abgefahren

Heute wird der 26. Tag im Juni, an dem ich mit der Rikscha unterwegs sein werde. Letztes Jahr war es noch einen Tag mehr. Wie auch immer: die vier Monate der Hauptsaison haben begonnen. Nun muss ich wirklich viel fahren und mein Geld verdienen.

Diese Woche wird nun auch richtig heiss. Von jetzt an immer über 30° Grad, Freitag und Samstag dann um 35° Grad. Das macht, zusammen mit einigen Buchungen, die ganze Sache natürlich ziemlich anstrengend. Ich muss darauf achten genügend zu trinken, mich immer mit Sonnencreme einzuschmieren und in den Pausen den Schatten zu suchen. Das alles habe ich in den letzten Jahren gelernt und das alles macht mir auch nicht allzu viel aus. Die körperliche Belastung und Ermüdung stecke ich relativ gut weg. Die geistige Ermattung/Ermüdung macht mir da mehr zu schaffen. Mit der Zeit steigt dann die Unlust. Jetzt, Ende Juni, Anfang Juli geht es noch. In den letzten Jahren fiel ich meist im August in ein Motivationsloch. Aus heutiger Sicht wird es dieses Jahr nicht anders...

es läuft

Der diesjährige Juni läuft beruflich recht positiv. Anfang Monat konnte ich einen Werbepartner für Juli-September finden und auch das Tagesgeschäft lief ansprechend gut. Zwischendurch gab es immer mal wieder Regentage, so dass auch die Erholung nicht zu kurz kam. 

Ich merke, dass ich erfahrener geworden bin. Es ist nun meine vierte Saison als Rikschafahrer und die Erfahrung hat mich gelehrt, dass es funktioniert, auch wenn einem ab zu zu ein schwacher Tag an den Nerven zerrt. Die nötigen Buchungen kommen und das schafft Vertrauen. Ich muss nicht alles in Frage stellen, sondern kann mich mehr "dem Fluss der Dinge" hingeben. Das heisst auch, dass ich es selbst mehr geniessen kann. Ich bin deutlich weniger angespannt als in den Vorjahren. Oder man könnte sagen: ich bin lockerer geworden. Das verhilft mir zu grösserer Zufriedenheit, zu innerer Stabilität. Und das wiederum wirkt sich positiv auf's Geschäft aus. Für diese Situation bin ich sehr dankbar. Es ist eine privilegierte Situation, dessen bin ich mir durchaus bewusst.

nicht rauchen

Wenn ich richtig rechne, so bin ich nun seit 70 Tagen Nichtraucher. Etwas über zwei Monate. Das Fazit fällt ziemlich ernüchternd aus. Ich fühle mich nicht besser oder fitter, ich bin einfach nur 7 Kilo schwerer geworden. Und das finde ich doch ziemlich heftig. Es ist noch nicht einmal so, dass ich wirklich das Gefühl habe, dass ich mehr esse als vorher. 

Das ärgert mich vor allem deswegen, weil ich ja von berufswegen schon ziemlich sportlich unterwegs bin und ich deshalb kaum eine Möglichkeit sehe, um mit noch mehr Sport die 7 Kilo wieder weg zu bringen. Ich werde nicht darum herum kommen um meine Ernährung anzupassen, sprich weniger Kalorien aufzunehmen. Oder ich fange wieder an zu rauchen...

Generell fehlt mir die Entspannungs- und die Genusszigarette. Ich würde gerne eine oder zwei Zigaretten pro Tag rauchen doch ich weiss genau, dass es nicht dabei bleiben würde. Nikotin macht süchtig und ich wäre im Nu wieder bei 10 - 15 Zigis pro Tag angelangt. Und weil ich das eben nicht mehr will, lass ich es halt ganz bleiben. Es ist also eine reine Vernunftsgeschichte. Aus Angst vor Lungenkrebs oder anderen schweren Raucherkrankheiten lass ich es sein. Feigling!

zur Zeit

Geschäftlich muss ich derzeit ziemlich strampeln. Der Schweizer Franken ist so teuer wie noch selten zuvor und so kommen weniger Touristen nach Zürich, was dann auch Auswirkungen auf mein Rikschageschäft hat. Zudem hatte ich ja für dieses Jahr noch keine Werbepartner, die Werbung auf den Rikschas machen wollten und da musste ich auch schauen, dass sich das zur Hauptsaison hin bessert. Privat hat uns dann das Katzenthema in den letzten Monaten doch ziemlich beschäftigt. Und so verwundert es halt nicht wirklich, dass der Blog wieder eine längere Pause erfahren musste.

Wer doch öfters aktuelle Einträge lesen will, dem empfehle ich derzeit Marcellos Blog. Er pilgert nach Rom und veröffentlicht immer wieder schöne Fotos und Kurzberichte. Alleweil einen Besuch wert.

Letzte Woche war hier eine erste Sommerwoche mit Temperaturen um und teilweise über 30° Grad. Das führte dazu, dass ich gleich sieben Tage am Stück arbeitete und so gutes Geld verdienen konnte. Deshalb bin ich auch nicht unfroh, dass es heute morgen zeitweise regnete und ich einen Ruhetag einlegen konnte. Diese Woche wird es auch wieder sehr schön und sommerlich warm. Das ist sehr gut und die Hauptsaison rollt nun wirklich an.

Für den Monat Juni konnte ich ein Brillengeschäft als Werbepartner gewinnen und von Juli bis September werbe ich dann auf meiner Rikscha für eine "grüne Take-Away-Kette". Ich bin nun wirklich sehr erleichtert, dass sich doch noch Werbepartner finden liessen, denn auf dieses Geld hätte ich nur schwer verzichten können.

Diesbezüglich hat es sich gelohnt, dass ich nicht nervös wurde. Ich vertraute auf das Schicksal und darauf, dass sich irgendwo eine Türe öffnet, wenn man es braucht. März und April bin ich mit Eigenwerbung "Hier könnte Ihre Werbung stehen" durch die Stadt gefahren und das hat mir dann die nötigen Kontakte gebracht. Ich versuchte nichts zu erzwingen doch stets positiv, aufmerksam und aufnahmefähig zu sein um sich bietende Möglichkeiten zu erkennen und dann möglichst auch zu nutzen. Es fällt mir nun natürlich schon etwas ein Stein vom Herzen, dass es geklappt hat, denn ich bin wirklich ein schlechter Verkäufer...

Das alles hat auch damit zu tun, dass ich das Vorausschauende und das Planende etwas runterfahren wollte. Ich will mir nicht immer Gedanken über die Zukunft machen und diese somit einengen. Ich möchte spontaner leben und reagieren ohne fixe Pläne und strukturierte Visionen einer Zukunft, wie sie denn sein sollte. Ist irgendwie noch schwierig zu erklären. Wenn man etwas plant, so entwirft man ein Bild der Zukunft, welches sich dann zu einer Art Messlatte für Erfolg/Misserfolg oder Zufriedenheit/Enttäuschung entwickelt. Dadurch erschwert man in gewissem Masse die Achtsamkeit für den aktuellen Augenblick, für das einzig Wahre, nämlich für das was JETZT ist. Denn eigentlich zählt nur das! Das was wirklich ist! Nur das ist wahr! Gedanken von Zukunft und Vergangenheit sind Hirngespinste und nur Fiktion. Um frühere Beiträge aufzugreifen: Davon sollte man loslassen! ;-)