Velotaxi - eine Illusion?

Unser kleines Rikschaunternehmen findet nun mal draussen satt und deshalb ist es normal, dass wir vom Wetter abhängig sind. 2016 ist bisher das wohl schlechteste erste Halbjahrahr, welches ich bisher erlebte. Das Wetter zeigte sich sehr wechselhaft und bisher gab es noch keine länger anhaltende Schönwetterphase. Auch fast sämtliche Feiertage wie Ostern, Sechseläuten, 1. Mai oder Pfingsten waren regnerisch und kühl. Das lässt Kunden von Rundfahrten oder die Einlöser von Gutscheinen zögern und zuwarten.

Es erstaunt deshalb nicht, dass alle bisherigen Zahlen deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen. Egal ob Einsatztage, Präsenzzeit in der Stadt, eingelöste Gutscheine, Anzahl Stadtrundfahrten, Hochzeiten, Geburtstagsfahrten oder auch Taxifahrten. Alles läuft dieses Jahr schlechter. Und bei saisonalen Angeboten ist absehbar, dass man die "Verluste" der ersten Saisonhälfte auch mit einer super zweiten Hälfte nicht mehr wettmachen kann. Denn soviel ist klar: Auch bei einem perfekten Sommer und Herbst kann ich nicht viel mehr fahren (bewältigen) als im letzten Jahr. Das heisst, das Potential um aufholen zu können ist sehr klein. So sind die Fakten derzeit.

Anlass für diesen Blogeintrag ist jedoch die grundsätzliche Idee "Velotaxi". Damit meine ich die Idee, Leute spontan für eine kurzen Taxifahrt von A nach B zu finden und damit einen echten Einkommensbeitrag zu erzielen. Das ist nämlich die Grundlage für zusätzliche Fahrer, die sich gerne als Rikschafahrer ein Einkommen generieren möchten. Solange ich selbst die Kapazität habe, fahre ich alle vorgebuchten Fahrten selbst ab, das heisst, zusätzliche Fahrer müssen sich auf Taxifahrten konzentrieren.

Seit 2012 versuchten sich 5 oder 6 Personen als Rikschafahrer, doch alle haben nach ein paar Tagen, oder maximal ein paar Wochen, wieder aufgegeben. Nur 2014 gab es einen jungen Deutschen, der 3 Monate (Juli-September) durchgehalten hat und nach seinen Angaben auch davon leben konnte. Alle anderen scheiterten realtiv rasch. Es scheint also, dass tagsüber schlicht kein Markt für ein Velotaxi vorhanden ist. Zu gut und günstig ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln und viele (kurze) Distanzen lassen sich einfach zu Fuss (oder mit dem eigenen Velo) zurücklegen. Hinzu kommen noch die mentalen Barrieren wie "der arme Fahrer", "ich möchte mich nicht exponieren" oder "das ist vermutlich zu teuer".

Mein Geschäftspartner, Arjun, erarbeitet sein Einkommen fast ausschliesslich mit Taxifahrten. Sein Geschäft spielt sich aber nachts ab. Meist ist er Donnerstags, Freitags und Samstags von 23:00 Uhr bis 07:00 Uhr unterwegs. Nach seiner Aussage läuft das Geschäft meist erst ab 01:30 Uhr richtig, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel ihren Dienst einstellen und noch viel Party-Volk unterwegs ist. Fazit: Nachts (an Ausgehtagen) scheint ein Velotaxi zu funktionieren, tagsüber wohl eher nicht. Um zu diesen Zeiten zu arbeiten, muss man jedoch ein ganz bestimmter Typ Mensch sein und man darf keine Berührungsängste mit Betrunkenen und unter Drogen stehenden Menschen haben.

In den letzten Tagen/Wochen/Monaten reifte langsam wirklich die Erkenntnis, dass dies tagsüber nicht funktioniert. Ich verbrachte Stunden an stark frequentierten Lagen und lauerte (meist erfolglos) auf Taxi-Kunden. Nüchternes Resultat: Im Schnitt alle 1,5 Std. ein Fahrgast, durchschnittlicher Verdienst ca. Fr. 15, was dann also Fr. 10/Std. macht. Brotlos!

Natürlich könnte ich vieles besser machen. So spreche ich die Leute kaum an, biete keine Show und versuche auch nicht Leute zu einer Fahrt zu überreden. Extrovertiertere Persönlichkeiten könnten dadurch bestimmt mehr Erfolg erzielen, doch ob es so zu 3 oder 4 x mehr Gästen reichen würde? Brutto 30 bis 40 Fr./Std. sollte es ja schon sein. Schwierig...

Dieses Jahr bringe ich noch so zu Ende und hoffe, die Bilanz noch etwas aufzuhellen. Doch für nächstes Jahr muss ich mir Alternativen überlegen. Finanziell wird es sehr eng und da muss ich mir eine bessere Zukunftsperspektive erarbeiten. Die ganze Sache ist also kein Selbstläufer, der sich auf befriedigendem Niveau eingependelt hat sondern es ist eher so, dass in wettermässig guten Jahren ein befriedigendes Resultat erzielt werden kann, wenn dies aber ausbleibt -so wie dieses Jahr-, wird es kritisch.

Moonmen Riser Bar

Der neue Titanlenker ist hier eingetroffen und nach ein paar Tagen streicheln auf dem Schreibtisch wurde er nun an das KISH angebaut.

Auf der ersten Testfahrt war ich natürlich überrascht, wie aufrecht ich nun sitze. Na ja, wirklich überrascht war ich nicht, denn das war ja der Sinn der Sache und wenn der Lenker, respektive die Griffposition, nun plötzlich 8cm höher ist, so merkt man das schon ganz gewaltig. Hinzu kommt, dass der Lenker auch etwas breiter ist als der alte (vorher 66cm, nun 74cm). Das ist ein echtes Geweih! 

Ich sitze nun also aufrechter und mit dem breiteren Lenker hat man noch mehr Kontrolle, das heisst, das Lenken fällt noch einfacher (weil der Hebel grösser ist). Ich musste die Position etwas varieren, bis der Auflagedruck der Hände gleichmässig verteilt wurde. Zuerst war der Lenker etwas zu weit vorne und somit zeigten die Lenkerenden leicht nach oben, was nach etwa einer Stunde fahren zu leichten Taubheitsgefühlen an dem Handballen und den kleinen Fingern führte. Also drehte ich den Lenker weiter nach hinten und jetzt sollte es passen.

Sehr angenehm ist die nun gute Aussicht, ohne dass ich den Kopf heben muss. Durch die aufrechte Position und die Lenkerbreite fängt man aber auch mehr Wind. Gleichzeitig kann ich freier atmen und das Ganze ist einfach viel entspannter als zuvor. Natürlich merke ich berghoch, dass ich mehr Kraft aus den Beinen bringen muss, da die ganze Körperspannung geringer ist als bei einer sportlicheren Sitzposition.

Mir gefällt der Lenker und ich denke die ganze Umbauaktion ist ein eigentlicher Erfolg. Trotzdem bin ich etwas wehmütig, denn das einst so sportliche KISH ist nun zu einem Altherrenrad umgebaut worden. Schutzbleche, festinstalliertes Licht, aufrechte Sitzposition... alles etwas für alternde Männer...