In Erinnerungen schwelgen

Diesen Monat schrieb ich nur sehr wenige Blogeinträge. Meist war ich abends zu müde und wenn ich mich dann doch noch vor den PC setzte, klickte ich immer wieder die Blogeinträge von "Vor 1 Jahr" durch. Ja, das war eine sehr schöne Reise durch Italien...

Meist verklärt die Erinnerung die Erlebnisse der Vergangenheit noch etwas. Die schweren Momente vergisst man schneller und einfacher als die schönen Augenblicke. Diese graben sich (zum Glück) tiefer ins Gedächtnis ein. Auch diesen Juli bin ich sehr viel in Radkleidung unterwegs... Doch ich lerne keine neue Gegend kennen, sondern fahre mit meiner Rikscha fast täglich durch Zürich. Das hat auch etwas und doch ist es etwas ganz anderes. Während ich vor einem Jahr sorgenlos durch fremde Lande reiste und Genuss und Erfahrung im Vordergrund stand, versuche ich nun mit meinem Tun Geld zu verdienen. Das sind schon zwei ganz verschiedene paar Schuhe...

Ich bin noch immer sehr dankbar hinsichtlich meiner Italien-Sommerreise 2011 und die Blogeinträge von damals lassen mich vieles quasi nocheinmal erleben. Das gibt Kraft. Danke!

absurde Statistik

Zum Monatsende hin habe ich meine Aktivitätenliste aktualisiert und somit sind auch die Daten der Sommerreise darin eingeflossen. Nur, das verzerrt die Statistik nun derart, dass die Tabelle nicht mehr wirkliche Aussagekraft hat.

Auf meiner Reise durch Italien legte ich insgesamt 5'672 Kilometer zurück und meisterte 67'030 Höhenmeter. Für den Monat Juli, indem ich an 29 der 31 Tage auf dem Velo sass, ergeben sich so unglaubliche Zahlen wie: 2'844 gefahrene Kilometer oder durchschnittliche Dauer der sportlichen Aktivität von 5 Stunden und 16 Minuten pro Tag. Wohlverstanden, jeden Tag, inkl. Sa. und So.  Absurd viel...

Schon jetzt weist die Statistik mehr Kilometer aus, als ich je zuvor in einem Jahr gefahren bin und noch liegen vier Monate bis zum Jahresende vor uns. Die 10-Tausender-Grenze wird bestimmt noch fallen. Unglaublich und absurd viel...

Es liegt ja in der Natur der Sache, dass eine solche Reise ein einmaliges Erlebnis ist und so gesehen machte die Integration in die Aktivitätenliste nicht wirklich Sinn. Eventuell erstelle ich eine zweite Liste, in der ich die Leistungsdaten der Monate Juni, Juli und August des Vorjahres übernehme. So kann ich dann besser die Jahre untereinander vergleichen. Anyway. Ich habe für diesen Statistikquark einige Zeit aufgewendet und bin schlussendlich an den Punkt gelangt wo ich denke: Nun kann ich Statistiken auch gleich bleiben lassen...

(58) Der Kreis schliesst sich

Bilder im Fotoalbum (Nr. 968-979)

Um sieben Uhr machte ich mich auf den Weg zum Frühstücksbuffet und traf dort auf eine grössere Gruppe Reisender, die schon fleissig am Teller füllen waren. Ich staune, dass die alle schon so früh raus müssen, doch pünktlich um acht Uhr fährt ein Reisebus vor und ein paar Minuten später sind alle schon weg. Nächster Halt nur fünf Minuten später: Via Mala Schlucht

Ich brauche eine Viertelstunde länger bis ich abfahrbereit war. Die noch nie gebrauchten Knielinge mussten jetzt her. Und eine Jacke. Draussen hängen noch letzte Wolken in den Bergen, doch es zeichnet sich ein schöner Tagesverlauf ab. Temperatur: 13 Grad. Brrr... Da bin ich mich wahrlich anderes gewohnt.

Die warmen Sachen waren richtig, denn die ersten 27 Kilometer bis nach Chur geht es oft leicht bergab und auf der schnellen Hauptstrasse fühlen sich 13 Grad schnell kalt und ungemütlich an. Deshalb machte ich in Chur auch keine Pause, sondern fuhr noch etwa 15 Kilometer bis Landquart weiter. Dort fuhr ich zum Bahnhof und verpflegte mich vor dem avec-Shop. Ich kaufte ein Sandwich aus dunklem Brot und Gruyerekäse, einem Salatblatt und einer Scheibe Tomate. Dazu einen Latte Macchiato zum sofort trinken und einen Erdbeermilchshake um alles runterzuspülen. Alles mir gewohnte Produkte, die ich ohne langes Suchen fand.

Von Landquart fuhr ich via Bad Ragaz, Sargans und Flums nach Walenstadt am östlichen Ende des Walensees. Dort kaufte ich an einem Kiosk eine weitere Zwischenmahlzeit und fuhr dann de super schönen Radweg dem Seeufer entlang bis nach Weesen. Dort setzte ich mich auf eine schöne Aussichtsbank und überblickte die Lage. Ich hatte jetzt 76 Kilometer auf dem Tacho. Und schätzte die Distanz bis nach Zürich noch einmal so lange ein. Plus 20 Kilometer bis nach Hause, macht an die 170 Kilometer Gesamtdistanz. Soweit bin ich bisher noch nie an nur einem Tag gefahren.

Aber: Ich komme nach etwa 50 verschiedenen Hotelbetten endlich wieder einmal ins EIGENE (Wasserbett). Es gibt da auch eine grosse Dusche, aus der richtig viel und gleichmässig warmes Wasser kommt. Und ich kann Karin und mir endlich wieder einmal etwas Leckeres kochen und dann können wir genau das essen, was wir wollen, respektive wonach ich mich am meisten sehne.

Das sind starke Argumente! Und zudem: So ist morgen ganz sicher ein Ruhetag! Na klar! Ich rufe Karin an und sage ihr, dass ich noch heute Abend nach Hause komme, was sie auch sehr freut. Das Wetter wird immer besser und es wird langsam auch immer wärmer.

Ich genoss die Fahrt durch die Linthebene und dem Zürichsee entlang, wo ich von diesem satten Grün der Landschaft schon fast geblendet wurde. Immer wieder Pützen. Hier muss es in den letzten 8 Wochen viel häufiger geregnet haben als ich Regen gesehen habe. Ich dachte nach... An insgesamt 5 Tagen gebrauchte ich die Regenjacke. An den übrigen 53 Tagen war es immer trocken. Wahrlich, Petrus war mir immer wohlgesinnt! Und auch heute! Ich sagte ja, ich bringe das gute Wetter mit und heute wurde es auch wirklich immer schöner.

Nach Zürich fuhr ich deshalb, weil ich auf der Quaibrücke ein Foto mit dem beladenen Kish und mir vor der Kulisse der Stadt haben wollte. Dort schloss sich der Kreis. Am Tag 1 fotografierte ich da die grosse Metallspinne, die in der Zwischenzeit wieder abgebaut wurde, und fuhr von da entlang des linken Seeufers in Richtung Süden. Und heute, am Tag 58, komme ich von der rechten Seeseite wieder zurück. Etwa 5´600 Kilometer liegen dazwischen. Eine ziemlich weite Runde um den Zürichsee...

Ich hatte es geschafft! Die Stunde Velofahrt von Zürich bis nach Hause war ein innerlicher Triumphzug! Hier bin ich zu Hause, hier gehöre ich auch hin! Radreisen, das kann ich jetzt... Rein physisch könnte ich noch wochenlang weiterfahren, das habe ich nun wirklich gelernt. Radfahren, essen/trinken und schlafen, das waren in den letzten 58 Tagen meine Hauptbeschäftigungen und das kann ich nun.

Im Kopf hatte ich Ferien, "tourist, per sempre!". Natürlich habe ich in den zwei Monaten viele neue Eindrücke gesammelt und man wird jetzt sehen, ob ich etwas Schlaues damit anfangen kann. An einem schönen Waldrand machte ich im Abendlicht dann noch eine Art Schlussfotos, bevor ich definitv nach Hause rollte. Ein schöner, langer Tag war´s! Das GPS sagt: 173 km., 7:38 Std., 530 Hm.

(57) Arrivederci bella Italia

Bilder im Fotoalbum (Nr. 944-969)

Strahlend blauer Himmel begrüsste mich für meine heutige Velotour in Richtung Berge. Ich folgte dem Ostufer des Comersees auf seiner ganzen Länge und geniesse immer wieder tolle Aussicht auf die gegenüberliegende Seeseite und die dahinterliegenden Berge. Nach dem Comersee folgt der kleine Lago di Mezzola und danach beginnt die Strasse bis nach Chiavenna leicht anzusteigen, wo ich ziemlich genau um zwölf Uhr nachmittags eintraf. Es war noch immer sehr schön und 25 Grad warm.

Ideal um am Nachmittag, nach einer feinen Portion Spagetti Carbonara, den Anstieg zum Splügenpass in Angriff zu nehmen. Gleich am Ortsausgang von Chiavenna wird klar, wie das Streckenprofil der nächsten drei Stunden aussieht, denn es geht gleichmässig und stetig nach oben. Ich fühlte mich gut und lernte in den letzten Wochen ziemlich konsequent nach Puls zu fahren. So entscheide ich mich Puls 140 als Obergrenze zu wählen und deshalb kommt auch das kleine Kettenblatt häufig zum Einsatz. Zudem mache ich alle 300 Höhenmeter eine kurze Pause, wo ich etwas esse und trinke. So klappte das ganz gut.

Bei Madesimo wollte ich entscheiden, ob ich dort ein Hotel suche oder ob ich ganz über den Splügen fahre. Madesimo liegt auf etwa 1´750 Meter über Meer und da ich mich noch immer fit fühlte, fuhr ich an der entsprechenden Abzweigung vorbei. Mein neues Ziel war nun das von Andre vor zwei Tagen empfohlene Hotel Weiss Kreuz in Thusis.

Je höher ich kam, desto stärker wurde der Wind, welcher von Norden über die Berge trieb und so musste ich auf den letzten 200 Höhenmetern doch ziemlich beissen. Auf über 2´100 Metern über Meer war es dann ziemlich kalt und deshalb musste ich für die Abfahrt eine Jacke hervorkramen, die ich nun fast zwei Monate nicht gebraucht hatte.

Die vielen Serpentinen bis runter nach Splügen machten richtig Spass und so freute ich mich auf die letzten Kilometer bis nach Thusis. Die Freude währte aber nicht lange, denn schon kurz nach Splügen kam ich in einen heftigen Regenschauer. Das gibt es doch nicht! Da fahre ich bei Regen aus der Schweiz, sehe in über sieben Wochen nur einmal eine Stunde Regen und kaum kehre ich in die Schweiz zurück, fahre ich wieder in den Regen. Dabei wollte ich doch die Sonne mitnehmen...

Doch auch dieser Regen war auch nur von kurzer Dauer und anfangs der Via Mala Schlucht war alles schon wieder vorbei. Gerade richtig um nicht tropfend nass das schöne Hotel WEISS KREUZ zu betreten. Leider war der Chef nicht anwesend, so konnte ich keine Grüsse ausrichten, doch seine Mitarbeiter bereiteten mir einen schönen Abend mit einem leckeren Vier Gänge Menü. So konnte ich diesen erlebnisreichen Tag wunderbar abschliessen. Das GPS sagt : 137 km., 7 :44 Std., 2´120 Hm.

(56) via Bergamo an den Comersee

Bilder im Fotoalbum (Nr. 924 - 943)

Ich wachte kurz vor sieben Uhr auf und machte mich gleich ans Frühstücksbuffet. Ich wollte zeitig losfahren, damit ich die Poebene noch möglichst ohne Wind hinter mich bringen konnte. Bis Bergamo waren es noch etwa 70 Kilometer und das wollte ich bis zum Mittag packen.

Soweit lief alles problemlos, bis ich etwa 30 Kilometer vor Bergamo durch das 2´437ste Schlagloch meiner Sommerreise durch Italien holperte und ein leichter Knall am Hinterrad zu hören war. Ich dachte an einen Plattfuss und schaute nach hinten unten. Die Luft war noch drin, doch das Rad eierte ziemlich. Sah verdächtig nach Speichenbruch aus. Als ich anhielt und nachschaute fand ich tatsächlich eine lose Speiche, doch nicht die Speiche an sich war gebrochen, sondern der Speichennippel war in zwei Stücke zerfallen.

Wie auch immer. Ich musste anhalten und die Sache reparieren. Als ich das Rad ausbaute, den Reifen samt Schlauch entfernte und das Felgenband aus der Felge hob, sah ich auch den Grund des Nippelbruchs. Die Felge ist auf der Innenseite auf etwa der halben Radlänge eingerissen. Das sieht ziemlich unschön aus (siehe Foto im Album). Gründe dafür kann es einige geben. Erstens bin ich die Räder nun bestimmt schon über 10´000 Kilometer gefahren. Zweitens ist das Gewicht auf meiner Reise sehr einseitig verteilt. Ich schätze, dass etwa 100 Kilo auf dem Hinterrad liegen und nur etwa 25 Kilo auf dem Vorderrad. Drittens fahre ich für die schmale Felge eher breite Reifen und die noch ziemlich prall gepumpt und viertens könnte auch die Speichenspannung etwas hoch gewesen sein.

Immerhin musste ich die Speiche nicht wechseln sondern konnte einfach einen neuen Nippel (von einer Notspeiche) einsetzen. Ich entschied mich zudem, alle Speichen um eine Viertelumdrehung zu lockern und zentrierte dann das Rad so gut ich konnte. Nachdem ich Schlauch und Reifen wieder montierte, pumpte ich zwar voll, doch nicht so hart wie zuvor. Zum Schluss richtete ich ein kurzes Stossgebet gen Himmel, dass das Rad die noch knapp 400 Kilometer bis nach Hause halten möge. Dann darf es in alle Einzelteile zerfallen.

Natürlich hatte ich danach ein leicht ungutes Gefühl und jedesmal, wenn es wieder kräftig holperte dachte ich an weiteren Schaden. Doch hey, think positive! Löcher am rechten Strassenrand gehören zu Italien wie Rotwein und Pizza und wenn das Rad nun über 5´000 Kilometer gehalten hat, wird es die restlichen paar Tage auch noch überstehen.

Kurz nach ein Uhr Mittag kam ich dann nach Bergamo und gönnte mir in einem Restaurant eine feine Portion Pasta. Danach fuhr ich in das alte Ortszentrum, welches auf einem kleinen Hügel liegt. Für Touristen stehen zwei Standseilbahnen zur Verfügung, die von der neuen Stadt in die alte Stadt hochführen. Radfahrer dürfen natürlich selbst hochfahren und auch im ganzen Altstadtbereich ist Velofahren erlaubt. Ich habe dort ein paar schöne Fotos gemacht.

Danach folgte ich etwa 30 Kilometer der Hauptstrasse bis nach Lecco, an das untere Ende des Comersees. Diese 30 Kilometer waren aber ziemlich harzig, weil es sehr viel Verkehr und immer wieder Lichtignale hatte, die zum anhalten zwangen. Mir ist dabei ein deutsches Wohnmobil aufgefallen, welches mich ausgangs Bergamo erstmals überholte und hinter dem ich den Ortseingang von Lecco passierte. Dazwischen hat mich dieses Wohnmobil bestimmt zehnmal überholt und an irgendeinem Lichtsignal fuhr ich seitlich wieder nach vorne. Im Auto ging es also kein bisschen schneller vorwärts.

In Lecco fackelte ich nicht lange und bezog ein Zimmer im erstbesten Hotel, welches ich sah. Leider verdichtete sich die Bewölkung im Laufe des Nachmittags und so fielen auf meinem Abendspaziergang durch Lecco dann tatsächlich ein paar scheue Regentropfen. Nach dem Spaziergang ging ich fein essen und als ich aus dem Restaurant kam, war der Himmel schon wieder mehrheitlich blau und machte einen bedeutend besseren Eindruck. Ich hoffe doch, dass mein bisheriges Wetterglück auch in den nächsten Tagen anhält. Das GPS sagt: 121 km., 5:40 Std., 240 Hm.

(55) arschflach = die Poebene

Bilder im Fotoalbum (Nr. 916 - 923)

Eigentlich war der heutige Tag langweilig, denn ich fuhr einfach sieben Stunden durch flaches Land. Fläche kann man nicht fotografieren und es bietet auch dem Auge wenig interessante Anhaltspunkte. Zudem sind die Strassen häufig schnurgerade und so strampelt man einfach stundenlang vor sich hin, wie der Hamster im Rad.

Ich merkte sehr rasch, dass ich nicht mit Puls 135 durch die Gegend pedalen kann, sonst fahre ich mich in drei oder vier Stunden so leer, dass nichts mehr geht. Deshalb hiess es Druck vom Pedal nehmen und immer schön nach Pulsuhr fahren. Während meinen nun fast acht Wochen lag der Pulsdurchschnitt der schönsten Tage so zwischen 113 und 118. Über 120 war richtig anstrengend und das büsste ich meist an den Folgetagen.

In hügeligem Gelände kann man ruhig mal Puls 150 fahren, denn bergrunter geht der Puls auch wieder unter 100 und man kann sich dabei etwas erholen. Wenn es aber immer nur flach vorwärts geht, bleibt der Puls konstant und eigentliche Erholungsphasen gibt es einfach nicht. Deshalb nahm ich mir vor, maximal einen Puls von 120 zu fahren. Steigt er höher, schalte ich runter.

Ich hatte stundenlang Zeit für irgendwelche Spielchen wie zum Beispiel: Wie lange kann ich genau Puls 115 halten oder, wie lange kann ich genau auf der weissen Seitenlinie fahren oder ich rechnete aus, wie viele Kurbelumdrehungen ich pro Minute, Stunde oder 100 Kilometer denn so mache. Oder ich versuchte einfach einmal nichts zu denken, was natürlich nicht geht...

Die Landschaft war auf der ganzen Strecke gleich. Landwirtschaft und Schweinemast. Von der Landwirtschaft sieht man derzeit eigentlich nur noch die Maisfelder, denn alles andere ist bereits abgemäht. Natürlich gibt es auch Birnen- und Äpfelkulturen, doch nur sehr wenige. Keine Reben und keine Olivenbäume. Die Schweinemast riecht man jeweils schon von weit her. Hier werden alle die Parma-Schinken gezüchtet und leider sieht man keine Schweine in der Natur, alle werden in grossen Ställen gemästet. Kühe oder Schafe habe ich überhaupt nicht gesehen.

Mittags machte ich im kleinen Ort "Guastalla" einen richtigen Verpflegungshalt in einem feinen Restaurant. Nach Schinken und Melone zur Vorspeise, genehmigte ich mir eine grosse Portion Ravioli, gefüllt mit Basilikum und Ricotta, an einer kalorienreichen Buttersauce. Das gab mir dann die nötige Kraft für die vielen Kilometer, die am Nachmittag noch folgten.

Schon bald entschied ich nämlich, dass ich bis "Cremona" durchfahren will, denn alle flachen Kilometer die ich heute fahre, brauche ich morgen nicht mehr zu fahren. Und mit Puls 115 könnte man tagelang fahren, das ist nicht das Problem. Zum Problem wird höchstens, dass man irgendwann kaum noch gut sitzen kann und auch die Hände, die Handgelenke und der Nacken würden sich mehr Abwechslung in der Position wünschen. Doch Wiegetritt in der Fläche geht kaum ohne dass der Puls hoch geht. Also fuhr ich zwischendurch kilometerlang freihändig und lockerte dabei etwas die Hände und den Nacken.

Abends gegen fünf Uhr war ich dann in "Cremona", der Stadt in der Stradivari seine weltberühmten und wohl unerreichten Geigen baute. Gleich am Stradivariplatz sah ich ein schönes Viersternhotel und für die vielen Kilometer wollte ich mich mit einem schönen Hotelzimmer belohnen. Die gute Frau an der Reception liess dann auch noch etwas über den Preis handeln und so wurden wir uns einig.

Nach der Dusche machte ich dann meinen obligaten Spaziergang durch den Ort, kaufte etwas Milchprodukte ein und ass danach fein Pizza. Morgen möchte ich bis an das untere Ende des Comersees fahren, was eigentlich möglich sein sollte. Ich will diese flache Gegend einfach hinter mich bringen und freue mich schon jetzt auf Berge und Seen. Das GPS sagt: 165 km., 7:09 Std., 80 Hm.

(54) quer über den Apennin

Bilder im Fotoalbum (Nr. 895 - 915)

Heute war ich gleich zur Eröffnung des Frühstücksbuffets anwesend um möglichst zeitig aufs Rad zu kommen. Bei der Abrechnung des Hotels musste ich etwas schmunzeln, als ich 2x 2 Euro für die Bike-Garage aufgelistet sah. Egal, bei 45 Euro pro Nacht ist das noch verschmerzbar.

Es war wieder sonnig und ein warmer bis heisser Tag stand bevor. Es konnte also nicht schaden, den Morgen gut zu nutzen. So quasi beim Ortsausgang von Florenz beginnt die Strasse ein erstes Mal anzusteigen und man hat immer wieder schöne Ausblicke nach Florenz, welches wie in einem Talkessel liegt. Der kleine Ort "Montorsoli" ist der höchste Punkt mit etwa 450 Metern über Meer, bevor es dann wieder auf etwa 150 Meter runter geht. In der Abfahrt machte ich in einer kleinen Bar eine erste Pause und trank wie gewöhnlich einen zweiten Morgen-Cappuccino.

Kurz vor "Barberino di Mugello" kam ich an einem grossen und verzweigten Stausse vorbei, wo auch einige Badestrände mit Boots- und Pedaloverleih zu sehen waren. In Kombination mit den Apenninbergen im Hintergrund sah das echt gut aus. Danach begann der Aufstieg zum Futa-Pass, über den ich am 15. Tag bereits gefahren bin. Damals von West nach Ost, heute kam ich aus dem Süden und wollte nach Norden. Das ist schon fast sechs Wochen her...

Vom Futapass geht es dann wellig bis zum zweiten Pass des Tages, dem "Passo della Raticosa", der nur wenig höher ist. Es besteht überdies kein Zweifel, dass es ein Samstag oder Sonntag sein muss, denn über diese beiden Pässe fahren heute dutzende, wenn nicht hunderte von Motorradfahrern. Viele in voller Rennmontur, mit offenen Auspuffanlagen, dass wohl viele mit Gehörschutz fahren müssen, sonst wären sie abends taub. Manchmal habe ich fast etwas Angst, dass mich eine dieser Raketen abschiesst.

Auf dem "Passo della Raticosa" checke ich das GPS. Bis Bologna fehlen noch knapp 50 Kilometer und 600 Höhenmeter. Weit und breit ist keine höhere Erhebung zu sehen. Woher sollen nun noch die 600 Höhenmeter kommen? Es steigt die Befürchtung auf, dass es wieder so wellig wird wie vor zwei Tagen, zwischen "San Gimignano" und "Florenz". Deshalb beginne ich die Abfahrt vorsichtig und bei der kleinsten Gegensteigung schalte ich runter und halte den Puls konsequent unter 140 Schlägen pro Minute. Wenn ich in sieben Tagen nach Hause will, darf ich mich nicht gleich am ersten Tag überanstrengen.

Meine Vorsicht ist zwar richtig, doch unbegründet. Es folgen nämlich keine wirklichen Steigungen mehr, sondern es geht schön gleichmässig und gemächlich bergrunter, bis man Bologna auf etwa 30 Metern über Meer erreicht. Sehr schön. Da hat sich GPSies.com bei der Berechnung der Höhenmeter etwas vertan. Doch lieber so, als andersherum.

Weil ich nie lange Pausen gemacht habe, treffe ich schon kurz nach drei Uhr mittags im Standzentrum von Bologna ein. Das ist "tote-Hose-Zeit". Die Einkaufsgeschäfte sind bis vier Uhr geschlossen und deshalb sind die Strassen wie leergefegt, was ich doch sehr schätze. Ich bin zudem froh, dass ich meine GPS-Route bis direkt vor das vorreservierte Hotel "Il Guercino" gezeichnet habe, denn sonst hätte ich das garantiert nicht gefunden. Bologna ist eine völlig flache Stadt, ohne See und ohne Fluss. In der Innenstadt sind alle Häuser vier- oder fünfstöckig und für Fremde wie mich, sieht fast alles gleich aus. Ich dankte mir meinen gestrigen Planungsaufwand.

Nach dem Zimmerbezug hatte ich noch genügend Zeit um etwas durch Bologna zu bummeln und mir einen kleinen Eindruck zu verschaffen. Ähnlich wie in Turin gibt es hier sehr viele Arkadengänge. So kann man im Sommer schön im Schatten schaufensterln und ist bei Regen geschützt. Bologna scheint in Sachen Mode auch ein Zentrum zu sein, denn ich habe noch selten so viele Kleidergeschäfte gesehen. Schade ist halt einfach, dass auch hier die Grossfirmen-Monokultur Einzug hält. Wie in jeder Grossstadt Europas gibt es hier Mc Donnalds, H+M, Zara, Swatch, Foot Lockers und all den übrigen Mainstream-Kram. In Zukunft braucht man nicht mehr in andere Städte zu reisen, denn da gibt es nichts, was es in der nächstgelegenen Grossstadt nicht auch gibt.

An sich hat aber Bologna schon noch Charme. Die alten Bauwerke bestehen fast alle aus roten Ziegelsteinen und sind nur ganz wenig geschmückt. Es ist bei weitem nicht so pompös wie Florenz aber doch irgendwie charmant. Derzeit kriegt man etwas den Eindruck dass alles renoviert wird, denn an vielen historischen Bauten stehen Baugerüste und Abschrankungen.

Den heutigen Tag habe ich sehr genossen. Die Überquerung des Apennin war sehr schön und hat mir landschaftlich wieder ausgezeichnet gefallen. Die nächsten zwei Tage führen mich durch die Poebene und das wird dann ein ganz anderes Thema. Ich wünsche mir einfach einmal: "Wenig Gegenwind!" Das GPS sagt: 115 km., 5:33 Std., 1´500 Hm.

(53) Ein Tag in Florenz

Der Hotelier hatte nicht zuviel versprochen, denn das Frühstücksbuffet bot wirklich alles, was man sich nur so wünscht. Man kann sich für eine bevorstehende Sightseeingtour also die nötige Kraft anfuttern.

Morgens war mir aber noch nicht danach, etwas durch Florenz zu bummeln, denn ich wollte zuerst meine Strecke bis nach Hause für das GPS vorplanen. Ich hatte keine grosse Ahnung wie weit es noch sein werde und ich wollte nun doch herausfinden, wie lange ich wohl noch brauchen werde, bis mal wieder zuhause im eigenen Bett schlafen kann.

Zuerst musste ich die Route in groben Zügen festlegen. Wenn ich nur einen grossen Alpenpass bezwingen will, dann gibt es nicht sehr viele Varianten. Über den Gotthard wollte ich nicht nochmals, so blieben noch die Routen über den San Bernardino oder den Splügen. Alle anderen Übergänge brauchten (soweit ich das gesehen habe) mindestens zwei Passfahrten. Ich entschied mich für die Splügenvariante, denn erstens muss ich so nicht ganz so weit nach Westen und zweitens kann ich lange dem schönen Comersee entlang fahren. In groben Zügen wählte ich die Strecke Florenz, Bologna, Cremona, Bergamo, Lecco, Chiavenna, Splügen, Chur, Walenstadt, Rapperswil, Zürich.

Das ergibt in Summe etwa 680 Kilometer und sollte mit meinem bisherigen Tagesschnitt demzufolge in sieben Tagen machbar sein. Das heisst also, wenn ich morgen Samstag losfahre, sollte ich am Freitagabend, den 12. August zuhause ankommen. Das wäre dann genau der 60. Tag. Mal sehen.

Das gab mir ein gutes Gefühl und so konnte ich am Nachmittag ganz locker etwas durch Florenz spazieren, ein paar Fotos machen und ein paar Kleinigkeiten essen. Hier ist es richtig heiss, die Apotheken zeigten mittags um zwei Uhr 34° Grad an. Zudem weht in der Stadt kaum ein Lüftchen und so sind Schattenplätze heiss begehrt.

Am Abend werde ich noch Proviant für die morgige Tour einkaufen und dann nicht allzu spät zu Bett gehen. Die Strecke bis nach Bologna führt quer über den Apennin und so stehen gegen 2´000 Höhenmeter auf dem Programm. Ein Hotel in Bologna habe ich mir bereits über www.venere.com gebucht. Wie ich danach vorwärtskomme (in der flachen Poebene) wird sich zeigen.

(52) touristische Toskana

Der heutige Tag begann so gut wie der gestrige geendet hat, nämlich mit einem feinen Essen im Agriturismo. Weil es erst ab halb neun Uhr Frühstück gab, dauerte es etwas bis ich in den Sattel kam. Ah ja, noch was zum Agriturismo. Für alles, was ich seit meiner Ankunft gestern Abend konsumierte, inklusive Übernachtung, musste ich total nur 65 Euro bezahlen. Das war echt super und ehrlich gesagt hätte ich für dieses tolle Erlebnis ohne zu zucken auch mehr bezahlt.

Die heutige Strecke führte vom Start auf 350 Metern über Meer erst einmal runter auf etwa 60 Meter um kurz danach bis ins Ortszentrum von "Volterra" wieder auf 450 Meter über Meer anzusteigen. Heute war es zudem richtig warm um nicht zu sagen heiss. "Volterra" hat eine schöne Altstadt und wird von vielen Touristen angefahren.

Das ist aber noch gar nichts im Vergleich zu "San Gimignano" welches nach ein paar Hügeln, etwa 27 Kilometer später folgt. Auf den Anfahrtsstrassen sind 8 von 10 Autos ausländischer Herkunft und vor den grossen Parkplätzen staute sich um die Mittagszeit der Verkehr. Da hat man dann als Velofahrer die Vorteile auf seiner Seite, denn man kann direkt ins Zentrum des Geschehens vordringen. San Gimignano ist bekannt für die vielen hohen Türme, die im Mittelalter von verschiedenen Familien als Zeichen ihres Reichtums gebaut wurden.

Der Altstadtbereich ist vollständig verkehrsfrei und tausende Touristen bescheren den Läden gute Umsätze. Da ich Hunger hatte und noch kaum die Hälfte meiner heutigen Strecke gefahren war dachte ich, dass es eine gute Idee sei, nun etwas zu essen. Die Idee war auch gut, nur waren die Preise doppelt so hoh, wie ich es mir gewohnt war. Na ja, Davos ist auch teurer als Landquart...

Auch wenn ich diesen Touristenrummel nicht wirklich mag so muss ich doch sagen, dass San Gimignano wirklich sehr, sehr schön ist. Fast unwirklich schön. Ähnlich, wie ich letztes Jahr Venedig empfand. Man kriegt fast den Eindruck, als sei das alles nur für die Touristen gebaut worden und alle Shop- und Restaurantbetreiber seien Angestellte einer Freizeitpark-AG.

Als ich gegen halb zwei Uhr mittags losfuhr, war es dann richtig heiss und ich lernte die Toskana nocheinmal von der hügeligen Seite kennen. Es war ein stetes auf und ab, zwar nie mehr als etwa 200 Höhenmeter, doch mehrere solche Hügel hintereinander zerren doch ganz schön an den Beinen. Der Abstand zwischen meinen Coca-Cola-Pausen wurde immer kürzer und ich sehnte mir Florenz richtig herbei.

Zum Glück liegt Florenz nur etwa 20 Meter über Meer und so war ich froh, dass wenigstens die letzten zehn Kilometer ziemlich flach waren. Karin hatte mir gestern per Internet ein Zimmer reserviert und trotz hartnäckigem Suchen konnte ich das Hotel Bodoni nicht finden. Ich nutzte dann die modernen Kommunikationsmittel, rief Karin an, welche am PC den Stadtplan vor sich hatte und liess mich von ihr durch die Strassen navigieren. Velofahren und gleichzeitig telefonieren ist hier völlig normal und so kam ich mir schon fast etwas italienisch vor...

Das Hotel Bodoni ist ein klassisches Stadthotel. In einem grossen Stadthaus belegt es die obersten zwei Etagen, weshalb es von der Strasse her auch kaum ersichtlich ist. Ich habe da ein relativ kleines Zimmer, doch es soll ein grosses Frühstücksbuffet geben, dazu bietet es eine grosse Dachterrasse und WLAN-Internet auch im Zimmer. Für 45 Euro pro Nacht kann man durchaus nicht meckern. Mein Velo konnte ich auch in einen abschliessbaren Kellerraum stellen. Soweit ist also alles gut.

Der erlebnisreiche und heisse Tag, in Kombination mit den über 110 Kilometern hat mich müde gemacht. Zudem bin ich jetzt ja so quasi am Ziel. Fast einen Monat zu früh, doch ich bin wirklich bis nach Florenz gekommen. Nach 52 Tagen und 4´970 Kilometern. Ohne eine Panne, ohne grössere Probleme, es lief wirklich alles wie am Schnürchen. Doch war jetzt?

Ich fühlte mich nur noch leer. So leer wie das GPS, auf dem es nun keine Routen mehr gibt, die ich noch abfahren könnte oder müsste. Ich bin zwar da, doch weil Karin ja noch in der Schweiz ist, blieb die Freude des Wiedersehens aus. Ich war einfach nur müde...

Deshalb entschloss ich mich, das Hotel für zwei Nächte zu buchen. So kann ich mich morgen etwas erholen, etwas die Stadt ansehen und die Reststrecke bis nach Haus planen. Das GPS sagt: 112 km., 6:01 Std., 1´810 Hm.

(51) Ein letzter Abstecher ans Meer

Bilder im Fotoalbum (Nr. 830 - 855)

Heute gab es bereits ab sieben Uhr ein gutes Frühstücksbuffet und so war ich schon kurz nach acht Uhr startklar. Geplant war mein letzter Abstecher an die Mittelmeerküste und danach die Fahrt nach "Massa Marittima". Je nach Zeit und Lust würde ich entweder da ein Hotel suchen oder noch etwas weiterfahren.

Die Fahrt an die Küste, nach "Castiglione della Pescaia" war einfach, sehr flach und vermutlich vom Rückenwind begünstigt, denn für die etwa 45 Kilometer brauchte ich kaum zwei Stunden. An der Küste war dann schon einiges los und wie geplant machte ich einen ersten Verpflegungshalt in einer schönen Bar, direkt am Strand. Hier spricht man deutsch, denn die Autos haben vorwiegend Nummernschilder aus Deutschland, Holland und der Schweiz.

Während des Kaffeetrinkens überprüfte ich meine Route am GPS und stellte fest, dass ich wieder einmal einen nur gepunkteten Weg der Küste entlang bis nach "Punta Ala" eingeplant hatte und da am Strand feinster Sand lag, liess ich diese Variante aus. Es hatte sowieso nur wenig Verkehr, so folgte ich lieber der breiten Hauptstrasse bis nach "Puntone", welches nur noch fünf Kilometer von der grösseren Ortschaft "Follonica" entfernt ist.

Von da ging es weiterhin flach ins Landesinnere, wo es ab "Gavorrano" dann langsam anzusteigen begann, bis ich "Massa Marittima" auf 350 Metern über Meer erreichte. Früh losfahren, wenige Pausen und wenige Höhenmeter bedeuten, dass man früh am Ziel ankommt. Es war gerade halb ein Uhr mittags, ideal um auf der Hauptpiazza eine Portion Spagetti zu essen. In Massa Marittima findet ab heute, bis und mit Sonntag, ein Freilicht-Opernfestival statt, weshalb die ganze Piazza bestuhlt war und gerade die Bühne aufgebaut wurde. Es hatte dementsprechend viele Leute und im Touristen-Informationsbüro wurde mir dann auch gesagt, dass alle Hotels ausgebucht seien. Es hiess also weiterfahren.

Zuerst ging es etwa 100 Höhenmeter runter, bevor die Strasse kontinuierlich anzusteigen begann. Die Hügel werden grösser und sind alle fast vollständig bewaldet. So bot die Fahrt zwar viel Schatten, doch auch nur wenig Aussicht. Auf etwa 650 Metern über Meer war dann ein erster Höhepunkt erreicht und ich freute mich schon auf eine schöne Abfahrt, was dann jedoch einer Täuschung entsprach. Die Strasse führte nämlich von Hügel zu Hügel, das heisst, es ging immer wieder etwas runter und dann wieder etwas hoch. Nicht viel, doch stetig und das zerrt dann schon etwas an den Muskeln, die mittlerweile ja auch nicht mehr ganz frisch waren. So machte ich mal mitten im Wald eine Pause und ass etwas halbflüssige Schokolade aus der Seitentasche um mich wieder aufzuzuckern. Das tut auch der Seele gut.

Bei "Larderello" traute ich dann kaum meinen Augen. Ich zählte acht grosse Kühltürme, die ziemlich nach Atomkraftwerken aussahen. Ich machte davon ein Foto und SMS´te es Marcello, der im Vorfeld meiner Tour gesagt hatte, dass Italien keine Atomkraftwerke betreibe. Er überprüfte die Sache im Internet und schrieb mir zurück, dass es sich hier um eines der grössten Wärmekraftwerke Europas handle und dass Italien nach dem Unglück in Tschernobyl in einer Volksabstimmung 1990 den Ausstieg aus der Atomenergie beschloss. Interessant.

Die 100 Kilometermarke lag schon einiges hinter mir und ich wollte mir in einem der folgenden Orte ein Hotel suchen. Der Ort "Pomarance" (lustiger Name), schien mir dazu geeignet. Bei einem Coca-Cola-Halt auf dem Hauptplatz sah ich, dass gleich auf der gegenüberliegenden Seite die Touristeninformation ihr Büro hat. Ausgezeichnet. Nachdem ich leergetrunken und bezahlt hatte, betrat ich das Büro und fragte nach einem Hotelzimmer. Zu Beginn sah es nicht gut aus. Es gibt nur zwei Hotels im Ort, wobei eines Anfang des Jahres geschlossen wurde. Nach einem Telefonanruf beim Übriggebliebenen stellte sich heraus, dass es ausgebucht war.

Zum Glück war die nette Frau ziemlich ehrgeizig und begann Agriturismo-Angebote in der nahen Umgebung abzutelefonieren. Beim dritten Anruf klappte es dann. Sie reservierte mir ein Zimmer im wirklich sehr schönen Haus "Bella Vista".Wie man es sich wünscht, wird das Haus von einer äusserst liebenswerten, vollschlanken Mamma betrieben, welche sich mir sehr nett vorstellte und mir ein wirklich schönes Zimmer inklusive Frühstück für 45 Euro anbot. Aus der Küche duftete es schon sehr gut und ich war froh, dass mich mich auch fragte, ob ich hier zu Abend essen wolle. "Ja, sehr gerne!"

Nun sitze ich auf der sonnigen Aussichtsterrasse, geniesse den Abend bei einem feinen Bierchen und freue mich auf das kommende Essen. Ein weiterer, sehr schöner Tag neigt sich dem Ende zu. Das GPS sagt: 120 km., 5:50 Std., 1´310 Hm.