Tag 32 - ankommen

Ich sitze hier am Cospudenersee und blinzle in die Mittagssonne. Ich bin am Ziel meiner Winterreise angekommen. Nach genau einem Monat und etwas mehr als 2'200 Kilometern. Es ist gut so…

Weil heute die kürzeste Etappe der ganzen Reise auf dem Programm stand, war ich zu keinem Zeitpunkt irgendwie in Eile. Ich liess mir mehr Zeit als üblich beim Frühstück und auch das Zusammenpacken und fahrbereit machen dauerte etwas länger. Ich wusste, es wird nicht nur die kürzeste Tagestour, sondern auch der wärmste Tag des letzten Monats. Schon beim Start war es um die +5° Grad und im Laufe des Tages sollte es sogar deutlich über +10°Grad warm werden. Also alles perfekt für einen schönen Abschluss.

Gleich zu Beginn kam ich nochmals an zwei grossen Baggerseen vorbei. Ich finde es sehr erstaunlich, welche Geschichte diese Landschaft hinter sich hat. Zu Beginn war es hier flach wie sonst überall auch. Dann begann der Kohleabbau und die Gegend verwandelte sich in eine öde Mondlandschaft. Staub lag in der Luft und der Lärm der Maschinen war ununterbrochen. Vielerorts 7 Tage, 24 Stunden. In dieser Gegend wurde die Kohle für fast die gesamte Energieversorgung der ehemaligen DDR gefördert. Aufkommende Atomkraftwerke, der Niedergang der DDR und auch ganz erhebliche Umweltbedenken brachten den Niedergang der Tagbauförderung. Die riesigen Gruben wurden teilweise aufgefüllt, renaturiert und dann geflutet. Heute sind dies riesige Naturschutz- und Naherholungsgebiete. Sie bieten Lebensraum für unzählige Fisch- und Vogelarten und tolle Freizeitmöglichkeiten für die Menschen. Ja, dieser Wandel ist erstaunlich und dem zolle ich auch grossen Respekt. Denn klar ist, dies alles gab es nicht umsonst.

Schon bald erreiche ich die nördlichen Vororte von Leipzig und nähere mich langsam dem Stadtzentrum. Zuerst fahre ich zum Bahnhof, dem grössten Kopfbahnhof Europas. Dann mache ich etwas Sightseeing und lasse diese Stadt auf mich wirken. Im Jahr 2000 waren Karin und ich schon einmal hier. Interessanterweise kann ich mich überhaupt nicht daran erinnern. Nur das riesige Völkerschlachtdenkmal ist mir noch präsent.

Dann verlasse ich den Innenstadtbereich und fahre südlich, in Richtung unserer Freunde. Ich habe Zeit… nehme es sehr gemütlich und kaufe noch einen kleinen Snack, der jetzt neben mir auf dem Tisch liegt und immer kleiner wird. Nun ist diese Winterradtour also zu Ende.

Noch ist vieles zu frisch um ein Fazit ziehen zu wollen. Aber soviel ist klar: Ich hatte unglaubliches Wetterglück. Der einzige Tag an dem es länger regnete, war mein Ruhetag in Münster. Die Regenkleidung musste ich nur zweimal anziehen und jedesmal auch nur für kurze Zeit. Natürlich war es kalt. Im Schwarzwald sogar sehr kalt. Aber kalt und trocken ist für Radfahrer eine gute Winterkombination. Ich hatte genügend und auch die richtige Bekleidung dabei. Das hat genauso gut funktioniert, wie auch das Rad völlig anstandslos seinen Dienst verrichtet hat. Auf Schnee und Eis gab es ein, zwei brenzlige Situationen, doch ich bin nie gestürzt. Im Schwarzwald habe ich mir den Rücken verkühlt, doch nach zwei, drei Tagen waren die Beschwerden wieder weg. Gesundheitlich hatte ich sonst keinerlei Probleme. Nicht mal eine Erkältung oder ein Schnupfen plagten mich. Für das alles bin ich sehr, sehr dankbar.

Morgen werde ich das Fahrrad gründlich putzen und zerlegen. Karins Auto ist recht klein und nur in Einzelteilen hat das Rad im Kofferraum Platz. Am Samstag werden wir noch etwas Leipzig-Sightseeing und -Shopping machen und am Sonntag fahren wir dann zurück in die Schweiz. In diesem Blog wird es nun also wieder ruhiger. Ich danke allen Lesern, die mich auf dieser Reise begleitet haben. Alle Kommentare haben mich sehr gefreut und auch motiviert um bis nach Leipzg zu fahren. Danke und bis bald in der Schweiz…

Hier der Link zum ersten Foto des Tages und nachfolgend die heutige Strecke.


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Kommentare

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Jürg Knobel am :

Eine Meisterleistung, körperlich, mental und philosophisch, ja! Freue mich auf die Wiederbegegnung in Züri!
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Alex Engel am :

Moin moin Beat, herzlichen Glückwunsch zu dieser beindruckenden Leistung. Eine tolle "Berichterstattung". In Gedanken sind wir die Tour mitgeradelt. :-) LG von den Hamburgern
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Thomas am :

Ich bin immer wieder gerne auf deinen Blog gekommen um zu sehen, was der wahnsinnige Beat gerade so macht (und ob die Bäckereien in Deutschland offen sind) - du hast es tatsächlich durchgezogen, völlig bescheuert, sowas ;0)) Da kann ich als Warmwetterweichei nur den Hut davor ziehen! Auf bald und ruh dich gut aus!
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Als Aargauer unterwegs am :

Hallo Beat, Gratuliere dir zu dieser Leistung, und das alles auch noch im Winter. Danke auch für die vielen ergänzenden Informationen zu den durchfahrenen Gegenden und Städten und die vielen Bilder in deinem Album. Wünsche dir gute Erholung und natürlich auch einen guten Start in die neue Rikscha-Saison, Urs
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