aufwärts

Nach einem Tief folgt ein Hoch. Ganz normal. "Nach em Räge schiint d'Sunne". Nach dem Wellental geht es aufwärts. So ist es auch bei mir. Alles ganz normal.

Seit Anfang Woche verschicke ich nun wieder Werbebriefe um das Geschäft für 2015 etwas anzukurbeln. Ich tue dies wie immer mit gemischten Gefühlen. In den vergangenen Jahren war der Erfolg jeweils sehr bescheiden was einerseits auf die Motivation drückt, andererseits aber auch anspornt um es diesmal besser zu machen. Es braucht ansprechendere Bilder, interessantere und vor allem kürzere Texte. Nach ein paar Google-Suchen und Youtube-Videos machte ich mir folgende Liste:

  • Titel (Headline) muss Interesse wecken
  • Warum soll der Empfänger mein Schreiben lesen? Nutzen ansprechen
  • Welchen Vorteil erzielt mein Produkt/Service für den Kunden? Nutzen verdeutlichen
  • Wie soll der Empfänger reagieren? Wie kriegt er diesen Nutzen
  • PS: ein kerniger Schlusssatz mit Aufforderung zum Handeln

Dann noch ein paar Merkpunkte: Weniger "wir, unser Produkt, etc." mehr "Sie, Ihr Vorteil, etc.". Keine Selbstbeweihräucherung. Kurze Sätze. Wenig Fremdwörter, einfache Sprache. Klingt soweit alles plausibel und einfach, die Umsetzung ist jedoch mit ziemlich viel Aufwand verbunden. Der Anfangstext ist zu lang und zu kompliziert und beim einkochen und reduzieren muss man Sätze immer wieder umstellen und darauf achten, dass der Text als Ganzes auch noch Sinn macht. Nun weiss ich, warum es Werbetexter gibt. Das ist wirklich harte Arbeit oder eben die Kunst, das Richtige mit wenigen Worten zu sagen und die Triggerpunkte die den "Haben-will"-Reflex auslösen zu treffen.

Ich habe wohl Fortschritte gemacht und hoffe doch, dass die Resonanz auf die diesjährigen Werbebriefe etwas besser sein wird als die Jahre zuvor. Auch ich lerne immer wieder dazu und entwickle mich weiter. Natürlich gehe ich nicht davon aus, dass das Telefon bald Strum klingelt, doch ein, zwei, drei... Anrufe würden meinen Aufwärtstrend doch zusätzlich beflügeln. ;-)

Tigi, unser Kater durchlebt auch ein auf und ab. Mal geht es ihm etwas besser, dann folgen wieder Tage wo er nichts frisst und nur rumliegt. Das belastet nicht nur ihn sondern auch uns. Heute stand wieder einmal ein Arztbesuch an. Tja, noch ist er nicht gesund. Es braucht nochmal mindestens eine Woche mit Schmerzmitteln und Antibiotika. Wird es nicht besser, müssen ihm wohl ein paar Zähne gezogen werden. Eine unschöne und harzige Geschichte. Auch hier gilt: man darf die Hoffnung nicht aufgeben.

Melancholie

Meist im Winter gibt es diese Zeit, wo wir unter einer hartnäckigen Hochnebelschicht leben und rasch vergessen, wann wir das letzte Mal die Sonne gesehen haben. Zum oft diffusen Licht gesellt sich Feuchtigkeit und Kälte. Dann dauert es jeweils nicht lange, bis mich Trägheit und Melancholie befällt. Nicht nur meine Bewegungen werden langsam und schwer, auch bleierne Gedanken wandern durch meinen Kopf und alles droht mich nach unten zu ziehen. Aus Nichtigkeiten entsteht Trauer, die Motivation lässt nach und ich möchte mich am liebsten zu einem langen Winterschlaf verkriechen und erst im Frühling mit wärmenden Sonnenstrahlen wieder aufwachen.

Obwohl ich das also alles schon kenne und mich deshalb nicht sonderlich beeindrucken lassen sollte... ja, trotzdem... es befällt mich... wie modriges Laub liege ich am Boden und warte auf Verwesung...

Ich weiss: sich treiben lassen, hingeben und nichts dagegen tun hilft nicht, nein, es wird dadurch meist nicht besser. Wenige -oder fast keine- Probleme oder Aufgaben lösen sich durch Nichtstun. Und trotzdem. Dagegen ankämpfen hilft auch nur vordergründig und ist oft nur Ablenkung. Irgendwie muss man dieses dunkle Tal doch durchleben, sich nach unten ziehen lassen um einen Tiefpunkt zu durchwandern. Daraus lässt sich auch Kraft für die nächste Auferstehung schöpfen. Es ist also in Ordnung...

Nach all dem Gedankengeschwurbel ein paar Gründe für meine derzeitige Melancholie. Der Gesundheitszustand unserer Katze bessert sich zwar langsam, doch mein Mitleiden mit ihr drückt mir schon auf die Stimmung. Dann sind meine Rikschastunden in der Stadt auch eher qual- als lustvoll. Ich muss 40 Stunden pro Monat mit der Rikscha präsent sein und während im Dezember noch "Weihnachtsbeleuchtung ansehen Fahrten" auf dem Programm standen, so fahre ich nun im Januar fast immer leer durch die Stadt. Irgendwie sinnlos das Ganze. Kein Mensch steigt bei 0° Grad tagsüber in eine Rikscha. Das würde ich selbst ja auch nicht tun. Und den wenigen Leuten die derzeit in der Stadt anzutreffen sind, ist ihr Unverständnis förmlich anzusehen. Dann ist da noch die Suche nach Werbepartnern respektive das Versenden neuer Unterlagen zur Aquise. Das habe ich bis jetzt immer vor mir her geschoben und deshalb meldet sich diesbezüglich langsam mein schlechtes Gewissen. Und zu guter Letzt verlaufen meine Meditationsversuche auch eher ernüchternd. Mein innerer Schweinehund siegt doch öfters mal gegenüber der Disziplin und wenn ich dann sitze, dann kann ich mein Kopfkino nicht abstellen.

Abschliessen möchte ich diesen Beitrag aber doch mit der Feststellung, dass ich in einer privilegierten Lage bin. Ich habe Zeit für diese Melancholie. Ich bin nicht in eine 40 Stunden Arbeitswoche eingebunden, die mir Ablenkung vorschreibt. Ich kann es also annehmen, durchleben und dann hinter mir lassen. Auch ein schöner Gedanke.

kranke Katze

Unser Kinderersatz - unsere Katze - ist krank. Seit etwas über zwei Wochen frisst sie fast nichts mehr und hat extrem entzündetes Zahnfleisch. Nach dem ersten Besuch in der Tierklinik musste sie erst mal da bleiben und wurde mit Infusionen wieder etwas aufgepäppelt. Natürlich gab es diverse Untersuchungen um der Ursache auf die Spur zu kommen. Das Resultat: Sie hat eine Form von Calici-Viren (Katzenschnupfen) und dies obwohl sie dagegen geimpft wurde.

Es gilt nun die Viren mit Antibiotika zu bekämpfen und mit Schmerzmitteln das Zahnweh soweit einzudämmen, damit sie wieder halbwegs schmerzfrei fressen kann. Zuerst bekam sie Antibiotika im Pillenform. Morgens 2 und abends 2. Wer schon einmal selbst versucht hat einer Katze eine Pille zu verabreichen weiss, was für ein Theater das ist und dass die Chance, dass einem die Katze beisst oder einem mit ihren scharfen Krallen ganz übel perforiert gar nicht klein ist. Es war eine Katastrophe...

Nach einer erneuten Konsultation in der Kleintierklinik baten wir deshalb, dass wir auf flüssige Medikamente umstellen können. Ihr mit einer stumpfen Spritze die Medis in den Rachen zu spritzen ist doch deutlich einfacher als die Katze zum schlucken von Pillen zu animieren. Auch so ist es noch ein Kampf. Morgens zwei Spritzen, abends deren drei. Eine Belastung für Tier und Mensch.

Immerhin, die Behandlung scheint langsam Wirkung zu zeigen und sie beginnt wieder zu fressen. Wir denken also, dass wir auf dem Weg der Besserung sind. Nachdenklich stimmt uns die Sache trotzdem, denn nach Auskunft der Tierärztin wird unsere Katze das Virus wohl nie mehr wirklich los und so können auch später immer wieder Zahnfleischentzündungen auftreten. Und zweitens, unsere Katze wird als Virenträger zu einer Gefährdung für andere Katzen, da der Virus via Speichel übetragen werden kann. Da es in unserem Wohnquartier sehr viele Katzen gibt, ist das ja auch nicht eine wirklich positive Aussicht... wer weiss denn schon, wo freilaufende Katzen Futternäpfe finden, die sie auslecken? Hmmm...

instabiles Gleichgewicht

Ich habe mir noch weitere Interviews mit Herrn Dr. Dürr angesehen und bin von seinen Aussagen wirklich beeindruckt. Er sprach Sachverhalte aus, die ich vielleicht erahnte aber selbst nie so artikulieren könnte, weil mir dafür der intellektuelle Horizont fehlt. Das Beste daran ist jedoch, dass er mir ein paar Schuldgefühle diesbezüglich genommen hat. Meine bisherigen Erfahrungen und meine gemachten Interpretationen sind vielleicht nicht so tiefgründig oder wissenschaftlich fundiert, aber, sie scheinen in die richtige Richtung zu gehen. Und dieses Gefühl, welches mir diese Interviews vermittelt haben, tut mir gut.

z.B. mein Misstrauen bezüglich der Absolution des Verstandes. Die Aussage: "wir erleben viel mehr als wir je begreifen können." trifft bei mir auf offene Ohren. Es stützt auch eine schon früher geäusserte Aussage von mir, dass oftmals das 100%ige Gegenteil dessen, was wir sagen genau so richtig ist, wie das, was wir sagen. Sobald wir etwas artikulieren, spalten wir es auf in Beschreibbares und Unbeschreibbares. Es entspricht nicht mehr der Wahrheit sondern höchstens noch der Realität. Das Leben ist viel mehr, als wir je verstehen können. Denn unser Verstand ist dafür gemacht uns physisch am Leben zu halten, zu ernähren, zu kleiden und nicht unbedacht dumme Entscheidungen zu treffen. Doch er ist nicht dafür gemacht, das Leben oder den Sinn des Lebens zu verstehen.

Das heisst letztendlich, dass wir uns immer mehr von der Lebendigkeit entfernen, je verstandesorientierter wir leben. Dafür ist meine eigene Vergangenheit doch ein prächtiges Beispiel. Meine 25 Bürojahre waren geprägt von verstandesorientierten Handlungen. Alles war möglichst vernünftig organisiert und das vermittelte mir ein Gefühl von Sicherheit. Doch dabei kam mir das Leben, die Lebendigkeit abhanden. Ich fühlte mich zunehmend als Zahnrad einer grossen Maschine und funktionierte mehr als ich lebte. Mit meinem Schritt aus diesem "alten" Leben in die Selbständigkeit als Rikschafahrer (einer -zumindest in der Schweiz- noch undefinierten Berufsart) erhöhte sich schlagartig die Unsicherheit und dadurch die Lebendigkeit. 2012 und 2013 habe ich öfters von dieser Unsicherheit geschrieben.

Der Verstand hat mir sehr geholfen um grosse Fehler zu vermeiden und das ganze Experiment auf ein Niveau zu bringen, von dem ich mich ernähren und kleiden kann. Das prickelnde Gefühl der Lebendigkeit und die Neugier auf das, was denn nun als Nächstes passiert, dies wurde nicht vom Verstand erzeugt. Der Verstand hat also durchaus seinen Wert, doch es muss ihm der richtige Platz zugewiesen werden. Verstehen und Wissen ist gut um gemachte Fehler nicht zu wiederholen. Das prickelde Lebensgefühl kommt jedoch von wo anders, nämlich von Ahnung, Intuition, Inspiration, Gefühl und neue-Erfahrungen-machen, ja, das ist Leben. Wenn ich mich also für die Leben-Seite entscheide, so entscheide ich mich automatisch für die Unsicherheit. Denn verstehe: Sicher ist nur der Tod!

Natürlich muss ich an diesem Punkt auch die Angst erwähnen, die mich -zumindest am Anfang- sehr stark begleitet hat. Ich hatte Angst zu versagen, komplett zu scheitern und dass dann all die Mitmenschen recht kriegen, die mir vor dem Sprung ins kalte Wasser (der Unsicherheit) dringend abgeraten haben. Ja, diese Angst ist real und zeitweise ist sie schwer auszuhalten. Man ist nicht immer kraftvoll und motiviert um neuen Situationen und Erfahrungen zu begegnen. Man sehnt sich auch mal zurück in die alte Komfortzone der (leblosen) Sicherheit. Das ist ganz normal. Aber, und jetzt kommt es: Wenn man ins kalte Wasser springt, lernt man ziemlich schnell schwimmen. Man sinkt nicht einfach wie ein Stein. Ein Mensch ist lebendige Materie und verfügt über natürlichen Auftrieb. Dass man ab und zu Wasser schluckt gehört dazu, doch naturgemäss geht man nicht einfach so unter. Wenn man Ruhe bewahrt merkt man auch bald, dass man gar nicht wie wild paddeln muss um sich über Wasser zu halten. Mit der Zeit steigt dann das Vertrauen und man beginnt das Schwimmen zu geniessen. Und mit steigendem Vertrauen versucht man später dann vielleicht sogar zu tauchen (um weitere, neue Erfahrungen zu machen).

Was mich nun wieder zu einer der Kernaussagen von Dr. Dürr zurück kommen lässt: "Gesteigerte Lebendigkeit erleben wir durch Hingabe, durch Sensibilität, durch die Herstellung eines instabilen Gleichgewichts". Als Physiker demonstriert er diesen Zustand des instabilen Gleichgewichts an einem Pendel. Ich interpretiere dies in der Hinsicht, dass wir uns immer wieder voller Vertrauen und Hingabe in neue Situationen begeben und das Leben geschehen lassen. Voller Sensibilität Unsicherheit erfahren und erleben, was passiert. Wir wissen nicht, was passiert aber etwas wird passieren, denn das Leben ist nie gleich und immer passiert etwas. Wir sollen auch nicht versuchen, etwas willensmässig passieren zu lassen (das funktioniert eh nicht, da man nur wollen kann was man schon kennt, und somit ist es nicht mehr neu). Vertrauen darauf, dass man nicht ertrinkt und somit den Sprung ins kalte Wasser wagen. Verstehen, dass man Teilnehmer/Teilhaber an einem grösseren Ganzen ist. Wie sagt er so schön: "Man kann es verstehen aber nicht begreifen." Weise Worte.

sehenswert

Man braucht eine Stunde Zeit um sich dieses Video anzusehen, doch es lohnt sich und bereichert. Oder wie Herr Dr. Dürr sagen würde "es erinnert einem..." Obwohl diese Aufzeichnung nun bald 13 Jahre alt ist, hat es weder an seiner Richtigkeit noch an seiner Aktualität etwas eingebüsst.

neues Jahr

Am Silvester begann ich einen Eintrag "Jahresrückblick" zu schreiben, den ich aus Zeitmangel nicht fertig kriegte und später dann wieder löschte. Irgendwie habe ich keine Lust auf einen Jahresrückblick obwohl ich 2014 grundsätzlich als ein positives Jahr betrachte und es schon noch das eine oder andere zu resümieren gegeben hätte. Trotzdem war es mir nicht so wichtig...

Nun sind die ersten Tage im neuen Jahr auch schon wieder verstrichen und es ist an der Zeit, dass ich mich hier wiedereinmal melde.

In den letzten Tagen nutzte ich einige Zeit um das buchhalterische Jahr von BIKE BUTLER abzuschliessen. Wer mich kennt weiss, dass ich diese Zahlenakrobatik nicht gerne mache und dass mir die Sache meist auch auf die Laune schlägt. Man beginnt alles auf Zahlen zu reduzieren und beginnt Sachverhalte via Zahlen zu werten oder eben umzuwerten. Es gibt viele tolle Erlebnisse während eines Jahres. Die einen waren finanziell erfolgreich und die anderen eher nicht. Mit dem (einseitigen) Fokus auf die Zahlen wird das Eine "gut" und das Andere"schlecht". Das Eine sollte man vermehren und das Andere eher vermeiden oder zumindest finanziell attraktiver gestalten. Ehrlich? Ist dem wirklich so? Eine Scheissfrage und eine Scheissbetrachtung.

Daneben hatte ich in den vergangenen zwei Wochen aber auch genügend Zeit um mich etwas treiben zu lassen und um mich um meine geistige Hygiene zu kümmern (oder eben den Zahlenmüll wieder loszuwerden). Wieder einmal in ein paar Büchern zu schmöckern war ganz erfrischend.

Weihnachten ist ja das grösste christliche Fest und als getaufter und konfirmierter Mensch mache ich mir dazu -ob gewollt oder nicht- auch ein paar Gedanken. Ich bin nicht sonderlich religiös aufgewachsen, bin nicht (und war vermutlich auch nie) ein bekennender Christ. Der Alleingültigkeitsanspruch hat mich immer gestört. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass alle Andersgläubigen schlechte Menschen sind und deshalb in der Hölle schmoren werden. Die Idee, dass alle Muslime, alle Hindus, Buddhisten, etc., etc., einem Irrglauben anhängen fand ich schon immer sehr überheblich.

Verstandesmässig stehe ich dem Atheismus nahe, glaube an die Evolution und an die Zufälligkeit des Lebens. Hineingeworfen ohne Plan und mit dem Tod zu Staub werdend. Ganz unbedeutend und ohne jede Vorbestimmung, ohne Karma, ohne Schuld, ohne göttlichen Auftrag und ohne Existenz nach dem Tod. Wie eine Blume zu erblühen, zu verfallen und wieder zu Staub werden.

In den letzten Jahren begann ich jedoch zunehmend meinem Verstand zu misstrauen. Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass der Verstand an sich nichts Schlechtes ist, doch dass dieser nichts mit der Realität zu tun hat. Ich denke eher, dass der Verstand unser persönlicher Filter ist, der unserem Hirn eine Art virtuelle Welt zusammenstellt innerhalb derer sich unsere Gedanken zurechtfinden oder zumindest kategorisiert werden. Der Verstand teilt immer auf. Gut und böse, schön und hässlich oder wie oben beschrieben: rentabel und unrentabel, das ist sein Geschäft und das kann er perfekt. Der Verstand kann nicht vereinen und doch ist Einheit das, wonach ich tief in mir suche und strebe. Mich interessieren nicht tausend Einzelteile sondern mich interessiert das grosse Ganze. Verstandesmässig ist dies nicht zu finden.

So gelange ich also wieder zum Glauben. Glauben heisst nicht wissen. Wissen ist Verstand. Glauben ist Verstand plus Gefühl (plus Erfahrung). Dinge annehmen, die über unseren Verstand hinausgehen, die eben noch ganz, noch ungefiltert und ungeteilt sind. Manchmal, in wirklich seltenen Momenten, fühle oder fühlte ich diese Ganzheit, diese Verbundenheit und Integration. Aber eben: nur ganz selten. Meist bin ich zersplittert und alleine, wie ein Sandkorn am Meeresstrand.

Meine bisherige Lebenserfahrung zeigt mir, dass ich mich nicht für ein vorgegebenes Konzept einer Religion entscheiden kann. Meine inneren Zweifel machen solche Versuche immer wieder zunichte. Es genügt mir nicht ein Christ zu sein. Ich will mich auch mit Muslimen oder Buddhisten verbunden fühlen. Ich suche das Eine und nicht einen Teil davon.

Bisher gelernt habe ich, dass ich nicht in der Aussenwelt fündig werde. Meine Sinne und mein Hirn sind zu starke Filter. Ich erkenne stets nur das, was den Weg durch diese Filter schafft und das ist nie das Ganze sondern immer nur ein Teil davon. Ich muss also den Weg nach innen beschreiten, den Weg in die Stille und das mir dafür bekannte Vorgehen heisst Meditation.

Bisher bin ich bei Meditationsversuchen immer gescheitert und habe es jeweils sehr schnell wieder aufgegeben. Im Meer der Gedanken konnte ich höchstens an der Oberfläche schwimmen, jedoch nie eintauchen um die Stille und Ganzheit des Meeres zu spüren. Mein Verstand liess mich nie los und tat die jeweiligen Versuche schnell als unütze Zeitverschwendung ab. Und doch erscheint es mir nach wie vor als der einzige, für mich gangbare, Weg. Meditation braucht keinen Gott und kein Glaubenskonstrukt. Es braucht lediglich etwas Zeit und vor allem Übung und Disziplin.

Deshalb ist dies mein einziger Vorsatz für das neue Jahr. 5 Minuten pro Tag still sitzen. Nicht mehr. Zu Anfang wird dies schon schwer genug sein. Sich still hinzusetzen, zuerst den Atem zählen um die Gedanken zu beruhigen und dann loszulassen. Das sollte möglich sein. Wenn mich meine innere Suche schon so weit treibt, dass ich hier knapp eine Stunde für diesen Blogeintrag investiere, so sollten 5 Minuten bewusste Ruhe möglich sein. Immerhin fühle ich mich reif für einen nächsten Versuch. Irgendwann werde ich bestimmt wieder davon berichten.