Sommer-Samstagsrunde

Um neun Uhr kamen vier Bikefreunde zu mir um gemeinsam auf eine Samstagstour zu starten. Die Idee war: Tössegg, Eglisau, Rheinsfelden, Kaiserstuhl, Oberweningen, Lägern-Hochwacht, Bergwerk-Buchs, nach Hause. Geschätzte 65 Kilometer mit etwa 1'000 Höhenmeter.

Das Wetter war ideal. Sonne pur und warme Temperaturen. Es hat geklappt! Ich scheine tatsächlich den Sommer mit in die Schweiz gebracht zu haben! Wunderbares Bikewetter!

Bin ich jetzt in der Form meines Lebens? Ich war noch nie so gut trainiert und in den letzten 20 Jahren noch nie so leicht wie jetzt. Natürlich fahre ich heute leichter berghoch als mit 10 Kilo mehr Körpergewicht, wie vor zwei Jahren. Wichtig ist es mir aber deswegen immer noch nicht. Es geht um die Erfahrungen, die einem Mountainbiken vermittelt und die lassen sich mit jedem Gewicht und jedem Fitnesslevel erfahren. Es ist aber ein sehr schönes Gefühl, so gesund und fit zu sein. Hoffentlich hält dies noch lange an! Da empfinde ich Dankbarkeit.

Standardsingletrailrunde zu Hause

Es hat doch ein paar Tage gedauert, bis ich mit dem Santa Cruz Tallboy eine Kennenlernrunde unter die Stollen nahm. Das Terrain war gut, das Wetter perfekt und Zeit hatte ich auch. Alles genau richtig!

Mountainbiking ist mit Strassentourenradfahren, so wie ich dies 8 Wochen lang gemacht habe, überhaupt nicht zu vergleichen. Offroad klappt Pulskontrolle sehr schlecht, denn steil berghoch bedeutet halt einfach hoher Puls. Auch Abfahrten fordern. Heute verweigerte ich an allen schwierigen Schlüsselstellen. Mir fehlte der Mut und das Feingefühl, um gleich auf der ersten Tour etwas zu riskieren. Lieber stieg ich ab und schob ein paar Meter. Aber Spass macht die Sache schon sehr. Möglichst wenig Asphalt ist der Wunsch des Tallboy von Santa Cruz. Demgegenüber steht das Kish, welches möglichst viel Asphalt, für schnelle und lange Ausfahrten liebt. Mein Velopark ergänzt sich sehr gut.

KTM 690 Enduro R

Heute Nachmittag war es also soweit und ich konnte das neue Motorrad abholen. Vater brachte mich mit seinem neuen Roller zu der Garage und da stand er schon abfahrbereit vor der Türe, mein neuer Töff. Dazu gab es noch ein paar Bedienungsanleitungen und Handbücher, dann konnte es losgehen. Mein Mobilitätsbarometer zeigte steil nach oben!

Ich fuhr nach Hause auf den Gartensitzplatz und schaute mir meine neue Errungenschaft genauer an. Als Zubehörteile fand ich die zwei hinteren Griffe, die ich gerne auch dranhaben wollte. Dazu musste ich die hintere Abdeckung demontieren und vier richtig grosse Löcher an genau den richtigen Stellen bohren/schneiden/wie auch immer. Immerhin waren die Mittelpunkte der Bohrungen auf der Innenseite markiert. 15mm grosse, runde Löcher waren gefragt. Wer hat schon einen 15mm Bohrer? Bei 10mm war bei mir Schluss. Hmmm... Im Alteisen finde ich ein dünnes Stahlrohr mit 15mm Aussendurchmesser. Dieses erhitzte ich mit dem Gasbrenner bis zur Glut und schmelzte die vier gewünschten Bohrungen aus dem zähen Kunststoff. Das hat wirklich sehr gut funktioniert und ich konnte beide Griffe danach passgenau montieren. Wirklich sehr gut hingebastelt...

Auf der rechten hinteren Seite möchte ich eine Befestigung für Rad-Seitentaschen anbringen. Dieses einfache Anbringen und Wegnehmen, zusammen mit dem guten Stauvolumen, das hat mich von den Taschen und dem System an und für sich überzeugt. (Regenzeug werde ich wohl immer mitführen). Die Tasche darf aber nicht nach innen zum Rad hin pendeln, deshalb braucht die Halterung eine Fixierung der Rückwand (Bügel nach unten). Wie man das stabil genug anbaut, weiss ich noch nicht. Bis ich eine gescheite Lösung habe, fahre ich einfach mit Rucksack.

Abends machte ich dann noch eine Einweihungstour durch das Zürcher Oberland. Das ist genau der richtige Töff für mich. Bis etwa 120, 130 geht er ab wie die Feuerwehr, darüber wird es eher ungemütlich und schwammig. Wenn man ausserorts Gas gibt, ist man schnell auf 100, aber nicht auf 140, wie mit der KTM 990 Supermoto T. Ein Einzylindermotorrad hat eine ganz eigene Charakteristik und die macht bei der gekauften 690 Enduro R richtig Spass. Der Motor ist durchzugsstark und gutmütig, im oberen Drehzahlbereich dann aber doch noch recht giftig und agressiv, so dass man die sechs Gänge speditiv durcharbeiten kann. Das leichte Gewicht des Töffs ist ein weiterer Pluspunkt. An Kreuzungen kann ich gut stehen und auch langsame Kurven sind einfach zu fahren. Die lange Sitzbank gefällt mir auch sehr gut. Zum heizen sitzt man besser etwas weiter vorne, beim gemütlichen Bummeln kann man auch einmal etwas nach hinten rutschen. Ja, durchaus praktisch.

Ich habe Freude an diesem Kauf und hoffe, dass viele unfallfreie Kilometer vor mir liegen. Wenn es das Auto wirklich ersetzen soll, wird dieses neue Motorrad häufig gebraucht. Zuverlässig soll es deshalb auch sein. Wir werden es sehen.

neues Gartenhaus (Töffgarage)

Schon seit ein paar Jahren ist das alte, langsam auseinanderfallende Gartenhaus ein wiederkehrendes Gesprächsthema. Bis anhin war's mir zu unwichtig und ich war einfach zu faul um mich darum zu kümmern. Durch den Kauf eines Töffs ändert sich nun jedoch meine Interessenlage und so dürften wohl die Tage der heutigen Gartenhausruine gezählt sein.

Nachts will ich das Motorrad an einen geschützten und trockenen Ort stellen können und in der Garagenbox ist kein Platz mehr. Da stehen schon drei Velos und ein Auto. Wie man auf dem Foto sieht, kann ich mit dem Töff entlang der Garage fahren und komme so zum Gartenhaus. Ich baue also ein neues Gartenhaus, welches in erster Linie eine Töffgarage ist. Zusätzlich soll noch der Rasenmäher und der übrige Gartenkram darin untergebracht werden können. Das sind so die Anforderungen.

Natürlich habe ich mit dem Digitalfotoapparat Bilder gemacht, von Hand alles aufgezeichnet und vermasst. Das neue Gartenhaus darf maximal 3,0m x 2,4m Bodenfläche beanspruchen, das sollte reichen. Ich versuchte meine Ideen mit Kugelschreiber auf Papier zu zeichnen und nicht vor dem Monitor mit irgendeiner coolen Software. Auf dieser alten Papierbasis kann ich viel besser mit anderen Menschen darüber sprechen, etwas hinzufügen oder ändern. Den PC will ich vorerst mal weg lassen und die Zeit lieber "manuell" nutzen und die Idee weiter voran zu treiben.

Am Nachmittag fuhr ich nochmal in die Motorradgarage um den Kaufvertrag zu unterschreiben und den Einzahlungsschein mitzunehmen. Morgen Nachmittag kann ich "mein" neues Motorrad dann schon abholen. Da freue ich mich natürlich drauf.

Mehr Mobilität

Auf meiner Reise konnte ich auch darüber nachdenken, was für ein Auto ich nach meiner Rückkehr kaufen will. Es schien mir klar, dass ich für meine Mobilitätsansprüche ein eigenes Auto brauche.

Schon seit längerem gefallen mir die Fiat Doblo Modelle und in Italien sieht man auch viele davon. So schlecht kann das Auto also nicht sein. Neu konnte ich es mir nicht leisten, also fragte ich das liebe Internet, wo in der Region Zürich denn solche Doblos zum Verkauf stehen und wie ich diese Händler mit dem Velo abfahren kann. Das machte ich dann gestern Freitag.

Es war frustrierend. Es gibt nur wenige Angebote und das was ich wirklich sah, hatte immer einen Fehler. Meist: falsche Farbe. Ich will blau oder rot. Eine wirkliche Farbe und nicht weiss, grau, antrazith oder schwarz. Das ist so langweilig. Aber schwer zu finden. Oder schon 130'000 Kilometer. Oder mit ziemlichen Kratzern im Lack. Oder...

In Italien, auf den Strecken über Pässe und Berge, da sieht man samstags und sonntags Motorräder vom Feinsten. Viele Gruppen, oft mit Rennsportmaschinen heizen durch die Gegend. Aber auch viele Tourenfahrer, Harley-Blubberer und schnelle Roller.

In allen Städten Italiens ist der Motorradroller ein schnelles und beliebtes Verkehrsmittel. Man schlängelt sich überall durch und parkiert wo's am einfachsten ist. Klar sieht man in Italien viel mehr Motorräder als in der Schweiz, weil es dort eben länger warm und trocken ist. Die Winter sind dort nicht so kalt, verregnet und verschneit, wie bei uns.

Wie auch immer. Die vielen Töfffahrer motivierten mich, auch mal in die Richtung nachzudenken. Ein Motorrad hat gegenüber einem Auto doch ein paar Vorteile und würde meine Mobilitätsansprüche genauso erfüllen.

Ich fahre also am Freitag mit dem Velo kreuz und quer durch die Vororte von Zürich, wo grosse Autohändler zu finden sind, suche nach besagtem Fiat Doblo und fand kein passendes Angebot. Gegen vier Uhr am Nachmittag war ich langsam Auto-müde. Ich hatte bestimmt schon 1'000 Autos gesehen und immer neue Varianten miteinbezogen, nur um dann doch nicht überzeugt zu sein. Das schien nicht zu klappen, wie geplant. Dann brannte mir eine Sicherung durch...

Plötzlich war mir bewusst, dass ich besser ein Motorrad kaufe. Hier hat es so viel Verkehr, dass ein leichtes, schnelles Motorrad das effizientere Verkehrsmittel ist. Falls ein harter Winter kommen würde, wäre ein günstiges Auto dann noch schnell gekauft. Genau, das war nun mein Plan.

Ich erinnerte mich an einen Trial-Freund aus der Jugendzeit, der ganz in der Nähe ein Motorradgeschäft betreibt und fuhr spontan mit dem Velo dahin. Ich sagte: "Emil, ich bruch en Töff!"

Er zeigte mir Modelle, die in etwa meinen Vorstellungen entsprachen und da wurde ich mutig. Wenn schon, denn schon! Ein schnelles Teil will ich einmal fahren. Die KTM 990 Supermoto T gefiel mir gut und davon hatte er auch ein Modell, welches ich für das Wochenende mieten kann, um die Sache einmal auszuprobieren. Das fand ich ein Spitzenargument! Ausprobieren über's Wochenende, ja das mache ich und wir schliessen spontan einen Mietvertrag ab. Kaum eine Stunde später begann dann der Spass!

Die KTM Supermoto T ist ein Killer! Ein V2-Motor mit 990ccm. Ein Geschoss! Diese Beschleunigung ist unglaublich. Dreht man etwas forsch am Gasgriff, muss man sich gut festhalten! Das Motorrad würde locker über 200 kmh gehen, doch das wollte ich dann doch nicht ausprobieren. Heute bin ich etwas über 100 Kilometer durch das Zürcher Oberland damit gefahren. Das Teil fährt sich wirklich super, doch ich bin damit oft viel zu schnell unterwegs. Ausgangs einer Ortschaft mal zwei, drei Gänge hochgeschaltet und man ist deutlich jenseits der Ausweisgrenze. Das macht zwar super Spass, ist aber eigentlich nicht zu verantworten. Dieses Motorrad ist zu schnell für mich (oder ich habe mich dafür zuwenig im Zaum).

Ich fuhr also wieder zu Emil und hatte zwei Kritikpunkte: Erstens sitze ich zu tief und zweitens fahre ich damit permanent zu schnell. Etwas weniger Motorrad würde mir reichen. Möglichst leicht, alltagstauglich und dennoch sportlich. So landeten wir beim Modell KTM Enduro R, ein 1-Zylinder mit 690 ccm. Davon hatte er auch ein Modell, welches ich gleich testen konnte und das mat mich dann absolut überzeugt. Das ist es! Dieses Motorrad baut hoch und passt deshalb gut für meine 192cm Grösse. Es ist leicht (ca. 140 kg), sehr wendig und hat einen guten Motor. Die fast 700 Kubikzentimeter beschleunigen auch ganz nett. Ja, so ein Dampfhammer entspricht auch einem früheren Jugendtraum. Der Entscheid war gefallen. Das kaufe ich mir!

Die Rennmaschine werde ich morgen Abend abgeben und mit dem Velo nach Hause fahren. Am Mittwoch kann ich dann meinen neuen Töff abholen. Ich wünschte mir andere Reifen mit weniger grobem Profil, da mein Einsatzzweck zu 100% auf der Strasse sein wird. Ansonsten wird es genau das Motorrad auf dem Bild sein. Da freue ich mich nun drauf! Da steckt noch einiges Verschönerungspotential drin... auch darauf freue ich mich.

Das Mobilitätsthema hat sich also vorerst mal erledigt. Nun hoffe ich natürlich auf viele sonnige Tage und einen milden Winter.

(58) Der Kreis schliesst sich

Bilder im Fotoalbum (Nr. 968-979)

Um sieben Uhr machte ich mich auf den Weg zum Frühstücksbuffet und traf dort auf eine grössere Gruppe Reisender, die schon fleissig am Teller füllen waren. Ich staune, dass die alle schon so früh raus müssen, doch pünktlich um acht Uhr fährt ein Reisebus vor und ein paar Minuten später sind alle schon weg. Nächster Halt nur fünf Minuten später: Via Mala Schlucht

Ich brauche eine Viertelstunde länger bis ich abfahrbereit war. Die noch nie gebrauchten Knielinge mussten jetzt her. Und eine Jacke. Draussen hängen noch letzte Wolken in den Bergen, doch es zeichnet sich ein schöner Tagesverlauf ab. Temperatur: 13 Grad. Brrr… Da bin ich mich wahrlich anderes gewohnt.

Die warmen Sachen waren richtig, denn die ersten 27 Kilometer bis nach Chur geht es oft leicht bergab und auf der schnellen Hauptstrasse fühlen sich 13 Grad schnell kalt und ungemütlich an. Deshalb machte ich in Chur auch keine Pause, sondern fuhr noch etwa 15 Kilometer bis Landquart weiter. Dort fuhr ich zum Bahnhof und verpflegte mich vor dem avec-Shop. Ich kaufte ein Sandwich aus dunklem Brot und Gruyerekäse, einem Salatblatt und einer Scheibe Tomate. Dazu einen Latte Macchiato zum sofort trinken und einen Erdbeermilchshake um alles runterzuspülen. Alles mir gewohnte Produkte, die ich ohne langes Suchen fand.

Von Landquart fuhr ich via Bad Ragaz, Sargans und Flums nach Walenstadt am östlichen Ende des Walensees. Dort kaufte ich an einem Kiosk eine weitere Zwischenmahlzeit und fuhr dann de super schönen Radweg dem Seeufer entlang bis nach Weesen. Dort setzte ich mich auf eine schöne Aussichtsbank und überblickte die Lage. Ich hatte jetzt 76 Kilometer auf dem Tacho. Und schätzte die Distanz bis nach Zürich noch einmal so lange ein. Plus 20 Kilometer bis nach Hause, macht an die 170 Kilometer Gesamtdistanz. Soweit bin ich bisher noch nie an nur einem Tag gefahren.

Aber: Ich komme nach etwa 50 verschiedenen Hotelbetten endlich wieder einmal ins EIGENE (Wasserbett). Es gibt da auch eine grosse Dusche, aus der richtig viel und gleichmässig warmes Wasser kommt. Und ich kann Karin und mir endlich wieder einmal etwas Leckeres kochen und dann können wir genau das essen, was wir wollen, respektive wonach ich mich am meisten sehne.

Das sind starke Argumente! Und zudem: So ist morgen ganz sicher ein Ruhetag! Na klar! Ich rufe Karin an und sage ihr, dass ich noch heute Abend nach Hause komme, was sie auch sehr freut. Das Wetter wird immer besser und es wird langsam auch immer wärmer.

Ich genoss die Fahrt durch die Linthebene und dem Zürichsee entlang, wo ich von diesem satten Grün der Landschaft schon fast geblendet wurde. Immer wieder Pützen. Hier muss es in den letzten 8 Wochen viel häufiger geregnet haben als ich Regen gesehen habe. Ich dachte nach… An insgesamt 5 Tagen gebrauchte ich die Regenjacke. An den übrigen 53 Tagen war es immer trocken. Wahrlich, Petrus war mir immer wohlgesinnt! Und auch heute! Ich sagte ja, ich bringe das gute Wetter mit und heute wurde es auch wirklich immer schöner.

Nach Zürich fuhr ich deshalb, weil ich auf der Quaibrücke ein Foto mit dem beladenen Kish und mir vor der Kulisse der Stadt haben wollte. Dort schloss sich der Kreis. Am Tag 1 fotografierte ich da die grosse Metallspinne, die in der Zwischenzeit wieder abgebaut wurde, und fuhr von da entlang des linken Seeufers in Richtung Süden. Und heute, am Tag 58, komme ich von der rechten Seeseite wieder zurück. Etwa 5‘600 Kilometer liegen dazwischen. Eine ziemlich weite Runde um den Zürichsee…

Ich hatte es geschafft! Die Stunde Velofahrt von Zürich bis nach Hause war ein innerlicher Triumphzug! Hier bin ich zu Hause, hier gehöre ich auch hin! Radreisen, das kann ich jetzt… Rein physisch könnte ich noch wochenlang weiterfahren, das habe ich nun wirklich gelernt. Radfahren, essen/trinken und schlafen, das waren in den letzten 58 Tagen meine Hauptbeschäftigungen und das kann ich nun.

Im Kopf hatte ich Ferien, „tourist, per sempre!“. Natürlich habe ich in den zwei Monaten viele neue Eindrücke gesammelt und man wird jetzt sehen, ob ich etwas Schlaues damit anfangen kann. An einem schönen Waldrand machte ich im Abendlicht dann noch eine Art Schlussfotos, bevor ich definitv nach Hause rollte. Ein schöner, langer Tag war’s! Das GPS sagt: 173 km., 7:38 Std., 530 Hm.

(57) Arrivederci bella Italia

Bilder im Fotoalbum (Nr. 944-969)

Strahlend blauer Himmel begrüsste mich für meine heutige Velotour in Richtung Berge. Ich folgte dem Ostufer des Comersees auf seiner ganzen Länge und geniesse immer wieder tolle Aussicht auf die gegenüberliegende Seeseite und die dahinterliegenden Berge. Nach dem Comersee folgt der kleine Lago di Mezzola und danach beginnt die Strasse bis nach Chiavenna leicht anzusteigen, wo ich ziemlich genau um zwölf Uhr nachmittags eintraf. Es war noch immer sehr schön und 25 Grad warm.

Ideal um am Nachmittag, nach einer feinen Portion Spagetti Carbonara, den Anstieg zum Splügenpass in Angriff zu nehmen. Gleich am Ortsausgang von Chiavenna wird klar, wie das Streckenprofil der nächsten drei Stunden aussieht, denn es geht gleichmässig und stetig nach oben. Ich fühlte mich gut und lernte in den letzten Wochen ziemlich konsequent nach Puls zu fahren. So entscheide ich mich Puls 140 als Obergrenze zu wählen und deshalb kommt auch das kleine Kettenblatt häufig zum Einsatz. Zudem mache ich alle 300 Höhenmeter eine kurze Pause, wo ich etwas esse und trinke. So klappte das ganz gut.

Bei Madesimo wollte ich entscheiden, ob ich dort ein Hotel suche oder ob ich ganz über den Splügen fahre. Madesimo liegt auf etwa 1‘750 Meter über Meer und da ich mich noch immer fit fühlte, fuhr ich an der entsprechenden Abzweigung vorbei. Mein neues Ziel war nun das von Andre vor zwei Tagen empfohlene Hotel Weiss Kreuz in Thusis.

Je höher ich kam, desto stärker wurde der Wind, welcher von Norden über die Berge trieb und so musste ich auf den letzten 200 Höhenmetern doch ziemlich beissen. Auf über 2‘100 Metern über Meer war es dann ziemlich kalt und deshalb musste ich für die Abfahrt eine Jacke hervorkramen, die ich nun fast zwei Monate nicht gebraucht hatte.

Die vielen Serpentinen bis runter nach Splügen machten richtig Spass und so freute ich mich auf die letzten Kilometer bis nach Thusis. Die Freude währte aber nicht lange, denn schon kurz nach Splügen kam ich in einen heftigen Regenschauer. Das gibt es doch nicht! Da fahre ich bei Regen aus der Schweiz, sehe in über sieben Wochen nur einmal eine Stunde Regen und kaum kehre ich in die Schweiz zurück, fahre ich wieder in den Regen. Dabei wollte ich doch die Sonne mitnehmen…

Doch auch dieser Regen war auch nur von kurzer Dauer und anfangs der Via Mala Schlucht war alles schon wieder vorbei. Gerade richtig um nicht tropfend nass das schöne Hotel WEISS KREUZ zu betreten. Leider war der Chef nicht anwesend, so konnte ich keine Grüsse ausrichten, doch seine Mitarbeiter bereiteten mir einen schönen Abend mit einem leckeren Vier Gänge Menü. So konnte ich diesen erlebnisreichen Tag wunderbar abschliessen. Das GPS sagt : 137 km., 7 :44 Std., 2‘120 Hm.

(56) via Bergamo an den Comersee

Bilder im Fotoalbum (Nr. 924 - 943)

Ich wachte kurz vor sieben Uhr auf und machte mich gleich ans Frühstücksbuffet. Ich wollte zeitig losfahren, damit ich die Poebene noch möglichst ohne Wind hinter mich bringen konnte. Bis Bergamo waren es noch etwa 70 Kilometer und das wollte ich bis zum Mittag packen.

Soweit lief alles problemlos, bis ich etwa 30 Kilometer vor Bergamo durch das 2‘437ste Schlagloch meiner Sommerreise durch Italien holperte und ein leichter Knall am Hinterrad zu hören war. Ich dachte an einen Plattfuss und schaute nach hinten unten. Die Luft war noch drin, doch das Rad eierte ziemlich. Sah verdächtig nach Speichenbruch aus. Als ich anhielt und nachschaute fand ich tatsächlich eine lose Speiche, doch nicht die Speiche an sich war gebrochen, sondern der Speichennippel war in zwei Stücke zerfallen.

Wie auch immer. Ich musste anhalten und die Sache reparieren. Als ich das Rad ausbaute, den Reifen samt Schlauch entfernte und das Felgenband aus der Felge hob, sah ich auch den Grund des Nippelbruchs. Die Felge ist auf der Innenseite auf etwa der halben Radlänge eingerissen. Das sieht ziemlich unschön aus (siehe Foto im Album). Gründe dafür kann es einige geben. Erstens bin ich die Räder nun bestimmt schon über 10‘000 Kilometer gefahren. Zweitens ist das Gewicht auf meiner Reise sehr einseitig verteilt. Ich schätze, dass etwa 100 Kilo auf dem Hinterrad liegen und nur etwa 25 Kilo auf dem Vorderrad. Drittens fahre ich für die schmale Felge eher breite Reifen und die noch ziemlich prall gepumpt und viertens könnte auch die Speichenspannung etwas hoch gewesen sein.

Immerhin musste ich die Speiche nicht wechseln sondern konnte einfach einen neuen Nippel (von einer Notspeiche) einsetzen. Ich entschied mich zudem, alle Speichen um eine Viertelumdrehung zu lockern und zentrierte dann das Rad so gut ich konnte. Nachdem ich Schlauch und Reifen wieder montierte, pumpte ich zwar voll, doch nicht so hart wie zuvor. Zum Schluss richtete ich ein kurzes Stossgebet gen Himmel, dass das Rad die noch knapp 400 Kilometer bis nach Hause halten möge. Dann darf es in alle Einzelteile zerfallen.

Natürlich hatte ich danach ein leicht ungutes Gefühl und jedesmal, wenn es wieder kräftig holperte dachte ich an weiteren Schaden. Doch hey, think positive! Löcher am rechten Strassenrand gehören zu Italien wie Rotwein und Pizza und wenn das Rad nun über 5‘000 Kilometer gehalten hat, wird es die restlichen paar Tage auch noch überstehen.

Kurz nach ein Uhr Mittag kam ich dann nach Bergamo und gönnte mir in einem Restaurant eine feine Portion Pasta. Danach fuhr ich in das alte Ortszentrum, welches auf einem kleinen Hügel liegt. Für Touristen stehen zwei Standseilbahnen zur Verfügung, die von der neuen Stadt in die alte Stadt hochführen. Radfahrer dürfen natürlich selbst hochfahren und auch im ganzen Altstadtbereich ist Velofahren erlaubt. Ich habe dort ein paar schöne Fotos gemacht.

Danach folgte ich etwa 30 Kilometer der Hauptstrasse bis nach Lecco, an das untere Ende des Comersees. Diese 30 Kilometer waren aber ziemlich harzig, weil es sehr viel Verkehr und immer wieder Lichtignale hatte, die zum anhalten zwangen. Mir ist dabei ein deutsches Wohnmobil aufgefallen, welches mich ausgangs Bergamo erstmals überholte und hinter dem ich den Ortseingang von Lecco passierte. Dazwischen hat mich dieses Wohnmobil bestimmt zehnmal überholt und an irgendeinem Lichtsignal fuhr ich seitlich wieder nach vorne. Im Auto ging es also kein bisschen schneller vorwärts.

In Lecco fackelte ich nicht lange und bezog ein Zimmer im erstbesten Hotel, welches ich sah. Leider verdichtete sich die Bewölkung im Laufe des Nachmittags und so fielen auf meinem Abendspaziergang durch Lecco dann tatsächlich ein paar scheue Regentropfen. Nach dem Spaziergang ging ich fein essen und als ich aus dem Restaurant kam, war der Himmel schon wieder mehrheitlich blau und machte einen bedeutend besseren Eindruck. Ich hoffe doch, dass mein bisheriges Wetterglück auch in den nächsten Tagen anhält. Das GPS sagt: 121 km., 5:40 Std., 240 Hm.