unerwarteter Ruhetag

Die letzten drei Wochen war es fast immer schön, sonnig und sommerlich warm bis heiss. Somit also ideales Rikscha-Wetter und deshalb war ich an 19 von 23 Tagen im August mit meinem Velotaxi in Zürich unterwegs. Heute sollte die Gewitterneigung zunehmen, doch bei fast 27° Grad sollte es nochmals einen meist trockenen Tag geben, bevor dann morgen Samstag ein regnerischer Tag mit tieferen Temperaturen folgen sollte. Sollte...

Schon in der Nacht fielen ein paar Regentropfen und als ich nach dem Frühstück meine obligaten Sandwiches schmierte, begann es doch tatsächlich leicht zu regnen. Hmmm... So hatte ich mir das nicht vorgestellt... Abwarten... Nun ist es aber schon fast 13 Uhr und noch immer tröpfelt es leicht. Ich glaube, diesen Tag kann ich rikschamässig abhaken...

Dieser freie Tag erwischt mich etwas unerwartet und so weiss ich gar nicht genau, wie ich ihn nutzen soll. Vorhin habe ich auf der Bike Butler Beat Seite das Interview von Radio 24 eingebunden und nun finde ich also wieder einmal Zeit, etwas zu bloggen.

Eigentlich gäbe es so einiges zu erzählen. Da wären einmal die etwa 9'800 Kilometer, die ich nun mittlerweile mit meinem neuen Motorrad (KTM 690 Enduro R) zurückgelegt habe. Bis anhin hat sich diese Motorrad wirklich bewährt. Es wurde zu meinem Autoersatz und genauso setze ich es auch ein. Täglich fahre ich damit in die Stadt zur Rikscha-Garage und zurück. Dabei läuft das Ding äusserst zuverlässig. Ausser je einer defekten Front- und Blinker-Birne gab es rein gar nichts zu beanstanden. Der Reifen am Hinterrad ist zwar mittlerweile schon ziemlich runtergefahren, doch ein paar Monate wird er wohl noch den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. A propos Gesetz: Ich nehme dankbar zur Kenntnis, dass ich in diesem Jahr mit dem Motorrad noch keinen Strafzettel gekriegt habe, obwohl ich doch häufig zu schnell unterwegs bin. Die gute Beschleunigung und das agile Fahrverhalten verleiten mich doch (zu) oft zu einer etwas sehr zügigen Fahrweise. Auch in der Stadt kann ich mir Regelverstösse, wie das Vorbeifahren an Autokolonnen, nur schwer verkneifen. Deshalb bin ich dankbar, dass ich bisher ohne Busse davon gekommen bin.

Dann wären aber auch noch meine anderen Fahrräder oder Mountainbikes zu erwähnen. Diese fristen leider ein trauriges Dasein im neuen Gartenhaus. Seit Pfingsten war ich nie mehr auf dem Bike... eine Schande! Seit über 15 Jahren ist -oder war- dies mein Hobby Nummer 1. Ich vermisse es auch... Ich vermisse vor allem die schönen Momente mit Freunden in der Natur, aber auch wirkliche Berge und Alpentouren. Na ja, alles kann man nicht haben und wenn man (zumindest teilweise) das Hobby zum Beruf macht, fällt das Hobby halt irgendwie weg... Im Winter, wenn das Rikscha-Geschäft eh nicht funktioniert, kann ich dann wieder mit Freunden biken gehen. So lange muss das halt jetzt warten.

Und a propos "Rikscha-Geschäft": So langsam muss oder kann ich mir auch überlegen, ob und wie ich die Sache weitertreiben will. Bis Ende Oktober plane ich zu fahren und danach steht alles Weitere in den Sternen. Es gibt so viele Erfahrungen die ich nun gemacht habe, dass ich eigentlich schon denke, dass ich daraus lernen sollte und somit auch nächstes Jahr wieder Rikscha fahren sollte... Aber momentan bin ich zu einer Beurteilung noch nicht in der Lage. Ich will zuerst diese Saison zu Ende bringen...

10. August...

Vor genau einem Jahr bin ich nach knapp zwei Monaten von meiner Italienreise nach Hause zurückgekehrt und fotografierte auf der Quaibrücke mein vollbepacktes Kish-Reiserad...

Heute fotografierte ich an der fast gleichen Stelle meine Rikscha, mit der ich in den letzten Monaten wohl schon hunderte von Malen über die Quaibrücke gefahren bin...

Dazwischen liegt ein Jahr voller Veränderungen und voller neuer Erfahrungen. Es war wohl nur ein (Wunsch-)Traum, dass man sich hinsetzen kann um darüber nachzudenken was man mit seinem Leben anfangen will und dann so mir nichts dir nichts die richtige Antwort auf diese Frage findet. Gegen Ende des letzten Jahres habe ich mich hingesetzt und nachgedacht... Die grosse Erleuchtung hat sich nicht eingestellt und mein Weg ist noch immer ein Suchen und Ausprobieren. Die Unsicherheit hat zugenommen aber auch das Vertrauen in den Weg an sich...

Obwohl ich seither ein paar Enttäuschungen einstecken musste und sich vieles nicht wirklich wunschgemäss entwickelt hat so möchte ich doch festhalten, dass ich meist zuversichtlich und vor allen dankbar geblieben bin. Ich bin gesund und gut in Form. Ich habe viele Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten. Ich darf nicht jammern, denn sehr vieles liegt in meinen eigenen Händen und ich bin so unabhängig wie selten zuvor. Eines ist klar: es bleibt weiterhin spannend!