natürlich

Mit der Rikscha bin ich ja immer in der Stadt unterwegs und deshalb geniesse ich es ganz besonders, wenn ich wieder einmal eine kurze Runde mit dem Mountainbike durch die nahem Wälder drehen kann. Heute war es wieder einmal soweit und ich genoss es richtig. Das saftige Grün, die gute Luft, die Ruhe... einfach super!

Lenker-Umweg

Letztes Jahr liess ich mir -wie erwähnt- einen Titanlenker bauen, weil ich auf dem KISH aufrechter sitzen wollte. Konstruktionsbedingt wurde der Lenker sehr breit - 74 Zentimeter. Auf dem Tourenrad war mir das dann doch zu breit. Ich war enttäuscht. Nicht nur wegen dem ausgegebenen Geld. Meine Vorstellungen wurden nicht erfüllt - oder richtiger: ich hatte falsche Vorstellungen. Ich kaufte mir einen Mountainbikelenker und baute ihn an ein Strassen-/Tourenrad. Das war der Fehler! Auf der Strasse braucht man keine überbreiten Lenker. Das Lenken fällt einfach, also braucht es keine grossen Hebel und je breiter man fasst, desto mehr Fläche im Wind bietet man. Es kommt nicht von ungefähr, dass Rennlenker nur um die 45cm breit sind... aber so ist es halt, ich werde nur durch eigene Fehler und Erfahrungen klug.

Ans Kish habe ich mir den alten, 64cm breiten Lenker gebaut und bin damit wieder glücklich. Die gewünschte Erhöhung des Lenkers erzielte ich mit einer Schaftrohrverlängerung. Sieht nicht super aus, doch mir passt es und auf den 2'400km durch Deutschland hat es sich bewährt. Also lass ich es so.

Schon bald hatte ich die Idee, dass ich den Titanlenker an das Santa Cruz Mountainbike montieren könnte. Das ist ein Mountainbike und auch da könnte mir die aufrechtere Sitzposition gefallen. An Ostern war es dann soweit. Natürlich musste ich zuerst prüfen, ob die Bremsleitungen und Schaltkabel genügend lang sind. Mit etwas Glück und kleinen Basteleien passten die hydraulischen Bremsleitungen. Die Schaltkabel waren zu kurz, doch da hatte ich Ersatz und so verlegte ich halt Neue. Kein Problem. Eine erste Probefahrt unternahm ich dann zusammen mit Freunden am Ostermontag.

Und siehe da! Der Lenker macht nun am Mountainbike grosse Freude. Es ist unglaublich, wie relaxed ich jetzt auf dem Bike sitzen kann. Die Kontrolle auf schmalen Wegen ist exzellent und das Ganze macht enorm Spass. Ja! Es ist ein MTB-Lenker und an einem MTB macht er wirklich Sinn. Natürlich kann man auch hier über die Optik meckern, doch über solche Kleinigkeiten sehe ich locker hinweg. Der Spass ist viel wichtiger! Die gemachte Tour hat mich richtig angefixt und so möchte ich in Zukunft wieder öfters mal mit dem MTB unterwegs sein. Das ist zeitlich nicht so einfach zu organisieren, doch ich freue mich schon jetzt auf die nächste Ausfahrt ins Grüne! :-)

Velospazieren

Gestern regnete es fast den ganzen Tag und deshalb blieb ich zu Hause. Heute morgen war es dann noch stark wolkenverhangen, doch der Wetterbericht sagte eine allmähliche Wetterbesserung voraus. Genau richtig um einen Sonntagsspaziergang zu unternehmen. Noch schöner natürlich eine gemütliche Velorunde ohne klares Ziel...

Kurz nach dem Mittag stieg ich aufs KISH und machte mich auf in Richtung Flughafen. Ich hatte noch eine kurze Besorgung auf dem Plan und auch so ist "rund um den Flughafen" eine meiner bevorzugten Flanierstrecken. Da gibt es immer etwas zu sehen und ein Kaffeehalt am Pistenende bietet sich auch an. Besonders war heute das Spiel der Wolken am Himmel. Bei viel Wind zeigten sich immer andere Formen in immer unterschiedlichen grau-Variationen.

Weil alles so rund und stimmig war, verlängerte ich die Ausfahrt noch etwas und suchte mir einen schönen Aussichtpunkt. An einem Waldrand, westwärts ausgerichtet, mit Blick über die hüglige Landschaft. Der Frühling zeigt sich nun immer stärker. Erster Bärlauch ist am Waldrand zu sehen, zunehmend verdrängt junges grün das verlebte braun. Nur etwas sitzen und schauen... schön... ja, hier ist es einfach sehr sehr schön...

Fazit - Winterradreise 2017

  • Start am 16.01.2017, in Embrach, Ziel am 16.02.2017 in Leipzig
  • Gesamt 32 Tage, davon 4 Ruhetage = 28 Reisetage à 80km = 2’240km
  • 30 Hotel-Nächte in 26 verschiedenen Hotels, 2x Privatunterkunft
  • Kosten total = 3'000 Euro, pro Tag = 60 für Hotel + 34 für Verpflegung
  • Tage mit Regenbekleidung = 2
  • Tage mit Durchschnittstemperaturen unter Null Grad = 24
  • Kältester Tag: -6,4°Grad (23.1. Mannheim-Mainz)
  • Wärmster Tag: +7,4°Grad (16.2. Delitzsch-Leipzig)

Jahreszeit, Wetter
Wie zu erwarten war, war es kalt, manchmal sogar sehr kalt. Es gab oft trübe und graue Tage, doch meist zeigte sich nachmittags die Sonne. Ich musste nur an zwei Tagen für wenige Stunden die Regenkleider anziehen und deshalb ist klar festzuhalten, dass ich grosses Wetterglück hatte. Die Tage waren kurz, weshalb ich meist zwischen 15 und 16 Uhr mein Tagesziel erreichte und der gefahrene Tagesdurchschnitt «nur» 80 Kilometer betrug.

Gewählte Strecke, Vegetation
Die Routenplanung war soweit o.k. Die genutzten Radwege sind sehr gut ausgebaut, meist ohne jeglichen motorisierten Verkehr. Diesbezüglich ist Deutschland wirklich vorbildlich. Obwohl fast immer asphaltiert, gab es aber jeden Tag kürzere Abschnitte auf Naturstrassen oder unbefestigten Wegen, die im Winter oft schneebedeckt und vereist sind. Da galt es vorsichtig zu fahren und das Tempo anzupassen.

Wie bereits im Vorfeld gedacht, war es meist flach. Entlang grosser Flüsse ist es nunmal flach. Das macht es zeitweise aber auch langweilig. Zu kämpfen hatte ich öfters mit permanentem Gegenwind. Von Bremerhaven weg fuhr ich eine Woche lang täglich gegen den (kalten) Ostwind. In diesen flachen, teils waldlosen Gegenden, ist man sehr windexponiert und es gibt kein entrinnen. Die Vegetation war, bedingt durch die Jahreszeit, im Winterschlaf und sehr karg. Es dominierten die Farben braun und grau. Alle Felder waren abgemäht, die Bäume blattlos und die meisten Seen zugefroren. Visuell deshalb nur wenig spannend.

Etwas ungewöhnlich für eine Radreise, so fand ich auf dieser Tour die Städte am spannendsten. Dies hängt jedoch vermutlich auch mit der Jahreszeit zusammen, da es «auf dem Land» halt nicht viel zu sehen gab.

Bekleidung, Velo, Technik
Natürlich war ich kleidungsmässig auf Winter eingestellt. Trotzdem kaufte ich mir unterwegs noch zusätzlich warme Unterwäsche dazu. Die im Vorfeld gekauften Winterwanderschuhe haben sich bewährt. Natürlich hatte ich ab und zu kalte Füsse, doch nie dramatisch. Das grösste Problem waren eigentlich die Hände. In den dünnen Handschuhen hatte ich oft kalt und in den dickeren begann ich rasch zu schwitzen.

Als Kopfbedeckung trug ich meist ein dickes Fleece-Stirnband und darüber eine Fleece-Mütze. Hals, Kinn, Mund und Nase schützte ich mit einem Buff (auch aus Fleece). Gerade bei sehr kalten Bedingungen war es wichtig, den Buff bis über die Nase hochzuziehen. Dadurch kann man die Atemluft etwas anwärmen.

Das Velo funktionierte völlig problemlos. Unterwegs brach mir eine Gepäckträgerhalterung, was ich jedoch schon im Voraus dachte und deshalb auch Ersatz mitführte. Also kein Problem. Zweimal das Rad putzen und alle 500km die Kette ölen war alles, was es zu tun gab. Die montierten Winterreifen haben gut funktioniert und waren die richtige Wahl.

GPS, Fotoapparat und Handy hatten Mühe mit den eisigen Temperaturen. Die Akkus sind schnell leer und deshalb führte ich auch einen kleinen Pufferakku mit, mit dem ich vor allem das GPS unterwegs laden konnte. Die ersten paar Tage musste ich etwas herumprobieren und das beste Handling finden, danach klappte auch dies problemlos.

Alle Hotels buchte ich über booking.com und dabei achtete ich immer auf «WLAN inklusive», damit ich abends meine Blogeinträge schreiben und die Fotos hochladen konnte. Natürlich gab es diesbezüglich grosse Unterschiede und auch ein paar Enttäuschungen, im Grossen und Ganzen war es aber ganz o.k. WLAN und Internet nutze ich auch für die tägliche Kommunikation mit zu Hause via Skype.

Persönliches Fazit
Für Flussradwege bin ich noch zu jung. Die ewig flache Gegend beginnt mich rasch zu langweilen und Aussichtspunkte fehlen mir. Hügel oder Berge geben da einfach viel mehr her. Dies hängt jedoch bestimmt auch mit meiner Herkunft und Prägung zusammen. Ich bin mir flache Gegenden halt nicht gewohnt und erkenne deren Reiz auch nicht wirklich.

Es gibt deshalb so wenige Radreisende im Winter, weil die Vegetation visuell wenig hergibt und auch kurze Pausen unterwegs bei Kälte und Wind nicht sehr viel Spass machen. Man hat wenig Lust etwas zu verweilen und zu gucken. In gewissem Grad ist man auf Zivilisation und geheizte Räume angewiesen.

Ich fand die Reise ganz o.k. Für mich waren die Highlights Mannheim, Mainz, Bonn, das Ruhrgebiet, die Schlösser um Münster, Hamburg mit seinem Hafen, die Bergbaumaschinen von Ferropolis und zum Schluss natürlich Leipzig und das Treffen mit Freunden. Ich machte neue Erfahrungen und habe ein paar Dinge dazugelernt. Die wichtigste Erkenntnis -so komisch es klingt- ist, dass ich nicht mehr länger als einen Monat von zuhause weg will. Das kann ich auch für die Zukunft nutzen, denn dies wird ganz sicher nicht meine letzte Radreise gewesen sein.

wieder zu Hause

Das Bild zeigt, wie ich das Rad für den Rücktransport zerlegt habe. Am Sonntag sind wir dann mit dem Auto die knapp 700 Kilometer von Leipzig nach Hause gefahren. Es lief alles völlig problemlos. Kein Stau, keine brenzlige Situation, alles bestens.

In der Zwischenzeit ist das Bike wieder zusammengebaut, die Bikekleider sind gewaschen und alles nähert sich wieder dem Normalzustand an.

Tag 32 - ankommen

Ich sitze hier am Cospudenersee und blinzle in die Mittagssonne. Ich bin am Ziel meiner Winterreise angekommen. Nach genau einem Monat und etwas mehr als 2'200 Kilometern. Es ist gut so…

Weil heute die kürzeste Etappe der ganzen Reise auf dem Programm stand, war ich zu keinem Zeitpunkt irgendwie in Eile. Ich liess mir mehr Zeit als üblich beim Frühstück und auch das Zusammenpacken und fahrbereit machen dauerte etwas länger. Ich wusste, es wird nicht nur die kürzeste Tagestour, sondern auch der wärmste Tag des letzten Monats. Schon beim Start war es um die +5° Grad und im Laufe des Tages sollte es sogar deutlich über +10°Grad warm werden. Also alles perfekt für einen schönen Abschluss.

Gleich zu Beginn kam ich nochmals an zwei grossen Baggerseen vorbei. Ich finde es sehr erstaunlich, welche Geschichte diese Landschaft hinter sich hat. Zu Beginn war es hier flach wie sonst überall auch. Dann begann der Kohleabbau und die Gegend verwandelte sich in eine öde Mondlandschaft. Staub lag in der Luft und der Lärm der Maschinen war ununterbrochen. Vielerorts 7 Tage, 24 Stunden. In dieser Gegend wurde die Kohle für fast die gesamte Energieversorgung der ehemaligen DDR gefördert. Aufkommende Atomkraftwerke, der Niedergang der DDR und auch ganz erhebliche Umweltbedenken brachten den Niedergang der Tagbauförderung. Die riesigen Gruben wurden teilweise aufgefüllt, renaturiert und dann geflutet. Heute sind dies riesige Naturschutz- und Naherholungsgebiete. Sie bieten Lebensraum für unzählige Fisch- und Vogelarten und tolle Freizeitmöglichkeiten für die Menschen. Ja, dieser Wandel ist erstaunlich und dem zolle ich auch grossen Respekt. Denn klar ist, dies alles gab es nicht umsonst.

Schon bald erreiche ich die nördlichen Vororte von Leipzig und nähere mich langsam dem Stadtzentrum. Zuerst fahre ich zum Bahnhof, dem grössten Kopfbahnhof Europas. Dann mache ich etwas Sightseeing und lasse diese Stadt auf mich wirken. Im Jahr 2000 waren Karin und ich schon einmal hier. Interessanterweise kann ich mich überhaupt nicht daran erinnern. Nur das riesige Völkerschlachtdenkmal ist mir noch präsent.

Dann verlasse ich den Innenstadtbereich und fahre südlich, in Richtung unserer Freunde. Ich habe Zeit… nehme es sehr gemütlich und kaufe noch einen kleinen Snack, der jetzt neben mir auf dem Tisch liegt und immer kleiner wird. Nun ist diese Winterradtour also zu Ende.

Noch ist vieles zu frisch um ein Fazit ziehen zu wollen. Aber soviel ist klar: Ich hatte unglaubliches Wetterglück. Der einzige Tag an dem es länger regnete, war mein Ruhetag in Münster. Die Regenkleidung musste ich nur zweimal anziehen und jedesmal auch nur für kurze Zeit. Natürlich war es kalt. Im Schwarzwald sogar sehr kalt. Aber kalt und trocken ist für Radfahrer eine gute Winterkombination. Ich hatte genügend und auch die richtige Bekleidung dabei. Das hat genauso gut funktioniert, wie auch das Rad völlig anstandslos seinen Dienst verrichtet hat. Auf Schnee und Eis gab es ein, zwei brenzlige Situationen, doch ich bin nie gestürzt. Im Schwarzwald habe ich mir den Rücken verkühlt, doch nach zwei, drei Tagen waren die Beschwerden wieder weg. Gesundheitlich hatte ich sonst keinerlei Probleme. Nicht mal eine Erkältung oder ein Schnupfen plagten mich. Für das alles bin ich sehr, sehr dankbar.

Morgen werde ich das Fahrrad gründlich putzen und zerlegen. Karins Auto ist recht klein und nur in Einzelteilen hat das Rad im Kofferraum Platz. Am Samstag werden wir noch etwas Leipzig-Sightseeing und -Shopping machen und am Sonntag fahren wir dann zurück in die Schweiz. In diesem Blog wird es nun also wieder ruhiger. Ich danke allen Lesern, die mich auf dieser Reise begleitet haben. Alle Kommentare haben mich sehr gefreut und auch motiviert um bis nach Leipzg zu fahren. Danke und bis bald in der Schweiz…

Hier der Link zum ersten Foto des Tages und nachfolgend die heutige Strecke.


Tag 31 - Ferropolis

Ich bin neugierig in den Tag gestartet, denn ich freute mich, die Riesenmaschinen des früheren Kohle-Tagbaus zu sehen. Zuerst ging es aber ziemlich verkehrsreich aus Dessau hinaus, bevor der Weg in ein ausgedehntes Waldstück (Naturpark) abzweigte. An schattigen Stellen waren die Waldstrassen brutal vereist und ich musste sehr vorsichtig fahren um nicht auszurutschen und hinzufallen. Das muss am zweitletzten Tag ja auch nicht sein. Also lieber etwas piano…

Als sich der Wald lichtete, stand ich unmittelbar vor dem Schloss Oranienbaum-Wörlitz. Das Schlossgebäude ist heute zu einem Teil ein Museum, zu grossen Teilen wird es aber noch renoviert. Sehr schön war der englische Garten vor dem Gebäude und vor allem der chinesische Garten auf der Nordseite. Verspielte Wasserkanäle, eine Pagode und ein chinesisches Teehaus, echt schmuck das Ganze.

Danach folgten ein paar langweilig flache Kilometer und schon bald kam ich nach «Ferropolis – eine Stadt aus Stahl». Das Ganze liegt auf einer Landzunge, umgeben von einem künstlichen See, welcher früher eine Braunkohle-Tagbau-Grube war. Zur Besichtigung muss man sechs Euro bezahlen und für einen zusätzlichen Euro kriegt man noch einen Audioguide, der einem alle Maschinen und die dazugehörigen Bauten und Hallen erklärt. Führungen gibt es nur im Sommer. Nur zwei der fünf Maschinen wurden auch hier eingesetzt. Die anderen drei wurden aus anderen Baugruben hierher befördert (man fragt sich wie).

Ich fand den Audioguide recht gut und schätzte es auch, dass ich mich frei bewegen konnte und es sehr wenige andere Besucher hatte. So konnte man gut fotografieren und hatte immer freie Sicht auf die Monstermaschinen. Ferropolis wurde anlässlich der Weltausstellung 2000 (Hannover) eröffnet. Es handelt sich um ein Projekt, welches von der Designschule Dessau (ja genau, die im Bauhaus) entwickelt wurde. Es ist einerseits ein Freilichtmuseum, andererseits aber auch eine grosse Eventlocation. Hier wurden schon Pop- oder Klassikkonzerte gespielt, Opern aufgeführt und vieles mehr. In der zentralen Arena finden bis zu 25'000 Zuschauer Platz. Heute waren etwa 10 Personen unterwegs. ;-)

Ich liess mir Zeit und machte einige Fotos. Zum Schluss packte ich meinen Proviant aus der Tasche und machte noch ein kleines Picknick, bevor ich wieder losfuhr. Es waren noch knapp 50 Kilometer bis zu meinem Tagesziel in Delitzsch und meine Routenplanung war so angelegt, dass ich an vielen Baggerseen vorbeikam. Das hatte aber auch zur Folge, dass es viele Abschnitte auf Waldstrassen beinhaltete und die waren wiederum oft stark vereist. Ich brauchte also gute Nerven und etwas mehr Zeit, doch beides hatte ich heute.

Delitzsch hat eine schöne Altstadt mit einem kleinen Barrockschloss. Ein gelungener Abschluss eines sehr interessanten Tages. Anzumerken ist noch, dass heute wohl der wärmste Tag meiner Reise war. Ich startete am Morgen bei etwa -2° Grad und die Temperatur stieg im Laufe des Tages auf etwa +7°Grad. Ich musste unterwegs mal anhalten und einen Pullover ausziehen, damit ich nicht zu stark schwitze. Es wehte zudem kaum Wind, so dass man bei einer Pause an der Sonne angenehm sitzen konnte, ohne zu frieren. Schon fast ein Hauch Frühling…

Hier der Link zum ersten Foto des Tages. Für die Anzeige der Strecke habe ich heute eine neue Variante herausgefunden. Etwas schade, dass ich erst heute auf diese Idee gekommen bin. Wäre doch schön gewesen, wenn es vom ersten Tag weg so ausgesehen hätte.

Tag 30 - weiter geht's

Kurz nach neun Uhr startete ich zu meiner letzten Elbe-Etappe. Das Wetter war von Beginn weg sonnig. Kurz nach der Abfahrt zeigte das GPS zwar eine Temperatur von -6° Grad, doch in Laufe des Tages wurde es immer wärmer und mittags um zwei war es dann mit +2° Grad schon fast angenehm warm. Wirklich angenehm war auch, dass es heute nur sehr schwach windig war. Also ein perfekter Tag um Rad zu fahren.

Zu sehen gab es aber auch heute nicht viel Neues. Im Unterschied zu den Vortagen kam ich heute aber öfter mal durch bewaldete Gebiete. Die Wälder hier sind reine Nutzwälder. Monokulturen aus Fichten, meist in geometrischen Mustern angepflanzt, sieht etwas steril aus, aber immerhin, Wald.

Erwähnenswert ist noch die kleine Fähre zwischen Barby und Walternienburg, die ich heute benutzte. Es handelt sich dabei um eine motorlose Gierseilfähre mit interessantem Konzept. Die Fähre ist mittig, etwa 350m weiter flussaufwärts, an einem Stahlseil befestigt. Bug und Heck sind über eine Umlenkrolle mit dem Hauptseil verbunden und deren Seillänge wird so verändert, dass der Anstellwinkel zur Flussströmung die Fähre bewegt. Bis zur Flussmitte zeigt also der Bug flussabwärts und von da weg wird geschwenkt, so dass das Heck flussabwärts zeigt und die Fähre ans andere Ufer treibt. Das fand ich recht spannend und funktioniert tadellos.

Etwa eine Stunde später sollte ich mit einer kleinen Personenfähre die Elbe noch einmal überqueren, doch da musste ich mir einen anderen Weg einfallen lassen. Der Fährbetrieb ist in den Wintermonaten eingestellt. So verlängerte sich meine Tour um ein paar Kilometer, bis ich zu einer grossen Autobrücke kam und so die Elbe überqueren konnte. Kein Problem. Ich hatte genügend Zeit und wie gesagt, das Wetter war wirklich gut.

In Dessau -meinem Tagesziel- angekommen, wollte ich natürlich unbedingt das «Schulgebäude für Kunst-, Design- und Architektur» ansehen. Dies ist im klassischen Bauhaus-Sil gebaut und ist heute ein UNESCO-Welterbe. Interessierte können gerne diesen Wikipedia-Artikel darüber lesen. Danach kreuzte ich den Ort noch etwas auf, ass für 1,30 Euro eine Bockwurst mit Brötchen und machte Einkäufe für den Abend. Ich übernachte heute in einer Pension und da kann etwas zu trinken und zu knabbern nicht stören. Auch für morgen kaufte ich noch etwas Proviant.

Es war heute ein sehr gemütlicher Tag und die etwa 80 Kilometer fielen mir leicht. Ich bin jetzt über 500 Kilometer der Elbe entlang gefahren und biege nun in südliche Richtung ab. Morgen will ich ein Tagbau-Freilicht-Museum besuchen. Da freue ich mich drauf.

Hier die gespeicherte Strecke des Tages (84,4km/161Hm) und der Link zum ersten Foto von heute.