beiträge erschienen sind. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Scheinbar werde ich gelesen. Es gibt Leute die Anteil nehmen. Die mein Mitteilen annehmen. Und das ist ja der Sinn des Teilens. Dass jemand annimmt. Würde es keine Menschenssele interessieren wäre die Idee eines Blogs irgendwie verfehlt. So wie es ist, ist es gut und dafür bin ich dankbar.  

Ruhetag?

Heute war Büro angesagt und natürlich war die Gigathlonteilnahme in den Pausen Gesprächsthema Nummer 1. Viele Mitarbeiter haben die täglichen Berichte im Fernsehen mitverfolgt und teilweise auch im Internet geguckt, wo wir stehen. Einige wussten sogar ziemlich genau Bescheid,  wer von uns wann und wie stark unterwegs war.

Abends packte ich das Arrow aus dem Gigathlon-Bag und putzte es gründlich. Danach baute ich die vordere Scheibenbremse wieder ans KISH und montierte die HOPE C2 wieder ans ARROW. Die Inspektion zeigte folgende Schäden aus der Gigathlonwoche: Der hintere Stossdämpfer verliert Luft und muss zur Revision eingeschickt werden. Der Hebel der hinteren Avid Juicy Scheibenbremse kehrt nach dem Ziehen nur noch langsam in die Ausgangsstellung zurück. Da muss der Händler ran.

Nachdem gestern die vordere Scheibenbremse am INTENSE zeitweise Geräusche machte, richtete ich den Bremssattel schnell neu auf die Scheibe aus. Morgen abend möchte ich mir Jürg eine Feierabendrunde machen. Dann werde ich merken, ob's gewirkt hat oder nicht.

Nun schreibe ich noch einen Tagesbericht über den ersten Gigathlontag. Ich werde diese an den entsprechenden Tagen einpflegen und jeweils am aktuellen Tag abspeichern.

Big5 im Ziel des Gigathlon

v.l.n.r.: Beat - Bike, Sabrina - Betreuung, Marina - Schwimmen, Valentin - Laufen, Katrin - Inlinescates, Thomas - Rennrad

Wir haben es wirklich bis nach Bern geschafft und den 7 days Team of 5 Gigathlon 2007 auf Platz 274 abgeschlossen.

Wir sind alle müde aber gesund und glücklich, dieses Ziel erreicht zu haben. Es war eine ganz spezielle Erfahrung mit sehr vielen und sehr unterschiedlichen Eindrücken, welche ich in den nächsten Tagen in diesem Blog noch etwas aufbereiten möchte. Nun bin ich erstmal einfach nur platt und geniesse den Sonntagabend im Kreis von Freunden und Familie. Morgen geht es dann im Büro gleich wieder los.

Gigathlontag 7: Bulle - Schwarzenburg

Der letzte Tag begann sonnig und es zeichnete sich ein Hitzetag ab. Marina schwamm als erste bei Nion im Genfersee, worauf sich Thomas mit dem Rennvelo auf den Weg nach Chatel-St-Denis machte. Wir andere packten die Zelte zusammen und fuhren mit dem Teamfahrzeug nach Chatel-St-Denis. Schon auf der Autobahn stockte der Verkehr vor der richtigen Ausfahrt und der Gigathlon legte dieses Dorf für ein paar Stunden lahm. Mehrere 100 Fahrzeuge zwängten sich durch die Strassen und alle mussten kurz anhalten um den Inlinescater von Bord zu lassen. Wir fuhren dann weiter nach Bulle, wohin der Rennradfahrer per Shuttle nachfolgte. In Bulle war der Parkplatz mehrere Kilometer von der Wechselzone entfernt und ich wollte mir noch etwas Zeit lassen, bis ich mich für meinen letzten Einsatz bereitmachte.

Ich telefonierte mit meiner Frau und gab ihr in etwa den Zeitplan durch. Die Inlinescaterin ist vermutlich noch etwa 1,5 Std. unterwegs und ich brauche wohl gegen 4 Stunden für die Fahrt nach Schwarzenburg, meinem heutigen Zielort. Es ist kurz nach zwölf Uhr Mittag, macht also Zielankunft zwischen fünf und halb sechs Uhr. Dann ziehe ich mich um, packe das Duschzeug für Thomas ein und mache mich auf den Weg zu der Wechselzone. Das zieht sich... ich bin bestimmt schon 20 Minuten unterwegs und ich sehe die Wechselzone noch aus einiger Entfernung als das Handy klingelt. Sabrina fragt aufgeregt wo ich sei. Katrin sei soeben in der Wechselzone eingetroffen und warte auf mich. Nein! Das gibt es doch gar nicht! Sie ist schon da und ich habe weder das Bike aus der Tasche gepackt, noch die Beleuchtung montiert, noch den Trinkrucksack gefüllt, noch sonst etwas. Ich beginne zu rennen und bei der Wechselzone suche ich den Bikepark. Hinter dem Gebäude. Mist. Ich renne fast in Thomas hinein und er hilft mir das Bike auszupackten und fahrfertig zu machen. Ich drücke ihm den Duschsack und den Autoschlüssel in die Hände und laufe los in Richtung Wechselzone. Katrin wartet schon fast 10 Minuten. Sie übergibt mir den Zeitmesschip, den ich mir ans Bein binde und wünscht mir viel Glück...

Das Höhenprofil zeigt heute nochmals einen richtigen Berg und mit 55 Kilometern und 1'600 Höhenmetern geht das bestimmt mächtig an die Substanz. Ich kann es mir also nicht leisten ohne zu trinken zu fahren und halte am nächstbesten Brunnen nach dem Start schon wieder an. Rucksack ausziehen, Trinkblase rausnehmen, aufschrauben, unter den Wasserstrahl halten und warten bis 1,5 Liter Wasser drin sind. Trinkblase wieder zuschrauben, in den Rucksack fummeln, diesen verschliessen und wieder anziehen... da gehen locker nochmals drei Minuten ins Land. Ich könnte heulen. Das geht mir jetzt völlig an die Nerven. Die Sonne brennt heute ganz mächtig und ich kann die Anstiege nur noch langsam bewältigen. Ich kann nur wenige überholen, während ich sehr oft überholt werde. Dabei fällt mir auf, dass nur ganz wenige Licht am Bike montiert haben, obwohl es im Streckenbeschrieb doch heisst: "Beleuchtung obligatorisch" wegen Durchfahrt eines unbeleuchteten Tunnels. Doch das kann nicht sein. Der Tunnel hätte schon längst kommen sollen. (Abends hörte ich dann, dass am Morgen im Festzelt gesagt wurde, dass man keine Beleuchtung braucht, weil es eben nicht durch diesen Tunnel geht). Noch ein Flop meinerseits.

Die Strecke hoch nach La Berra wurde immer steiler und die letzten etwa 200 Höhenmeter mussten geschoben und getragen werden. Der ausgesetzte Weg führte an der prallen Sonne so steil nach oben, dass fahren schlicht unmöglich war. Es ist etwa halb drei Uhr Mittag und bestimmt über 30° Grad heiss. Was für eine Schinderei! Am höchsten Punkt sitzen ein paar Genussbiker am Wegrand und feuern uns an. Sie essen Wurst und Brot aus dem Rucksack und geniessen die herrliche Panoramasicht. Genauso, wie ich das auch gern tun würde. Doch ich kann nicht. Ich bin Teilnehmer eines Rennens und muss so schnell wie möglich ins Ziel...

Kurz nach dem Kulminationspunkt folgt der einzige Verpflegungsposten des heutigen Tages. Ich halte an, esse Banane und Riegel und versuche Vali anzurufen. Es sind noch 26 schwere Kilometer bis zur nächsten Wechselzone und ich schätze mal, dass ich noch etwa 1,5 Stunden brauche. Das Handy macht keinen Pieps. Ich wähle die Nummer nochmals und warte... wieder nichts. Erst jetzt bemerke ich: Kein Netz! Das gibt es doch nicht! Ein Punkt in der Schweiz ohne Mobile-Empfang? Und das ausgerechnet hier und jetzt? Ich verschenke also nochmals zwei Minuten. Unglaublich. Macht zusammengezählt schon 15 verblödete Minuten Überzeit! Ich komme an den Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Der weitere Streckenverlauf ist coupiert und anspruchsvoll. Da es Samstag ist, hat es viel mehr Zuschauer als bisher und man wird immer wieder angefeuert, was mir richtig gut tut und mich trägt. Ich leide ganz enorm und muss wirklich beissen. Vor der letzten Abfahrt gilt es sich nochmals zu konzentrieren, denn schon im Streckenbeschrieb wird gewarnt: "steile, technische Abfahrt, Vorsicht!" Ich will etwas Zeit gutmachen und lasse die Bremsen offen! Rodeo! Das schüttelt ganz gewaltig und plötzlich registriere ich aus einem Augenwinkel, dass ich irgendetwas verliere. Ich versuche anzuhalten, was in diesem steilen Gelände aber bestimmt noch 50-60 Meter braucht. Ich kontrolliere das Bike und sehe, dass ich das Akkupack der Beleuchtung verloren habe. Die Lampe ist noch am Lenker, doch die Akkutasche ist weg. Diese war per Klettverschluss um den Vorbau befestigt und hat sich nun scheibar losgerüttelt. Mist! Das Teil ist erstens nur ausgeliehen und zweitens teuer. Ich gehe zu Fuss den Hang wieder hoch und suche mit den Augen die Gegend ab. Wo kann es in etwa gewesen sein, wo kann er hingerollt sein? Die Verzweiflung kriecht wieder hoch. Fahrer an Fahrer ziehen an mir vorbei. Ich suche verzweifelt und beginne zu schluchzen... So eine Schei...! Ich finde den Akku nicht mehr, habe aber wieder über 5 Minuten verschenkt. Ich laufe runter zum Bike, packe die Lampe in den Rucksack und mache mich auf die letzten Kilometer. Ich bin am Ende! 20 Minuten habe ich heute verschenkt! Mindestens!

Ich trete so stark ich kann in die Pedale und schon bald fahre ich in Schwarzenburg in die Wechselzone ein. Vali wartet gutgelaunt und macht sich mit dem Zeitmesschip bewaffnet auf die Schlussetappe nach Bern.

Ich bin völlig kaputt. Ich schluchze noch immer und bin wie ausgetrocknet. Die Sonne war einfach hammerhart. Ich stütze mich aufs Bike und ringe nach Luft. Ich bin wirklich fix und foxi fertig. Am Rivella Stand trinke ich drei Becher ex und nehme nochmals zwei Becher mit. Thomas, Sabrina und Marina kommen auf mich zu und stützen mich. Ich muss in den Schatten! Thomas bringt mein Bike in den Bikepark und die Mädels lotsen mich zu einer Festwirtschaft im Schatten. Wo ist meine Frau? Es ist 15 Minuten vor fünf Uhr. Sie ist also noch unterwegs. Nochmals überkommen mich die Tränen der Enttäuschung. Heute war fast alles schief gegangen. Zum Glück hatte ich nicht auch noch einen Plattfuss oder sonst eine Panne. Das hätte ich nur noch schlecht verkraftet.

Die anderen konnten meine Enttäuschung nur teilweise verstehen. Ich war gesund im Ziel, unser Schlussläufer auf dem Weg nach Bern und alle Ampeln stehen auf grün. Kein Grund also den Kopf hängen zu lassen. Wir wollten gesund in Bern ankommen und das sollten wir auch schaffen. Es gibt also Anlass zur Freude, nicht zur Traurigkeit. Als meine Frau dann ankommt und mich umarmt ist meine Welt wieder in Ordnung. Danke.

Wir machen uns mit dem Teamauto auf den Weg nach Bern auf das BEA-Gelände bei den Wankdorf-Sportanlagen. Da war der Zieleinlauf und viele interessierte Zuschauer feuerten alle kräftig an. Nach der Ziellinie dann die freudigen Umarmungen, das Champagner spritzen, das Wissen, am Ziel zu sein. Wir haben alle unsere Big5-T-Shirts angezogen und auch Valentins Shirt mitgenommen. Ein paar hundert Meter vor dem Ziel warten wir auf ihn, damit wir dann die letzten Meter dieses Abenteuers gemeinsam zurücklegen können und alle gemeinsam, als Team, über die Ziellinie laufen. Nun war die Zeit des Geniessens gekommen, denn es war nun wirklich geschafft! Team Big5 ist am Ziel!

Gigathlontag 5: Fiesch - Brig

Heute komme ich in der Mitte zum Einsatz. Zuerst schwamm Marina im Thunersee (2,5 km), dann fuhr Thomas mit dem Rennrad über den Brünigpass bis nach Fiesch (105 km, 1'800 Hm), wo ich übernehme. Nach mir kommt Katrin auf den Inlinescates  (28 km, 100 Hm) und zum Schluss muss Vali nach Leukerbad hochlaufen (16,5 km, 1'000 Hm). Für uns Biker ist der heutige Tag die Königsetappe. Es geht auf den höchsten Punkt des Gigathlons, den Schaflispass, auf 2'563 M.ü.M.

Heute ist das Wetter endlich gut und ich starte in kurz-kurz. Ich gehe vorsichtig ans Werk und als es nach etwa 5 Minuten gleich ultrasteil losgeht, steige ich ab und schiebe. Der Tag wird noch lange sein. Ich will nicht gleich zu Beginn meine Kräfte verbrauchen. Das war sicher richtig, denn schon bald konnte man wieder fahren und es begann eine herrliche Auffahrt durchs Schaflischtal. Es war stellenweise sehr steil, doch die Schotterstrasse war für gute Bergfahrer durchaus fahrbar. Ich bin zwei, drei Mal abgestiegen und habe geschoben. Dies um durchzuschnaufen und auch um meine Muskulatur mal für ein paar Minuten anders zu belasten. Die zweite Verpflegungsstelle liegt 600 Höhenmeter unter dem höchsten Punkt und ich tue gut daran, eine Banane sowei einen Energieriegel zu essen. Man sieht, wie sich der Schotterweg in Serpentinen den Berg hochwindet und unzählige Biker arbeiten sich fahrend oder schiebend hoch. Die Sonne steht hoch am Himmel. Zum Glück ist es auf 2'000 M.ü.M angenehm kühl. Je höher man kommt, desto besser wird die Aussicht. Das ist wirklich hochalpines Bikevergnügen. Einige Schneefelder gilt es zu überqueren und die letzten Kilometer vor der Passüberquerung müssen alle schieben oder tragen. In mir taucht das Bild einer Goldgräberkolonne auf, die auf dem Weg zum Klondike-River einen Berg überqueren muss. Es wird nicht viel gesprochen. Alle sind mit sich selbst beschäftigt.

Oben halten viele an, ziehen sich um oder ziehen sich zumindest eine Jacke über. Ich sehe den ersten Singletrail und bin nicht mehr zu halten ;-) Jetzt kommt meine Strecke! Vor jeder kniffligen Stelle steigen einzelne Biker ab und ich rufe sie alle zur Seite, damit ich durchfahren kann. Ich halte nur ein- oder zweimal an, den Rest kann ich alles runterzischen. Diese Abfahrt wird zum besten Downhill, den ich je gefahren bin! Zuoberst ist der Weg ruppig und steinig, mit vielen Stufen und kleinen Drops wo es öfters besser ist die Bremse zu lösen als zu langsam runterzufahren. Ich überhole Teilnehmer um Teilnehmer. Kaum an der Waldgrenze angekommen, geht es weiter steil runter. Immer wieder Haarnadelkurven, Steine, Wurzeln. Einfach fantastisch. Immer wieder treffe ich auf Gruppen von 4, 5 Bikern, wo der vorderste die hinteren einbremst. Ich schreie sie alle aus dem Weg! Meist sind sie bass erstaunt, wie man so etwas auch fahren kann. Der Singletrail will gar nicht mehr aufhören. Schon längst glühen die Bremsscheiben, doch es ist noch nicht genug! Insgesamt 1'800 Höhenmeter werden zu fast 100% auf supergeilen Singletrails vernichtet. Super-Mega-Cool! So etwas habe ich noch nie gesehen. Fantastisch war auch, dass ich an einem Stück runterheizen konnte. Nie anhalten, von Kurve zu Kurve gleiten, richtig berauschend das Ganze. Vor dem Ziel noch der obligate Gegenanstieg und schon war ich in Brig  im Ziel. Ich nahm den Zeitmesschip ab und übergab an Katrin. Ihr gab ich den Rat mit, möglichst Windschatten zu suchen, weil der Westwind stetig das Wallis hinaufwehte und ihr so mächtig Gegenwind bescherte. Danach putzte ich kurz das Bike und verpackte es im Bikepark für den nächsten Tag. Noch immer war ich voller Adrenalin und machte mich gut gelaunt zum Bus-Shuttle.

Das bringt mich noch zum Thema Gigathleten Transport. Heute Morgen fuhr ich zuerst mit dem Busshuttle zum Bahnhof Interlaken. Von da mit dem Regionalzug nach Spiez um da in den Schnellzug nach Brig umzusteigen. Da wartete man dann wieder auf einen Busshuttle nach Fiesch zum Startort. Vom Ziel in Brig fuhr ich mit dem Bus zum Bahnhof Brig und von da mit dem Regionalzug nach Turtmann. Ich bin insgesamt 10 Stunden unterwegs. Für die Bikestrecke brauchte ich 4 Stunden und vier Minuten. Das sind Dinge, die man nicht vorbereiten kann und die zwar nicht anstrengend, aber doch belastend sind. Man muss wirklich aufpassen um jeweils in den richtigen Bus oder Zug einzusteigen. Ein falscher Transport kann das Team aus der Wertung kippen.

Heute hat wieder alles wie am Schnürchen geklappt und auch Katrin und Vali meistern ihre Aufgaben mit Bravour. Abends sitzen wir zusammen im Festzelt und das nun endlich bessere Wetter trägt natürlich auch zu der guten Stimmung bei. Der Wetterbericht sagt für die kommenden Tage sogar Sonne pur und Temperaturen über 30° Grad voraus. Wir können es noch gar nicht fassen, obwohl die heutige Sonne nicht nur bei mir einige Sonnenbrandstellen hinterlassen hat... Wir kriegen das Gefühl, dass unser Unternehmen klappen wird, dass wir auf gutem Weg sind, am Samstagabend in Bern im Ziel einzulaufen. Ein gutes Gefühl.

Gigathlontag 4: Kerns - Interlaken

Morgens um 06:00 Uhr musste Thomas bereits am Start stehen und nachdem er gehört hatte, dass es oben auf dem Oberalppass nahe Null Grad kalt ist, packte er noch Zusatzkleider in den Rucksack. Er hatte 132 Kilometer und 2'000 Höhenmeter vor sich. Es regnet leicht. Wir anderen packen nach dem Frühstück die Zelte zusammen und machen uns auf den Weg an den Vierwaldstättersee, wo der Radfahrer an die Schwimmerin übergeben wird. Auch der Läufer steigt da aus und fährt per Bus-Shuttle zu seinem Startort. Katrin und ich fahren mit dem Auto nach Buochs, wo wir uns auf unsere Einsätze vorbereiten. Das Wetter hat sich gebessert, oft drückt die Sonne zwischen den Wolken durch. Endlich besseres Wetter.

Ich nehme den Bus-Shuttle nach Kerns, wo ich von Katrin, der Inlinescaterin, den Zeitmesschip erhalten  und mich als letzter Gigathlet des Tages auf den Weg nach Interlaken machen werde. Die Wechselzone in Kerns ist bei einem Schulhaus. Ich hole das Bike aus dem Bikepark, öle noch etwas die Kette und bringe es in Position. Danach lege ich mich noch etwas hin. Bis zu meinem Einsatz wird es noch knapp 2 Stunden dauern. Ich döse so vor mich hin, als es plötzlich wieder zu tropfen beginnt. Ist nicht wahr! Der Himmel war mittlerweile schwarz und das sah wirklich nicht gut aus. Alle wartenden Biker verzogen sich unter Vordächer und nach und nach wurden Regenjacken hervor geholt und angezogen. Ich esse noch etwas. Es ist wenigstens nicht kalt. Die Beleuchtung habe ich im Rucksack, hoffe sie jedoch nicht zu gebrauchen und noch bei Tageslicht ins Ziel zu kommen. Der Regen scheint so schnell nicht aufzuhören. Ich ziehe auch die Regenjacke an und packe den Rucksack in die Regenhülle.

Langsam bewege ich mich zur Wechselzone und treffe dabei auf meine Eltern. Sie erzählten begeistert vom Schwimmeinsatz von Marina, ihrer Enkeltochter. Da haben sie auch völlig recht. Marina schwimmt immer sensationell. Wir wechseln ein paar Worte und ich gebe ihnen den Rucksack mit den Utensilien die ich für Katrin mitgebracht habe. Unter ihrem Schirm bleiben die Sachen trockener. Ich stelle mich in der Wechselzone auf und schon bald kommt auch schon Katrin. Sie ist ausgepowert. Nun bin ich an der Reihe.

Schon in der ersten Abfahrt spritzt das Wasser ganz gewaltig. Meine Schutzbleche liegen im Auto. Es regnet  ganz leicht. Der Weg entlang des Sarnersees bildet ein gutes Einrollen für den folgenden, giftig steilen Radweg hoch nach Lungern. Dort gibt es einen ersten Verpflegungsposten. Ich esse ein Stück Banane, ein Stück Riegel und nehme noch einen Gel mit. Der Weg wird zunehmend steiler und schon bald muss ich -wie alle anderen auch- schieben und teilweise auch tragen. Die 600 Höhenmeter bis zum Totzweg mussten wirklich erkämpft werden. Dies auch, weil der Regen wieder stärker wurde. Leider war die Abfahrt dann eine langweilige Teer-Abfahrt, mit nur wenigen Singletrailabkürzungen. Die Strecke führte dann durch das Freilichtmuseum Ballenberg mit seinen historischen Bauten aus der ganzen Schweiz.. Eigentlich schön, doch bei Regen und Schlamm nur halb so attraktiv.

Die zweite Verpflegungsstelle war dann in einer Steigung. Ich stieg ab und ass stehend eine Stück Banane und Stück Energieriegel. Gleich am Stand drückte ich mir einen Energiegel mit Blutorangen Iso Brühe rein. Dann ging es weiter entlang des linken Ufers des Brienzersees. Fahrverbot war dann entlang der herrlichen Giessbachfälle. Da konnte ich mir die ein, zwei Zusatzminuten gönnen und ein Foto schiessen. Wirklich sehr schöne Wasserfälle. Die letzten 10 Kilometer waren wellig entlang des Seeufers und ich fühlte mich nochmals richtig gut. Auch der Regen schien wieder etwas nachzulassen. Bald hatte ich es geschafft. Im Ziel in Interlaken wurde ich dann von meinem Team schon erwartet. Nach dem Abspritzen des Bikes brachte es Thomas zum Bikepark, damit ich gleich unter die Dusche gehen konnte. Sabrina brachte mir die Tasche mit Duschzeug und Ersatzkleidung gleich mit. Super so.

Nach dem Duschen gingen wir alle gemeinsam essen. Der Wetterbericht ist endlich gut und nach vier Tagen biken im Regen sollten nun endlich bessere Zeiten folgen. Wir besprachen noch die Transporte des kommenden Tages und schon bald machten wir uns auf den Weg zum Zelt.

Gigathlontag 3: Davos - Lenzerheide

Der Surprise Day 3 war wirklich überraschend. Einerseits haben wir erst am Samstag die Streckenbeschreibung erhalten und andererseits mussten durch das schlechte Wetter einige Streckenänderungen vorgenommen werden. Für mich hiessen die Koordinaten nach wie vor: 50 Kilometer und 1'100 Höhenmeter. Das Höhenprofil zeigt deutlich, dass der Schluss mit 600 Höhenmetern am Stück die sportliche Herausforderung des Tages darstellt.

 Das war dann aber nur bedingt so. Die Singletrails entlang des Landwassertals hatten es durchaus in sich. Teils heftigst steil und mit dicken  Wurzeln gespickt. Viele mussten da absteigen. Freiwillig oder unfreiwillig ;-) Ich fand die Trails klasse und war erstaunt, wie gut fahrbar die Strecke nach mehreren hundert Fahrern immer noch ist. Es war weniger rutschig als erwartet. Die alte Strasse unter dem Eisenbahnviadukt hindurch ist ebenfalls ein echtes Highlight. Ein paar wenige Kilometer lang kann man auf dem grossen Kettenblatt die Kurven schneiden ;-) . Eine wirklich traumhafte Kulisse und endlich scheint auch der Regen aufzuhören. Alles wird gut.

Kurz nach dem Verpflegungsposten überquert man bei Tiefenkastel eine Brücke und es wird gleich  klar, dass nun der Schlussaufstieg beginnt. Es geht gleich richtig steil los. Kleines Kettenblatt. Wanderweg, dann Schotterstrasse. Gleichmässig strampeln. Ich halte kurz an um mich der Regenjacke zu entledigen und auch die Knielinge zog ich aus. Ich fuhr also das erste Mal am Gigathlon in kurz-kurz. Es regnete zwar nicht mehr, doch warm war es auch nicht. Im Gegenteil. Ich tippe so auf etwa 12° Grad auf 1'400 M.ü.M. Doch der langezogene Aufstieg heizte mir richtig ein. Zum Glück war vieles auf asphaltierter Strasse und so einfacher zu fahren. Ich teile die Kräfte gut ein und erhöhe den Druck in Zielnähe nochmals zusätzlich. Gut so. Nach der Zieldurchfahrt putzte ich kurz das Bike, bevor ich bald zu frieren anfing. Ich zog alles an, was mein Rucksack hergab  und versuchte mich an einer Grillwurst aufzuwärmen.  Meine Belohnung für den heutigen Fight.

Das war landschaftlich eine Supertour bis auf den Schlussanstieg, der  eher langweilige Höhenmeterschinderei war. Mit meiner Leistung bin ich zufrieden.

Abends haben wir etwas mehr Zeit als üblich, weil die Zelte bereits stehen und wir auch sonst schon wissen, wo alles ist. Das ist der Vorteil von 2x Chur. Leider beginnt es am späten Abend wieder leicht zu regnen, während wir drinnen im Festzelt den nächsten Tag besprechen. Es geht dann vom Bündnerland über die Innerschweiz bis ins Bernbiet. Eine lange Etagge. Thomas muss sich als erster  über den Oberalppass kämpfen und geht deshalb zeitig zu Bett. Wir anderen genehmigen uns noch das Bierchen des Tages und ziehen dann auch bald in Richtung Schlafsack.