eigene Realität

Jeder weiss es. Realität und Wirklichkeit sind zwei verschiedene Dinge. Man könnte auch sagen, Realität ist subjektiv und Wirklichkeit ist objektiv. Wie auch immer. Worauf ich hinaus will: Wir alle nehmen die Wirklichkeit durch unsere Sinne wahr und interpretieren daraus eine (unsere persönliche) Realität. Unsere Sinne funktionieren dabei wie Filter. Diese Filter haben wir uns vorwiegend unbewusst aufgebaut. Es ist ganz einfach unsere Vergangenheit, die durch unsere Augen sieht und nur das erkennt, was schon mal irgendwo gesehen wurde. Nur das hört was schon irgendwann gehört wurde, etc., etc. Man kann daraus also schlussfolgern, dass wenn 3 Personen die gleiche Wirklichkeit betrachten, alle etwas anderes sehen. Und da alle unterschiedliche Erfahrungen und Vergangenheiten mitbringen, werden sie die Wirklichkeit auch unterschiedlich interpretieren.

Momentan erlebe ich eine solche Geschichte 1:1. Und zwar wie folgt: Seit fast 2 Jahren trinke ich in der Stadt Zürich immer am gleichen Imbiss-Stand meinen Milchkaffee. Dort arbeiten 3 Personen als Angestellte einer Firma mit insgesamt 75 Angestellten. Der Inhaber verkaufte nun diese Firma und alle 75 Mitarbeiter wechseln zu dem Grossbetrieb, der sie übernommen hat. Das geht in etwa so: In einem halben Jahr werden alle Standorte umgebaut und in das Konzept des Grossbetriebs integriert. Alle 75 Personen werden eingearbeitet und haben ein Jahr lang eine Jobgarantie. Das ist alles, was man bisher weiss. Es ist also ein riesig grosser Raum für Gerüchte, Annahmen, Spekulationen und so weiter. Es wird nur schleppend und häppchenweise kommuniziert und alles ist "unsicher".

Person A findet: "Es ist einfach nur traurig. Ich habe den alten Betrieb und dessen Chef über alles geliebt und arbeitete noch gar nie an einem anderen Ort. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen wie das weiter gehen soll. Sicher ist aber, es wird nie mehr so familiär und persönlich zu und her gehen, wie bisher. Ich könnte den ganzen Tag heulen."

Person B findet: "Ich bin total wütend! Noch vor einem Monat war hier Friede, Freude, Eierkuchen und nun wurden wir wie Vieh einfach verscherbelt und verkauft. Obwohl wir immer hart geschuftet haben und so unserem alten Chef ja wohl auch sein Luxusleben ermöglichten. Das ist nun der Dank! Am neuen Ort wartet ja wohl auch niemand auf uns. Das gibt nur noch mehr Regeln und Schickanen, damit sie uns nach einem Jahr dann auch los sind."

Person C findet: "Ich war völlig überrascht, doch ja, warum auch nicht? Die neue Firma hat einen guten Ruf, tolle Sozialleistungen und bietet Ausbildung an, wie sie in der bisherigen Kleinfirma gar nicht möglich war. Einerseits werde ich mehr verdienen und habe auch noch neue Möglichkeiten, wie ich mich in Zukunft entwickeln kann. Ich bin gespannt wie es weitergeht und glaube, das kommt gut.

So unterschiedlich kann die gleiche Wirklichkeit verstanden werden. Jeder sieht eine andere Realität.

unwichtig

Es kommt immer öfter vor, dass ich denke "ich sollte wieder einmal einen Blogeintrag schreiben", es dann aber doch lasse. Gründe dafür gibt es einige. Ich versuche sie mal aufzulisten:

  • Nicht wirklich neu. Schon geschrieben, Wiederholung.
  • Nicht wichtig. Wen interessierts?
  • Zu kopflastig. Mein nach-denken und schreiben bewegt sich in Kreisen.
  • Zu emotional. Aus einer Mücke einen Elefanten machen?
  • Nicht festlegen. Gedanken zu formulieren heisst oft sich festzulegen, sich eine Meinung, ein Urteil zu bilden.

Tja, dann bleibt einfach nicht mehr viel übrig.

Meine Hauptausrede ist, dass ich meine Gedanken je länger je unwichtiger finde. Ich will sie nicht mehr festhalten. Vielleicht ist ein Blog im öffentlich zugänglichen Internet halt auch nicht der richtige Ort für eine persönliche Chronik... vielleicht hat sich dieser Blog nach über 9 Jahren auch einfach tot gelaufen... wurde obsolet und kann verschwinden...

Lebenslügen

Ja, stimmt nachdenklich... und vieles davon liess mich 2011 mein bisheriges Berufsleben ändern. Ich wollte in diesem Spiel einfach nicht mehr mitmachen. Mittlerweile stelle ich fest, dass man nicht völlig aussteigen kann, doch man kann den eigenen Fussabdruck, die eigene "Schuld" doch ziemlich verringern. Man verlässt die Komfortzone, die einem das mitlaufen bietet und man lernt wieder Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen. Der Weg ist steiniger und anstrengender, doch auch selbstbestimmter und dadurch erlebnis- und erfahrungsreicher. Und das ist doch schon viel. Wenn wir unser Leben wieder stärker selbst erleben und weniger gelebt werden.

chillig kalt

Als ich heute Nachmittag mit der Rikscha aus der Garage fuhr, zeigte die Digitalanzeige vor einer Apotheke eine Temperatur von -2° Grad an. Geht ja noch, denke ich. Kaum bog ich jedoch um die nächste Hausecke ab, blies mir eine eisig kalte Bise entgegen. In der Zeitung stand, dass dies eine gefühlte Kälte von -10° Grad ergibt. Nicht wirklich ideales Rikschawetter...

Die heutige Stadtrundfahrt wurde bereits im Dezember gebucht. Gäste waren zwei österreichische Frauen aus Wien. Geschätzte 50 und knappe 30, Mutter und Tochter, heute morgen mit dem Flugzeug angekommen. Angenehme Menschen, die sich auch durch die Kälte nicht abschrecken liessen. Sie waren echt sympathisch und interessiert, so dass es mir nichts ausmachte, die gebuchte 60 Minuten Tour etwas zu verlängern. Ich konnte ja strampeln und dadurch die Körpertemperatur im angenehmen Bereich halten.

Noch kälter fand ich die An- und Rückfahrt auf dem Motorrad. Tempo 100 verursacht wohl noch extremeren Windchill. Richtig eisig. Zuhause hatte ich dann kaum Zeit um mich wieder richtig aufzuwärmen, da ich am Abend in Winterthur verabredet war. Also nochmals zwei kalte Fahrten, was natürlich auch immer mit viel zusätzlicher Kleidung verbunden ist.

Eigentlich bin ich ein geübter Motorradfahrer, doch Winterfahrten nötigen mir stets grossen Respekt und Vorsicht ab. Ich habe immer das Gefühl, dass die Reifen kaum Haftung bieten und man ruckzuck ausrutschen, hinfallen und sich verletzen kann. Das will ich natürlich vermeiden und deshalb fahre ich äusserst vorsichtig. Die derzeitigen Schneeverwehungen sind dabei echte Gefahrenherde. Plötzlich liegt ein Gemisch von Schnee und Salz auf der Strasse, eine gefährliche, schmierige Unterlage. Schlimmstenfalls mitten in einer Kurve. Da erschrecke ich dann schon mal ganz ordentlich.

Gerade auch deshalb beschränke ich derzeit meine Motorradfahrten auf ein absolutes Minimum. Lieber bleibe ich zu Hause in der warmen Stube und geniesse die ruhige Trägheit des Winters.