absurde Statistik

Zum Monatsende hin habe ich meine Aktivitätenliste aktualisiert und somit sind auch die Daten der Sommerreise darin eingeflossen. Nur, das verzerrt die Statistik nun derart, dass die Tabelle nicht mehr wirkliche Aussagekraft hat.

Auf meiner Reise durch Italien legte ich insgesamt 5'672 Kilometer zurück und meisterte 67'030 Höhenmeter. Für den Monat Juli, indem ich an 29 der 31 Tage auf dem Velo sass, ergeben sich so unglaubliche Zahlen wie: 2'844 gefahrene Kilometer oder durchschnittliche Dauer der sportlichen Aktivität von 5 Stunden und 16 Minuten pro Tag. Wohlverstanden, jeden Tag, inkl. Sa. und So.  Absurd viel...

Schon jetzt weist die Statistik mehr Kilometer aus, als ich je zuvor in einem Jahr gefahren bin und noch liegen vier Monate bis zum Jahresende vor uns. Die 10-Tausender-Grenze wird bestimmt noch fallen. Unglaublich und absurd viel...

Es liegt ja in der Natur der Sache, dass eine solche Reise ein einmaliges Erlebnis ist und so gesehen machte die Integration in die Aktivitätenliste nicht wirklich Sinn. Eventuell erstelle ich eine zweite Liste, in der ich die Leistungsdaten der Monate Juni, Juli und August des Vorjahres übernehme. So kann ich dann besser die Jahre untereinander vergleichen. Anyway. Ich habe für diesen Statistikquark einige Zeit aufgewendet und bin schlussendlich an den Punkt gelangt wo ich denke: Nun kann ich Statistiken auch gleich bleiben lassen...

neue HR-Felge

Letzte Woche kaufte ich bei www.mainstreet42.ch eine neue Hinterradfelge für das Kish. Nachdem ich ja einen fast durchgängigen Riss im Felgenbett entdeckt hatte, war es an der Zeit, die Felge zu tauschen, bevor es zu einem Bruch kommt.

Nach etwas diskutieren waren wir der Meinung, dass eine etwas stabilere und breitere Felge wohl sinnvoll sei und so entschied ich mich für eine Stan's ZTR Flow. Die gleichen Felgen fahre ich auch am Santa Cruz Fully und die halten ganz ordentlich was aus. Dazu noch 32 neue Speichennippel aus Messing.

Heute Morgen baute ich dann das Hinterrad aus dem Rahmen, entfernte Reifen und Schlauch und speichte dann von der alten auf die neue Felge um. Das war nicht allzuschwer und ging auch ziemlich flott. Richtig gut zentrieren kann ich Räder nicht, dafür fehlt mir auch ein Zentrierständer, doch es gelang mir auch so, das Rad ziemlich gerade aufzubauen. (Für einen Feinschliff werde ich mich am kommenden Donnerstag mit Peter treffen).

Da es heute schon wieder ziemlich schönes Wetter war, nutzte ich dann den Nachmittag für eine Testfahrt und einen schönen Sonntagsbummel an das Zürcher Seebecken. Die Luft war nach dem gestrigen Regen ganz klar und glasig, die Berge waren zum greifen nah, richtiges Postkartenwetter. Sehr schön. Ganz gemütlich genoss ich einen schönen Sonntagmittag und rundete den tag mit einem kurzen Besuch bei meinen Eltern ab.

Regenbiken

Nach dem gestrigen Temperatursturz war es heute nur noch um die 15° Grad und den ganzen Tag war es ziemlich regnerisch. Trotzdem wollte Jürg eine Bikerunde drehen und da ich nichts Besseres vor hatte, hatte ich auch keine valable Ausrede. Nur wegen ein bisschen Regen bleibt man ja nicht gleich zu Hause.

Wir fuhren so ziemlich unsere normale Standardrunde über den Irchel und so nutzte ich auch einen kurzen trockenen Moment für ein Standardfoto. Keine zehn Miuten später goss es wie aus Kübeln, so dass sich auch die Bikeschuhe schon bald mit Wasser füllten. Nach der Tour musste also eine gründliche Reinigung von Bike und Mann her. Schön war es trotzdem.

Sommer-Samstagsrunde

Um neun Uhr kamen vier Bikefreunde zu mir um gemeinsam auf eine Samstagstour zu starten. Die Idee war: Tössegg, Eglisau, Rheinsfelden, Kaiserstuhl, Oberweningen, Lägern-Hochwacht, Bergwerk-Buchs, nach Hause. Geschätzte 65 Kilometer mit etwa 1'000 Höhenmeter.

Das Wetter war ideal. Sonne pur und warme Temperaturen. Es hat geklappt! Ich scheine tatsächlich den Sommer mit in die Schweiz gebracht zu haben! Wunderbares Bikewetter!

Bin ich jetzt in der Form meines Lebens? Ich war noch nie so gut trainiert und in den letzten 20 Jahren noch nie so leicht wie jetzt. Natürlich fahre ich heute leichter berghoch als mit 10 Kilo mehr Körpergewicht, wie vor zwei Jahren. Wichtig ist es mir aber deswegen immer noch nicht. Es geht um die Erfahrungen, die einem Mountainbiken vermittelt und die lassen sich mit jedem Gewicht und jedem Fitnesslevel erfahren. Es ist aber ein sehr schönes Gefühl, so gesund und fit zu sein. Hoffentlich hält dies noch lange an! Da empfinde ich Dankbarkeit.

Standardsingletrailrunde zu Hause

Es hat doch ein paar Tage gedauert, bis ich mit dem Santa Cruz Tallboy eine Kennenlernrunde unter die Stollen nahm. Das Terrain war gut, das Wetter perfekt und Zeit hatte ich auch. Alles genau richtig!

Mountainbiking ist mit Strassentourenradfahren, so wie ich dies 8 Wochen lang gemacht habe, überhaupt nicht zu vergleichen. Offroad klappt Pulskontrolle sehr schlecht, denn steil berghoch bedeutet halt einfach hoher Puls. Auch Abfahrten fordern. Heute verweigerte ich an allen schwierigen Schlüsselstellen. Mir fehlte der Mut und das Feingefühl, um gleich auf der ersten Tour etwas zu riskieren. Lieber stieg ich ab und schob ein paar Meter. Aber Spass macht die Sache schon sehr. Möglichst wenig Asphalt ist der Wunsch des Tallboy von Santa Cruz. Demgegenüber steht das Kish, welches möglichst viel Asphalt, für schnelle und lange Ausfahrten liebt. Mein Velopark ergänzt sich sehr gut.

(58) Der Kreis schliesst sich

Bilder im Fotoalbum (Nr. 968-979)

Um sieben Uhr machte ich mich auf den Weg zum Frühstücksbuffet und traf dort auf eine grössere Gruppe Reisender, die schon fleissig am Teller füllen waren. Ich staune, dass die alle schon so früh raus müssen, doch pünktlich um acht Uhr fährt ein Reisebus vor und ein paar Minuten später sind alle schon weg. Nächster Halt nur fünf Minuten später: Via Mala Schlucht

Ich brauche eine Viertelstunde länger bis ich abfahrbereit war. Die noch nie gebrauchten Knielinge mussten jetzt her. Und eine Jacke. Draussen hängen noch letzte Wolken in den Bergen, doch es zeichnet sich ein schöner Tagesverlauf ab. Temperatur: 13 Grad. Brrr... Da bin ich mich wahrlich anderes gewohnt.

Die warmen Sachen waren richtig, denn die ersten 27 Kilometer bis nach Chur geht es oft leicht bergab und auf der schnellen Hauptstrasse fühlen sich 13 Grad schnell kalt und ungemütlich an. Deshalb machte ich in Chur auch keine Pause, sondern fuhr noch etwa 15 Kilometer bis Landquart weiter. Dort fuhr ich zum Bahnhof und verpflegte mich vor dem avec-Shop. Ich kaufte ein Sandwich aus dunklem Brot und Gruyerekäse, einem Salatblatt und einer Scheibe Tomate. Dazu einen Latte Macchiato zum sofort trinken und einen Erdbeermilchshake um alles runterzuspülen. Alles mir gewohnte Produkte, die ich ohne langes Suchen fand.

Von Landquart fuhr ich via Bad Ragaz, Sargans und Flums nach Walenstadt am östlichen Ende des Walensees. Dort kaufte ich an einem Kiosk eine weitere Zwischenmahlzeit und fuhr dann de super schönen Radweg dem Seeufer entlang bis nach Weesen. Dort setzte ich mich auf eine schöne Aussichtsbank und überblickte die Lage. Ich hatte jetzt 76 Kilometer auf dem Tacho. Und schätzte die Distanz bis nach Zürich noch einmal so lange ein. Plus 20 Kilometer bis nach Hause, macht an die 170 Kilometer Gesamtdistanz. Soweit bin ich bisher noch nie an nur einem Tag gefahren.

Aber: Ich komme nach etwa 50 verschiedenen Hotelbetten endlich wieder einmal ins EIGENE (Wasserbett). Es gibt da auch eine grosse Dusche, aus der richtig viel und gleichmässig warmes Wasser kommt. Und ich kann Karin und mir endlich wieder einmal etwas Leckeres kochen und dann können wir genau das essen, was wir wollen, respektive wonach ich mich am meisten sehne.

Das sind starke Argumente! Und zudem: So ist morgen ganz sicher ein Ruhetag! Na klar! Ich rufe Karin an und sage ihr, dass ich noch heute Abend nach Hause komme, was sie auch sehr freut. Das Wetter wird immer besser und es wird langsam auch immer wärmer.

Ich genoss die Fahrt durch die Linthebene und dem Zürichsee entlang, wo ich von diesem satten Grün der Landschaft schon fast geblendet wurde. Immer wieder Pützen. Hier muss es in den letzten 8 Wochen viel häufiger geregnet haben als ich Regen gesehen habe. Ich dachte nach... An insgesamt 5 Tagen gebrauchte ich die Regenjacke. An den übrigen 53 Tagen war es immer trocken. Wahrlich, Petrus war mir immer wohlgesinnt! Und auch heute! Ich sagte ja, ich bringe das gute Wetter mit und heute wurde es auch wirklich immer schöner.

Nach Zürich fuhr ich deshalb, weil ich auf der Quaibrücke ein Foto mit dem beladenen Kish und mir vor der Kulisse der Stadt haben wollte. Dort schloss sich der Kreis. Am Tag 1 fotografierte ich da die grosse Metallspinne, die in der Zwischenzeit wieder abgebaut wurde, und fuhr von da entlang des linken Seeufers in Richtung Süden. Und heute, am Tag 58, komme ich von der rechten Seeseite wieder zurück. Etwa 5´600 Kilometer liegen dazwischen. Eine ziemlich weite Runde um den Zürichsee...

Ich hatte es geschafft! Die Stunde Velofahrt von Zürich bis nach Hause war ein innerlicher Triumphzug! Hier bin ich zu Hause, hier gehöre ich auch hin! Radreisen, das kann ich jetzt... Rein physisch könnte ich noch wochenlang weiterfahren, das habe ich nun wirklich gelernt. Radfahren, essen/trinken und schlafen, das waren in den letzten 58 Tagen meine Hauptbeschäftigungen und das kann ich nun.

Im Kopf hatte ich Ferien, "tourist, per sempre!". Natürlich habe ich in den zwei Monaten viele neue Eindrücke gesammelt und man wird jetzt sehen, ob ich etwas Schlaues damit anfangen kann. An einem schönen Waldrand machte ich im Abendlicht dann noch eine Art Schlussfotos, bevor ich definitv nach Hause rollte. Ein schöner, langer Tag war´s! Das GPS sagt: 173 km., 7:38 Std., 530 Hm.

(57) Arrivederci bella Italia

Bilder im Fotoalbum (Nr. 944-969)

Strahlend blauer Himmel begrüsste mich für meine heutige Velotour in Richtung Berge. Ich folgte dem Ostufer des Comersees auf seiner ganzen Länge und geniesse immer wieder tolle Aussicht auf die gegenüberliegende Seeseite und die dahinterliegenden Berge. Nach dem Comersee folgt der kleine Lago di Mezzola und danach beginnt die Strasse bis nach Chiavenna leicht anzusteigen, wo ich ziemlich genau um zwölf Uhr nachmittags eintraf. Es war noch immer sehr schön und 25 Grad warm.

Ideal um am Nachmittag, nach einer feinen Portion Spagetti Carbonara, den Anstieg zum Splügenpass in Angriff zu nehmen. Gleich am Ortsausgang von Chiavenna wird klar, wie das Streckenprofil der nächsten drei Stunden aussieht, denn es geht gleichmässig und stetig nach oben. Ich fühlte mich gut und lernte in den letzten Wochen ziemlich konsequent nach Puls zu fahren. So entscheide ich mich Puls 140 als Obergrenze zu wählen und deshalb kommt auch das kleine Kettenblatt häufig zum Einsatz. Zudem mache ich alle 300 Höhenmeter eine kurze Pause, wo ich etwas esse und trinke. So klappte das ganz gut.

Bei Madesimo wollte ich entscheiden, ob ich dort ein Hotel suche oder ob ich ganz über den Splügen fahre. Madesimo liegt auf etwa 1´750 Meter über Meer und da ich mich noch immer fit fühlte, fuhr ich an der entsprechenden Abzweigung vorbei. Mein neues Ziel war nun das von Andre vor zwei Tagen empfohlene Hotel Weiss Kreuz in Thusis.

Je höher ich kam, desto stärker wurde der Wind, welcher von Norden über die Berge trieb und so musste ich auf den letzten 200 Höhenmetern doch ziemlich beissen. Auf über 2´100 Metern über Meer war es dann ziemlich kalt und deshalb musste ich für die Abfahrt eine Jacke hervorkramen, die ich nun fast zwei Monate nicht gebraucht hatte.

Die vielen Serpentinen bis runter nach Splügen machten richtig Spass und so freute ich mich auf die letzten Kilometer bis nach Thusis. Die Freude währte aber nicht lange, denn schon kurz nach Splügen kam ich in einen heftigen Regenschauer. Das gibt es doch nicht! Da fahre ich bei Regen aus der Schweiz, sehe in über sieben Wochen nur einmal eine Stunde Regen und kaum kehre ich in die Schweiz zurück, fahre ich wieder in den Regen. Dabei wollte ich doch die Sonne mitnehmen...

Doch auch dieser Regen war auch nur von kurzer Dauer und anfangs der Via Mala Schlucht war alles schon wieder vorbei. Gerade richtig um nicht tropfend nass das schöne Hotel WEISS KREUZ zu betreten. Leider war der Chef nicht anwesend, so konnte ich keine Grüsse ausrichten, doch seine Mitarbeiter bereiteten mir einen schönen Abend mit einem leckeren Vier Gänge Menü. So konnte ich diesen erlebnisreichen Tag wunderbar abschliessen. Das GPS sagt : 137 km., 7 :44 Std., 2´120 Hm.

(56) via Bergamo an den Comersee

Bilder im Fotoalbum (Nr. 924 - 943)

Ich wachte kurz vor sieben Uhr auf und machte mich gleich ans Frühstücksbuffet. Ich wollte zeitig losfahren, damit ich die Poebene noch möglichst ohne Wind hinter mich bringen konnte. Bis Bergamo waren es noch etwa 70 Kilometer und das wollte ich bis zum Mittag packen.

Soweit lief alles problemlos, bis ich etwa 30 Kilometer vor Bergamo durch das 2´437ste Schlagloch meiner Sommerreise durch Italien holperte und ein leichter Knall am Hinterrad zu hören war. Ich dachte an einen Plattfuss und schaute nach hinten unten. Die Luft war noch drin, doch das Rad eierte ziemlich. Sah verdächtig nach Speichenbruch aus. Als ich anhielt und nachschaute fand ich tatsächlich eine lose Speiche, doch nicht die Speiche an sich war gebrochen, sondern der Speichennippel war in zwei Stücke zerfallen.

Wie auch immer. Ich musste anhalten und die Sache reparieren. Als ich das Rad ausbaute, den Reifen samt Schlauch entfernte und das Felgenband aus der Felge hob, sah ich auch den Grund des Nippelbruchs. Die Felge ist auf der Innenseite auf etwa der halben Radlänge eingerissen. Das sieht ziemlich unschön aus (siehe Foto im Album). Gründe dafür kann es einige geben. Erstens bin ich die Räder nun bestimmt schon über 10´000 Kilometer gefahren. Zweitens ist das Gewicht auf meiner Reise sehr einseitig verteilt. Ich schätze, dass etwa 100 Kilo auf dem Hinterrad liegen und nur etwa 25 Kilo auf dem Vorderrad. Drittens fahre ich für die schmale Felge eher breite Reifen und die noch ziemlich prall gepumpt und viertens könnte auch die Speichenspannung etwas hoch gewesen sein.

Immerhin musste ich die Speiche nicht wechseln sondern konnte einfach einen neuen Nippel (von einer Notspeiche) einsetzen. Ich entschied mich zudem, alle Speichen um eine Viertelumdrehung zu lockern und zentrierte dann das Rad so gut ich konnte. Nachdem ich Schlauch und Reifen wieder montierte, pumpte ich zwar voll, doch nicht so hart wie zuvor. Zum Schluss richtete ich ein kurzes Stossgebet gen Himmel, dass das Rad die noch knapp 400 Kilometer bis nach Hause halten möge. Dann darf es in alle Einzelteile zerfallen.

Natürlich hatte ich danach ein leicht ungutes Gefühl und jedesmal, wenn es wieder kräftig holperte dachte ich an weiteren Schaden. Doch hey, think positive! Löcher am rechten Strassenrand gehören zu Italien wie Rotwein und Pizza und wenn das Rad nun über 5´000 Kilometer gehalten hat, wird es die restlichen paar Tage auch noch überstehen.

Kurz nach ein Uhr Mittag kam ich dann nach Bergamo und gönnte mir in einem Restaurant eine feine Portion Pasta. Danach fuhr ich in das alte Ortszentrum, welches auf einem kleinen Hügel liegt. Für Touristen stehen zwei Standseilbahnen zur Verfügung, die von der neuen Stadt in die alte Stadt hochführen. Radfahrer dürfen natürlich selbst hochfahren und auch im ganzen Altstadtbereich ist Velofahren erlaubt. Ich habe dort ein paar schöne Fotos gemacht.

Danach folgte ich etwa 30 Kilometer der Hauptstrasse bis nach Lecco, an das untere Ende des Comersees. Diese 30 Kilometer waren aber ziemlich harzig, weil es sehr viel Verkehr und immer wieder Lichtignale hatte, die zum anhalten zwangen. Mir ist dabei ein deutsches Wohnmobil aufgefallen, welches mich ausgangs Bergamo erstmals überholte und hinter dem ich den Ortseingang von Lecco passierte. Dazwischen hat mich dieses Wohnmobil bestimmt zehnmal überholt und an irgendeinem Lichtsignal fuhr ich seitlich wieder nach vorne. Im Auto ging es also kein bisschen schneller vorwärts.

In Lecco fackelte ich nicht lange und bezog ein Zimmer im erstbesten Hotel, welches ich sah. Leider verdichtete sich die Bewölkung im Laufe des Nachmittags und so fielen auf meinem Abendspaziergang durch Lecco dann tatsächlich ein paar scheue Regentropfen. Nach dem Spaziergang ging ich fein essen und als ich aus dem Restaurant kam, war der Himmel schon wieder mehrheitlich blau und machte einen bedeutend besseren Eindruck. Ich hoffe doch, dass mein bisheriges Wetterglück auch in den nächsten Tagen anhält. Das GPS sagt: 121 km., 5:40 Std., 240 Hm.

(55) arschflach = die Poebene

Bilder im Fotoalbum (Nr. 916 - 923)

Eigentlich war der heutige Tag langweilig, denn ich fuhr einfach sieben Stunden durch flaches Land. Fläche kann man nicht fotografieren und es bietet auch dem Auge wenig interessante Anhaltspunkte. Zudem sind die Strassen häufig schnurgerade und so strampelt man einfach stundenlang vor sich hin, wie der Hamster im Rad.

Ich merkte sehr rasch, dass ich nicht mit Puls 135 durch die Gegend pedalen kann, sonst fahre ich mich in drei oder vier Stunden so leer, dass nichts mehr geht. Deshalb hiess es Druck vom Pedal nehmen und immer schön nach Pulsuhr fahren. Während meinen nun fast acht Wochen lag der Pulsdurchschnitt der schönsten Tage so zwischen 113 und 118. Über 120 war richtig anstrengend und das büsste ich meist an den Folgetagen.

In hügeligem Gelände kann man ruhig mal Puls 150 fahren, denn bergrunter geht der Puls auch wieder unter 100 und man kann sich dabei etwas erholen. Wenn es aber immer nur flach vorwärts geht, bleibt der Puls konstant und eigentliche Erholungsphasen gibt es einfach nicht. Deshalb nahm ich mir vor, maximal einen Puls von 120 zu fahren. Steigt er höher, schalte ich runter.

Ich hatte stundenlang Zeit für irgendwelche Spielchen wie zum Beispiel: Wie lange kann ich genau Puls 115 halten oder, wie lange kann ich genau auf der weissen Seitenlinie fahren oder ich rechnete aus, wie viele Kurbelumdrehungen ich pro Minute, Stunde oder 100 Kilometer denn so mache. Oder ich versuchte einfach einmal nichts zu denken, was natürlich nicht geht...

Die Landschaft war auf der ganzen Strecke gleich. Landwirtschaft und Schweinemast. Von der Landwirtschaft sieht man derzeit eigentlich nur noch die Maisfelder, denn alles andere ist bereits abgemäht. Natürlich gibt es auch Birnen- und Äpfelkulturen, doch nur sehr wenige. Keine Reben und keine Olivenbäume. Die Schweinemast riecht man jeweils schon von weit her. Hier werden alle die Parma-Schinken gezüchtet und leider sieht man keine Schweine in der Natur, alle werden in grossen Ställen gemästet. Kühe oder Schafe habe ich überhaupt nicht gesehen.

Mittags machte ich im kleinen Ort "Guastalla" einen richtigen Verpflegungshalt in einem feinen Restaurant. Nach Schinken und Melone zur Vorspeise, genehmigte ich mir eine grosse Portion Ravioli, gefüllt mit Basilikum und Ricotta, an einer kalorienreichen Buttersauce. Das gab mir dann die nötige Kraft für die vielen Kilometer, die am Nachmittag noch folgten.

Schon bald entschied ich nämlich, dass ich bis "Cremona" durchfahren will, denn alle flachen Kilometer die ich heute fahre, brauche ich morgen nicht mehr zu fahren. Und mit Puls 115 könnte man tagelang fahren, das ist nicht das Problem. Zum Problem wird höchstens, dass man irgendwann kaum noch gut sitzen kann und auch die Hände, die Handgelenke und der Nacken würden sich mehr Abwechslung in der Position wünschen. Doch Wiegetritt in der Fläche geht kaum ohne dass der Puls hoch geht. Also fuhr ich zwischendurch kilometerlang freihändig und lockerte dabei etwas die Hände und den Nacken.

Abends gegen fünf Uhr war ich dann in "Cremona", der Stadt in der Stradivari seine weltberühmten und wohl unerreichten Geigen baute. Gleich am Stradivariplatz sah ich ein schönes Viersternhotel und für die vielen Kilometer wollte ich mich mit einem schönen Hotelzimmer belohnen. Die gute Frau an der Reception liess dann auch noch etwas über den Preis handeln und so wurden wir uns einig.

Nach der Dusche machte ich dann meinen obligaten Spaziergang durch den Ort, kaufte etwas Milchprodukte ein und ass danach fein Pizza. Morgen möchte ich bis an das untere Ende des Comersees fahren, was eigentlich möglich sein sollte. Ich will diese flache Gegend einfach hinter mich bringen und freue mich schon jetzt auf Berge und Seen. Das GPS sagt: 165 km., 7:09 Std., 80 Hm.

(54) quer über den Apennin

Bilder im Fotoalbum (Nr. 895 - 915)

Heute war ich gleich zur Eröffnung des Frühstücksbuffets anwesend um möglichst zeitig aufs Rad zu kommen. Bei der Abrechnung des Hotels musste ich etwas schmunzeln, als ich 2x 2 Euro für die Bike-Garage aufgelistet sah. Egal, bei 45 Euro pro Nacht ist das noch verschmerzbar.

Es war wieder sonnig und ein warmer bis heisser Tag stand bevor. Es konnte also nicht schaden, den Morgen gut zu nutzen. So quasi beim Ortsausgang von Florenz beginnt die Strasse ein erstes Mal anzusteigen und man hat immer wieder schöne Ausblicke nach Florenz, welches wie in einem Talkessel liegt. Der kleine Ort "Montorsoli" ist der höchste Punkt mit etwa 450 Metern über Meer, bevor es dann wieder auf etwa 150 Meter runter geht. In der Abfahrt machte ich in einer kleinen Bar eine erste Pause und trank wie gewöhnlich einen zweiten Morgen-Cappuccino.

Kurz vor "Barberino di Mugello" kam ich an einem grossen und verzweigten Stausse vorbei, wo auch einige Badestrände mit Boots- und Pedaloverleih zu sehen waren. In Kombination mit den Apenninbergen im Hintergrund sah das echt gut aus. Danach begann der Aufstieg zum Futa-Pass, über den ich am 15. Tag bereits gefahren bin. Damals von West nach Ost, heute kam ich aus dem Süden und wollte nach Norden. Das ist schon fast sechs Wochen her...

Vom Futapass geht es dann wellig bis zum zweiten Pass des Tages, dem "Passo della Raticosa", der nur wenig höher ist. Es besteht überdies kein Zweifel, dass es ein Samstag oder Sonntag sein muss, denn über diese beiden Pässe fahren heute dutzende, wenn nicht hunderte von Motorradfahrern. Viele in voller Rennmontur, mit offenen Auspuffanlagen, dass wohl viele mit Gehörschutz fahren müssen, sonst wären sie abends taub. Manchmal habe ich fast etwas Angst, dass mich eine dieser Raketen abschiesst.

Auf dem "Passo della Raticosa" checke ich das GPS. Bis Bologna fehlen noch knapp 50 Kilometer und 600 Höhenmeter. Weit und breit ist keine höhere Erhebung zu sehen. Woher sollen nun noch die 600 Höhenmeter kommen? Es steigt die Befürchtung auf, dass es wieder so wellig wird wie vor zwei Tagen, zwischen "San Gimignano" und "Florenz". Deshalb beginne ich die Abfahrt vorsichtig und bei der kleinsten Gegensteigung schalte ich runter und halte den Puls konsequent unter 140 Schlägen pro Minute. Wenn ich in sieben Tagen nach Hause will, darf ich mich nicht gleich am ersten Tag überanstrengen.

Meine Vorsicht ist zwar richtig, doch unbegründet. Es folgen nämlich keine wirklichen Steigungen mehr, sondern es geht schön gleichmässig und gemächlich bergrunter, bis man Bologna auf etwa 30 Metern über Meer erreicht. Sehr schön. Da hat sich GPSies.com bei der Berechnung der Höhenmeter etwas vertan. Doch lieber so, als andersherum.

Weil ich nie lange Pausen gemacht habe, treffe ich schon kurz nach drei Uhr mittags im Standzentrum von Bologna ein. Das ist "tote-Hose-Zeit". Die Einkaufsgeschäfte sind bis vier Uhr geschlossen und deshalb sind die Strassen wie leergefegt, was ich doch sehr schätze. Ich bin zudem froh, dass ich meine GPS-Route bis direkt vor das vorreservierte Hotel "Il Guercino" gezeichnet habe, denn sonst hätte ich das garantiert nicht gefunden. Bologna ist eine völlig flache Stadt, ohne See und ohne Fluss. In der Innenstadt sind alle Häuser vier- oder fünfstöckig und für Fremde wie mich, sieht fast alles gleich aus. Ich dankte mir meinen gestrigen Planungsaufwand.

Nach dem Zimmerbezug hatte ich noch genügend Zeit um etwas durch Bologna zu bummeln und mir einen kleinen Eindruck zu verschaffen. Ähnlich wie in Turin gibt es hier sehr viele Arkadengänge. So kann man im Sommer schön im Schatten schaufensterln und ist bei Regen geschützt. Bologna scheint in Sachen Mode auch ein Zentrum zu sein, denn ich habe noch selten so viele Kleidergeschäfte gesehen. Schade ist halt einfach, dass auch hier die Grossfirmen-Monokultur Einzug hält. Wie in jeder Grossstadt Europas gibt es hier Mc Donnalds, H+M, Zara, Swatch, Foot Lockers und all den übrigen Mainstream-Kram. In Zukunft braucht man nicht mehr in andere Städte zu reisen, denn da gibt es nichts, was es in der nächstgelegenen Grossstadt nicht auch gibt.

An sich hat aber Bologna schon noch Charme. Die alten Bauwerke bestehen fast alle aus roten Ziegelsteinen und sind nur ganz wenig geschmückt. Es ist bei weitem nicht so pompös wie Florenz aber doch irgendwie charmant. Derzeit kriegt man etwas den Eindruck dass alles renoviert wird, denn an vielen historischen Bauten stehen Baugerüste und Abschrankungen.

Den heutigen Tag habe ich sehr genossen. Die Überquerung des Apennin war sehr schön und hat mir landschaftlich wieder ausgezeichnet gefallen. Die nächsten zwei Tage führen mich durch die Poebene und das wird dann ein ganz anderes Thema. Ich wünsche mir einfach einmal: "Wenig Gegenwind!" Das GPS sagt: 115 km., 5:33 Std., 1´500 Hm.