basteln mit IKEA

Neben unserem Esstisch steht ein ziemlich altes und windschiefes IKEA-Gestell/-Regal. Das hat bestimmt schon 20 Jahre und ein paar Reparaturen auf dem Buckel und genau so sieht es auch aus. In der Vergangenheit haben wir schon das eine oder andere Mal darüber nachgedacht um das Gestell zu ersetzen, doch so richtig dazu durchgerungen haben wir uns bisher noch nicht.

Kurz nach dem Jahreswechsel erwischte meine Frau einen dieser seltenen Momente, an dem Sie mich für einen Besuch bei IKEA überreden konnte. Und wenn ich das dann schon auf mich nehme, dann will ich auch gleich Nägel mit Köpfen machen und etwas kaufen. Hier ein kleiner Einschub. Vermutlich war ich vor 10 Jahren das letzte Mal bei IKEA. Die gehen schon auch mit der Zeit. Da kann man sich an PCs mit grossen Monitoren seine Wunschkombination zusammenklicken und in 3D von allen Seiten betrachten. Respekt! Wir haben also ein paar mögliche Musteraufbauten angesehen und uns dann unsere Vorstellung virtuell zusammengestellt. Zum Schluss kann man sich die sich daraus ergebende Teileliste ausdrucken und den ganzen Krempel dann im Lager zusammensuchen. Nett!

Natürlich ist unser Auto zu klein um all die Teile zu transportieren und so musste ich zuerst unseren Nachbarn fragen, ob ich seinen Kombi ausleihen dürfe. Wir sind also eine Woche später nochmal hingefahren und haben alle Teile gekauft, eingeladen und nach Hause gebracht. Dann galt es zuerst das alte Möbel auszuräumen und zu zerlegen, damit ich es bei der nächsten Sperrgut-Sammlung entsorgen kann. Danach ging es dann an den Neuaufbau.

Man macht das ja nicht zum ersten Mal und weiss deshalb, dass man jedes Möbelteil zuerst auspacken, alle Einzelteile auf dem Tisch ausbreiten, und den Lieferumfang penibel kontrollieren muss, bevor man mit dem Aufbau beginnt. Auch da sollte man kreative Lösungen gleich vergessen. Es gilt, sich haargenau an die Aufbauanleitung zu halten, ansonsten endet die Sache in einem Fiasko. Man geht das am besten ganz ruhig an, liest die Bauanleitung lieber noch einmal durch, bevor man zu murksen beginnt. Mit der richtigen, meditativen Geisteshaltung klappt es dann ganz gut. ;-)

Das neue Möbel besteht aus drei Teilen. Es beinhaltet 2 Schubladen, 2 Holztüren und 2 Glastüren. Diverse Holz- und Glastablare und geschmückt wird das Ganze mit 2 innenliegenden Beleuchtungen. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen haben wir auch gleich noch unsere alte Stereoanlage durch etwas Neues, Kleines ersetzt, welches natürlich auch untergebraucht und verkabelt werden musste. Also tief durchatmen... Nach geschätzten acht Arbeitsstunden war es dann vollbracht und das neue Gestell konnte in Position geschoben und die drei Teile dann miteinander verschraubt werden. Ganz zum Schluss dann alles wieder einräumen und Freude herrscht!

rumlungern

Bin die letzten Tage einfach etwas rumgelungert und abgehängt... etwas biken... etwas Internet... etwas Haushalt... aber nichts wirklich Seriöses. Darf auch mal sein und tut nicht weh.

(alles) FAKE

Zuerst: HAPPY NEW YEAR!

War "Fake News" das Unwort des Jahres 2018 oder 2017? Ich weiss nur, dass "Fake News" zwei Wörter sind und nicht nur eins. ;-)

However. Es wird in letzter Zeit viel über Filterblasen und zurechtgeschneiderte Internet-Information geschrieben und gesprochen. Je ausgefeilter die Algorithmen von Google, Facebook, Twitter und Konsorten werden, desto genauer wissen Sie, was wir lesen, wo wir klicken/tippen und demzufolge, was uns interessiert. Und so zeigen Sie uns vorwiegend Dinge und Informationen, die "zu uns passen". Das hilft mir natürlich um meine Meinung zu festigen. Positiv ausgedrückt.

Ein anderes Dilemma erkenne ich bei SPAM-EMails. Seit 1994 verfüge ich über eigene E-Mail-Adressen. Natürlich über mehrere. Privat, Halbprivat, Geschäft, etc. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis SPAM zunimmt. Auf meinem ältesten EMail-Account den ich noch nutze, kriege ich am meisten SPAM/Schrott. Wer kennt es nicht? Ein Bankmanager aus Afrika will mit meiner Hilfe XX Millionen Dollar eines verstorbenen Kunden nach Europa transferieren. Dafür braucht er meine Hilfe und entlöhnt mich dabei mit X Millionen... Die neuste Pille verspricht einen Waschbrettbauch innert 30 Tagen ohne Sport und ohne zu hungern... oder eine Dauererektion für 10 Stunden Nonstop-Sex... oder einen Lottogewinn für dessen Auszahlung ich nur noch meine Bankverbindung angeben soll... oder Bitcoin-Millionen... oder 100%ige Börsentipps... oder... you name it! Über die Jahre stumpft einem das Ganze langsam aber sicher ab...

Und man stellt zudem fest, dass all die SPAMer, SCAMMer, PHISHer immer cleverer und perfider werden. Aus purem Eigenschutz kann man gar nicht anders, als gegen alles Unbekannte und Fremde misstrauisch zu werden. Ja. Mittlerweile lösche ich eigentlich alle EMails, deren Absender ich nicht persönlich kenne. - Nur: so lerne ich auch nichts Neues mehr kennen und bewege mich in meiner bekannten Blase.

Im Grossen kommt der Verdacht auf, dass es gar keine uninterpretierte Wahrheit mehr gibt. Noch schlimmer: Vielleicht hat es die gar nie gegeben... Es kommt alles als eine Meinung daher, die uns irgendwie beeinflussen will. Vielleicht hat das auch mit der unglaublichen Schnelllebigkeit des Mediums Internet zu tun. Eine Wahrheit ist so schnell erzählt, dass noch viel Zeit und Platz bleibt um diese Wahrheit auszuschmücken, zu analysieren und zu interpretieren. Irgendwie muss man Alles aufpeppen und dem möglichen Leser schmackhaft machen, weil jeder Schreiber/Autor/Journalist/Publizist heutzutage von Klicks/Likes/Shares und Followern lebt... und nicht davon, wie wahr und informativ seine Story ist.

Vor ein paar Wochen vermeldete DER SPIEGEL, dass einer ihrer bestdekorierten und mit vielen Auszeichnungen gewürdigter Journalist zumindest Teile seiner Stories erfunden hat. Man muss fast annehmen, dass eben diese erfundenen Ausschmückungen sehr gut angekommen sind und er genau deswegen diese Preise gewann... Was soll man dazu sagen? Wem kann man denn noch glauben?

Der amerikanische Lügen-Präsident treibt das alles noch auf die Spitze. Man kann es wirklich niemandem mehr verübeln der sagt: "Ich glaube nichts mehr! Das ist alles Fake-News! Alle wollen mich nur beeinflussen und mir so letztendlich das Geld aus der Tasche ziehen!"

Tja... Finden wir denn überhaupt noch ein gemeinsames Fundament von dem aus wir konstruktiv diskutieren können? Wenn wirklich alles in Frage gestellt ist braucht es auch keine Diskussion mehr, weil eh keiner mehr dem Anderen glaubt. Man will auch nicht mehr dazulernen, denn somit würde man sich ja beeinflussen lassen. Man sucht nur noch Bestätigung und die braucht keine Diskussion. Eine Wiederholung des Bekannten und ein Kopfnicken reicht. Alles andere ist FAKE!

 

Ich glaube, dass ich schon früher einmal in diesem Blog darüber geschrieben habe. Das grösste Problem von Algorithmen besteht darin, dass sie aus einer Vergangenheit eine gleichartige Zukunft errechnen. Das erzeugt diese Blasen des immer gleichen. Das Alte holt uns immer wieder ein und bestärkt uns darin. Egal ob die Vergangenheit gut und richtig war oder schlecht und falsch...

Weihnachten

Gestern Abend feierten wir zum ersten Mal Familienweihnachten ohne unseren Vater, resp. Grossvater. Das war etwas komisch. Sein Tod ist auf den Tag genau ein halbes Jahr her. Wir waren also schon traurig und dennoch ist Weihnachten ja ein Fest der Freude und der Liebe. Es war ein Wechselbad der Gefühle und wir versuchten alle, uns nicht wirklich runter reissen zu lassen. Der Älteste ist von uns gegangen. Der Stab wurde weiter gereicht...

Es gab dann natürlich auch Geschenke und eines davon will ich hier erwähnen. Nachem ich im Sommer 2017 meinen Digital-Fotoapparat verloren habe dachte ich ja, dass ich zukünftig nur noch mit dem Handy fotografieren würde. Dafür kaufte ich mir dann Anfang Februar 2018 ein neues HUAWEI-Handy. Nun, ein knappes Jahr später habe ich meine Meinung wieder geändert. Fotografieren mit dem Handy klappt zwar, doch es ist in der Handhabung einfach ziemlich unpraktisch. Man kann z.B. das Handy nirgends hinstellen um per Selbstauslöser Fotos zu machen. Dies ganz einfach, weil das dünne Handy, mit den abgerundeten Kanten einfach nirgends stehen bleibt. Das Handy hat auch keine Anschlussmöglichkeit für ein Stativ, was ich bei Velofahrten doch noch oft benutzt habe. Und ja, die Fotoqualität des Handys ist zwar gut, aber doch nicht so gut wie die einer soliden Digitalkamera mit gutem Objektiv und grossem Aufnahmesensor.

Ich habe mich dann vor allem in Radfahrer- und Radreise-Foren umgehört, welche Apparate denn klein, praktisch und qualitativ gut sind. Viele Radfahrer dokumentieren ja ihre Reisen und darunter gibt es auch echte Foto-Cracks. In diesen Foren wurde immer wieder die SONY RX100 erwähnt. Aktuell ist derzeit die Modellvariante 6, die kostet jedoch über 1'000 Franken. Soviel wollte ich auf keinen Fall ausgeben. In den oben genannten Foren wurde aber auch gesagt, dass seit der Modellvariante 3 die Fotofunktionalität und -qualität gleich geblieben sei. Die neueren Versionen wurden vor allem im Video-Bereich verbessert (4K) und haben einen Touchscreen erhalten. Beides Dinge, die ich eigentlich nicht brauche. Die Modellvariante 3 gibt es derzeit so um die Fr. 450.00. Schon besser. Dann kam der grosse Moment, als mich meine Frau fragte, was ich mir denn zu Weihnachten wünsche... BINGO! Und so konnte ich gestern meine neue Digitalkamera auspacken! Super! Und: VIELEN DANK!

Heute war es trocken und wolkenverhangen oder hochneblig, so genau kann ich das nicht sagen. Auf alle Fälle wollte ich eine kurze Bikerunde drehen um erstens etwas an der frischen Luft zu sein und zweitens, die neue Kamera auszuprobieren. Ausprobieren konnte ich auch gleich eine neue, kleine Tasche, die ich ans Bike montiert habe. Sie befindet sich auf dem Oberrohr, direkt hinter dem Vorbau und somit in idealer Griffposition. Die Tasche hat nur wenig Platz, doch es reicht gerade für das Handy, mein kleines Portemonaie und den neuen Fotoapparat. Sehr gut. Die Tasche hat einen Klappdeckel und lässt sich mit einem Griff öffnen oder wieder schliessen. Anhalten, Fotoapparat zücken und ein Foto machen gelingt also innert weniger Sekunden. So muss es sein! Die gemachten Fotos sind jetzt nicht hammermässig, dafür war es zu grau und diffus, doch für ein paar Testbilder hat es gereicht. Ich muss in den nächsten Tagen so oder so zuerstmal die Bedienungsanleitung des Fotoapparats studieren und mich mit den verschiedenen Funktionen erst vertraut machen.

SamSonntag

Heute wurde ich mit der Rikscha schon sehr zeitig für eine Hochzeitsfahrt gebucht. Wie meist war ich dann etwa 15 Minuten zu früh beim Treffpunkt und deshalb wollte ich um die Ecke noch eine Zigarette rauchen. Ich setzte mich dazu hinten in die Rikscha und drehte mir eine Zigi. Ich hatte das Feuerzeug in der Hand und wollte schon anzünden als ich plötzlich dachte "wieso steht die Rikscha so schief?". Ich stieg aus und sah, dass ich hinten rechts einen Plattfuss eingefangen hatte. Also nix mit rauchen, sondern in Windeseile Werkzeug, Pumpe und Ersatzschlauch hervorkramen, die Rikscha auf den Rücken stellen und den Schlauch wechseln. Zum Glück habe ich die Scherbe im Reifen sehr schnell gefunden und so war ich dann trotz diesem Schreckmoment pünktlich vor dem Standesamt. Die Rikschafahrt war dann ganz nett, weil die halbe Hochzeitsgesellschaft ebefalls mit Fahrrädern unterwegs war und wir so in einem kleinen Konvoi quer durch die Stadt radelten.

Kurz nach 10:00 Uhr war der Job erledigt und erste Sonnenstrahlen zeigten sich am Himmel. Was also jetzt tun? Ich hatte keine weitere Buchung mehr im Kalender, doch das Wetter versprach noch ein paar Taxifahrten zu offerieren. Oder doch lieber rasch zusammenpacken und dann zuhause noch eine Bikerunde drehen? Der Entscheid fiel rasch... ;-)

Als ich daheim ankam war Karin gleich aufgestanden und so genehmigte ich mir mit ihr zusammen ein zweites Frühstück. Dann nahm ich das neue Bike aus dem Schuppen und demontierte die orangen Gepäckträger. So wie ich das Bike momentan nutze, braucht es die schlicht nicht. Wenn dann wirklich eine Bikreise ansteht, sind sie schnell wieder montiert. So ist das Bike nicht nur gleich ein Kilo leichter, es ist auch nicht mehr ganz so auffällig.

Ich stürzte mich also wieder in Radklamotten und fuhr los. Gemütlich genoss ich das immer besser werdende Wetter. Mit etwa 8 Grad war es auch deutlich angenehmer als die letzten paar Tage. Ein richtiger Sonn-Tag.

Ohne klaren Plan rad-wanderte ich ein paar Hügel in der Umgebung ab. Nach den Hochnebeltagen tat mir die Sonne richtig gut und meine Stimmung war aufgeräumt, zufrieden und dankbar. Nach den vielen Strassenkilometern der letzten Jahre sind diese Forststrassen und Singletrails wie ein Nachhause kommen. Die einstige Liebe zu Mountainbiketouren flammt wieder auf. Es ist nicht ein hitziges auflodern, sondern eher ein warmes, bekanntes und gereiftes Gefühl. Ein Wiedersehen mit heimischer Natur, mit Hügeln, Feldern, Wälder, Wiesen. Alles ganz direkt und klar. Insgesamt machte ich dreimal Pause. Blinzelte in die Sonne und genoss die stille und friedliche Atmosphäre. Nicht mal das eher hektische Treiben am Pistenende beim Flughafen hat mich irritiert. Es fühlte sich einfach alles rund und stimmig an. 

das Nächste

Unser Denken kreist sehr viel um "das Nächste" um die nächste Erfahrung die wir machen wollen. Egal was wir schon alles erlebt und erreicht haben, es scheint nie genug oder einfach gut zu sein. Schon streben wir wieder vorwärts zum Nächsten. Dabei versuchen wir negative Erfahrungen zu vermeiden und positive Erfahrungen zu wiederholen oder zu steigern. Es ist ein Dilemma, ein Hamsterrad... liegt aber wohl in der Natur des Menschen.

Die nächsten Ferien, der nächste berufliche Erfolg, das nächste Auto, der nächste Kunde, das nächste neue Kleidungsstück... immer vermuten wir das Glück im Nächsten. Wir sind nie ganz zufrieden, nie wirklich erfüllt. Auch deshalb wollen wir möglichst lange leben und nicht sterben, denn es fehlt immer noch Etwas. Wir sind zwar meist sehr nahe dran, aber doch noch nicht ganz am Ziel...

Wir unterliegen einem Missverständnis. Wir wollen Licht ohne Schatten, immer Ferien, nie Hunger, keine Krankheit, nur Freunde und keine Feinde. Obwohl uns klar ist, dass dies nicht möglich ist, streben wir stetig danach. Es hängt wohl auch damit zusammen, dass wir unsere Erfahrungen andauernd bewerten. Richtig und falsch, gut und schlecht, schön und hässlich, gesund und ungesund, etc. pp. "Das Problem" dabei ist, dass es bei genauer Betrachtung keine absolut wahre Bewertung gibt. Was wir heute richtig, wahr und schön finden, kann uns in zehn Jahren langweilen. Wir wissen das und schieben es doch immer bei Seite. Was wir jetzt haben oder erleben kann noch so gut sein, "das Nächste" wird noch besser! Ich muss mich nur noch mehr anstrengen, besser, schneller und cleverer sein.

Das ist alles ziemlich ermüdend...

Weil ich diese Erkenntis schon vor einigen Jahren machte, versuche ich seither Dinge, Ereignisse und Erlebnisse weniger zu bewerten. Natürlich tauchen trotzdem wertende Gedanken auf, doch diese nehme ich nicht mehr so ernst wie früher. Sowohl im Negativen, wie auch im Positiven. Dinge geschehen einfach. Das Leben passiert. Egal, was ich darüber denke.

Ein Effekt dieser Haltung ist, dass eine gewisse Entpersönlichung stattfindet. Dinge passieren nicht mir, sondern sie passieren einfach. Ich fühle mich viel seltener persönlich angegriffen und zu einer Reaktion genötigt als noch vor ein paar Jahren. Ich werde weniger von Ereignissen getrieben und brauche nur noch sehr wenig Zeit um meinen Standpunkt zu verteidigen. Sehr oft habe ich gar keinen Standpunkt mehr... ;-) oder nur noch einen spontanen, der nicht auf sehr viel Hintergrund und Gedanken beruht. Ist auch nicht nötig.

Ich verbringe seither mehr Zeit mit "genauer hinsehen", mit "sich auf Dinge und Geschehnisse einlassen". Ich bin "live dabei" und nehme Anteil. Und weil es im Erleben keine Pause gibt, denke ich weniger über Vergangenes nach (und bewerte weniger). Interessant dabei ist, dass eine gewisse Intimität und Erfurcht entsteht. Es ist immer wieder unglaublich, wie sich Dinge entwickeln, wie viel Harmonie in allem liegt. Wie sich eins zum anderen fügt und wie viel unsichtbare Ordnung allem zu Grunde liegt.

Mittlerweile unterscheide ich zwischen "praktischem Leben" und "Sinnsuche, Philosophie, Religion, Metaphysik, etc.". Für das praktische Leben ist der Geist und das logische Denken perfekt. Hier ist auch der Platz für gut und böse, richtig und falsch. Sobald es aber um die Essenz, den Sinn, das Warum, Woher und Wohin geht, da gebe ich mein kleines Hirn nun am Eingang ab... das können keine Gedanken und Worte beschreiben. Das kann ich nicht verstehen und nur schon zu sagen, dass ich es erfahre ist eine Übertreibung. Ich kann es nur sein... was immer das heissen mag.

anstehende Veränderungen

Mein Geschäftspartner kämpft seit ein paar Jahren mit persönlichen Problemen und sein Engagement hat sich dieses Jahr Nahe Null bewegt. Es war ein schleichender Prozess, den ich irgendwie nicht beeinflussen oder aufhalten konnte. Angebotene Hilfe hat er ausgeschlagen und irgendwann dachte ich: "gib ihm einfach Zeit. Das kommt dann schon wieder." Doch dem ist nicht so (leider). Schon im Frühsommer sagte ich ihm, dass ich bis September/Oktober ein klares Statement von ihm erwarte, wie er sich die Zukunft vorstellt. Einerseits warte ich noch darauf, andererseits glaube ich gar nicht mehr daran, dass er überhaupt eine Entscheidung trifft.

Bis Ende September sieht die Situation so aus, dass ich über 80% des Firmenumsatzes generierte und er die restlichen knapp 20% Prozent. Das heisst dann auch, dass ich 80% Prozent der Firmenkosten trage. Auf Dauer bin ich nicht gewillt, das so weiterzuführen. Entweder er ist Partner und engagiert sich dementsprechend oder ich ziehe das Ding alleine durch. Alleine hätte ich Möglichkeiten um Kosten einzusparen und so bliebe mir effektiv mehr Geld als heute. Und dieses "mehr" kann durchaus der Unterschied von "sehr wenig" zu "genügend" sein.

Natürlich bin ich enttäuscht. Er war es, der mich dazu motivierte um die Einzelfirma in eine GmbH umzuwandeln, damit er sich daran beteiligen kann. Ich wusste, dass dies einen höheren administrativen Aufwand und letztendlich mehr Kosten zu Folge hat, doch ich glaubte auch, dass wir zu zweit mehr erreichen können, als alleine. Tja, so kann man sich täuschen. Ausser Spesen nichts gewesen.

Wenn nun die ruhigere Rikscha-Zeit anbricht, kann ich mir vertieft Gedanken darüber machen, wie es weitergehen soll. Will ich nach sieben (mageren) Jahren als Rikschafahrer überhaupt weitermachen? Wenn ja, wie genau? Wenn nein, welche beruflichen Optionen habe ich denn überhaupt noch? Es öffnet sich also wieder einmal ein weites Feld...

Auch wenn ich mir diese Situation nicht gewünscht habe, so mag ich dieses "weite Feld" von Möglichkeiten. Es wird Zeit, wieder mal etwas kreativer über die Zukunft nachzudenken als "weiter wie bisher"... Das finde ich spannend.

Frei-Tag

Ich weiss gar nicht, wie lange es her ist, dass ich einfach wieder einmal einen wirklich freien Tag zu meiner eigenen Verfügung hatte. Von April bis September war ich jeden Monat mindestens 24 Tage mit der Rikscha unterwegs. Da blieben meist nur noch die Sonntage und die verbringe ich nach wie vor gerne mit meiner Frau...

Eigentlich wollte ich an meinem gestrigen Geburtstag einen Ruhetag einlegen, doch dann kam noch eine Buchung herein und somit war's dann wohl doch nichts mit dem Frei-Tag. Ich kann es mir nicht leisten, Buchungen ohne triftigen Grund abzusagen und "ein geplanter Ruhetag" oder "Geburtstag" ist dann doch nicht triftig genug.

Heute nun war es soweit. Am Morgen vereinbarte ich einen Termin zum Haare schneiden. Ganz gemütlich spazierte ich da hin und auch wieder zurück. Dann aktualisierte ich die Geschäftsbuchhaltung und erledigte noch etwas Bürokram. Später setzte ich mich dann mit einem Kaffee und einem Buch auf den Gartensitzplatz... schön...

Die letzten Monate waren ja blogmässig ziemlich leer... Natürlich hätte es ab und zu etwas zu erzählen gegeben. Streetparade, Gartenfest, Hamburg-Weekend, das sind ein paar Stichworte die mir spontan einfallen. Doch ich stelle (leider) fest, dass ich des Nacherzählens etwas müde geworden bin. Das ist ähnlich wie mit dem Fotografieren, auch das bin ich müde geworden. Es ist mir nicht mehr so wichtig...

Und natürlich ist das alles auch saisonal bedingt. Im Sommer sitze ich halt eher wenig vor dem Computer oder wenn, dann rein beruflich. Da mag ich dann nicht mehr wirklich Zeit in den Blog investieren. In der kälteren Jahreszeit habe ich mehr Zeit und Musse dafür, da bin ich eher zu Hause und drinnen am PC. Nach diesen anstrengenden Sommermonaten freue ich mich nun richtig auf diese Zeit und gerade der heutige Tag zeigte mir, dass ich das auch wirklich brauche.

heiss...

Dieses Jahr erinnert stark an den Hitzesommer 2003. Es ist staubtrocken und heiss. Und das schon seit Wochen oder gar Monaten...

Natürlich kann man jetzt über Klimawandel reden, doch das nützt nichts. Die Klimawandel-Ablehner habe ihre Meinung schon längst gebildet und werden nicht davon abrücken. Sachlichkeit ist nicht angesagt. Es ist eher eine Glaubensfrage. Dazu kommt, dass man mit klimaschädigendem und unverantwortungsvollem Handeln halt immer noch mehr Geld verdienen kann als mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Ganz persönlich habe ich es gerne sonnig und warm. Bis 30° Grad finde ich ganz o.k. und das macht mir auch nicht viel aus. Über 30° Grad fange ich aber als Rikschafahrer schon zu leiden an. Die Sadt heizt sich in solchen Perioden richtig auf. Der Asphalt reflektiert die Hitze und die Ozonwerte steigen. Es gibt kein entrinnen. Natürlich suche ich in Pausen den Schatten und trinke viel. Trotzdem belasten solche Hitzeperioden den Körper einfach zusätzlich.

Derzeit ist Sommerferien-Hochsaison und es hat merklich weniger Leute in der Stadt als noch vor ein paar Wochen. Man kriegt das Gefühl, dass die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung in den Ferien ist. Die Stadt ist fast leer (von Einheimischen). Natürlich hat es viele Touristen, doch es wird immer schwieriger, die in eine Rikscha zu kriegen. Gruppenreisende bringen Ihre eigenen Reiseführer mit und Individualtouristen starren auf ihr Smartphone und lotsen sich mit Google-Maps durch die Stadt... Parallelgesellschaften...

unbeschreiblich

Mein Vater und ich hatten immer ein gutes Verhältnis zueinander. Niemand kennt einen besser als die eigene Mutter und der eigene Vater, denn mit niemandem hatte man eine längere Verbindung. Durch den plötzlichen Tod des Vaters stellen sich nun natürlich grundsätzliche Fragen zu Sinn, Glauben und vor allem, wie man mit einem solchen Ereignis umgeht.

Als er da tot auf dem Waldweg lag, habe ich ihn lange betrachtet. Ich wusste, es wird wohl das letzte Mal sein, dass ich seinen Körper vor mir sehe. Ab jetzt folgt nur noch Erinnerung. Er sah unverändert aus. Seine halbgeschlossenen Augen glänzten und die Haut war noch weich und warm. Aber es war klar, da ist kein Leben mehr drin. Das ist nicht mehr vollständig mein Vater sondern nur noch sein toter Körper. Ich fragte mich: Wo ist sein Wesen hin? Ist überhaupt irgendetwas irgendwo hin?

Der Umgang mit Verlust und Trauer ist sehr persönlich. Ich möchte hier auch nicht allzu viele Worte darüber verlieren, denn ich respektiere die Gefühle meiner Mutter, meiner Schwester und alle ihm Nahestehenden. Jede und jeder hat das Recht auf seine eigene Art zu trauern. Da gibt es kein richtig oder falsch. Ich versuche höchstens zu beschreiben, was der Tod meines Vaters in mir ausgelöst hat.

Nach dem ersten Schock fühlte ich mich irgendwie leer, verlassen und verletzlich. Seine schützende Hand ist weggefallen. Dann folgte ein Gefühl der Dankbarkeit. Dafür, was wir alles zusammen erleben durften. Dafür, dass sein Leben ein schnelles (und ich denke schmerzloses) Ende gefunden hat. Es traf ihn wie ein Blitz. Ein kurzes Zucken, dann gingen die Lichter aus. Gerade er, der in den letzten Jahren mit zunehmenden Leiden zu kämpfen hatte und der grosse Angst davor hatte, seine Mobilität zu verlieren. Das ist ihm erspart geblieben. Auch dafür bin ich dankbar.

Dann folgte die Zeit, in der man seine Beerdigung planen musste. Ich habe mich da zurückgehalten. Es muss für meine Mutter stimmen, denn sie trifft dieser Verlust am stärksten. Anfangs stand zur Diskussion, dass meine Schwester und ich einen Teil zur Abdankungsrede beitragen. Das habe ich mir lange überlegt und dann abgesagt. Erstens glaube ich nicht, dass ich das kann und zweitens bezweifle ich, dass ich die richtigen Worte finden würde.

Es ist unbeschreibbar! So ist das menschliche Leben. Alle Worte treffen daneben.

Der Tod meines Vaters wirft mich aber schon auf die "grossen" Fragen das Lebens. Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Gibt es einen Sinn des Lebens? Woran glaube ich? Bietet Religion eine Antwort?

In den letzten Jahren veränderten sich meine Ansichten diesbezüglich weg von den herkömmlichen, christlichen Konzepten, mehr hin zu einer dogma-freien Erfahrungstheorie. Und diese Theorie steht nun ziemlich auf dem Prüfstand... Natürlich schmunzle ich leicht wenn ich das schreibe... einer der Kernpunkte meiner Erkenntnis ist ja gerade, dass sich das Absolute, das wahre Leben, gar nicht beschreiben lässt. Dass es vor jeder Vorstellungskraft und vor der Bildung von Sprache liegt... es ist ein unbeschreibbares Mysterium...