letzte Fahrt 2014

Kurz vor 11 Uhr war ich für eine letzte Fahrt in diesem Jahr gebucht. Es handelte sich dabei um eine Pensionierungsfeier, nach der der Pensionär zusammen mit seiner Frau zu einem Restaurant gefahren werden sollten.

Nachdem es gestern den ganzen Tag schneite war ich doch etwas besorgt, ob diese Fahrt wie geplant durchgeführt werden kann. Doch wie man auf dem Bild gut sehen kann, war heute das Wetter viel, viel besser und in der Innenstadt war der Schnee weitgehend geräumt. So konnten wir eine schöne Fahrt, mit Fotohalt vor dem Grossmünster, erleben. Danke Petrus!

bin ich eine Maschine?

In den letzten Tagen sind einige mir bekannte und populäre Leute gestorben. Udo Jürgens, Joe Cocker, Beny Rehmann und andere. Da macht man sich natürlich ein paar Gedanken. Ist unsere körperliche Existenz nicht vergleichbar mit einer Maschine, zum Beispiel einem Auto?

Meine Existenz startet mit 9 Monaten Aufbauarbeit im Bauch meiner Mutter und bei Geburt rolle ich als neues Auto vom Band. Kilometer 0. Nun erhalte ich einen Besitzer, mit dem ich mich durch diese dreidimensionale Welt bewegen werde. Dieser Besitzer heisst Geist. Mich, das Auto, nennen Sie Körper. Zusammen sollen wir eine Seele bilden und werden als Identität wahrgenommen.

In den Kinderjahren wird das Auto eingefahren. Die Gene legten schon fest, ob ich eher zu den sprintstarken Sportwagen zähle oder ob mein Chassis eher gemütlich bewegt werden will. In der Jugend wird man dann möglichst aufgebrezelt und getunt, bis das Auto zwischen 20 und 40 die Blüte erreicht. Alle körperlichen Systeme spielen hervorragend zusammen und es läuft für das Auto wie geschmiert. Vielleicht erleiden wir in den Jahren des täglichen Gebrauchs ein paar Blechschäden doch meist kommen wir wieder in Schuss. Man muss auch ab und zu mal Glück haben, um grösseren Blessuren oder gar einem Totalschaden ausweichen zu können.

Dann beginnt langsam das Alter. Die Wartungsarbeiten nehmen zu. Gewisse Ersatzteile werden zunehmend schwieriger zu beschaffen. Und unser Besitzer merkt das lange nicht. Er drückt noch immer wie ein Wilder aufs Gaspedal und hält die Drehzahl hoch. Das kann nicht lange gut gehen. Herzinfarkt ist gleich Kolbenklemmer, doch auch das lässt sich heute halbwegs gut reparieren. Nichts desto trotz, der Zahn der Zeit beginnt zu nagen. An der Karosserie, am Motor, an den anderen Subsystemen. überall kumulieren sich die Sünden der Vergangenheit.

Der technische Fortschritt hat Autos immer langlebiger gemacht. Das Durchschnittsauto Mensch fährt in der Schweiz derzeit schon fast 80 Jahre. Wenn eine Frau am Steuer sitzt, hält es sogar noch 3 oder 4 Jahre länger. Über 100jährige Autos sind selten und jedes, noch so langlebige, Fahrzeug findet vor 120 Jahren sein Ende. So ist das.

Jedes Auto wünscht sich einen sanften Tod. Am besten, wenn eines Morgens ganz einfach der Starter streikt und nichts mehr geht. Oder wenn während der Fahrt plötzlich ein wichtiges System zusammenbricht und das ganze Auto mit in den Tod reisst. Möglichst schmerzlos oder wenn schon schmerzhaft, dann wenigstens schnell und ohne langes Leiden.

Meist ist es aber anders und weniger spektakulär. Man bekundet Mühe im Verkehr. Alles wird immer schneller und es hat auch immer mehr Autos, die einem den Weg versperren oder einem anrempeln. So nehmen die kleinen Pannen immer mehr zu und es kommen vielleicht noch ein paar grössere Probleme dazu. Immer wieder muss man in die Garage und den Fachmann zum besten sehen lassen. Es braucht immer mehr Rostschutz und Schmiermittel. Die Pechvögel unter den Autos sterben in der Garage. Mit teuren Reparaturen hat man zwar das Leben noch verlängert, doch die Strassen unter den Reifen hat man schon lange nicht mehr gespürt. Es bleibt einem nur noch, von früheren, schöneren Zeiten zu träumen, bis dann endlich das Licht ausgeht.

Was mit dem Besitzer (dem Geist) passiert, weiss ich nicht. Ob da vorher schon etwas war oder ob da nach dem Tod noch etwas anderes kommt, das enzieht sich meinem Wissen. Hier geht es auch mehr um die mechanische Betrachtung oder Interpretation meines Körpers und somit meiner physischen Basis, die mich durch diese Art von Leben begleitet. Denn soviel ist klar. Ich manifestiere mich in dieser dreidimensionalen Welt mit einem Körper. Ohne materiellen Körper, keine Teilnahme am menschlichen, sozialen Leben.

Was also dieses, unser allgegenwärtig bekanntes Leben anbelangt, sind wir zwingend auf einen Körper angewiesen (ein Auto, ein Raumschiff, welches unseren Geist durch Raum und Zeit begleitet). Und mit dem Tod und der Verschrottung des Autos endet diese Reise. Es führt somit zu der Frage, ob Körper und Geist eins oder zwei sind. Stirbt auch der Geist, wenn der Körper stirbt? Fragen, auf die ich keine Antwort weiss. Fragen, die Religionen zu beantworten versuchen.

Um diesen Beitrag abzuschliessen. Natürlich ist mein Körper KEINE Maschine und somit auch nicht mit einem Auto zu vergleichen. Mich dünkt aber, dass diese Denkauffassung immer mehr Anhänger findet. Man beobachte die neuen Trends zu Fitness-Apps, Biofeedback-Uhren und dergleichen. All dem liegt ein mechanisches Verständins unseres Körpers zugrunde. Wer weiss, vielleicht wird in 10 Jahren meine Krankenversicherung auf Grund von gesammelten Biofeedbackdaten mein ganz persönliches Risikopotential und so meine Prämie kalkulieren. Denkbar, aber auch etwas erschreckend. Erschreckend deshalb, weil es zum Vergleich und zur Beurteilung ein Idealbeispiel geben muss, welches als erstrebenswertes Durchschnittsziel vorgegeben wird. Da kommen Gedanken an Zucht und Monokultur auf. Wer erinnert sich nicht an solche Ideal-Mensch-Vorstellungen. Davon gab es in der Geschichte der Menschheit schon mehrere und zum Glück scheiterten alle. 

Vielleicht kann man sagen, ein toter Körper sei eine Maschine. Eine kaputte Maschine, nicht mehr reparierbar ist. Solange aber Leben in einem Körper ist, solange ist ein Körper mehr als eine Maschine oder eine mathematisch belegbare Funktion.

die neue Welt

Auszug aus einem Interview mit Simon Keese über das Silicon Valley im Tagi online.

Das Silicon Valley sieht sich als Ort der Weltverbesserung. Man trifft dort viele Menschen, die glauben, jedes Problem lasse sich durch Algorithmen lösen. Sie denken sogar, dass sich menschliche Regungen wie Liebe, Schmerz, Glück oder Glaube in Algorithmen erfassen lassen. Wer anders denkt, sagen sie, habe die revolutionäre Kraft der digitalen Möglichkeiten nicht begriffen. Hier bricht ein ­titanischer Grundkonflikt zum Denken europäischer Prägung auf. Abzulesen etwa in den Diskussionen um Datenschutz und Urheberrechte.

Woher kommt dieses Selbstbewusstsein, die Welt zu verbessern?
Es wurzelt im Machbarkeitsdenken kalifornischer Ingenieure. Vergessen wir nicht die Geografie: Kalifornien liegt am Rand des Westens, es ist der Ort, an dem sich Amerika vollendet hat. Die nächste Zivilisation – New York und Washington – ist 5000 Kilometer entfernt, es fehlt der reflektierende Einfluss der Ostküste und Europas. Im Valley sind die Nerds allein zu Hause und träumen von einer besseren Welt, in der Maschinen die neuen Götter sind. Nicht unsympathisch, aber auch nicht ungefährlich.

Phu... alles erklär- und vorhersehbar dank Mathematik und Algorithmen?  Ich habe wohl die revolutionäre Kraft der digitalen Möglichkeiten nicht begriffen. Kann sein. Ich beschäftige mich lieber mit Menschen als mit Maschinen. Ich befürchte, dass diese sogenannten Nerds andere Menschen nur als Kunden oder Resource wahrnehmen. Sie scheinen jede Poesie verloren zu haben. Sie sind verstrickt in Zahlen und weil sie alles berechnen wollen, berauben sie sich jeglicher Spontanität und Vitalität. Diesen Menschenschlag mag ich nicht besonders.

Schnee!

Der Wetterdienst rechnet damit, dass die Schneefallgrenze im Verlauf des Tages steigt - auf 600 bis 800 Meter. Dazu bläst relativ kräftiger Südwestwind. In der Nacht schneit es einmal bis ins Flachland. Über das ganze Wochenende rechnen die Meteorologen mit 5 bis 15 Zentimetern Neuschnee im Flachland und mit 20 bis 40 Zentimeter in den Bergen. Im Berner Oberland und im Wallis sind lokal bis zu 50 Zentimeter Neuschnee möglich.

Schön! Endlich Schnee, endlich Winter! Vor unserer Haustüre hat es schon 5cm. Ich war das erste Mal Schnee schaufeln.

Obwohl... Wie viel Spass macht Rikschafahren bei Minustemperaturen, eisigem Wind, Schnee, Matsch und Streusalz? Es bleibt spannend.

Malen mit Zahlen

Im Dezember ist es jeweils an der Zeit, dass ich mich um die Buchhaltung von BIKE BUTLER kümmere um den Jahresabschluss vorzubereiten. Die Anforderungen werden jedes Jahr etwas grösser, dies einerseits weil es zunehmend besser läuft und sich dadurch die Transaktionen erhöhen, andererseits brachte die Rechtsform der GmbH mit der Buchführungspflicht, mit MWST und anderen gesetzlichen Vorgaben noch zusätzlichen Aufwand. Hinzu kommt, dass ich selbst keine kaufmännische Vorbildung habe und deshalb ein paar Dinge dazu lernen muss. Wobei dies alles ist eigentlich gar nicht das Problem.

Das Erste was mich stört ist, dass die ganze Zahlen auflist und hin und her schieberei letztendlich genau das widerspiegelt, was man zu Beginn der Arbeit ja schon weiss. Ich blicke auf den Bankkontostand und in die Barkasse, vergleiche deren Saldo mit dem Vorjahr und schon kann ich eine Bilanz ziehen. Punkt. Aber nein, ich muss jede Bankbewegung buchhalterisch erfassen, jede Quittung oder jeden Beleg kategorisieren und jedes kleine hin und her dokumentieren. Und zum Schluss weiss ich dann zwar tausend Details, doch das Ergebnis bleibt sich gleich.

Das Zweite was mich stört ist die Einseitigkeit der Betrachtung. Je mehr Zahlen man auflistet und einander gegenüber stellt, desto grösser wird die Bedeutung dieser Zahlen. Irgendwann versucht man das ganze Leben zu erklären anhand von Zahlen (was heute ja leider gang und gäbe ist). Es entstehen Kennzahlen, Messgrössen, Indikatoren und zahlenbasierende Ziele als ob diese Zahlen irgendeine Qualität beinhalten würden. Es ist nur Verstandes-Müll oder modern ausgedrückt Mind-Fuck. Zahlen sind Futter für den Verstand, doch das Leben an sich kümmert sich nicht um den menschlichen Verstand.

Und als Drittes beklage ich ja schon über das ganze Jahr hinweg, dass man sich weniger von Zahlen als von Erfahrungen und Erlebnissen beinflussen lassen sollte. Da kommen mir solche Zeiten, in denen Zahlen ganz stark in den Vordergrund rücken, natürlich nicht entgegen. Deshalb nannte ich den heutigen Titel "Malen mit Zahlen": In dem man in diesen Malbüchlein durchnummerierte Punkte verbindet, entsteht eine Figur oder eine Zeichnung, die eine ganz andere, neue Qualität erreicht. So gesehen sind Zahlen also nicht nur schlecht, sie können auch eine schöpferische Tätigkeit unterstützen. Ich versuche in meinem von Zahlen verwirrten Kopf also wieder Frieden zu finden... ;-)

ein Frühlingstag

Wir schliefen heute lange und es war bereits ein sonniger Tag, als wir zusammen frühstückten. Ich hatte nichts wirklich wichtiges vor, doch keinesfalls wollte ich shoppen oder einkaufen. An einem so schönen Tag soll man sich draussen bewegen und dankbar das Wetterkuriosum auskosten.

Am letzten Sonntag bin ich kurz mit dem KISH zu meinen Eltern gefahren. Hin und zurück sind das kaum 10 Kilometer, doch jeder davon hat Spass gemacht. Deshalb war rasch klar, dass ich den heutigen Nachmittag für eine KISH-Strassenrunde nutzen wollte. Nicht in Lycra-Bikekleider, sondern in Jeans und in Turnschuhen. In die Stadt um da einen Kaffee zu trinken und etwas zu plaudern, das war der Plan.

Ein guter Plan, den ich dann ziemlich genau so umgesetzt habe. Natürlich gibt es bei solchen Fahrten auch spontane Abzweiger oder Zusatzschleifen. Heute bin ich nach dem Kaffee auf der Rathausbrücke noch zum Sechseläutenplatz und an den See gefahren, so wie ich sehr oft mit der Rikscha unterwegs bin. Es war eine Art "Hallo" sagen und abchecken ob alles noch am richtigen Ort sei. Auch wenn ich "nur" mit dem Strassenvelo und nicht mit der Rikscha unterwegs war.

Ich hatte Zeit und der Rückweg konnte etwas länger werden. Ich hatte Lust um noch etwas Rad zu fahren und so passte die ich die Strecke dem Tageslicht an. Ich hatte kein Licht dabei und gegen fünf Uhr abends, als ich nach Hause kam, war's dann schon ziemlich düster. Gutes Timing! Einherrlicher Tag! Erholung pur, bei fast 10 Grad und etwa 50 Kilometer, 600 Höhenmeter.


Dezemberfahrten

Zwei bis dreimal pro Woche werde ich von der Hochschule für eine Fahrt aufgeboten. Diese Fahrten lassen sich in zwei Gruppen aufteilen: 1. Nutzfahrten und 2. Spassfahrten. Die Nutzfahrten finden meist um die Mittagszeit statt und dienen vor allem dazu, Studenten oder Lehrkräfte zum Bahnhof oder zu einem anderen Hochschulgebäude zu fahren, Die Spassfahrten finden vorwiegend abends statt mit der Beschreibung "auf Umwegen zum Hauptbahnhof". Die "Umwege" führen dann meist ins Stadtzentrum um die Weihnachtsbeleuchtung in den verschiedenen Strasse anzusehen. Gute Idee und gute Tarnung. ;-)

Ich bin für jede Fahrt dankbar, denn bezahlt sind sie sowieso und so bleibe ich auch in der Winterzeit halbwegs fit. Zudem mache ich es ja einfach gerne und habe auch meinen Spass daran.