Winter-Radreise 2017

Nachfolgende Artikel beschreiben eine Winter-Radreise durch Deutschland, welche ich vom 16. Januar bis zum 16. Februar 2017 unternommen habe. Am Anfang stehen ein paar Artikel zur Reiseplanung und der Vorbereitung und danach folgen die einzelnen Tagesberichte. Ganz zum Schluss dann ein Fazit der Reise.

Was auch immer geplant war, die nachfolgend rote Linie zeigt den effektiven Tourverlauf anhand der GPS-Aufzeichnungen. Ich startete von zu Hause, fuhr entlang des Rheins bis nach Basel, dann nordwärts bis Hamburg und danach der Elbe ostwärts folgend bis nach Leipzig, wo ich, genau einen Monat später, diese Reise beendete. Ich war insgesamt 32 Tage unterwegs, wobei ich 4 Ruhetage einlegte. Die zurückgelegte Strecke beträgt etwas über 2'200 Kilometer.

Ich wünsche viel Spass beim lesen...

Insgesamt wurden etwa 780 Fotos gemacht. Hier geht es zum Fotoalbum.

Grobplan Deutschland-Reise

Heute war es regnerisch und kalt, deshalb blieb ich zu hause und war nicht mit der Rikscha in der Stadt. Ich nutzte die Zeit um eine grobe Routenplanung für eine Deutschlandreise anzugehen. Ich musste in etwa abschätzen können, über welche Distanzen es sich dabei handelt. Hier nun das Resultat:

Das sind ziemlich genau 4'000 Kilometer. Ohne den gelben Kringel (Rügen) etwas weniger, damit etwas mehr. Ja, das ist machbar in zwei Monaten. 2011 war ich total 58 Tage unterwegs und machte nur 5 Ruhetage. In den 53 Fahrtagen legte ich 5'600km zurück, also etwas mehr als 100km pro Tag. Das heisst, dass die Deutschland-Tour theoretisch in 40 Tagen zu schaffen ist. Wenn ich 2 Monate plane, so sind dies 60 Tage, womit genügend Zeit für Pausen bleiben würde.

Natürlich kann man jetzt einbringen, dass 100km im Sommer in Italien nicht vergleichbar sind mit 100km im Winter in Deutschland. Demgegenüber ist jedoch zu bedenken, dass das Terrain deutlich flacher ist. Auf der Italienreise überwand ich mehr als 50'000 Höhenmeter. Die Grobplanung der Deutschlandrunde kommt gerade mal auf die Hälfte davon. Egal. Auch bei "nur" 80km pro Tag würden 50 Tage reichen und somit halt nur 10 Ruhetage übrig bleiben.

Die Kernaussage bleibt: Ja, ist machbar!

konkretisieren

In den letzten Tagen arbeitete ich die Ideen zu der angedachten Winter-Fahrradtour etwas aus. Als erstes verkürzte ich das Zeitfenster auf maximal 6 Wochen, Start am Montag, 16. Januar und Rückkehr am Sonntag, 26. Februar. Irgendwie traue ich mich nicht länger, da bisher meine Rikschasaison jeweils am 1. März startete. Da 2016 nicht gerade rosig war, wollte ich mir 2017 nicht noch erlauben, später loszulegen.

6 Wochen ist eine schön lange Zeit und man kann bestimmt einiges erleben. Klar war somit aber auch, dass ich meine angedachte Strecke ändern und kürzen muss. Dabei habe ich etwas hin und her überlegt und mich dann entschieden, den Ostee-Radweg, Rügen, Usedom und auch Berlin wegzulassen. Dabei dachte ich, dass dies mitten im Winter einfach wenig attraktiv ist und zudem auch die Gefahr besteht, dass man tagelang starken Winden ausgesetzt ist. Ich will unbedingt nordwärts bis nach Hamburg und danach ist eigentlich Leipzig (mit Besuch bei Freunden) ein weiterer Fixpunkt. Es bot sich daher an, von Hamburg her der Elbe flussaufwärts zu folgen. Ich suchte mir entsprechende GPS-Tracks im Internet zusammen und nun sieht der Übersichtsplan so aus:

Das sind nun gesamthaft etwa 3'200 Kilometer. Immernoch: sportlich! Es ist auch schwierig wirklich abschätzen zu können, wie viele Kilometer im Schnitt pro Tag drinliegen. Im Januar ist es z.B. in Hamburg nur etwa 7 Stunden hell. Wenn dazu schwierige Streckenbedingungen herrschen (im schlechtesten Fall "Schneefall auf bereits verschneiten Untergrund"), dann dürften schon mehr als 50 Kilometer pro Tag eine echte Herausforderung sein. Ich habe da einfach keine Erfahrungswerte und muss deshalb flexibel bleiben.

Derzeit bin ich an einer Packliste und an einer Liste von Dingen, die ich vorab noch kaufen will. Klar, das meiste ist schon vorhanden und doch zeigt sich auch hier, dass man für eine Winter-Radreise noch ein paar Dinge zusätzlich benötigt.

Natürlich macht Ferienplanung Spass. Wer kennt das nicht? In Gedanken ist man schon etwas im Urlaub und das ist ganz einfach schön...

Testfahrt

Heute schneite es den ganzen Tag und das waren ideale Bedingungen um einen Testlauf für die kommende Wintertour zu starten. Der Test bezog sich dabei weniger auf das Rad oder meine Bekleidung (denn da bin ich mir schon ziemlich im Klaren), sondern auf meinen Elektronikkram, mit dem ich die Tour dokumentieren will.

Vor meiner Italienreise 2011 kaufte ich mir ein kleines Netbook, welches ich auch diesmal mitnehmen will. Natürlich ist das Software-mässig nicht up-to-date und so musste ich zuerst ein paar Stunden investieren um es gebrauchsfertig zu machen. Und ja, natürlich ist es auch Hardware-mässig nicht up-to-date. Da schläft einem fast das Gesicht ein, bis der Rechner nur schon startet oder ein Programm betriebsbereit ist. Da kann man viel Kaffee trinken und warten... Aber was soll's? Ich habe ja Zeit und Geld für ein neues Spielzeug will ich nur deshalb auch nicht ausgeben.

Seit 2011 haben sich aber auch die Ansprüche geändert. So möchte ich dem interessierten Leser jeden Tag meinen GPS-Track zur Ansicht bereitstellen. Mit Garmin Connect scheint das recht einfach zu sein. Hier ein Test mit dem heutigen Track. Ich hoffe das es klappt.

GPS ist eine feine Sache und auch der Fotoapparat speichert zu jedem Foto die GPS-Koordinaten. Da wäre es doch super, wenn man im Fotoalbum auch gleich die Karte eingeblendet kriegt, wo das Foto aufgenommen wurde. Die von mir genutze Software JAlbum bietet diese Funktionalität an, also gleich ausprobieren. Das heisst also ein neues Album für die Tour anlegen, ein ensprechendes Skin aussuchen, Fotos hochladen und loslegen... Tja, nichts ist wirklich einfach... Das Album steht soweit, doch die Karten-Anzeige funktioniert nicht... Nachforschungen ergaben, dass ich einen Google Map API-Key benötige. Hmmm... braucht Zeit um sich einzulesen und das Ganze zu intergrieren. Möchte ich aber schon machen. Hier einmal der Link zum neuen Fotoalbum.

Und natürlich habe ich das alles mit diesem laaaaaaangsamen Netbook gemacht, denn das ist das Teil, welches sechs Wochen lang meine Verbindung zur Online-Welt sein wird... Gähn...

Packliste

Ich werde mit insgesamt fünf Gepäcktaschen am Rad fahren. Hinten zwei grosse Ortlieb-Backroller Plus (gekauft für meine Reise 2011) und vorne zwei kleinere Ortlieb-Sportroller classic (ausgeliehen). Alle Wertgegenstände, Brillen, Handy und Fotoapparat kommen in eine (ebenfalls ausgeliehene) Lenkertasche, auch von Ortlieb, eine Ultimate 6 Plus. Alle Taschen können wasserdicht verschlossen werden.

Am Körper trage ich ein komplettes Set Winter-Radkleider bestehend aus: Unterhose mit Sitzpolster, lange Unterhose, darüber eine winddichte Winterhose von assos und an den Füssen zwei paar Socken und Winterwanderschuhe. Oben trage ich Windstopper-Unterleibchen, Merino-Langarmshirt, dünner Fleeche-Pullover und ganz aussen eine winddichte Radjacke von Giordano. Am Hals einen Buff, auf dem Kopf ein Stirnband und darüber eine Mütze. An den Händen entweder dünne Handschuhe, dicke Fausthandschuhe oder wasserdichte Handschuhe. Je nach dem.In den Radtaschen transportiere ich ein zweites Set Radkleider, Regenjacke und -hose, sowie ein Set Zivilkleider für abends oder an Ruhetagen. Dazu eine Windstopperjacke, die etwas ziviler aussieht als die Radjacke. Hinzu kommt noch ein Kulturbeutel, das Netbook mit allen Lade- und Verbindungskabeln sowie Werkzeug und ein paar Ersatzteile. Und zu guter letzt: Eine kleine Thermosflasche, damit ich etwas heissen Tee mitführen kann.

Das hat alles recht gut in die Taschen gepasst. Taschen und Inhalt wiegen insgesamt knapp 15kg. Das zu bewegende Gesamtgewicht dürfte sich also wie folgt zusammensetzen: Fahrrad = 15kg, Gepäck = 15kg, Beat mit Kleider = 95kg -> Gesamt: 125kg

So sieht das fertig bepackte Rad nun aus:

Letzte Vorbereitungen

Der Wetterbericht sagt für nächste Woche eine Frostwoche voraus... super, dann wird es ganz bestimmt nicht regnen! Es bedeutet aber auch, dass ich jede Menge Kleider einpacken muss. Zum Schluss war ich dann aber doch erstaunt, dass ich alles in die vier Radtaschen packen konnte und die Zeltrolle der letzten Reise nicht auch noch brauchte. Soweit so gut. Ich denke also, dass ich materialmässig bereit bin.

Gefühlsmässig spüre ich ganz bestimmt eine gewisse Vorfreude, etwas mulmig ist mir aber schon dabei. Werde morgen also einfach mal starten und die Sache von Tag zu Tag angehen.

Ich versuche möglichst jeden Tag einen kleinen Reisebericht in diesem Blog zu schreiben und ein paar Bilder ins Fotoalbum hochladen. Es kann aber durchaus sein, dass ich nicht jeden Tag Internetzugang habe oder dass ich auch einmal zu müde sein werde um täglich zu berichten. Ich hoffe aber trotzdem, dass mich ein paar Leser auf dieser Winter-Radreise virtuell begleiten.

Tag 1 - es geht los!

Kurz vor neun Uhr morgens habe ich mich also in den Sattel geschwungen. Es schneite ganz leicht und das Thermometer zeigte etwa minus vier Grad. Brrr…

Ich habe mir schon gedacht, dass etwas abseits gelegene Radwege wohl kaum geräumt sind und deshalb fuhr ich auch nicht via Tössegg nach Eglisau, sondern fuhr der Strasse entlang über die Wagenbreche. Eingangs Eglisau kam ich dann auf die geplante Strecke und auch auf den offiziellen Euroradweg Nr. 6 (Rhein – von der Quelle bis zur Mündung). Ich war noch keine Stunde unterwegs, als ich bei Kaiserstuhl die Grenze nach Deutschland überquerte und fortan rechtsseitig in Richtung Basel fuhr. Die Wolken lichteten sich langsam und ab und zu zeigte sich sogar die Sonne. Angenehm.

Die Herausforderung des Tages waren die sehr unterschiedlichen Streckenverhältnisse. Da gab es alles, von schwarz geräumter Strasse, über teilweise eis- und schneebedeckte Wege, bis zu echten Tiefschneepassagen oder auch das Gegenteil, aufgetaute und morastige Fusswege. Je tiefer der Schnee, desto mühsamer das Vorwärtskommen. Fast immer gibt es Trittspuren von Spaziergängern und das macht die Sache unglaublich holperig. Man darf nicht zu langsam sein, muss sich gut konzentrieren und dauernd Acht geben, dass man sich nicht hinlegt. Ja, Radreisen im Winter ist etwas ganz anderes als im Sommer…

Kleidungsmässig hat es recht gut gepasst, obwohl ich morgen die Giordano-Winterhose der assos-Hose vorziehen werde. Die Giordano ist eine Spur dicker und isoliert besser, vor allem im Hüftbereich. Da es in den nächsten Tagen noch kälter wird, werde ich wohl zusätzlich zu der langen Merino-Unterhose auch noch Knielinge unter der Radhose tragen. Denn soviel ist klar: Wenn man den ganzen Tag draussen ist und Rad fährt, dann sind die Knie immer windexponiert und ich will mir die Knie weder unterkühlen, noch will ich mir eine Entzündung holen. Da bin ich echt vorsichtig.

Mein Tagesplan war, mich Basel ziemlich anzunähern um kurz davor (noch in Deutschland) ein Hotel zu beziehen. Dafür musste ich mich aber ziemlich ranhalten und wegen den vielen Schneepassagen wurde es auch entsprechend anstrengend. Kurz vor Rheinfelden (DE) machte ich eine Pause und suchte mir via Booking.com ein Hotel. Das war gar nicht so einfach, denn interessanterweise waren einige bereits ausgebucht. In einem Vorort von Rheinfelden wurde ich dann fündig und mittels GPS habe ich es dann auch gleich gefunden. Das Hotel Rheinbrücke ist jetzt nicht der Hammer, doch zweckmässig und bezahlbar, also in Ordnung. Schade ist nur, dass ich das Bike nicht in eine geheizte Garage stellen konnte, denn es gibt hier schlicht keine Garage. Nun steht es voller Schnee und Eis draussen. A propos: Der Umwerfer ist mir festgefroren, die kleinen Rollen am Schaltwerk sind eingehüllt mit Eis und die Kette verläuft wie durch ein Tunnel. Die ganze Sache ist ein echter Härtetest. Nicht nur für mich, sondern auch für das Rad.

Im Hotel habe ich mir für Morgen einen Schlachtplan zurechtgelegt. Ich will bis Freiburg im Breisgau fahren und habe dort auch bereits ein Hotel gebucht. Dementsprechend habe ich meine geplante Route angepasst, damit ich direkt zum Hotel gelotst werde. Es dürften zwischen 80 und 90 Kilometer werden, somit etwas weniger wie heute. Also genug Zeit um in Basel Kaffee zu trinken und zum Schluss auch noch die Altstadt von Freiburg zu besichtigen.

Vorhin habe ich die heutigen Bilder ins Fotoalbum hochgeladen und hier ist noch der Track der heute zurückgelegten Strecke (96km, 498Hm).

Tag 2 - windchillig

Der Morgen begann etwas kurios. Ich war eigentlich recht früh dran und hätte vor neun Uhr losfahren können, doch als ich das Netbook runterfahren und einpacken wollte sagte dies: „Es werden 1 von 45 Updates installiert. Schalten Sie den PC nicht aus.“ Bei diesem Asbach-uralt-Gerät dauerte das dann locker 45 Minuten. Grummel… Immerhin hatte ich dadurch Zeit um mein eingefrorenes Rad etwas vom Eis zu befreien und dafür zu sorgen, dass die Schaltung wieder einwandfrei funktioniert. Trotzdem wäre ich gerne früher als erst um 09:30 Uhr losgefahren.

Nach Basel war es nur noch etwa zehn Kilometer. Locker, flach, ideal zum Einrollen und warm werden. Das Wetter zeigte sich heute von der prächtigen Seite. Ein paar Wolken, doch vorwiegend sonnig und mit blauem Himmel… einfach kalt, aber schön. Durch Basel gondelte ich etwas gemütlich und machte ein paar Fotos. Auf einen Kaffeehalt verzichtete ich, weil ich nur knapp 10 SFr. bei mir habe und sonst nur Euros. Aber kaum nach der Grenze erspähte ich dann auch gleich eine Bäckerei mit Tisch und Stühlen in der Sonne. Perfekt! Ein Milchkaffe und eine Haselnussschnecke gab‘s für unter fünf Euro, auch o.k.

Gestern haderte ich etwas mit den Handschuhen. Mit den dünnen begann ich zu frieren und in den Snowboardhandschuhen begann ich rasch zu schwitzen. Also stoppte ich in Lörrach kurz bei einem Radgeschäft und kaufte mir so etwas dazwischen. Dachte ich jedenfalls. Während des Tages zeigte sich dann aber, dass ich auch in diesen Fingerhandschuhen recht bald schwitze. Das Problem dabei ist, dass man dann die Handschuhe nur noch schwer ausziehen kann, weil das Futter an den Fingern klebt. Noch ekliger ist es aber danach wieder die kalt-nassen Handschuhe anzuziehen. Teilweise geht das fast nicht, weil das Futter auch sofort wieder an den Fingern klebt und man fast nicht mehr reinkommt. Das macht kurze Fotostopps zum Ärgernis. Schwierig ist auch, die Handschuhe über Nacht wieder trocken zu kriegen (weil ja die Feuchtigkeit innen ist). Da habe ich also trotz 50 Euro Ausgaben noch nicht die perfekte Lösung gefunden.

Im Vorfeld haben mir deutsche Internetforum-Teilnehmer davon abgeraten alles dem Rhein entlang zu fahren, weil dies vor allem zwischen Basel und Karlsruhe doch ziemlich öd und langweilig sei. Da kamen einige gute und brauchbare Vorschläge und so plante ich die Strecke entlang der Westflanke des Schwarzwalds, durch das Marktgräfler Wein- und Obstanbaugebiet. Statt flach sollte es also hügelig werden. Und: Wahrhaftig! Schon kurz nach Lörrach stieg es zwar nur kurz aber doch recht knackig an und von da weg war es dann bis nach Freiburg nix mehr mit flach und gemütlich…

Und nun kommen wir zum Hauptthema des Tages. Windchill. Den ganzen Tag wehte ein ziemlich kräftiger Nordwind (Bise) und da ich in Richtung Norden fuhr, blies mir der Wind meist frontal entgegen. Bei Aussentemperaturen um -3° Grad ergibt das rasch gefühlte -7 oder 8° Grad. Doch das störte mich weniger, wie die Bremswirkung. Mit soviel Taschen am Rad bietet man ganz schön Angriffsfläche und bei diesem permanente Gegenwind merkt man das ganz gewaltig. So werden auch recht harmlose Anstiege zu Rampen und das kleine Kettenblatt kam deshalb heute recht häufig zum Einsatz. Es war nicht nur kalt, sondern auch richtig anstrengend! Dazu kommen natürlich auch noch Schneeverwehungen, die man einerseits auf der Strasse antrifft oder die einem den Schnee wie feiner, kalter Puder ins Gesicht bläst. Es gibt wahrlich Schöneres. Alles in allem habe ich den heutigen Tag etwas unterschätzt. Bis ich vor dem Hotel anhielt, summierten sich doch 95 Kilometer und etwas über 1‘000 Höhenmeter. Und nicht 1‘000 Höhenmeter in einem Stück sondern etwa 20x 50 Höhenmeter – hüglig halt. Immerhin konnte ich bis auf etwa 20 Kilometer meist auf trockenen Strassen fahren. Doch diese 20 Kilometer setzten sich auch in immer wiederkehrende, meist vereiste und festgefahrenen Stellen zusammen. Teils sehr, sehr rutschig, da war viel Vorsicht geboten. Trotzdem: Es war ein Bilderbuch-Wintertag! Den ganzen Tag sonnig und in einer durchaus interessanten Umgebung.

Noch eine lustige Geschichte zum Schluss: Heute morgen wollte ich –wie gestern geschrieben- zusätzlich zu den langen Unterhosen noch Knielinge anziehen. Als ich diese dann hervorkramte zeigte sich, dass ich statt Knielinge Armlinge eingepackt habe. ;-). Was soll’s. Meine Frau sagt ja, dass ich Spinnenbeine habe und da sollten doch auch Armlinge über die Beine passen, oder nicht? Gesagt, getan. Es fühlte sich zwar an wie Kompressionsstrümpfe, doch es ging. So bin ich dann den ganzen Tag gefahren. Trotzdem werde ich das morgen nicht mehr tun, denn mit der Zeit begannen die Armlinge in den Kniekehlen zu scheuern (sind halt anatomisch nicht für die Beine/Knie geformt). Morgen fahre ich also wieder ohne und sollte ich kalte Knie kriegen, mache ich wieder einen Halt bei einem Fahrradgeschäft. (Vielleicht kaufe ich mir dann auch noch ein weiteres Paar Handschuhe). ;-)

Hier noch der aufgezeichnete Track der heutigen Strecke. Das Fotoalbum habe ich auch nachgeführt.

Tag 3 - Sonnenschein, Berge und Schnee

Weil ich gestern Abend ziemlich platt war entschied ich mich, heute eine etwas kürzere Strecke zu fahren. Ich konsultierte meine GPS-Planungssoftware und schaute via Booking.com wo ich etwa zwischen Kilometer 50 und 70 ein Hotel finde. Aha: Hotel Ochsen in Haslach im Kinzigtal. Gute Bewertungen und für 45 Euro (Zimmer mit Frühstück) auch recht günstig. Gebucht. So sah der Plan nun aus: Strecke ca. 57 km, ein längerer Anstieg bis auf etwa 650m.ü.M. und dann die Übernachtung in einem schönen, historischen Ort. Sehr gut!

Morgens hatte ich es deshalb nicht eilig und parkierte das Velo in der Altstadt von Freiburg, die ich dann noch etwas zu Fuss erkundete. Gegen 10 Uhr machte ich mich dann auf den Weg. Zuerst führte mich das GPS durch hübsche Wohngegenden und Aussenquartiere von Freiburg und dann über weite Felder in Richtung Hochschwarzwald. Das Wetter war wieder prächtig. Sonne und stahlblauer Himmel mit ein paar leichten Wolken. Etwa -4°Grad und (auch wie gestern) mit einem kalten Biswind. Soweit also alles gut. Ich fühlte mich aber nicht so fit. Vielleicht habe ich zu viel gefrühstückt oder die letzten beiden Tage zeigten Ihre Spuren, ich kann es gar nicht genau beschreiben. Auf alle Fälle war ich etwas matt… langsam begann die Strasse anzusteigen… ist das Velo über Nacht schwerer geworden? Immer wieder Schneeverwehungen… habe ich genügend Luft in den Reifen? … wo ist die nächste Cafeteria? ;-)

Ich wusste, dass es immer steiler wird und auf den letzten 50 Höhenmeter 18 Steigungsprozent auf mich warten. Jetzt nur nicht negativen Gedanken von Schwäche nachhängen! Ich musse mich ablenken… die Schneeberge am Strassenrand werden immer höher, ich komme mir vor wie in einem Wintersportgebiet. Wer kennt das Lied: „Alles fährt Ski, alles fährt Ski…“? Da heisst es doch auch: „es git doch nüt schönners als Sunneschi, Berge und Schnee..“ Ich musste schmunzeln, denn genau so war es heute: Sonnenschein Berge und Schnee`Also: Sich freuen und glücklich sein, einen solchen Tag erleben zu dürfen!… Alles fährt Ski, alles fährt Ski... nur Beat fährt Velo… :-)

Und irgendwann kam er dann. Dieser Berg (oder war es doch nur ein Hügel?). Es wurde steil und steiler. Der Wind bläst immer kräftiger (auch das noch), die Temperaturen fallen immer tiefer und ich werde immer langsamer, bald ist der kleinste Gang eingelegt und ich kämpfe mit Puls 150 bei 5km/h diesen „Hügel-Berg“ hoch. Wobei, nein, ich bin ganz ehrlich: Etwa 20 Höhenmeter unter dem höchsten Punkt, bei besagten 18% Steigung, wehte es mir derart viel Schnee in die Augen und ich pfiff so aus dem letzten Loch, dass ich abstieg und den Rest noch hochgeschoben habe. Asche auf mein Haupt. Oben zeigte das Thermometer -8° Grad, mit Windchill gefühlte -15° Grad, einfach saukalt! Es war also an der Zeit um für die bevorstehende Abfahrt die Snowboardhandschuhe hervorzukramen. Schön… nun einfach rollen lassen.

Im Tal angekommen folgten noch etwa 10 Kilometer ganz leicht bergab bis nach Haslach und weil sich nun meine Fahrtrichtung änderte, profitierte ich nun von gutem Rückenwind und konnte locker 30km/h kurbeln. Yeah! Eingangs Haslach fuhr ich dann direkt auf das Hotel zu. Ja, macht einen guten Eindruck. Weil ich aber noch genügend Zeit habe mache ich mich auf um den historischen Ortskern zu besichtigen und mich in einer Bäckerei mit Milchkaffee und Vanilleplunder für den heutigen Tag zu belohnen.Haslach ist wirklich ein bezaubernder Ort mit vielen, alten Fachwerkhäusern und Gebäuden mit bunt bemalten Fassaden. Pittoresk!

Dann machte ich mich auf den Weg zum Hotel und fragte mich, wo wohl der Haken sein wird. Für die ersten beiden Nächte bezahlte ich immer über 60 Euro und heute nur 45. Da muss doch was faul sein. Aber, oh Wunder! Nette, herzliche Menschen, ein schmuckes Zimmer mit allem Komfort und eine Dusche, in der man sich auch drehen kann ohne wo anzustossen und in der die Brause auch grosse Menschen über den Kopf hochstellen können. Ich war nicht nur positiv überrascht, sondern begeistert. Ich meldete mich deshalb auch gleich zum Nachtessen im Restaurant an.

Das Wild-Menue war dann die Krönung eines (doch noch) sehr schönen Tages. Zuerst eine Kraftbrühe mit Teigtaschen. Dann Kaninchenfilet an Steinpilzsauce, dazu Schupfnudeln, Rotkraut, Birne und Preiselbeeren. Zum Dessert ein Schwarzwälder-Eis. Dazu trank ich ein grosses Bier und danach einen Kaffee. Macht insgesamt 33.50 Euro. Perfekt! Ich war glücklich und satt. Das gab mir die nötige Kraft um mich noch etwas mit dem Technik-Scheiss zu beschäftigen.

Also: Der ultimative Tipp für alle die mal nach „Haslach im Kinzigtal“ kommen: Esst oder übernachtet im Hotel/Restaurant Ochsen! Satisfaction guaranteed!

Bilder des heutigen Tages können leider noch nicht angesehen werden (siehe Beitrag unten). Hier noch die aufgezeichnete Strecke des Tages (68,7km, 573Hm)

Technik-Scheiss

Ich habe gestern ja schon darüber berichtet. Ich ärgere mich immer wieder über all den Technik-Kram, den ich mit mir schleppe.

Netbook: Sterbens langsam. Dauernde Updates. Gestern Windows, heute Java. Das dauert immer ewig. -> einfach nur mühsam!

Fotoalbum: Heute ein Software-Update und prompt kann ich die aktuellen Bilder nicht mehr hochladen. Ich erhalte die Fehlermeldung: java.io.IOExeption -> sehr mühsam. Waran liegt es jetzt? Am gemachten Java-Update oder am Fotoalbum-Update oder ist es ein FTP-Serverproblem???

Garmin-Velo-GPS: Die Minustemperaturen setzen dem integrierten Akku enorm zu. Im Sommer hält der Akku etwa 8 Stunden, bei minus 3 Grad sind’s noch etwa 4 Stunden. Das heisst, in Kaffeepausen oder über Mittag muss ich das GPS immer wieder an eine Powerbank anschliessen, damit mir gegen Ende der Tagestour nicht der Saft ausgeht. Dafür muss ich das GPS ausschalten. Respektive zuerst die Track-Aufzeichnung anhalten und dann das Gerät ausschalten. -> auch mühsam!

Fotoapparat: Gleiches Akku-Problem wie beim GPS. Vor jedem Foto die GPS-Koordinaten neu bestimmen braucht scheinbar ziemlich viel Strom. Abends ist der Akku leer. Tolerierbar, doch auch an der Grenze zur Mühsamkeit.

Immerhin funktioniert das Handy problemlos…

Schöne neue Welt. Ich investiere jeden Tag fast genau so viel Zeit um all den Technikkram zu bedienen und am Leben zu erhalten, wie ich auf dem Velosattel sitze… das kann es irgendwie nicht sein.