Frühlingsdepression

Es ist jedes Jahr das Gleiche! Über den Winter schliesse ich das alte Jahr ab und bereite mich auf die neue Rikscha-Saison vor. Anfang März starte ich dann ausgeruht und gut motiviert. Das Wetter ist durchzogen und kühl... und das Interesse an Rikschfahrten nahe Null. Gestern habe ich in fünf Stunden 30 Franken verdient... ich könnte kotzen!

Es ist ja nun mal nicht so, dass ich das nur aus reinem Spass an der Sache mache. Ich betrachte das als Arbeit, als Dienstleistung, die mindestens soviel Geld abwerfen sollte, damit ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Wenn Geld wirklich keine Rolle spielen würde, würde ich wohl weniger Zeit dafür aufbringen. Es zeigt sich aber immer wieder, dass sich mit einem mehr an investierter Zeit nicht automatisch ein mehr an Geld/Einkommen erzielen lässt.

Ich muss da nun mal selbstkritisch sein. Ich unternehme zu wenig um das Geschäft anzukurbeln. Ich verhalte mich zurückhaltend/distanziert und hoffe einfach darauf, dass es schon irgendwie klappen wird. Ich bin zu passiv, zu introvertiert. Ich erwarte, dass die Menschen von sich aus Rikscha fahren wollen, ohne dass ich sie dazu überreden muss. Doch mit dieser Einstellung lässt sich nichts erreichen. Es dümpelt einfach so vor sich hin...

Diese Erkenntnisse sind ja alle nicht neu. Ich erlebe nun meinen siebten Rikscha-Frühlung und die siebte Frühlingsdepression. Trotzdem habe ich in all den Jahren nichts an meiner Strategie geändert. Will ich nicht, kann ich nicht, oder woran liegt es? Es lassen sich natürlich externe Faktoren und Gründe finden. Die findet man immer. Aber das grundlegende Problem liegt wohl schon in meiner Persönlichkeitsstruktur und der scheinbaren Unfähigkeit um über meinen Schatten zu springen und mich zu ändern.

Das zeigt sich auch sehr deutlich, wenn ich in diesem Blog zurückblättere und stöbere. Da lese ich immer wieder von loslassen, von fliessen lassen und von der Akzeptanz dessen, was ist. Sehr wenig "ich will" oder "ich mache", geschweige denn von "Plänen" oder "Zielen"... als sei ich ein passiver Zuschauer und nicht ein aktiv Handelnder... tja, da kann einem schon eine Frühligsdepression überkommen...

on the road again

Heute startete so quasi die offizielle Rikschasaison 2018. Januar und Februar war ich fünf oder sechs Mal mit der Rikscha unterwegs, doch das zählt irgendwie nicht wirklich. Denn erstens hat Bike Butler "offiziell" geschlossen und zweitens war ich nur für ganz gezielte Buchungen im Einsatz. Das heisst: Ich nahm die Rikscha aus der Garage und führte die gebuchte Hochzeits- oder Rundfahrt durch und fuhr anschliessend wieder direkt in die Garage und nach Hause.

Heute nun fuhr ich kurz nach 11 Uhr aus der Garage obwohl ich keine einzige Buchung hatte. Das heisst ich kreuze die Stadt auf, stelle mich an gut frequentierten Punkten auf und hoffe darauf, spontan Kunden zu finden.

Dies ist nun meine siebte Saison und ich weiss, dass man zum Saisonstart im März nichts erwarten darf. Heute war es zwar ziemlich sonnig und mit knapp 10° Grad auch nicht sehr kalt, doch wirklich motivierend um Rikscha zu fahren ist es halt doch noch nicht. Es geht also vorwiegend darum um Präsenz zu zeigen, damit die Leute wieder registrieren, dass es uns immer noch gibt. Ich war also mental gut eingestellt und nutzte den Tag auch um bekannte Gesichter (Imbissbetreiber, Kioskangestellte, Polizisten, etc.) zu begrüssen, mit Ihnen einen kurzen Schwatz zu halten und sich gegenseitig alles Gute zu wünschen. Das Stadtzentrum ist meine Arbeitsumgebung und ich freute mich richtig, wieder da zu sein. Es ist, wie wenn man nach den Ferien heimkommt.

Es schauten nur zwei, drei kleine Taxifahrten heraus. Zudem traf ich einen langjährigen Stammgast. Es war also (wie erwartet) wirtschaftlich nicht der Bringer und trotzdem fand ich es einen schönen und interessanten Tag. Nun hoffe ich natürlich, dass das Wetter gut mitspielt und dies der Anfang einer erfolgreichen Saison darstellt.

Saisonstart?

Ich war doch ziemlich überrascht als ich nach dem Aufstehen sah, dass es schneite... Hmm... Eigentlich sollte heute meine Rikscha-Saison 2018 starten... Doch bei Schneefall sehe ich das eher nicht so... Buchungen gibt es auch keine... da kann ich gleich zu Hause bleiben.

Immerhin. Der Wetterbericht für die kommenden Tage ist besser und so werde ich wohl spätestens zu Beginn der nächsten wieder mit der Rikscha auf Zürichs Strassen unterwegs sein.