Coop-Event

Vor zwei Monaten kriegte ich einen interessanten Auftrag von Coop. An einem Tag sollen in Basel, in Zug und in Zürich je zwei Rikschas unterwegs sein und Fahrgäste zu den "Coop to go" Filialen zu fahren.

Zürich und Zug konnten wir mit unseren eigenen Rikschas abdecken. In Basel arbeiteten wir mit einem anderen Rikschaunternehmen zusammen. Für mich gab das ziemlich viel Arbeit. Ich kümmerte mich um die Bedruckung und Dekoration der Rikschas für Zug und Zürich, organisierte die Fahrer und versuchte alles irgendwie unter Kontrolle zu haben. Am Event-Tag fuhr ich mit einem Miettransporter schon vor 06:00 Uhr nach Zürich um die zwei Rikschas für Zug einzuladen. dann holte ich den zweiten Fahrer ab und wir machten uns auf den Weg nach Zug. Dort standen 9 Stunden Präsenz auf dem Programm. Wir fuhren Rikscha und verteilten Flyer an die Bevölkerung. Abends dann alles wieder zurück und bis ich dann zuhause war, war es kurz nach 21 Uhr... Anstrengend... doch immerhin gut bezahlt.

Fitnesstest

Vor dem heutigen Tag hatte ich ziemlich Respekt. Zuerst war ich für eine 90 Minuten Tour in Zürich gebucht und danach für eine Hochzeitsfahrt in Winterthur.

Über den Winter habe ich ein paar Kilos zugelegt und bin diese bisher nicht mehr losgeworden. Zudem merke ich, dass ich nicht jünger werde und auch mehr Regeneration brauche als früher. Ich wusste ja aus früheren Jahren, dass eine Fahrt nach Winterthur und zurück mit der 95kg schweren Rikscha ziemlich viele Körner braucht. Davor noch eine Rundfahrt... ja, das ist heftig.

Und so bin ich nun auch ziemlich fertig. 5:45 Std. Fahrzeit und 72 Kilometer.

Es überwiegt das Positive. Ich kann's noch immer und dank der gesparten Transporter-Miete stimmt auch das Einkommen. Bleibe wohl morgen etwas länger liegen...

dieser Mai

Auch der Mai war geprägt von viel schönem Wetter und angenehmen Temperaturen. So kann ich recht ruhig auf einen guten Rikscha-Monat zurückblicken. Es gab viele schöne Momente, Touren, Hochzeiten und Polterabende. Alles gut.

Ansonsten war es (oder war ich) eher still.

Das ist eine angenehme und positive Feststellung. Es fliesst sich leichter, mit weniger Widerstand und weniger Kopfkino. Das ist schwierig zu beschreiben und wohl auch deshalb gab es in letzter Zeit sehr wenige Blogeinträge. Was soll man auch sagen oder schreiben, wenn man das Leben und den Lauf der Dinge so akzeptiert wie es sich eben zeigt? Da bleibt wenig zu bemerken oder anzufügen...

Regentag

Seit ein paar Tagen ist es hier regnerisch und kühl. Gestern war ich fünf Stunden in der Stadt und wurde dreimal verregnet. Weil ich heute keine Buchung hatte und das Wetter genau gleich ist, blieb ich zuhause und gönnte mir einen freien Tag.

Natürlich erledigte ich etwas Admin-Kram fürs Geschäft, doch mehrheitlich genoss ich einfach den freien Tag und lümmelte etwas rum. Damit beschreibe ich (den Versuch) ohne Zwang und ohne Angst zu leben. Nicht dauernd etwas zu verändern oder zu verbessern wollen, sondern annehmen, dass es gut ist, wie es ist.

April

Dieser Monat geht als der zweitwärmste April seit Anbeginn der Messungen in die Geschichte ein. Es war um fast 4° Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt und es fielen nur etwa 20% Prozent der üblichen Regenmenge. Hat man die globale Klimaerwärmung im Hinterkopf, stimmen einem diese Werte nachdenklich...

Aus Sicht des Rikschafahrers war dies jedoch der fast perfekte April. An 24 von 30 Tagen war ich mit der Rikscha unterwegs und konnte somit auch wirtschaftlich ein gutes Resultat erzielen. Dadurch lässt sich der kalte und regnerische März etwas korrigieren.

Frühlingstage

Schon seit zwei Wochen haben wir hier prächtiges Frühlingswetter. Schön, sonnig und auch schon bis zu 27° Grad warm. So bin ich derzeit natürlich viel auf der Rikscha unterwegs und die Zeit (und Lust) um Blogbeiträge zu schreiben war eher gering..

Die Saison ist mit einem kalten und regnerischen März ja eher schlecht gestartet und deshalb bin ich natürlich froh und dankbar, dass es nun aufwärts geht.

Das ist nun mein siebter Frühling als Rikschafahrer... Mittlerweile weiss ich, wie es läuft. Ich kenne den harzigen Start, die Motivationsprobleme wenn Gäste ausbleiben, die Schwierigkeiten um Werbepartner zu finden und den dauernden Kampf ums finanzielle Überleben. Dem anfänglichen Hoffen, dass es von Jahr zu Jahr besser wird folgte die Ernüchterung, dass es immer gleich schwierig bleibt. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter auch die körperliche Belastbarkeit nicht besser wird und ich mehr Erholung brauche. Irgendwie ist es das erste Mal in meinem Leben, wo ich wirklich klar spüre, dass ich alt werde...

Leider ist mein Geschäftspartner keine Hilfe. Er hangelt sich seit Jahren von Lebenskrise zu Lebenskrise und sein Beitrag an der Geschäftsentwicklung ist deshalb gleich Null. Alles bleibt immer an mir hängen und auf Dauer ist das natürlich auch nicht befriedigend. All dies führt dann natürlich dazu, dass ich mir überlege, wie es in Zukunft weiter gehen soll. Bis zu meiner Pensionierung stehen noch über 10 Berufsjahre an und ich weiss nicht (oder ich bezweifle), ob ich das noch so lange durchziehen kann.

Ich stehe nicht unter Druck. Der schönste und erfolgreichste Teil jeder Rikschasaison liegt jetzt vor mir, also muss ich nicht schnell entscheiden. Bis im Herbst möchte ich jedoch herausfinden, wie ich die nächsten Jahre sehe. Dann ist der Zeitpunkt gut um die Weichen zu stellen. Mal sehen, wohin die Reise führt...

Seniorenausflug

Mein Schwiegervater wird in diesem Frühling 90 jährig. Als kleines Geschenk offerierte ich ihm einen Rikscha-Ausflug durch die Zürcher Innenstadt. Er ist (klarerweise) nicht mehr gut zu Fuss und somit ist sein normaler Aktionsradius ziemlich eingeschränkt. Er konnte somit wieder einmal Teile der Stadt sehen, die nicht in seiner unmittelbaren Wohngegend liegen.

Interessant ist, dass Senioren zu Beginn oft zögerlich und zurückhaltend (um nicht zu sagen ablehnend) der Sache gegenüber stehen. Im Laufe der Fahrt tauen sie nach und nach auf und zum Schluss der Fahrt sind sie sehr zufrieden (um nicht zu sagen glücklich). Die Rikscha hat einfach ein gutes Tempo. Sie können sitzen und schauen. Es geht nicht so schnell, dass sie überfordert werden. Meine Routenwahl ist meist weg vom Strassenverkehr und so kommt auch keine Angst auf.

Er war ziemlich gesprächig, hat natürlich viel von "früher" erzählt und war ganz gerührt, als wir zufällig an dem Haus vorbeigefahren sind, wo er vor über 70 Jahren seine Berufsausbildung machte. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das war kurz nach dem zweiten Weltkrieg, 1946. Unglaublich...

Ganz generell mag ich solche Seniorenausflüge sehr. Das ist einfach eine dankbare Sache. Man kann die aufkommende Freude richtiggehend spüren. Das Problem an der Sache ist halt einfach, dass sich sehr viele alte Menschen eine solche Ausfahrt nicht leisten können. Klar, meinen Schwiegervater bin ich gratis gefahren. Doch rein geschäftlich müsste ich doch mindestens 60 Franken pro Stunde verdienen können. Bei zwei Stunden (wie heute) wären das dann 120 Franken. Das ist für viele doch sehr viel Geld... zu viel für einen Ausflug...

Urban Bike Festival

Gestern waren wir mit zwei Rikschas am City-Ride des Urban Bike Festivals engagiert. Das war nun schon das dritte oder vierte Jahr, an dem wir Fotografen und Videofilmer an der Massen-Stadtfahrt begleiteten. Das Wetter war (wie immer) prächtig!

Natürlich habe ich während der Fahrt nicht wirklich viel Zeit um Fotos zu schiessen. Am Ziel habe ich jedoch noch etwas Fahrräder angeguckt und bewunderte unter anderem die sehr schönen Holz-Rahmen, die nun wieder gebaut werden. Über Sinn und Zweck will ich gar nicht lange diskutieren. Die Verarbeitungsqualität ist einfach beeindruckend. Es ist auch irgendwie eine Homage an die Erfindung des Fahrrads vor 200 Jahren. Die ersten Lauf- und Fahrräder waren ja ebenfalls aus Holz gefertigt. Hier zwei schöne Exemplare von Holz isch heimelig!:

Frühlingsdepression

Es ist jedes Jahr das Gleiche! Über den Winter schliesse ich das alte Jahr ab und bereite mich auf die neue Rikscha-Saison vor. Anfang März starte ich dann ausgeruht und gut motiviert. Das Wetter ist durchzogen und kühl... und das Interesse an Rikschfahrten nahe Null. Gestern habe ich in fünf Stunden 30 Franken verdient... ich könnte kotzen!

Es ist ja nun mal nicht so, dass ich das nur aus reinem Spass an der Sache mache. Ich betrachte das als Arbeit, als Dienstleistung, die mindestens soviel Geld abwerfen sollte, damit ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Wenn Geld wirklich keine Rolle spielen würde, würde ich wohl weniger Zeit dafür aufbringen. Es zeigt sich aber immer wieder, dass sich mit einem mehr an investierter Zeit nicht automatisch ein mehr an Geld/Einkommen erzielen lässt.

Ich muss da nun mal selbstkritisch sein. Ich unternehme zu wenig um das Geschäft anzukurbeln. Ich verhalte mich zurückhaltend/distanziert und hoffe einfach darauf, dass es schon irgendwie klappen wird. Ich bin zu passiv, zu introvertiert. Ich erwarte, dass die Menschen von sich aus Rikscha fahren wollen, ohne dass ich sie dazu überreden muss. Doch mit dieser Einstellung lässt sich nichts erreichen. Es dümpelt einfach so vor sich hin...

Diese Erkenntnisse sind ja alle nicht neu. Ich erlebe nun meinen siebten Rikscha-Frühlung und die siebte Frühlingsdepression. Trotzdem habe ich in all den Jahren nichts an meiner Strategie geändert. Will ich nicht, kann ich nicht, oder woran liegt es? Es lassen sich natürlich externe Faktoren und Gründe finden. Die findet man immer. Aber das grundlegende Problem liegt wohl schon in meiner Persönlichkeitsstruktur und der scheinbaren Unfähigkeit um über meinen Schatten zu springen und mich zu ändern.

Das zeigt sich auch sehr deutlich, wenn ich in diesem Blog zurückblättere und stöbere. Da lese ich immer wieder von loslassen, von fliessen lassen und von der Akzeptanz dessen, was ist. Sehr wenig "ich will" oder "ich mache", geschweige denn von "Plänen" oder "Zielen"... als sei ich ein passiver Zuschauer und nicht ein aktiv Handelnder... tja, da kann einem schon eine Frühligsdepression überkommen...

on the road again

Heute startete so quasi die offizielle Rikschasaison 2018. Januar und Februar war ich fünf oder sechs Mal mit der Rikscha unterwegs, doch das zählt irgendwie nicht wirklich. Denn erstens hat Bike Butler "offiziell" geschlossen und zweitens war ich nur für ganz gezielte Buchungen im Einsatz. Das heisst: Ich nahm die Rikscha aus der Garage und führte die gebuchte Hochzeits- oder Rundfahrt durch und fuhr anschliessend wieder direkt in die Garage und nach Hause.

Heute nun fuhr ich kurz nach 11 Uhr aus der Garage obwohl ich keine einzige Buchung hatte. Das heisst ich kreuze die Stadt auf, stelle mich an gut frequentierten Punkten auf und hoffe darauf, spontan Kunden zu finden.

Dies ist nun meine siebte Saison und ich weiss, dass man zum Saisonstart im März nichts erwarten darf. Heute war es zwar ziemlich sonnig und mit knapp 10° Grad auch nicht sehr kalt, doch wirklich motivierend um Rikscha zu fahren ist es halt doch noch nicht. Es geht also vorwiegend darum um Präsenz zu zeigen, damit die Leute wieder registrieren, dass es uns immer noch gibt. Ich war also mental gut eingestellt und nutzte den Tag auch um bekannte Gesichter (Imbissbetreiber, Kioskangestellte, Polizisten, etc.) zu begrüssen, mit Ihnen einen kurzen Schwatz zu halten und sich gegenseitig alles Gute zu wünschen. Das Stadtzentrum ist meine Arbeitsumgebung und ich freute mich richtig, wieder da zu sein. Es ist, wie wenn man nach den Ferien heimkommt.

Es schauten nur zwei, drei kleine Taxifahrten heraus. Zudem traf ich einen langjährigen Stammgast. Es war also (wie erwartet) wirtschaftlich nicht der Bringer und trotzdem fand ich es einen schönen und interessanten Tag. Nun hoffe ich natürlich, dass das Wetter gut mitspielt und dies der Anfang einer erfolgreichen Saison darstellt.