Kopfgeschichten: Vorurteile

Gestern Sonntag war auf den Strassen sehr viel los. Sonntag und schönes Wetter, das trieb Alle hinaus. Ich war nicht so angestrengt und konnte schön meinen Vorurteilen fröhnen.

Als erstes die Motorradfahrer. Da gibt es viele verschiedene Kategorien. Hier in Italien gibt es viele kleine Valentino Rossi's. Ducati Super Corsa und andere Rennraketen sieht man unglaublich viele. Das sind die Leute, die sich die Freiheit nehmen, auch mal zu schnell zu fahren. Dann die vielen Harley Fahrer (Typ John Travolta, Red Hawk Ledergilet über Jeansjacke, wie in dessen Film Easy Rider). Die sind alle entweder schon taub oder sie sind mit Gehörschutz unterwegs. Gerne in Gruppen. Die nehmen sich die Freiheit, es mal so richtig knattern zu lassen. Dann die BMW- und andere Tourenfahrern mit vielen Koffern am Motorrad. Oft mit Sozius, mit Gegensprechanlage und mit der Freiheit alles dabei zu haben, was der sicherheitsliebende Mensch von heute so braucht. Des Weiteren gibt es hier viele Enduro- und Crossfahrer die sich die Freiheit nehmen auch mal abseits öffentlicher Strassen Gas zu geben. Dann die vielen Rollerfahrer, oft mit starken Motoren unterwegs. Die Kategorie der Praktiker. Unter der Woche mit einem Motorrad zur Arbeit und am Wochenende auf Tour. Am liebsten in kurzen Hosen und T-Shirt. Und ein paar Rat-Biker habe ich auch gesehen. Das sind die Harleyfahrer, die ihr Motorrad vergammeln lassen und möglichst nie putzen. Dazu dreckige Jeans, Bart und irgend eine Schüssel als Helm. Der moderne Outlaw. Putzen und waschen ist etwas für Hausfrauen aber nichts für wahre Männer...wink

Nun zu den Autofahrern. Die schlimmsten Hindernisse sind die Wohnmobile. Sperrig und meist schlecht motorisiert. Zudem schaut die ganze Familie aus dem Fenster und macht schon während der Fahrt Ferien. Dann die Cabriolet-Fahrer, entweder mit Hut oder Stirnband, meist über 50. Tja, man kann es sich halt leisten und Motorrad fahren ist ihnen zu gefährlich. Eine üble Kategorie sind die SUV-Fahrer (die Bürgersteigspanzer à la BMW X5, Audi Q7, Mercedes ML, etc.). Mir ist schleierhaft, weshalb die meisten während dem Fahren am telefonieren sind und weshalb einem gerade diese Autos meist ganz knapp überholen. Vermutlich denken sie einfach, dass neben ihnen niemand mehr Platz hat. Positiv fallen mir die vielen Kleinwagenfahrer auf, von denen es hier viel mehr gibt als bei uns. Einfache Menschen mit Anstand.

Und ich will es nicht verschweigen, es gibt auch genauso viele Kategorien von Velofahrern. An der Spitze stehen die helmlosen Rennradfahrer mit verspiegelter Sonnenbrille und Teamtrikot. Dazu das neuste Karbonvelo und Hightech-Laufräder. Die grüssen nicht und machen immer einen sehr gestressten Eindruck. Die pissen ungeniert an den Strassenrand (mit den komischen Schuhen können sie ja nicht gehen) und wollen scheinbar zeigen, dass sie fitter und schneller sind als alle anderen. Hier in Italien fahren sie immer nebeneinander, egal wie viel Verkehr herrscht. Dann die Mountainbiker... weshalb sieht man hier so viele auf der Strasse? Immerhin grüssen die fast alle sehr freundlich. Dann die Praktiker mit dem Alltagsrad, meist mit Körbchen oder Packtasche. Und ab und zu trifft man auch andere Reiseradler wie mich, die mit Sack und Pack unterwegs sind. Die Kategorie der Öko-Spinner, Selbst-Sucher und Möchtegern-Aussteiger...

In Lucca sass ich etwa eine Stunde in einem Restaurant und beobachtete spazierende Touristen. Davon gibt es genauso viele Kategorien und auch hier könnte man endlos viele Vorurteile pflegen. Der Typ: Ich fotografiere alles! Oder: Schau mal Schatz, was es hier Originelles zu kaufen gibt! Oder: Kind komm her, mach dies nicht und das auch nicht! Oder: Glotzt nur auf meinen dicken Bauch, die weissen Beine in kurzen Hosen und das unpassende Hawai-Hemd. Ist mir egal, denn so bin ich nun mal. Oder: die Reiseführertypen, die alles genau so wie vorgeschrieben abwandern. Und, und, und...

Ich stelle fest, dass ich ganz schön viele Vorurteile mit mir herumtrage, die ich besser vergessen würde. Ich schubladisiere hier Individuen ohne sie zu kennen. Ist etwas armseelig und nimmt einem zeitweise auch die Möglichkeit auf neue, interessante Kontakte. Vielleicht hilft es, wenn ich mir dessen schon einmal bewusst werde. Das Bild des Tages zeigt meine Füsse, die so quasi den Negativabdruck meiner Radschuhe zeigen. -> Dieser Beitrag ist eh für die Füsse (oder Füchse)...angel

Grillparty

Am heutigen Pfingstsonntag haben Karin und ich eine kleine Grillparty organisiert. Das heisst, eigentlich wollten wir am Samstag die Party steigen lassen, doch das durchzogene Wetter hat uns im Laufe der Woche dazu veranlasst, das ganze auf den Sonntag zu verschieben. Das hat sich wirklich auch gelohnt, denn heute war das Wetter wieder besser und für eine Grillparty eigentlich richtig gut. Natürlich ging es bei dieser Party auch darum, dass ich mich von meinen Freunden verabschieden konnte, denn bis ich von meiner Sommeerreise zurückkomme, werde ich die Meisten ja nicht mehr sehen.

Es war ein sehr schöner Abend, mit gutem Essen und vielen anregenden Gesprächen, was mir sehr gut gefallen hat. Klarerweise freue ich mich auf meine langen Sommerferien, doch irgendwie beschlich mich dann doch ein etwas mulmiges Gefühl. Das will ich einfach alles zurücklassen? Wirklich? Dreieinhalb Monate ohne meine Frau, meine Freunde, unsere Katze, das schöne Haus in angenehmer Umgebung, den Schrank voller Kleider und die Garage voller Fahrrräder, das Wasserbett, die schöne Dusche, ... Ja, da hat mich dann doch etwas der Mut verlassen ... klar, das ist das mir Bekannte und vor mir liegt ein Sommer voller neuer Erfahrungen und voller Unbekanntem. Das schüchtert dann doch etwas ein.

Zum Glück stieg nicht Angst in mir auf, sondern Dankbarkeit. Ja, ich bin wirklich sehr dankbar für die Fülle, die mein Leben bietet und all die lieben Menschen, die mich begleiten. Es ist ja auch nicht so, dass ich das alles einfach so hinter mir lasse. Ich werde wiederkommen und würde mich natürlich sehr freuen, mein bekanntes Umfeld wieder anzutreffen. Es ist wirklich nur eine Auszeit und kein Abbruch. Innerlich sehe ich auch mein zukünftiges Leben in dieser Umgebung und mit diesen Menschen. Das gibt mir ein gutes Gefühl mit auf den Weg... Danke Euch allen!

Auto weg

Heute trennte ich mich von meinem Auto...

Im Frühling 2000 kaufte ich den damals zwei jährigen Opel Vectra Caravan 1,8 für knappe 20'000 Schweizer Franken. Er war aus erster Hand und hatte 35'000 Kilometer auf dem Tacho. Seither ist viel Zeit vergangen und ich bin damit viele Kilometer gefahren. Ziemlich genau 160'000 Kilometer in 11 Jahren, also etwa 15'000 Kilometer pro Jahr. Bei durchschnittlich 60 km/h macht das 250 Stunden pro Jahr oder 20+ Stunden pro Monat. Und das jeden Monat, elf Jahre lang... Insgesamt bin ich über 2'600 Stunden in diesem Auto gesessen... Die Vollkosten? Keine Ahnung. Bei geschätzen 60 Rappen pro Kilometer macht das total fast 100'000 Franken. Klingt nach viel, dürfte jedoch in etwa passen.

Während all dieser Jahre hatte ich NIE eine Panne! Zwar waren die regelmässigen Servicekosten höher als früher bei Toyota, doch zuverlässig funktioniert hat das Auto immer. Einwandfrei. Der Vectra hat mir optisch immer gefallen und praktisch war er auch. Ein Bike kriegte man am Stück in den Fond. Auch zwei Bikes übereinander gingen, obwohl man dazu besser die Vorderräder raus nahm, was ja kein Problem ist. Fast alle meine Velounternehmungen der letzten elf Jahre, die nicht direkt von zuhause aus starteten, begannen mit einer Fahrt mit dem Opel Vectra. Da habe ich viele schöne Erinnerungen und könnte nun fast ein wenig sentimental werden...

Ich habe mich vom Vectra nun getrennt, weil ich ihn diesen Sommer zur Kontrolle bringen sollte und da sah ich schon grosse Kosten auf mich zukommen. Die vorderen Radaufhängungen und -lager sind ausgeschlagen, hinten links gibt es ziemlich Rost und auch der Zahnriemen sollte wieder erneuert werden. Dazu hatte ich keine Lust mehr. Ausserdem wollte ich mir die Versicherungs- und Strassensteuerkosten für den Sommer sparen, wo ich ja so oder so nicht Auto fahren werde.

Es ist das erste Mal seit ich 19 bin, dass ich nicht über ein eigenes Auto verfüge. Ideal wäre natürlich, wenn ich auch später darauf verzichten könnte, doch das glaube ich nicht. Die Mobilität und Flexibilität die einem ein Automobil gibt, ist doch sehr viel wert und so werde ich mir nach der Rückkehr vermutlich schon bald wieder überlegen, ob und wenn ja, was für einen mobilen Untersatz ich kaufen werde. Doch das hat noch viel Zeit.

Ach ja... Ich bekam noch 300 Franken bar auf die Hand. Eigentlich wollte der Händler nur 200 bezahlen, doch für die vier Alusommerräder legte er noch einen Hunderter drauf. Ich fand's o.k. denn mehr konnte ich wirklich nicht mehr erwarten. Im Internet sah ich, wie vergleichbare Autos für 100 - 500 Franken weggehen, also sind 300 o.k.

Ich steckte die Nummernschilder in die Seitentasche meines Fahrrads und machte mich auf den Weg zum Strassenverkehrsamt, wo ich die Schilder deponierte und den Fahzeugausweis ungültig stempeln liess. Diesen Ausweis brachte ich dann zurück zum Käufer, streichelte dem Opel Vectra noch ein letztes Mal über die Dachreling und schwang mich in den Sattel. Noch die Versicherung informieren und dann hat sich auch dieser Punkt erledigt. Tschüss Vectra! Du warst ein treuer Begleiter und ein gutes Auto! Alles Gute! Wo auch immer Du zukünftig weiter fahren wirst...

na mal id Badi

Am Morgen fielen noch ein paar Regentropfen vom Himmel, doch so um die Mittagszeit besserte sich das Wetter deutlich. Es waren 25° Grad angesagt und Karin und ich wollten den Nachmittag für eine schöne Velorunde nutzen. Nach meinem Schwärmen vom Montagabend konnte ich sie dafür begeistern, mit dem Velo an den Greifensee zu fahren.

Wir waren kaum fünf Kilometer unterwegs, als es wieder zu tropfen begann. Wie bitte? Wir wollten in die Badi... Wir machten Halt und standen unter Bäume um uns vor dem Ragen zu schützen. Die viertelstündige Pause hat uns nicht demotiviert, weil wir vor uns den blauen Himmel sehen konnten und annehmen konnten, dass es doch noch schön wird. So war es dann zum Glück auch und als wir in der Badi Egg ankamen stellten wir zufrieden fest, dass es da überhaupt nicht geregnet hat und die Liegewiese schön trocken war. Es hatte am heutigen Sonntag logischerweise mehr Leute als am letzten Montag, doch es war noch immer angenehm ruhig und beschaulich.

Ich hatte mir für meine Sommerreise wasserdichte Beutel gekauft und einen davon nahm ich heute für einen Test mit. Die Idee war, den Fotoapparat mit auf eine der Schwimmplattform mitzunehmen um von da zu fotografieren. Oder ich möchte ins Meer hinausgehen können und von da zum Ufer fotografieren. Bisher hatte ich keine Erfahrung damit, doch der Aufdruck "tested and approved by the Navy Experimental Diving Unit" erzeugte ein gewisses Vertrauen. Ich steckte die Digicam in das Täschen und verschloss den Zipverschluss. Dann steckte ich mir das Päckchen hinten in die Badehose und machte mich auf den Weg ins Wasser. Wie man an den Bildern erkennen kann, hat es funktioniert. Die Kamera ist trocken geblieben, wunderbar.

Vor der Rückfahrt stärkten wir uns mit einem feinen Servelat vom Grill. Wir hatten 27 Kilometer auf dem Tacho, also werden es bis nach Hause über 50 Kilometer werden. Weil Karin bisher noch nie so weit Velo gefahren ist war mein Angebot, dass sie jederzeit anhalten und aufhören konnte, wenn sie keine Lust mehr hatte. Ich würde dann alleine nach Hause fahren und sie mit dem Auto abholen. Das war aber überhaupt nicht nötig. Je näher wir nach Hause kamen, desto weniger wollte sie aufgeben. Geduldig trat sie in die Pedale und der schöne Abend half ihr, die aufkommenden Sitzbeschwerden zu ertragen. Hoffentlich wird der Muskelkater nicht zu übel... 54 Kilometer, mit 220 Höhenmeter, in 3 Stunden und 14 Minuten. Ein neuer Streckenrekord für Karin! Eine super Leistung! Gratulation!

Zur Belohnung kochte ich uns ein feines Nachtessen und nach diesem erlebnisreichen Sonntag werden wir bestimmt gut schlafen. Schön war's. Danke.