Tag 8 - zu den Mainzelmännchen

Etwas verdutzt stand ich heute Morgen vor dem dunklen Frühstücksraum. Die Reception war auch nicht besetzt und so blieb mir nichts anderes übrig, als die dort angezeigte Telefonnummer anzurufen. Die Auskunft war: «Nein, heute gibt es kein Frühstück». Meine Antwort: «Ich habe dies gestern aber bezahlt und will nun entweder Frühstück oder mein Geld zurück.» Ja, Geld zurück geht, jedoch sei die Reception erst ab 08:30 Uhr besetzt. O.K. Kein Problem. Im Umkreis von 100 Metern habe ich gestern Abend mindestens 3 Back-Shops gesehen, wo ich frühstücken kann. Gesagt getan. Ich habe mir den Magen vollgeschlagen und auch meine Thermoskanne mit Tee gefüllt. Dazu noch ein Sandwich für unterwegs. Macht gesamthaft 9 Euro. Am Empfang erhielt ich dann die im Voraus bezahlten 10 Euro zurück. Auch gut.

Heute Morgen war es neblig, oder hochneblig, oder beides. Schwierig zu sagen. Ein grauer, kalter Wintermorgen, wie wir ihn auch zu Hause nur zu gut kennen. Das GPS zeigte frostige -12° Grad. Also gut einpacken, nicht lange nachdenken und losfahren. Den Buff vom Hals bis über die Nase hochziehen hilft auch… Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis ich nach Ludwigshafen das Siedlungsgebiet hinter mir liess und danach folgte viele einsame Kilometer entlang des Rheins. Im Gegensatz zu gestern sah ich heute jedoch weitaus häufiger auch das Wasser und war doch erstaunt, wie viele Transportschiffe hoch und runter fahren. Kurz vor Worms machte ich auf einer Parkbank einen ersten Teehalt und verspeiste das Sandwich. Mittlerweile drückte doch langsam die Sonne durch den Hochnebel und es war «nur» noch -8° kalt. Das reicht aber trotzdem um beim Brötchenessen an die Finger zu frieren.

Der Radweg führt entlang des Rheins und streift Worms nur am Rande. Und am Rande gibt es nun mal keine wärmende Bäckereien. Ich fahre also zu und geniesse die Stille und das kontemplative «vor-sich-hin-kurbeln». So um die Mittagszeit hatte ich langsam Hunger, doch noch immer war ausser Natur nicht viel zu sehen. Was soll’s. Ich habe noch einen Snickers-Riegel in der Gepäcktasche und heisser Tee ist auch noch genug vorhanden. Bei der nächsten Parkbank mit Aussicht auf den Rhein mache ich also die nächste Pause. Ich packe das Snickers aus und beisse auf Granit. Das Ding ist beinhart gefroren. Man kann es kaum abbeissen, es bricht ab… ;-)

Kurz vor Nierstein erspähe ich dann an der nahen Hautstrasse eine Tankstelle mit Shop. Zwar nicht so perfekt wie eine Bäckerei, doch annähernd. Auch warm, auch mit Kaffee und auch mit Gebäck. Also nichts wie hin. Meine mittlerweile klammen Zehen wissen das sehr zu schätzen. Nierstein liegt in/an einem grösseren Riesling-Anbaugebiet und an den nahen Hängen ist alles mit Rebstöcken bebaut. Schön anzusehen. Es folgen noch schöne und einfache Kilometer entlang des Rheinufers, bis ich dann um etwa 15 Uhr Mainz erreiche. Hier habe ich ein Hotel gebucht und vor dem einchecken habe ich genug Zeit um noch etwas Sightseeing zu machen.

Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, kam aus Mainz und deshalb gibt es hier nicht nur eine Gedenkstatue und ein Gedenkhaus, sondern auch noch ein grosses und wohl recht berühmtes Gutenberg-Museum. Ausserdem war auch Mainz (wie schon gestern Speyer) einst eine Dom-Stadt und rund um diesen Dom gibt es eine schön erhaltene Altstadt mit vielen historischen Gebäuden. Interessant fand ich aber auch, dass es nicht nur Altes gibt, sondern dass auch moderne Neubauten mit viel Sachverstand ein- oder angefügt wurden. Auch hier gilt das Prädikat: Sehens- und Empfehlenswert!

Meine Hotelwahl fiel auf das Hotel Havana, direkt zwischen Altstadt und Rhein. Ideal gelegen. Von aussen macht es etwas einen veralteten Eindruck, doch die Zimmer sind modern renoviert und eingerichtet. Das Bad ist sogar ziemlich luxuriös, mit grosser Regenwasser-Dusche und extra Wärmeradiator für die Badetücher. Das mag ich vor allem deshalb, weil ich meine zivilen Kleider aus den eiskalten Taschen hier zuerst aufwärmen kann. Es ist nicht schön, nach einer heissen Dusche eiskalte Hosen oder T-Shirts anziehen zu müssen (das lernte ich schon am ersten Tag).

Mein Abendessen nahm ich in einem ganz speziellen Lokal, gleich um die Ecke, ein. Das Restaurant ist in einem ehemaligen Krankenhaus aus dem 17. Jahrhundert untergebracht. Zuerst dachte ich, es sei eine alte Kirche, doch die Hinweistafel am Eingang belehrte mich eines Besseren. Ursprünglich hiess es «Krankenhaus zum heiligen Geist» und deshalb heisst das Restaurant heute «HEILIGGEIST». Eine wirklich aussergewöhnliche Lokation. Wohl deshalb auch etwas trendy und teuer. Doch den Preis war’s wert, denn meine Gemüselasagne hat vorzüglich geschmeckt. Das gibt Kraft für morgen…

Hier noch der Track des Tages (82km, 183Hm). Übrigens: Gemäss GPS-Gerät war heute der kälteste Tag meiner Reise mit einer Durchschnittstemperatur von -6,4° Grad.

Das Fotoalbum ist auch aktualisiert. PS: Wer es noch nicht gemerkt haben sollte: Auf der Titelseite des Fotoalbums ist ganz oben rechts ein Symbol, ähnlich eines Sterns zu sehen. Wenn man darauf klickt, werden einem alle neuen Fotos angezeigt. Wenn man nun auf das erste Bild klickt, geht es gleich beim aktuellen Tag los und man muss nicht nach unten scrollen, bis man das erste neue Bild entdeckt.

Kommentare

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Jürg Knobel am :

Genial, wie du dich gegen die Kälte wappnest! Eindrückliche Bilder. Auch dein Text ist wieder farbig geschrieben. Das Kloster hätte ich sicher auch besucht, auch wegen des Essens.
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Ferdi am :

Danke für den Tip mit dem Sternchen... Ja, eindrückliche Bilder. Ich freue mich jeden Tag auf den neuesten Bericht und die neuesten Fotos.
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Jürg Knobel am :

Grosse Leistung! Gratuliere! Auch heute Morgen geniesse ich deine gut bebilderte, spannende Lektüre.
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