lang ist's her

Am 5. Januar benutzte ich zum letzten Mal mein SANTA CRUZ Mountainbike... So wunderte es nicht, dass ich vor der heutigen Tour zuerst einmal die Reifen aufpumpen und die Spinnweben vom Lenker entfernen musste. 

Ich war mit Jürg für eine Samstagstour verabredet und freute mich richtig, wieder einmal ein Fahrrad ohne Stützräder zu fahren. Über Nacht hat es etwas geschneit und das Thermometer zeigte nur wenig über Null Grad an. Schutzbleche am Bike und warme Kleider am Mann waren also angesagt. Wir sind dann eine Tour gefahren, von der ich früher gesagt hätte "Standard". Wenn man am letzten Novembertag jedoch erst zum zweiten Mal auf dem Mountainbike sitzt, ist jedoch nichts mehr wirklich Standard. Natürlich kannte ich die Strecke und doch... es ist einfach schon so lange her...

Es war ganz angenehm, dass wir nur zu zweit waren. So hatten wir Zeit um etwas zu plaudern und wohl auch deshalb waren wir nicht allzu schnell unterwegs. Es war ein echter Genuss. Trotz der zunehmend kälter werdenden Füsse. Ja, das habe ich wirklich vermisst. Überhaupt: Ich war dieses Jahr kein einziges Mal in den Bergen... auch das habe ich vermisst. Wobei, es war kein schmerzliches Vermissen sondern einfach die Feststellung, dass ich das früher wirklich oft und gerne gemacht habe und nun in der schönsten Jahreszeit einfach keine Zeit mehr dafür habe. Die Zeiten ändern sich...

schöne Heimattrails

Der Wetterbericht war recht gut und deshalb wollte ich heute eine schöne Bikerunde mit dem Santa Cruz Tallboy fahren. Kurz nach neun Uhr war es noch ziemlich kühl und deshalb startete ich mit Knielingen und mit einem Langarmtrikot auf eine Heimatrunde.

Wie gewohnt fuhr ich via Pfungen zum Irchelturm, wo ich nun schon das dritte Standardfoto seit meiner Rückkehr machen konnte. Danach wählte ich die lange Singletrailvariante entlang der Westflanke des Irchels. Trotz des gestrigen Regens war der Boden recht griffig und die Trails waren gut zu fahren.

Ich hatte Zeit und genoss meine gute Form. Deshalb hängte ich noch ein paar Zusatzhügel an meine Standardrunde. Dabei genoss ich diese wunderbar schöne Umgebung und nahm die ersten Herbstblätter wahr, die nun von den Bäumen zu fallen beginnen. Ja, der Sommer neigt sich dem Ende entgegen und der Herbst streckt seine Fühler aus.

Es hat sich gelohnt, dass ich an den Lenker wieder die Hörnchen montiert habe. Ich nutze diese sehr oft und vor allem im Wiegetritt profitiere ich davon. Das Fully ist sehr bequem und mit der absenkbaren Gabel nun auch gut in steilen Uphills. Ein wirklich tolles Velo! Das GPS sagt: 63 km., 4:30 Std., 1'600 Hm.

Standardsingletrailrunde zu Hause

Es hat doch ein paar Tage gedauert, bis ich mit dem Santa Cruz Tallboy eine Kennenlernrunde unter die Stollen nahm. Das Terrain war gut, das Wetter perfekt und Zeit hatte ich auch. Alles genau richtig!

Mountainbiking ist mit Strassentourenradfahren, so wie ich dies 8 Wochen lang gemacht habe, überhaupt nicht zu vergleichen. Offroad klappt Pulskontrolle sehr schlecht, denn steil berghoch bedeutet halt einfach hoher Puls. Auch Abfahrten fordern. Heute verweigerte ich an allen schwierigen Schlüsselstellen. Mir fehlte der Mut und das Feingefühl, um gleich auf der ersten Tour etwas zu riskieren. Lieber stieg ich ab und schob ein paar Meter. Aber Spass macht die Sache schon sehr. Möglichst wenig Asphalt ist der Wunsch des Tallboy von Santa Cruz. Demgegenüber steht das Kish, welches möglichst viel Asphalt, für schnelle und lange Ausfahrten liebt. Mein Velopark ergänzt sich sehr gut.

Rimini - Montebello

Es gibt hier zwei offiziell ausgeschilderte Mountainbikestrecken und eine davon, die von Rimini, entlang des Flusses Marecchia bis nach Ponte Verruchio und dann hoch zum kleinen Hügelort Montebello, die habe ich mir heute vorgenommen. Dazu nahm ich wie geplant das Santa Cruz Fully aus dem Radkeller.

Es war schon gegen zehn Uhr bis ich losfuhr und ich freute mich auf die ersten zehn flachen Kilometer von Riccione bis nach Rimini. Etwas der Strandpromenade entlangflanieren war genau das das Richtige, nach den Anstrengungen der letzten Tage. Auf der ganzen Strecke sind rechts die Strandbäder und das Meer, sowie links die erste Häuserreihe mit fast ausschliesslich Hotels oder Appartementhäuser. Ich weiss nicht, wie es hier im Sommer zu und her geht, doch die schiere Menge des Angebots lässt den Trubel in etwa erahnen. Zudem wird mir bewusst, dass dies ja nicht nur hier so ist, sondern an sehr vielen Küstenabschnitten von Italien. Abertausende von Strandbädern und Hotels und alle wollen irgendwie überleben. Ich frage mich schon irgendwo, wo all die Touristen herkommen... Es wäre aber wohl nicht so, wenn es nicht funktionieren würde. Es gab viele super geschmückte und verzierte Strandbäder, doch ich wollte unbedingt von der Nummer 29 ein Foto machen (wegen der 29er Geschichte). Leider war Strandbad Nummer 29 dann aber ziemlich schlicht. Hier trotzdem das Bild.

Die "MTB-Piste" bis nach Ponte Verruchio ist dann zwar landschaftlich sehr schön, streckenmässig aber völlig langweilig. Ein breiter, ganz fein geschotterter Radweg, der weniger Schlaglöcher aufwies als manche Strasse hier in der Umgebung. Die Vollfederung des Tallboys gähnte etwas gelangweilt... nach 25 Kilometern hatte ich auch schon 25 Höhenmeter... flach wie eine Langspielplatte.

Dies änderte sich dann ziemlich plötzlich, als der Anstieg zum Montebello anstand. Der Schotter wurde grob, die Piste steil und ausgewaschen. Die etwa 300 Höhenmeter sind auf knappe drei Kilometer verteilt. Ich muss die Gabel absenken, aufs kleine Kettenblatt schalten und auf dem Sattel ganz nach vorne rutschen um alles fahren zu können. Es ist ein dauernder Kampf der eigenen Kraft, der Traktion der Reifen und des Gleichgewichts. Das sieht man auch auf dem Foto. Im Hintergrund kann man San Marino erkennen. Immerhin, das hatte nun was von Mountainbiken. So sind auch "nur" 300 Höhenmeter ziemlich knackig und fordernd. Oben angekommen besichtige ich nur kurz den winzigen Ort Montebello. Es sind etwa 20 Häuser, eine Kirche, ein Turm, ein kleiner Vorplatz, eine Schutzmauer, fertig. Alles super herausgeputzt, es sieht aus wie in einer Fellini-Filmkulisse, irgendwie unwirklich kitschig. Die Aussicht auf die umliegenden Hügel und auf San Marino ist fantastisch. Als ich auf der Rückseite des Hügels auf der offiziellen Strasse abfahre, komme ich an drei grossen Parkplätzen vorbei. Eine Imbisbude (noch zu), ein WC-Häuschen, Picknick-Plätze, das volle Programm. Ich sag's ja: Jetzt ist es super schön und ruhig, doch ich möchte nicht Mitte August hier sein! Da ist der Bär los!

Wenn ich motiviert gewesen wäre, hätte ich noch San Marino in Angriff genommen, doch schon der Satzaufbau verrät, dass dem nicht so war. Zurück in Ponte Verruchio machte ich einen Essenshalt in einer Caffeteria. Ein Sandwich mit Schinken und Käse, dazu ein Bier und danach noch ein Guetsli-Gebäck mit einem Kaffee. Das gibt wieder Saft, doch das ist heute weniger das Problem. Ich sitze irgendwie nicht gut auf dem Sattel, oder die Umstellung vom Kish-Sattel auf den Tallboy-Sattel fällt mir schwer. Auf alle Fälle schmerzt es und deshalb mag ich nicht noch allzu lange weiterfahrenn. Ausserdem kenne ich nur die Strassenstrecke und dafür ist das Kish ganz eindeutig das bessere Bike. Also lieber ein ander Mal.

Ich fahre also die gleiche Piste wieder zurück nach Rimini und da gönne ich mir ein Eis, direkt am Strand. Das Wetter ist nicht mehr ganz so blau wie gestern, gegen Abend ziehen feine, weisse Schleierwolken auf. Eine schöne Tour war es allemal. In den nächsten Tagen soll es ein paar Grad kühler werden, aber immer noch vorwiegend sonnig. Ich werde sehen... Das GPS sagt: 85 km., 4:40 Std., 500 Hm.

Putzaktion

Kurz nach dem Aufstehen zeigte sich für einen kurzen Moment die Sonne, obwohl der Wetterbericht schlecht und der nächste Regenschauer wohl auch nicht weit weg war.

Ich nutzte den Moment um das gestern eingesaute Mountainbike zu putzen. Mit Eimer, Bürste und Schwamm bewaffnet, trat ich dem Dreck entgegen. Ich habe absichtlich vorher-nachher Bilder gemacht, um den Erfolg zu dokumentieren...

TALAS = verstellbarer Federweg

Wie ich in meinem Zwischenbericht nach 100 Stunden Fahrzeit mit dem Santa Cruz Tallboy geschrieben habe, war ich bis anhin mit dem Bergauf-Fahrverhalten meines neuen Bikes noch nicht ganz glücklich. Die lange Federgabel (120mm Federweg) in Kombination mit den kurzen Kettenstreben verlagern das Gewicht weit nach hinten und wenn es nun steil berghoch geht wird das Vorderrad schnell leicht. Ich muss dann jeweils nach vorne auf die Sattelspitze rutschen und mich stark nach vorne lehnen, damit ich diese Stellen meistern kann.

Seit letzten Herbst bietet der Federgabelhersteller FOX nun auch für 29er eine Federgabel mit verstellbarem Federweg an, welche mich natürlich sofort interessierte. Der Haken an der Sache war natürlich der Preis. Ich wollte nicht nach nur einem halben Jahr eine schon teure Federgabel durch eine noch teurere ersetzen und dann die bisherige Gabel mehr schlecht als recht verkaufen. Nach einigen Internet-Recherchen und Gesprächen mit Simon von mainstreet42 zeigte sich dann, dass man meine aktuelle Fox F29 FiT RL zu einer TALAS umbauen kann. Man muss dafür lediglich die Innereien der linken Gabelseite austauschen.

Nachdem ich nun feststellte, dass das Januarloch zum Glück nicht ganz so tief ist, brachte ich das Bike am Dienstag Simon für den Umbau und konnte es heute Abend wieder abholen. Nun bin ich natürlich gespannt, wie sich das auswirkt. Die Reduktion von 120 auf 95 Millimeter Federweg kann während der Fahrt rasch vorgenommen werden. Dafür braucht man nur die fotografierte, blaue Abdeckkappe eine halbe Umdrehung zu drehen und die Gabel taucht dann um 25 Millimeter ein. Somit kommt der Lenker und damit die gesamte Sitzposition mehr nach vorne. Berghochfahren sollte somit einfacher sein. Ich bin gespannt und werde bestimmt wieder darüber berichten.

auf's Hörnli

Um 10 Uhr war ich mit Peter in Uster verabredet um mit ihm eine Tour auf das Hörnli zu fahren. Meine anderen Bikekollegen hatten schon andere Pläne und deshalb waren wir heute nur zu zweit. Peter überlegt sich, ein 29er Mountainbike anzuschaffen und um die Fahreigenschaften etwas genauer abschätzen zu können bat er mich, neben dem Santa Cruz auch das Intense mitzubringen. Damit ihm dies etwas besser passt montierte ich zuhause einen etwas kürzeren Vorbau und er hatte eine passende, gerade Sattelstütze, so dass der Abstand von Sattel zu Lenker für seine Körpergrösse in etwa passt.

Das Wetter war ausgezeichnet und sehr mild für Mitte Januar. Die warmen letzten Wochen haben fast allen Schnee weggeputzt und auch heute sollte das Thermometer auf über 10° Grad klettern. Ideal also für eine solche Bikerunde, auf der der Strassenanteil doch recht hoch ist. Ich habe übrigens kurz geblättert. Vor ziemlich genau drei Jahren sind wir fast die gleich Tour gefahren.

Die letzten Kilometer vor dem höchsten Punkt sind teilweise sehr steil und kräftezehrend. Gerade in diesen Passagen lernte dann Peter einen der 29er Vorteile kennen. Durch die grössere Reifenauflagefläche hat man einfach mehr Traktion und auch das Fahrverhalten bleibt stabiler. Oben angekommen machten wir natürlich ein paar Gipfelfotos, bevor wir uns ins Restaurant begaben um uns zu stärken. Draussen windete es ziemlich stark und auf knapp 1'100 Metern über Meer war es natürlich auch nicht so warm wie im Flachland.

Auf dem Rückweg nahmen wir dann doch noch ein paar Wanderwege in unsere Route auf und so wurden wir und unsere Bikes dann auch entsprechend dreckig. Das hat Spass gemacht und nach ein, zwei kniffligen Passagen war dann Peter vom 29er Feeling doch ziemlich begeistert. Ich denke das braucht nicht mehr lange, bis er sich zum Kauf eines neuen Bikes entscheidet.

Kurz vor Tourende machten wir einen Abstecher zu einer Auto-Waschstelle, wo wir die dreckigen Bikes gleich abspritzen konnten, damit ich danach nicht den ganzen Schmodder im Auto hatte. Peter spendierte zum Tourabschluss noch einen feinen Kaffee und gegen 16 Uhr stieg ich zufrieden ins Auto und machte mich auf den Heimweg. Diese Tour gefällt mir immer wieder. Die etwas über 60 Kilometer und 1'000 Höhenmeter sind ein guter Formtest in einer sehr schönen Umgebung. Ja, das war super. Das GPS sagt: 64 km., 3:44 Std., 1'080 Hm

Ende September

Am späten Nachmittag bin ich doch noch zu einer kurzen Bikerunde gestartet. Vorher habe ich das Santa Cruz auf Winterbereifung umgerüstet. Nun fahre ich hinten einen Schwalbe Nobby Nic in 2,25 und vorne den Kenda Nevegal in 2,2 Zoll Breite, den ich schon letzten Winter am Intense gefahren bin. Hinten fuhr ich ja schon länger wieder mit einem Schlauch im Reifen und heute habe ich nun auch vorne wieder einen Schlauch eingelegt. Das Schlauchlos-mit-Dichtmilch-Experiment ist somit vorerst mal beendet.   Vielleicht versuche ich es im Frühling nocheinmal. Vorne hat es ja tip-top funktioniert. Diese Änderungen haben mein Bike nun fast 600 Gramm schwerer gemacht. Ausserdem rollen die Reifen nicht mehr so leicht wie die zuvor montierten Schwalbe Racing Ralph. Alles in allem erhöht es also den Trainingseffekt.   ;-)

Obwohl es lauter und schwerer rollt, hat die Runde auf meinen Standardsingletrails die Richtigkeit dieser Aktion bestätigt. Der Grip am Vorderrad ist um Welten besser und hinten merke ich vor allem, dass der Reifen ein deutlich besseres Bremsverhalten hat, als der Racing Ralph mit seinen Minimalstollen. Vor allem in der feucht-kalten Herbst- und Winterzeit bietet diese Reifenkombination deutliche Vorteile. Trotzdem mag ich die rasenden Rälphe und ich kann mir gut vorstellen,   im nächsten Frühling wieder Schwalbe-Reifen aufzuziehen. Der Tacho sagt: 31 km. 2:12 Std. 860 Hm.

Am Abend habe ich dann meine Aktivitäts-Statistik nachgeführt und hier abgespeichert. Mit dem Monat September bin ich sehr zufrieden. Über 660 Kilometer auf dem Velo, das schaffte ich noch nie in einem September. Die durchschnittliche Aktivitätsdauer liegt mit einer Stunde und 37 Minuten Bewegung am Tag ziemlich genau im Jahresschnitt. Soweit also alles super!

Im Oktober werden wohl gleich zwei magische Werte überschritten. Einerseits werde ich den 5'000sten Velokilometer im laufenden Jahr verbuchen und das angestrebte Ziel von 100'000 Höhenmetern wird auch schon bald fallen. Sehr gut.

mal wieder: Lägern Hochwacht

Ich bin heute zeitig aufgestanden, denn ich wollte einen grossen Teil des Tages für eine Bikerunde nutzen. Abends stand noch ein geschäftlicher Termin auf dem Programm und dazwischen sollte ich mal noch Lebensmittel einkaufen. Keine Zeit also um bis nach neun Uhr liegen zu bleiben...

Nach einem ausgedehnten Zeitungs-Frühstück zog ich mich um und machte mich abfahrfertig, um 09:17 Ur startete ich die Aufzeichnung am GPS. Es war noch ziemlich kühl und deshalb fuhr ich mit Knielingen und einer leichten Jacke, was durchaus angebracht war.

Wie schon öfters dieses Jahr entschied ich mich für die Rheinufer-Wanderwege. Moment, ich suche kurz. Ja. Hier! Am 25. Mai bin ich praktisch die gleiche Tour gefahren. Eine eher lange, denn schwere Bikerunde, die aber vieles zu bieten hat. Vor allem bietet sie an einem unbedeutenden Donnerstagmorgen durchaus auch Ruhe und Einsamkeit.

Bei der Tössegg, wo die Töss in den Rhein fliesst, machte ich dann die ersten Fotos. Einige Schwäne schwammen Tössaufwärts und suchten nach Futter. Als ich das Bike ansah, fielen mir die Tau-Tropfen auf, die von den Reifen hochgeschleudert wurden und nun wie kleine Diamanten in der Sonne glitzern... Deshalb dieses Bild des Tages. Generell finde ich die orange Farbe und die fliessende Rahmenform schon ziemlich SEXY!

Auf der Lägern-Hochwacht machte ich dann ein Selbstauslöserfoto, welches belichtungsmässig jedoch nicht so der Hit ist. Deshalb versuchte ich noch ein Selbstportrait mit Blitz... Na ja, ich bin halt nicht schöner... links von mir die Kugel der Flugraumüberwachung vom Flughafen Zürich.

Ich nahm es gemütlich und gönnte mir auf dem Heimweg noch eine Kaffepause mit Kuchen. Wiedereinmal bei der Imbisbude am Pistenende bei Oberglatt. Alles war war wie gewohnt. Meine Welt ist noch gleich wie vor den Ferien. Schön, das mag ich. Das GPS sagt: 65 km., 3:45 Std., 1'220 Hm

Seblengrat

Um es gleich vorneweg zu nehmen: Glarner sind beinharte Typen! Was für viele Biker als unfahrbar gilt, ist für Glarner immer noch ein schwarz gepunkteter Trail. Doch schön der Reihe nach.  

Ich war wie geplant sehr früh unterwegs und wie man an der GPS-Aufzeichnung ablesen kann, startete ich schon um 07:41 Uhr beim Bahnhof Schwanden, im Kanton Glarus. Ich bin die rote Linie im Uhrzeigersinn gefahren. Anfangs war es mit 15° Grad noch ziemlich frisch, doch der wolkenlose Himmel kündigte einen schönen Sommertag an.

Die etwa 10 Kilometer bis nach Linthal steigen nur ganz leicht an und sind ideal um etwas einzurollen. Es gibt einen meist asphaltierten Radweg, welchen ich vor drei Wochen auf der Klausen-Pragel-Strassentour in die entgegengesetzte Richtung fuhr, doch ich hatte in der Karte gesehen, dass direkt entlang der Linth ein Wanderweg angelegt ist und mit dem Mountainbike wollte ich natürlich da entlang fahren. Das war eine super Idee. Wunderschön führt der Weg immer direkt am Wasser nach hinten ins Tal und ehe man sichst versieht, ist man schon am Fusse der Klausenpassstrasse.

Es folgen 600 Höhenmeter auf etwa acht Kilometer direkt auf der Passstrasse und ich bin froh, dass nur wenig Fahrzeuge unterwegs sind. Kurz vor Urnerboden zweigt dann eine kleine Nebenstarsse ab. Nebst vielen Wanderwegweiser ist da auch gut sichtbar ein Bikeschild. Strecke Nr.7. Da bin ich richtig. Die Strasse wird immer steiler, ich schalte auf das kleine 20er Kettenblatt und kurble die knapp dreihundert Höhenmeter bis zum ersten Bergpreis des Tages eher gemütlich hoch. Die Morgensonne knallt richtig an den Hang und ich bin wirklich froh, so früh unterwegs zu sein. Dann folgt ein erster schwarz gepunkteter Downhill. Was auf den ersten Metern noch gemütlich beginnt, wird unvermittelt sehr steil und steinig. Ausserdem ist der Weg enorm von Kühen zertreten und hat teils tiefe Löcher. Ich musste anhalten und den Sattel absenken um etwas mehr Bewegungsfreiheit und Sicherheit zu erhalten. Ja, nicht schlecht der Weg! Das war doch schon mal was. Vor der Hauptsteigung des Tages wollte ich in Braunwald eine Pause einlegen und schon von weit her sah ich die schöne Aussichtsterasse des Hotels Tödiblick. Ideal. Ich setze mich in den Schatten und bestelle ein zwei Rivella. Dazu esse ich ein Gipfeli und geniesse die tolle Aussicht. Quizfrage: Wie heisst der Berg im Hintergrund?

Die ersten 1'000 Höhenmeter waren geschafft und ich wusste, dass nun der schwere Teil noch kommen wird. Von Braunwald bis zur Bergstation auf dem kleinen Gumen sind es etwas über 500 Höhenmeter, alles auf kleinen Schotterwegen. Zwar steil, doch durchwegs fahrbar. Von der Bergstation weg, bis zum Höhepunkt des Tages, dem Seblergrat sind es dann noch etwa 100 Höhenmeter, die ich fast vollständig schieben muss. Es ist einfach zu steil und zu ausgesetzt. Als ich dann direkt am Seblergrat stand musste ich natürlich ein Gipfel-Foto machen. Schon während des fotografierens fragte ich mich, wie es denn dahinter weitergehen wird, denn irgendwie blickte man in ein leeres Nichts und dann bereits wieder an die Felswände des Glärnischmassivs. Geht man ein paar Schritte weiter und blickt nach rechts, kann man sich den weiteren Tourenverlauf vorstellen. Ich habe dafür eine rote Linie in das Foto gezeichnet. Es geht gleich furchtbar steil bergrunter und Steinstufen wechseln sich mit tiefen Kuhtritten ab. Heftig. Ich muss ein paar Mal absteigen, einmal davon unfreiwillig. In einer tiefen Wanderwegrinne bin ich mit dem Pedal an einer Wurzel hängengelieben, worauf das Bike unvermittelt stehen blieb und ich mich nicht oben halten konnte. Ein langsamer Überschlag ohne Bike nach links war die Folge. Zum Glück traf ich einen Busch mit Alpenrosen und nicht einen grossen Stein. Es war nichts passiert und ich konnte gleich weiterfahren.

Kurz vor dem Oberblegisee, da wo das Profil von bergab nach bergauf wechselt, kam ich an einer schmucken Alphütte mit Bewirtung vorbei. Es sassen bereits ein paar Wanderer unter den Sonnenschirmen und da es mittlerweile schon nach zwölf Uhr war, nutzte ich den Moment für eine längere Pause. Ich bestellte mir einen Glarner-Hirsch-Salsiz mit Brot und trank dazu 1 1/2 Liter Mineralwasser.

Mir war schon aufgefallen, dass der offizielle Bikeweg hier talwärts nach Luchsingen führt, doch ich hatte ja noch weitere Pläne. Ich wollte am Oberblegisee vorbei hoch bis zum Leuggelstock, wieder etwas runter und dann bis zum oberen Guppen. Dabei stellte ich fest,dass meine Einschätzung vom Seblergrat gestimmt hatte. Das war unfahrbar. Das heisst: Bis zum Oberblegisee konnte ich noch abschnittsweise fahren, dann war schieben und später auch tragen angesagt. Lange und heftig! Eineinhalb Stunden schieben und tragen, mittags von 13 bis etwa 14:30 Uhr, ohne Schatten, ohne Wind. Das fand ich hart (was man mir wohl auch ansieht). Das Bild rechts ist ein Blick zurück, vom Leuggelstock über den Oberblegisee zum Seblengrat. Noch härter fand ich dann jedoch die Tatsache, dass ich auch die ersten etwa 100 Höhenmeter bergrunter das Bike tragen musste. Hier fragte ich mich dann, wer auf die Idee gekommen ist, diesen Weg in der Swiss Singletrail Map einzuzeichnen. Ein Wanderer? Sicher gibt es technisch bessere Biker als mich, doch unter einer Stunde schieben/tragen, kommt da auch ein Crack nicht weg. Wie auch immer. Endlich folgte der Schlussdownhill, auf dem 900 Höhenmeter innert vier Kilometer vernichtet werden, was theoretischen 25% Gefälle entspricht. Also richtig steil und demzufolge fast permanent auf der Bremse.

Die Scheibenbremsen begannen zu glühen und zu quitschen und ich glaube, dass auch das Öl in den Federelementen kräftig warm gekriegt hat, doch es hat alles tip-top gehalten. Fast alles, denn irgendwann hatte ich das Gefühl, hinten Luft zu verlieren. Ich habe angehalten und tatsächlich, da war vielleicht noch etwa 1 bar drin, mehr nicht. Ich drehte das Rad und sah, wie an einer Stelle der Reifenflanke, die Dichtflüssigkeit nach aussen drückt und Blasen bildet. (Simon hat mich davor gewarnt. Der Racing Ralph Reifen hat papierdünne Seitenwände und schrammt man damit an einem scharfkantigen Stein entlang, gibt es schon mal Plattfüsse). Einem Schlauch hätte das vermutlich nichts ausgemacht. Ich überlegte, was ich tun konnte. Soll ich gleich den Reifen öffnen und einen Reserveschlauch montieren oder soll ich erst einmal nachpumpen und schauen, wie lange es hält? Eigentlich sollte die Dichtmilch das Loch verschliessen können (wünsche ich mir). Ich pumpe also kurz nach und fahre weiter. Das klappt recht gut und erst am Fusse des Downhills pumpe ich ein zweites Mal. Das hält dann locker noch bis zum Auto.

Kurz vor halb vier Uhr bin ich dann zurück beim Auto. Ich war gesamthaft sechseinhalb Stunden unterwegs, wovon das GPS fünfeinhalb Stunden Bewegung registrierte. Ich denke mir, dass ich etwa dreieinhalb Stunden fahren konnte und fast zwei Stunden geschoben und getragen habe... Dieser hohe Schiebe-Anteil führt dazu, dass ich diese Tour wohl kaum wiederholen werde. Bis zum Seblengrat ist die Tour wirklich sensationell schön und empfehlenswert. Danach sollte man besser auf der offiziell ausgeschilderten Bikestrecke bleiben. Die Variante Leuggelstock oberer Guppen lässt man besser sein. Landschafts- und Panoramamässig hat diese Tour aber wirklich die Note 1A verdient. Das GPS sagt: 49 km., 5:42 Std., 2'200 Hm.

Noch ein paar Worte zum Tallboy. Berghoch auf Asphalt fährt es sich super. Auf der Passstrasse hatte ich Dämper und Gabel blockiert und konnte so recht effizient hochkurbeln. Extreme Singletrail-Steigungen, wo ich die kleinsten Gänge fahre, sind nicht so der Hit. Das Vorderrad will deutlich rascher abheben, als am Spider29. Ich muss zudem ganz kosequent nach vorne auf die Sattelspitze rutschen, sonst bin ich einfach zu hecklastig und so lassen sich zum Beispiel Serpentinenkehren berghoch fast nicht bewältigen. Wie gesagt. Es ist nicht schlecht, doch ich muss mich daran gewöhnen. Bergrunter fährt es sich dafür wirklich sicherer als das Intense. Dabei merke ich vor allem die deutlich steifere Front. Das Tallboy-Vorderrad lässt sich punktgenau steuern und auch beim starken Bremsen oder in engen Bergab-Sepentinen verwindet sich nichts. Das ist wirklich ein Unterschied. Wäre also noch das Schlauchlos-Thema. Hmm... Was soll ich sagen? Eigentlich finde ich schlauchlos gut, doch der Racing Ralph Reifen ist dafür weder gebaut, noch sonderlich geeignet. Ich muss morgen mal schauen, wie ich das wieder richtig dicht kriege.