Laufradbau - Praxis

Heute abend zeigte mir Peter, wie man ein Laufrad richtig einspeicht. Nach der Theorie (die er mir mehrfach erklären musste, bis ich's halbwegs begriffen habe) ging es dann gleich zur Praxis über.

Es hat Spass gemacht, doch ohne Anleitung könnte ich das nicht wiederholen. Das Zentrieren zum Schluss hat dann Peter übernommen und es war ein echter Genuss ihm zuzusehen. Man spürt, dass er das gerne macht, gut kann und sich darin ein Stück weit vergessen kann. Klopft er an die Speichen -um an deren Klang die Spannung zu vergleichen- huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Schön. Dieses Lächeln übertrug sich zum Schluss dann auch auf mich, als ich das fertig aufgebaute Rad in Händen hielt. Es war schon gegen halb zwölf Uhr nachts als wir mit dem letzten Schluck Bier auf das gelungene Resultat anstiessen. Das war ein wirklich gelungener Abend. Danke.

Kommentare

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Peter am :

für den schönen Eintrag des gestrigen Laufradbaus in Deinem blog bekommst Du hier die entsprechende Anleitung von mir. Auch ich hatte viel Freude, Dir die ungewöhnliche Faszination des Laufradbaus ein wenig näher zu bringen. Ja, ich finde das eine wirklich schöne Beschäftigung: logisch, mechanisch umfassend, hinsichtlich der Komponentenwahl oder der Logo-Ausrichtung auch ästhetisch, kontemplativ ... kurz: GUT für mich! Einspeichanleitung (für viele der Tips möchte ich mich bei Herrn Gerd Schraner, DT Swiss und Herrn Dr.-Ing. von der Osten-Sacken bedanken): 1. ein wenig Fett in die Speichenlöcher der Felge geben; alternativ die Speichen mit dem Gewinde in ein Ölbad geben derart, dass ca. 2mm des Speichengewindes benetzt sind 2. Nabe gegenüber Ventilloch ausrichten, derart dass Logo auf der Nabe über dem Ventil steht. Die Lesbarkeit von Logo auf Nabe und Felge sollte von einer Seite aus möglich sein – also entsprechend aussrichten 3. Mit der ersten Kopfspeiche (=Speiche, von der man am Nabenflansch den Kopf sieht) rechts neben dem Ventilloch beginnen. In jedes zweite Loch des Nabenflansches eine weitere Speiche fädeln und in jedem 4ten Loch der Felge (=diesen Abstand nennt man *Speichenschritt*) mit dem Speichennippel verschrauben. Hinweis: bei nicht mittiger Anordnung der Speichenbohrungen mit einer Rückenspeiche (=Speiche, von der man am Nabenflansch den Rücken und nicht den Kopf sieht) links vom Ventil beginnen und Arbeitsschritte analog anpassen 4. In jedes frei Loch auf diesem Nabenflansch eine Rückenspeiche einfädeln 5. Jetzt das *Abwickeln*: ein in die Nabe eingeleitetes Drehmoment (das sind Antriebsmomente an der Kassette oder Bremskräfte bei Scheibenbremsen) sollen durch die Rückenspeichen über eine Zugbelastung an die Felge übertragen werden. Anschaulich zeigen also die Rückenspeichen entgegengesetzt zum Drehmoment. Es hilft der Vorstellung, das Laufrad auf einer Fläche zu rollen und mit der Hand zu versuchen, die Kassette oder die Bremsscheibe festzuhalten. Die Rückenspeichen zeigen mit dem Speichengewinde entgegen des Festhaltens. Für das Hinterrad bedeutet dies: schaut man auf die Kassetten-Seite, zeigen die Rückenspeichen entgegengesetzt zur Fahrtrichtung 6. Die erste Rückenspeiche (=die rechts neben dem Kopf der ersten Kopfspeiche im Nabenflansch) für 3-fache Kreuzung der Speichen zwei-ein-halb Speichenschritte (=4+4+2=10 Löcher nach rechts gezählt) in der Felge verschrauben. Zuvor muss die Rückenspeiche an der dritten Kreuzung unter der Kopfspeiche durchgefädelt werden (Achtung: Felge nicht verkratzen). Dann die weiteren Rückenspeichen jeweils wieder einen Speichenschritt weiter in der Felge verschrauben. Bei 1-, 2- oder 4-facher Kreuzung jeweils Speichenschritte reduzieren bzw. erhöhen. Sehr hilfreich beim Verschrauben ist ein Schraubenhalter für Schlitzschrauben (z.B. von FACOM) oder ein Einspeichschlüssel (z.B. von DT Swiss). Ergebnis: ein halb eingespeichtes Laufrad, jedes zweite Felgenloch belegt, symmetrisches Speichenbild 7. Jetzt das „Schiessen“ oder: Wo kommt die erste Speiche auf der anderen Nabenseite hin? Wenn eine Scheibenbremsnabe eingespeicht wird, erfolgt das Einspeichen analog zu den Überlegungen bezüglich Drehmomentübertragung wie in Schritt 2 bis 6. D.h. das durch die Scheibenbremse an der Bremsscheibe eingeleitete Bremsmoment wird über die Rückenspeichen übertragen. Für das Hinterrad bedeutet dies: schaut man auf die Bremsscheiben-Seite, zeigen die Rückenspeichen in Fahrtrichtung. Wenn keine Scheibenbremsnabe eingespeicht wird, dann analog zum Vorderrad (Beschreibung Schritt 11-13) verfahren. 8. Man beginnt wieder mit der ersten Kopfspeiche rechts vom Ventilloch. Die Speiche rechts von dieser Speiche ist in diesem Fall eine Rückenspeiche von der gegenüberliegenden Nabenseite. Sie ist auf der Felge also genau 1/32stel (bei 32 Speichen) weiter rechts auf der Felge und damit auch auf dem Umfang der Nabe eingespeicht. Schaut man längs der Nabenachse durch die Speichenlöcher im Nabenflansch, so erkennt man, dass die Löcher auf den beiden Nabenflanschen ebenso 1/32stel versetzt zueinander angeordnet sind. Das heisst, dass die erste Kopfspeiche auf der zweiten Einspeichseite 1/32stel links vor dem Loch besagter Rückenspeiche der gegenüberliegenden Seite eingefädelt werden muss. Alle weiteren Kopfspeichen dann wieder analog einen Speichenschritt weiter verschrauben. 9. Die erste Rückenspeiche der zweiten Einspeichseite für 3-fache Kreuzung der Speichen zwei-ein-halb Speichenschritte (=4+4+2=10 Löcher nach rechts gezählt) in der Felge verschrauben. Auch hier muss die Rückenspeiche an der dritten Kreuzung wieder unter der Kopfspeiche durchgefädelt werden. Dann die weiteren Rückenspeichen jeweils wieder einen Speichenschritt weiter in der Felge verschrauben. Bei 1-, 2- oder 4-facher Kreuzung jeweils Speichenschritte reduzieren bzw. erhöhen Ergebnis: ein ganz eingespeichtes Laufrad, jedes Felgenloch belegt, symmetrisches Speichenbild, die beiden Speichen links und rechts vom Ventilloch sind annähernd parallel, die Rückenspeichen zeigen mit Blick auf die Kassette bzw. die Bremsscheibe nach links 10. Das Einspeichen des Vorderrades mit einer Scheibenbremsnabe erfolgt auf der Scheibenbremsseite völlig analog zu den Schritten 1 bis 6. Die Rückenspeichen werden durch das Bremsmoment auf Zug beansprucht und zeigen entgegen der Fahrtrichtung. 11. Da in die Vorderradnabe auf der zweiten Nabenseite kein Drehmoment eingeleitet wird, werden auch auf dieser Seite die Rückenspeichen in die gleiche Richtung abgewickelt wie auf der ersten Einspeichseite. Daraus folgt, dass die Speiche rechts vom Ventilloch eine Rückenspeiche ist. Durch das „Schiessen“ wird das Loch im Nabenflansch für diese erste Rückenspeiche festgelegt. 12. Wegen des einfacheren Einfädelns der Speichen fängt man aber wieder mit einer Kopfspeiche an. Die erste Kopfspeiche wird zwei-ein-halb Speichenschritte (=4+4+2=10 Löcher nach links gezählt) vor der ersten Rückenspeiche in den Nabenflansch eingeführt und einen halben Speichenschritt (= 2 Löcher) rechts von der ersten Rückenspeiche (oder drei Löcher rechts vom Ventilloch) in die Felge verschraubt. Die anderen Kopfspeichen dann wieder je einen Speichenschritt weiter. 13. Die erste Rückenspeiche in das bereits festgelegte Loch im Nabenflansch einführen und rechts neben dem Ventilloch verschrauben. Die anderen Rückenspeichen dann jeweils einen Speichenschritt weiter mit der Felge verschrauben. Ergebnis: ein ganz eingespeichtes Laufrad, jedes Felgenloch belegt, symmetrisches Speichenbild, die beiden Speichen links und rechts vom Ventilloch sind annähernd parallel, die Rückenspeichen zeigen mit Blick auf die Bremsscheibe auf beiden Einspeichseiten nach links 14. Nun mit einem Schraubendreher alle Nippel etwa gleichmässig auf die Speichen schrauben, so dass bereits eine leichte Spannung erzielt wird. Am Ventilloch beginnen. Nicht zu stark beginnen, lieber mehrere Umläufe. Ggf. Nippel lösen. 15. Alle Speichenköpfe durch einen leichten Hammerschlag mit einem Körner in den Nabenflansch pressen. Nabe darf nicht auf einer Unterlage aufliegen, da man sonst die Lager beschädigen kann. 16. Nun mit einem guten Speichenschlüssel (z.B. Pockey, Park Tool; umfassen den Speichennippel auf drei Seiten) Speichenspannung gleichmässig erhöhen. Laufrad dafür in einen guten Zentrierständer (Referenz: Park Tool!!) fixieren. 17. Höhenschlag durch Anziehen aller Nippel in dem von der Sollposition abweichenden Bereich beseitigen. Dafür die Mitte der Abweichung feststellen, dort mit einer halben oder ganzen Umdrehung des Speichennippels anziehen, Speichen davor und dahinter reduzierter anziehen 18. Seitenschlag durch Anziehen der Nippel auf nur einer Einspeichseite beseitigen. Dafür die Mitte des von der Sollposition abweichenden Bereichs feststellen, die Nippel in entgegen gesetzter Richtung der Abweichung anziehen (= weicht z.B. die Felge nach links von der Sollposition ab, müssen die Nippel auf der rechten Seite des Laufrades angezogen werden). Dabei wieder in der Mitte am stärksten, davor und dahinter reduziert anziehen. Nippel dabei nicht verwechseln – nur auf einer Seite ändern. 19. Speichenspannung möglichst gleichmässig erhöhen bis Drehmoment mit den Fingern kaum noch aufzubringen ist. Keine Sorge: der Stahl für die Speichen ist der mit grossem Abstand Wertigste am gesamten Fahrrad. Und: Stahl bricht um ein Vielfaches schneller, wenn er einer wechselnden (bei geringer Speichenspannung) statt einer schwellenden Last (bei hoher Speichenspannung) unterworfen ist. Kontrollieren, ob der Nippel wirklich auf der Speiche dreht, oder die Speiche tordiert wird. Ggf. Speiche mit einer glatten Zange festhalten. 20. Laufrad zwischendurch aus dem Zentrierständer nehmen und *Abdrücken*. Dafür Nabe auf ein Holzbrettchen stellen, Laufrad waagerecht ausrichten und mit den Händen an gegenüberliegenden Seiten der Felge nach unten drücken. Dadurch werden die Speichen auf der Unterseite leicht entlastet und eventuell tordierte Speichen drehen sich zurück. Hinweis: bei einem gut gemachtes Laufrad kann man sich sogar auf die Felge stellen und auf der Nabe balancieren! Achtung: diese extreme Belastung kann die Lagerung beschädigt werden. Ergebnis: ein richtig eingespeichtes Laufrad mit gleichmässig hoher Speichenspannung und einer extrem langen Laufzeit ohne Stress und Geräusche.
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