schwierige Freiheit

Mein Berufsberater sagte während der Standortbestimmung einmal: "Sie verfügen über viele und grosse Freiheiten! So etwas gibt es heute, und in diesem Alter, nur noch ganz selten. Sind Sie sich dessen bewusst!"

Freiheit macht aber auch Angst, denn Freiheit bedeutet, auf das Unbekannte zugehen. Unsicheren Boden zu betreten. Wir alle sagen zwar, dass wir frei und glücklich sein wollen, doch wenn es darauf ankommt, dann entscheiden wir uns meist doch für die Unfreiheit, für das Bekannte und Bequeme. Lieber fühlen wir uns unfrei aber sicher, als unsicher. Lieber wissen wir was wir haben, als was oder wer wir sind. Denn irgendwie haben wir Angst, dass von uns am Schluss nicht mehr übrig bleiben wird, als ein warmer Furz.

Und wenn wir schon bei Fürzen sind. Sind wir ehrlich: Es furzt sich halt schon angenehmer und stilvoller in Satinbettwäsche, als in eine kratzige Wolldecke...

Seit Mai 2011 bin ich beruflich befreit, doch so langsam neigt sich mein Geldvorrat dem Ende entgegen und mein "dolce vita" wird ein Ende finden. Um auch zukünftig weiter in die Satinbettwäsche furzen zu können, muss ich demnächst wieder Einkommen generieren. Ab 4'000 Franken pro Monat sollten es schon sein. Das ist meine finanzielle Anforderung an meinen neuen Job.

Das sollte möglich sein, denn im Grundsatz bin ich davon überzeugt, dass in Zürich ein emissionsfreies Velotaxi Erfolg haben kann. Wenn so etwas in New York, in London, Berlin und München funktioniert, warum sollte es in Zürich nicht auch funktionieren? Zürich ist schön gelegen, ist eine reiche Stadt, die von vielen gut betuchten Touristen besucht wird. Der gelebte Wohlstand, der saubere Zürichsee, die frische Luft, die schöne Stadt und die nahen Berge, dies alles bietet viel Potential.

Die ganz grosse Unsicherheit besteht einfach darin, dass ich nicht weiss, wie realistisch es überhaupt ist, in Zürich ein Fahrrad mit über 300 Kilo Last zu bewegen. Zürich ist nicht flach! Es werden wohl rasch Steigungen folgen, die einfach nicht machbar sind. Das Velotaxi muss zudem per se etwas schneller vorwärtskommen als normale Fussgänger, sonst hat es keine wirkliche Berechtigung. Ob das so funktioniert, muss ich herausfinden. Anders geht es nicht.

Und da ist es wieder... dieses mulmige Gefühl... Unsicherheit... Freiheit.

Was mir wirklich hilft ist die Feststellung, dass ich mit der Velo-Rikscha-Geschichte auf ein Thema gestossen bin, welches mich zunehmend fasziniert und motiviert. Es wird zu einer Herzensangelegenheit und das ist gut so. Es hilft mir Entscheidungen zu treffen.

So entwickelt sich meine "Freiheit von" nun langsam zu einer "Freiheit zu". Ich entwickle mich vorwärts und werde aktiv.

auftauchen

Es wird mal Zeit, dass hier wieder etwas Leben in die Bude kommt! Über drei Wochen gab es keinen Blogbeitrag, obwohl das Leben doch so prall gefüllt war. Mit einer Fondue-Bike-Tour oder der Silvesterfeier in Zürich, oder dem gediegenen Jahresanfang, dann eine Erkältung, und, und, und.

Und natürlich bin ich auch in mich gegangen...

Und nun tauche ich wieder auf und gebäre eine kleine Maus.

Die Gespräche zur Standortbestimmung und Laufbahnberatung haben gezeigt, dass es Zeit für einen Neuanfang ist. Für die technokratische Arbeitswelt der coolen Jobs und geilen Einkommen bin ich ausgeschieden. Das könnte ich vielleicht noch, doch ich will es nicht mehr. Während der 2-jährigen Vitaltrainerausbildung musste ich zudem feststellen, dass mir das Helfer-Gen wohl doch irgendwie fehlt und dass es mich nicht wirklich zu sozialen Berufen hinzieht. Soviel zum Thema Standortbestimmung.

Jeder Laufbahnberater empfielt dann, über eigene Fähigkeiten, Stärken und Neigungen nachzudenken und den wirklichen und ganz eigenen Freuden des Lebens auf den Grund zu gehen. Daraus schöpfe man die Kraft, sich für "das Richtige" zu entscheiden.

Eh bien... Ich fahre gerne Velo und ich mag die Stadt Zürich. Ich bin im Geiste ein einfacher Unternehmer, kein grosser Manager, doch auch nicht ein Angestellter. Ich will mehr frische Luft und würde auch gerne draussen arbeiten. Mir stinken Autos, ich stehe auf alternative Energie, auf green Power und bin da ganz der Velofreak. Nichts wird effizienter bewegt als mit einem normalen Fahrrad!

Und so kam ich auf die Idee, eine Velo-Rikscha für Touristen und Einheimische in Zürich anzubieten. Das ist sie nun, die kleine Maus. Ein ganz kleines, lokales Gewerbe, das vor allem durch mich selbst bestimmt wird. Solange ich fahre, solange funktioniert es! Ganz einfach.

Auf meiner zweiten Domaine, auf www.bbbeat.ch, versuchte ich dann einen ersten Wurf für einen Internetauftritt. Der Ausdruck "aFahrt" ist noch ein Arbeitstitel, das überzeugt mich noch nicht wirklich, doch die Ideen zu aFahrt und die Verfügbarkeit der Domaine finde ich reizvoll.

Das war es vorerst einmal.