Tag 3 - Sonnenschein, Berge und Schnee

Weil ich gestern Abend ziemlich platt war entschied ich mich, heute eine etwas kürzere Strecke zu fahren. Ich konsultierte meine GPS-Planungssoftware und schaute via Booking.com wo ich etwa zwischen Kilometer 50 und 70 ein Hotel finde. Aha: Hotel Ochsen in Haslach im Kinzigtal. Gute Bewertungen und für 45 Euro (Zimmer mit Frühstück) auch recht günstig. Gebucht. So sah der Plan nun aus: Strecke ca. 57 km, ein längerer Anstieg bis auf etwa 650m.ü.M. und dann die Übernachtung in einem schönen, historischen Ort. Sehr gut!

Morgens hatte ich es deshalb nicht eilig und parkierte das Velo in der Altstadt von Freiburg, die ich dann noch etwas zu Fuss erkundete. Gegen 10 Uhr machte ich mich dann auf den Weg. Zuerst führte mich das GPS durch hübsche Wohngegenden und Aussenquartiere von Freiburg und dann über weite Felder in Richtung Hochschwarzwald. Das Wetter war wieder prächtig. Sonne und stahlblauer Himmel mit ein paar leichten Wolken. Etwa -4°Grad und (auch wie gestern) mit einem kalten Biswind. Soweit also alles gut. Ich fühlte mich aber nicht so fit. Vielleicht habe ich zu viel gefrühstückt oder die letzten beiden Tage zeigten Ihre Spuren, ich kann es gar nicht genau beschreiben. Auf alle Fälle war ich etwas matt… langsam begann die Strasse anzusteigen… ist das Velo über Nacht schwerer geworden? Immer wieder Schneeverwehungen… habe ich genügend Luft in den Reifen? … wo ist die nächste Cafeteria? ;-)

Ich wusste, dass es immer steiler wird und auf den letzten 50 Höhenmeter 18 Steigungsprozent auf mich warten. Jetzt nur nicht negativen Gedanken von Schwäche nachhängen! Ich musse mich ablenken… die Schneeberge am Strassenrand werden immer höher, ich komme mir vor wie in einem Wintersportgebiet. Wer kennt das Lied: „Alles fährt Ski, alles fährt Ski…“? Da heisst es doch auch: „es git doch nüt schönners als Sunneschi, Berge und Schnee..“ Ich musste schmunzeln, denn genau so war es heute: Sonnenschein Berge und Schnee`Also: Sich freuen und glücklich sein, einen solchen Tag erleben zu dürfen!… Alles fährt Ski, alles fährt Ski... nur Beat fährt Velo… :-)

Und irgendwann kam er dann. Dieser Berg (oder war es doch nur ein Hügel?). Es wurde steil und steiler. Der Wind bläst immer kräftiger (auch das noch), die Temperaturen fallen immer tiefer und ich werde immer langsamer, bald ist der kleinste Gang eingelegt und ich kämpfe mit Puls 150 bei 5km/h diesen „Hügel-Berg“ hoch. Wobei, nein, ich bin ganz ehrlich: Etwa 20 Höhenmeter unter dem höchsten Punkt, bei besagten 18% Steigung, wehte es mir derart viel Schnee in die Augen und ich pfiff so aus dem letzten Loch, dass ich abstieg und den Rest noch hochgeschoben habe. Asche auf mein Haupt. Oben zeigte das Thermometer -8° Grad, mit Windchill gefühlte -15° Grad, einfach saukalt! Es war also an der Zeit um für die bevorstehende Abfahrt die Snowboardhandschuhe hervorzukramen. Schön… nun einfach rollen lassen.

Im Tal angekommen folgten noch etwa 10 Kilometer ganz leicht bergab bis nach Haslach und weil sich nun meine Fahrtrichtung änderte, profitierte ich nun von gutem Rückenwind und konnte locker 30km/h kurbeln. Yeah! Eingangs Haslach fuhr ich dann direkt auf das Hotel zu. Ja, macht einen guten Eindruck. Weil ich aber noch genügend Zeit habe mache ich mich auf um den historischen Ortskern zu besichtigen und mich in einer Bäckerei mit Milchkaffee und Vanilleplunder für den heutigen Tag zu belohnen.Haslach ist wirklich ein bezaubernder Ort mit vielen, alten Fachwerkhäusern und Gebäuden mit bunt bemalten Fassaden. Pittoresk!

Dann machte ich mich auf den Weg zum Hotel und fragte mich, wo wohl der Haken sein wird. Für die ersten beiden Nächte bezahlte ich immer über 60 Euro und heute nur 45. Da muss doch was faul sein. Aber, oh Wunder! Nette, herzliche Menschen, ein schmuckes Zimmer mit allem Komfort und eine Dusche, in der man sich auch drehen kann ohne wo anzustossen und in der die Brause auch grosse Menschen über den Kopf hochstellen können. Ich war nicht nur positiv überrascht, sondern begeistert. Ich meldete mich deshalb auch gleich zum Nachtessen im Restaurant an.

Das Wild-Menue war dann die Krönung eines (doch noch) sehr schönen Tages. Zuerst eine Kraftbrühe mit Teigtaschen. Dann Kaninchenfilet an Steinpilzsauce, dazu Schupfnudeln, Rotkraut, Birne und Preiselbeeren. Zum Dessert ein Schwarzwälder-Eis. Dazu trank ich ein grosses Bier und danach einen Kaffee. Macht insgesamt 33.50 Euro. Perfekt! Ich war glücklich und satt. Das gab mir die nötige Kraft um mich noch etwas mit dem Technik-Scheiss zu beschäftigen.

Also: Der ultimative Tipp für alle die mal nach „Haslach im Kinzigtal“ kommen: Esst oder übernachtet im Hotel/Restaurant Ochsen! Satisfaction guaranteed!

Bilder des heutigen Tages können leider noch nicht angesehen werden (siehe Beitrag unten). Hier noch die aufgezeichnete Strecke des Tages (68,7km, 573Hm)

Kommentare

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Jürg Knobel am :

Spannend, deine Berichte. Dein flüssiger Erzählstil in bestem Deutsch ist höchst unterhaltsam und packend. Freut mich, dass du im Ochsen eine so angenehme Unterkunft gefunden hast. Wenn Engel reisen, lacht die Sonne, hoffentlich auch heute!
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beat am :

Danke für die Komplimente. Ich habe Deinen Ferienbatzen noch im Portemonnaie und denke, dass ich mir damit irgendwann ein schönes Badehotel mit Wellness und Massage gönne... ich freue mich jetzt schon drauf!
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Ferdi am :

Beat mit dem Rad fährt den eisigen Pfad seine Hände sind kalt wie Schnee doch das tut ihm gar nicht weh munter, fröhlich, heiter fährt immer weiter. gedichtet von Lea
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beat am :

:-) BRAVO :-) Vielen Dank für das "an mich denken" und liebe Grüsse nach Uruguay
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