vor 1 Jahr

Vor einem Jahr startete ich meine Sommerreise 2011, in den Süden von Italien und wieder zurück. Es war eine bewusste Auszeit aus meinem bisherigen Leben und ein kleines, kontrolliertes Abenteuer. Es sollte mir Raum geben um mich später beruflich neu zu positionieren und so quasi den Start in meine zweite Lebenshäfte einläuten.

In den nächsten zwei Monaten werde ich wohl öfters in der linken Seitenleiste einen Tagesbeitrag anklicken und mich gerne an die gemachten Erlebnisse zurückerinnern. Es war eine schöne, sorgenfreie Zeit...

Doch das Leben besteht ja nicht nur aus Ferien und eine Auszeit bedingt irgendwann einen Wiedereintritt in die Arbeitswelt. Auf keinen Fall wollte ich wieder zurück in die Telekommunikation. Keine Grossfirma mehr und kein acht Stunden Bürojob. Über zwanzig Jahre lang fühlte ich mich beruflich unwohl, doch ich brauchte das Geld. Es war der einfachste Weg um mit geringem Aufwand eine angenehme Summe zu verdienen, die es mir in der Freizeit ermöglichte das berufliche Unbehagen zu kompensieren. Und so wusste ich zwar was ich nicht mehr wollte, was ich aber wirklich will, das wusste ich damals nicht und auch heute weiss ich das nicht wirklich. Ich bin nun am Versuchen, am Ausprobieren.

Die gestartete Rikschageschichte ist nun ein erster ernsthafter Versuch. Natürlich habe ich mir die Sache einfacher und erfüllender vorgestellt als es sich mir bisher zeigt, doch der Versuch dauert noch mindestens bis zum Herbst. Eine Sommersaison lang will ich das schon durchziehen, bevor ich resümiere. In der Zwischenzeit ist mir aber schon ziemlich klar geworden, dass das Rikschageschäft unter 15° Grad Aussentemperatur nicht funktioniert, sprich im Winterhalbjahr muss ich irgenwie sonst Geld für meinen Lebensunterhalt verdienen. Sollte ich beim Rikschathema bleiben, wird mein Arbeitsjahr also noch einen Zweitjob benötigen und das zwingt mich natürlich, bald schon wieder darüber nachzudenken, wo und wie ich meinen nächsten Versuch starten werde...

Es ist mir schon bewusst, weshalb ich so lange im ungeliebten Bürojob geblieben bin. Es war so einfach und so komfortabel. Mit voller Hose lässt sich gut stinken... Vor einem Jahr habe ich mich aber aus dieser klimatisierten Komfortzone verabschiedet und nun stehe ich im Wind. Das braucht Kraft... und ich werde ja auch nicht jünger...

Ich bin nicht enttäuscht über den Stand der Dinge. Es wäre ja zu einfach gewesen, wenn der erste Versuch gleich zum Volltreffer wird. Es ist ein Schritt. Ein Schritt der Annäherung an mich selbst. Und das ist ja vor allem wichtig. Ich will nicht aufgeben meinen Weg zu suchen. Vielleicht -oder hoffentlich- stellt sich irgendwann das Gefühl ein angekommen zu sein. Das wäre schön. So komplex wie ich innerlich jedoch funktioniere, werde ich wohl noch ein paar Versuche benötigen um all die Knoten aufzulösen... ich bleibe dran!

Geduld

Das Wetter will einfach nicht wirklich besser werden. Noch immer ist eher April- als Maiwetter. Am Montag war es noch knapp 18° Grad, heute kaum mehr 15 und morgen soll es dann regnen bei noch etwa 10° Grad. Wahrlich, für ein sonniges Rikschavergnügen braucht es noch immer Geduld...

Um meine Eigenwerbung etwas zu verbessern liess ich den Touristen-Tourenplan auf einen 85x55cm grossen Aufkleber drucken, den ich auf das Polster der Rückenlehne aufbrachte (Tagesbild). Zudem fuhr ich heute wieder einige Hotels an um Flyer zu verteilen. Ich bemühe mich wirklich, um das Geschäft anzukurbeln. Das Wetter kann ich aber nicht beeinflussen...

Zeitweise zweifle ich schon etwas... Es gibt nichts geschenkt... Bisher verkauft sich weder die Werbefläche wirklich gut, noch gibt es viele Leute, die in Zürich spontan Rikscha fahren wollen und auch die Resonanz auf die mittlerweile über 1'000 verteile Flyer ist sehr bescheiden. Da könnte man schon ins Grübeln geraten.

Auch wenn es mir nicht immer leicht fällt, so will ich mir dieses Grübeln aber etwas verbieten. Nachdenken was ich besser machen kann ist o.k., doch frustriert zu sein liegt nicht drin. Es ist einfach noch nicht an der Zeit um irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Ein harziger Start ist noch kein Misserfolg. Ich brauche Geduld. Mindestens bis Ende September will ich mir und meinem Rikscha-Projekt Zeit geben. Erst nach einem vollständigen Sommer kann ich die Sache erst wirklich beurteilen. Anfang Oktober sind zwei Wochen Ferien geplant und dann -am Strand- werde ich etwas Distanz kriegen und dann erlaube ich mir auch Schlüsse zu ziehen. Bis dahin muss ich positiv bleiben und mich in Geduld üben.

freier Mittwoch

Heute ist es ziemlich regnerisch und deshalb bleibe ich zu Hause und fahre nicht mit der Rikscha durch Zürich. Das tut mir bestimmt gut, denn gestern war einer dieser berüchtigten Dienstage. Berüchtigt deshalb, weil seit Beginn meiner Rikschazeit immer die Dienstage die schwächsten Tage sind. Irgendwie will an einem Dienstag einfach niemand Rikscha fahren. Wieso dass es Dienstage und nicht Montage sind, weiss ich nicht...

Das wird zusehens zu einer Nervensache. Ich muss mich davor hüten, nicht schon von vorneherein Dienstage als schlechte Tage zu betrachten. Somit würde ich keine positiven Signale aussenden und damit wohl auch keine unentschlossenen Kunden gewinnen können. Denn davon bin ich überzeugt: Wenn jemand zwar interessiert aber noch unentschlossen ist, so lässt er sich oftmals vom Gefühl leiten und wenn seine Gefühlsantennen von mir nicht positive und einladende Impulse empfangen, so sieht er davon ab und geht weiter. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass ich auch in schwierigen Phasen offen und positiv bleibe.

Das ist wirklich ein grosser Unterschied zu meinem früheren Bürojob. Da konnte ich mich an einem schlechten Tag hinter meinem Monitor verkriechen und und mental den Tag abstreichen. Abends verdiente ich dann ganz genau gleich viel, wie wenn es ein guter, positiver Tag gewesen wäre. Nun, bei einem Arbeitstag in der Öffentlichkeit, unter steter Beobachtung und angewiesen auf positives Kundenfeedback ist das ganz anders. Da sollte ich auch dann noch Zuversicht und Freude ausstrahlen, wenn ich schon stundenlang ohne Kunde war und mich eigentlich eher etwas gefrustet und niedergeschlagen fühle. Das braucht richtig Energie und mentale Anstrengung. Gerade deshalb schadet es nicht, wenn es heute Montag regnet. Ich kann meine Batterien wieder aufladen und morgen wieder frohen Mutes ans Werk gehen. Zudem verspricht der Wetterbericht sönnige und warme Tage... Sehr gut!

erste Erfahrungen und Demut

Heute Samstag beendete ich meine erste Arbeitswoche als Bike Butler Beat. Obwohl... es war ja nur eine 4-Tage-Woche und und nicht eine 5-Tage, wie eigentlich geplant. Am Mittwochabend war ich dermassen platt, dass ich am Donnerstag zu Hause blieb um mich zu erholen. Nächste Woche will ich dann wirklich fünf Tage, von Dienstag bis und mit Samstag, durchziehen. Der Wetterbericht dafür passt auch ganz gut.

Ich habe in dieser Woche viele neue Eindrücke gewonnen und durch den Umstand, dass man beim Rikschafahren nicht allzuviel studieren muss, hatte ich auch genügend Zeit um diese Eindrücke zu verarbeiten und daraus auch erste Schlüsse zu ziehen. So werde ich zum Beispiel ein Schild für vorne am Lenker basteln, welches gross die Aufschrift TAXI trägt. Ich kriegte nämlich oftmals den Eindruck, dass viele Leute gar nicht erkennen, dass Sie mitfahren könnten. Vermutlich werde ich oft als reines Werbefahrzeug wahrgenommen. Das verbale Anpreisen (siehe letzter Beitrag) konnte ich mir noch nicht angewöhnen und irgendwie habe ich da schon eine Hemmschwelle. Ich mag generell lieber das Leise und weniger das Laute. Deshalb veruche ich als nächsten Schritt das TAXI-Schild.

Interessant waren all die Begegnungen mit Menschen. Einerseits mit den Beobachtern, aber hauptsächlich natürlich mit den Fahrgästen. Mehr als die Hälfte erzählte mir, dass Sie bereits in Berlin, London oder Paris Rikscha gefahren sind und dass sie es toll finden, dass es dies nun auch in Zürich gibt (deshalb erkannten Sie den Sinn und Zweck meines Fahrzeugs auch sofort). Natürlich sind die Fahrgäste das Salz in der Suppe. Nicht nur weil Sie ja letztendlich mein Leben finanzieren, sondern weil jeder und jede auch etwas zu erzählen hat. Weil sich alle über die lächelnden Reaktionen der Beobachter freuen und weil wirklich alle die Fahrt als etwas Besonderes erlebten. Das ist wirklich sehr schön für mich. Das Gefühl, fremden Menschen zu einem besonderen Erlebnis zu verhelfen, macht mich glücklich.

Noch fahre ich jedoch die allermeiste Zeit alleine durch die Gegend. Über die Gründe will ich mich nicht noch einmal äussern. Ich bin eher zu der Ansicht gelangt, dass mein Vorhaben vergleichbar mit einem Bauern ist, der ein Feld bestellt. Momentan beackere ich den Boden. Damit meine ich, ich zeige mich und mache die Menschen in der Innenstadt mit dem Anblick meiner Rikscha und meinem Angebot vertraut. Sobald die Werbeflyer gedruckt sind (spätestens in zwei Wochen), beginnt das aussäen. Ich werde dann in erster Priorität Hotels und Altersheime abfahren und möglichst viele Flyer unters Volk bringen. Natürlich versende ich auch viele dieser Flyer an fast alle Leute die ich kenne. Ausserdem lasse ich meinen Internetauftritt professionell gestalten, damit auch der Betriebskalender benutzerfreundlich wird und Gutscheine direkt über Internet bestellt, bezahlt und ausgedruckt werden können. Und dann hoffe ich natürlich, dass im Sommer, wenn es schön und heiss ist, die Saat aufzugehen beginnt und ich dann auch langsam zu ernten beginnen kann.

Das alles verstehe ich als einen Prozess und der geht nicht von jetzt auf sofort. Dieses Verständnis schützt mich auch vor leise aufkeimender Enttäuschung, dass derzeit rein monetär noch nicht viel läuft. Alles braucht seine Zeit. Jetzt bin ich am investieren, am aufbauen, noch nicht am ernten. So lernte ich diese Woche halt auch, dass mein Körper Zeit braucht um sich an die Belastung zu gewöhnen. Eine 95 Kilo schwere Rikscha jeden Tag an die fünf Stunden zu bewegen braucht Kraft und Training. Deshalb ist es wirklich gut, dass ich schon jetzt damit begonnen habe. Bis das schöne, warme Wetter kommt, bin ich auch wirklich fit genug.

Alles in allem ist dieses ganze Rikscha-Taxi-Projekt eine wunderbare Übung in Demut. Ich muss dran bleiben und darf mein freundliches Lächeln nicht verlieren. Auch darf ich mich von den (wenigen) Spöttern nicht beeindrucken lassen, denn für die bin ich nicht verantwortlich. Ob mich die Leute nun anlächeln oder auslachen, ob ich mich in ihren Augen zum Clown mache oder nicht, das tangiert mich innerlich nicht. Die Idee ist gut, sie überzeugt mich noch immer und ich bin nach wie vor überzeugt, dass sich die ganze Geschichte für mich selbst -in welcher Form auch immer- bezahlt machen wird. Ich erinnerte mich während meiner Stadtfahrten auch an ein Gandhi-Zitat: "Erst ignorieren sie Dich, dann lachen sie über Dich, dann bekämpfen sie Dich, doch dann hast Du schon gewonnen". Weise Worte!

mein neues Arbeitsgerät

Dieses Wochenende waren wir in München um meine Velo-Rikscha abzuholen. Natürlich absolvierten wir auch eine Testfahrt, die jedoch angesichts der Temperatur von -12° Grad nicht sehr ausgedehnt war. Klar ist, dass sich ein Drei-Spur-Fahrrad ganz anders verhält als ein normales Ein-Spur-Fahrrad und dass über 250 Kilo Gesamtgewicht doch ziemlich in die Beine gehen. Alles in allem war ich dann aber doch davon überzeugt, dass man ein solches Vehikel auch in Zürich bewegen kann. Wirklich positiv überrascht hat mich der Sitz- und Fahrkomfort für die Gäste. Die Sitzbank ist bequem, der Aufbau ist mit Gummiblöcken gepuffert und die dicken Reifen bieten zusätzliche Dämpfung. Somit holpert es auch über Kopfsteinpflaster nur sehr wenig. Ja, für die Fahrgäste ist es wirklich angenehm, was ja die Hauptsache ist.

Lustigerweise war das Rikscha-Mobil mit Rivella-Werbung versehen, was natürlich sehr gut für einen Schweizer wie mich passt. Die angebrachte Werbung ist nur als Beispiel zu verstehen. Es dient einfach dazu, die Machart nachvollziehen zu können, damit ich meinen zukünftigen Werbepartnern einen Eindruck der Möglichkeiten geben kann. Für den geplanten Betriebsstart im März werde ich ein eigenes Design entwickeln und drucken lassen, um meinen Velotaxi- und Sightseeing-Service zu bewerben. Zusätzlich möchte ich noch ein "Hochzeits-Design" anfertigen um spezielle Hochzeitsfahrten anbieten zu können. Es geht also einen Schritt weiter...

schwierige Freiheit

Mein Berufsberater sagte während der Standortbestimmung einmal: "Sie verfügen über viele und grosse Freiheiten! So etwas gibt es heute, und in diesem Alter, nur noch ganz selten. Sind Sie sich dessen bewusst!"

Freiheit macht aber auch Angst, denn Freiheit bedeutet, auf das Unbekannte zugehen. Unsicheren Boden zu betreten. Wir alle sagen zwar, dass wir frei und glücklich sein wollen, doch wenn es darauf ankommt, dann entscheiden wir uns meist doch für die Unfreiheit, für das Bekannte und Bequeme. Lieber fühlen wir uns unfrei aber sicher, als unsicher. Lieber wissen wir was wir haben, als was oder wer wir sind. Denn irgendwie haben wir Angst, dass von uns am Schluss nicht mehr übrig bleiben wird, als ein warmer Furz.

Und wenn wir schon bei Fürzen sind. Sind wir ehrlich: Es furzt sich halt schon angenehmer und stilvoller in Satinbettwäsche, als in eine kratzige Wolldecke...

Seit Mai 2011 bin ich beruflich befreit, doch so langsam neigt sich mein Geldvorrat dem Ende entgegen und mein "dolce vita" wird ein Ende finden. Um auch zukünftig weiter in die Satinbettwäsche furzen zu können, muss ich demnächst wieder Einkommen generieren. Ab 4'000 Franken pro Monat sollten es schon sein. Das ist meine finanzielle Anforderung an meinen neuen Job.

Das sollte möglich sein, denn im Grundsatz bin ich davon überzeugt, dass in Zürich ein emissionsfreies Velotaxi Erfolg haben kann. Wenn so etwas in New York, in London, Berlin und München funktioniert, warum sollte es in Zürich nicht auch funktionieren? Zürich ist schön gelegen, ist eine reiche Stadt, die von vielen gut betuchten Touristen besucht wird. Der gelebte Wohlstand, der saubere Zürichsee, die frische Luft, die schöne Stadt und die nahen Berge, dies alles bietet viel Potential.

Die ganz grosse Unsicherheit besteht einfach darin, dass ich nicht weiss, wie realistisch es überhaupt ist, in Zürich ein Fahrrad mit über 300 Kilo Last zu bewegen. Zürich ist nicht flach! Es werden wohl rasch Steigungen folgen, die einfach nicht machbar sind. Das Velotaxi muss zudem per se etwas schneller vorwärtskommen als normale Fussgänger, sonst hat es keine wirkliche Berechtigung. Ob das so funktioniert, muss ich herausfinden. Anders geht es nicht.

Und da ist es wieder... dieses mulmige Gefühl... Unsicherheit... Freiheit.

Was mir wirklich hilft ist die Feststellung, dass ich mit der Velo-Rikscha-Geschichte auf ein Thema gestossen bin, welches mich zunehmend fasziniert und motiviert. Es wird zu einer Herzensangelegenheit und das ist gut so. Es hilft mir Entscheidungen zu treffen.

So entwickelt sich meine "Freiheit von" nun langsam zu einer "Freiheit zu". Ich entwickle mich vorwärts und werde aktiv.

auftauchen

Es wird mal Zeit, dass hier wieder etwas Leben in die Bude kommt! Über drei Wochen gab es keinen Blogbeitrag, obwohl das Leben doch so prall gefüllt war. Mit einer Fondue-Bike-Tour oder der Silvesterfeier in Zürich, oder dem gediegenen Jahresanfang, dann eine Erkältung, und, und, und.

Und natürlich bin ich auch in mich gegangen...

Und nun tauche ich wieder auf und gebäre eine kleine Maus.

Die Gespräche zur Standortbestimmung und Laufbahnberatung haben gezeigt, dass es Zeit für einen Neuanfang ist. Für die technokratische Arbeitswelt der coolen Jobs und geilen Einkommen bin ich ausgeschieden. Das könnte ich vielleicht noch, doch ich will es nicht mehr. Während der 2-jährigen Vitaltrainerausbildung musste ich zudem feststellen, dass mir das Helfer-Gen wohl doch irgendwie fehlt und dass es mich nicht wirklich zu sozialen Berufen hinzieht. Soviel zum Thema Standortbestimmung.

Jeder Laufbahnberater empfielt dann, über eigene Fähigkeiten, Stärken und Neigungen nachzudenken und den wirklichen und ganz eigenen Freuden des Lebens auf den Grund zu gehen. Daraus schöpfe man die Kraft, sich für "das Richtige" zu entscheiden.

Eh bien... Ich fahre gerne Velo und ich mag die Stadt Zürich. Ich bin im Geiste ein einfacher Unternehmer, kein grosser Manager, doch auch nicht ein Angestellter. Ich will mehr frische Luft und würde auch gerne draussen arbeiten. Mir stinken Autos, ich stehe auf alternative Energie, auf green Power und bin da ganz der Velofreak. Nichts wird effizienter bewegt als mit einem normalen Fahrrad!

Und so kam ich auf die Idee, eine Velo-Rikscha für Touristen und Einheimische in Zürich anzubieten. Das ist sie nun, die kleine Maus. Ein ganz kleines, lokales Gewerbe, das vor allem durch mich selbst bestimmt wird. Solange ich fahre, solange funktioniert es! Ganz einfach.

Auf meiner zweiten Domaine, auf www.bbbeat.ch, versuchte ich dann einen ersten Wurf für einen Internetauftritt. Der Ausdruck "aFahrt" ist noch ein Arbeitstitel, das überzeugt mich noch nicht wirklich, doch die Ideen zu aFahrt und die Verfügbarkeit der Domaine finde ich reizvoll.

Das war es vorerst einmal.

ich weiss schon...

... ich lass es seit meiner Sommerreise hier im Blog ziemlich schleifen.

... es wäre interessant zu wissen, wie sich meine berufliche Situation entwickelt.

...

Soviel zur Erklärung: Ich befinde mich erst kurz nach der Standortbestimmung. Ich weiss nun was ich kann (und was nicht), was mich anspricht und motiviert und welche Branchen oder Themen mich ansprechen. Derzeit verschaffe ich mir einen Überblick über die realen Berufsfelder, die in etwa auf mein Wunsch-Profil passen. Es ist momentan also eine Art Brainstorming über Möglichkeiten. Dabei ist es mir wichtig, mich in der realen Welt auszutauschen und Informationen im echten Leben zu sammeln. Natürlich passt mein aktueller Bildungs- und Fähigkeiten-Rucksack nicht mit meinen Wunschvorstellungen über meine zukünftige Tätigkeit überein (denn sonst würde ich ja wieder das Gleiche tun wollen, wie bisher). Ich muss mich also bei jedem neuen Berufsfeld auch fragen, wie ich da hinkommen kann, was mich das an Zeit und Geld kostet und somit auch, wie realistisch die Sache ist. So interessiert mich PC und Internet derzeit eigentlich nur als Arbeitswerkzeug und zur Informationsbeschaffung. Im Blog über einzelne Ideen schreiben, die man später vielleicht belächelt und hinterfragt, das möchte ich nicht.

in sich gehen

Ursprünglich war die Idee meiner Sommereise ja doppeldeutig. Erstens wollte ich mal über längere Zeit alleine Rad fahren und zweitens wollte ich mir auch Zeit nehmen um über mich, meine Lebenssituation und meine Zukunft nachzudenken. Während der Reise ist jedoch der zweite Aspekt völlig untergegangen. Nicht dass ich dies nicht bemerkt hätte, doch ich hatte einfach nie die Ruhe und Gelassenheit um irgendwo einmal etwas länger zu bleiben und von physischer auf psychische Aktivität umzustellen. Es ist halt viel einfacher, einem physisch immer gleichen Trott zu folgen, als sich quasi auf das Nichts einzulassen.

Hinzu kommt, dass Velo fahren an sich so ziemlich keine geistigen Anforderungen stellt und man während des Pedalierens viel Zeit hat um Gedanken nachzuhängen. Ich redete mir also ein, dass ich so quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlage. Ich fahre und gehe gleichzeitig in mich. Was natürlich Quatsch ist und so in der Realität nicht funktioniert. Auch wenn Velo fahren nur wenig Geist beansprucht, so absorbiert einem die ganze Szenerie doch so stark, dass man sich nicht nebenbei "voll" auf sich konzentrieren kann. Das habe ich schon auch bemerkt.

Dann kam irgendwann der Zeitpunkt wo ich dachte, den "in sich gehen" Teil verschiebe ich auf die Zeit nach meiner Rückkehr. Zuhause habe ich alle Ressourcen und brauche mich am wenigsten um andere Dinge zu kümmern. Oder wenn, so weiss ich zuhause meist einfach und schnell, wie sich "Dinge" erledigen lassen. Soweit ein guter Plan.

Nun bin ich seit dreieinhalb Wochen wieder da und bin noch keine Spur von in mich gegangen. Im Gegenteil. Ich verstrickte mich sofort in viele kleine Äusserlichkeiten und kompensierte möglichst jeden Verzicht, den ich in den Wochen zuvor verspürte. Ich zündete ein kleines Feuerwerk an Aktivitäten und versuchte somit wohl auch dem Moment der Ruhe und der Sammlung aus dem Weg zu gehen.

Wie durch Geisterhand verzögerten sich nun aber fast alle diese Projekte. Die Gärtner haben keine Zeit, die Baumaterialien für das Gartenhaus haben Lieferfristen und auch sonst sind ein paar angerissene Ideen ins Stocken geraten. Was mich anfänglich etwas ärgerte, sehe ich mittlerweile eher als versteckten Wink des Schicksals um wirklich einmal inne zu halten und wirklich in mich zu gehen. Ich komme persönlich nämlich nicht weiter, wenn ich einfach so weiter mache wie bisher oder wie vor der Reise.

Natürlich geniesse ich die momentane Situation, dass ich nicht meinem bisherigen Berufsalltag nachgehen muss und über einen nahezu maximalen Freiheitsgrad verfüge. Freiheit bedeutet aber auch die Verantwortung dafür, dass man sie nutzt und nicht einfach nur die Zeit verplämpert. Es interessiert nicht mehr die Freiheit "wovon", denn es gilt nun herauszufinden, "wofür" die Freiheit genutzt werden soll. Dieses "wofür" ist jedoch mein wunder Punkt.

Schon seit zwanzig Jahren stelle ich mir die Frage, was denn mir und meinem ganz persönlichen Glück besser entsprechen würde als das, was ich bisher tat. Weil ich bis anhin darauf keine (mich erfüllende) Antwort finden konnte, reduzierte ich mein berufliches Engagement auf den Faktor Broterwerb. Das hat gesellschaftlich und finanziell recht gut geklappt, doch irgendwie bin ich mir selbst dabei abhanden gekommen. Ich fühlte mich zusehens eingesperrt in einen Alltag den ich nicht liebte und deshalb nicht mit dem Herzen bei der Sache war.

Nachdem mich die Umstände nun aus dieser Situation befreit hatten, genoss ich während der zweimonatigen Sommerreise diese Freiheit. Nun war ich frei von... Das alte Berufsleben ist nun wirklich abgestreift. Mit 48 Jahren hoffe ich doch sehr, dass ich noch eine ganze Menge Leben vor mir habe und diese Zeit möchte ich nun wirklich so einsetzten, dass es für mich persönlich stimmt. Ich bin nämlich der Überzeugung, dass ich so zu einem authentischeren Leben finden kann und dies hätte für alle positive Auswirkungen. Ich wäre zufriedener und ausgeglichener, was sich auch positiv auf meine Mitmenschen auswirken würde. Es wäre also für alle besser, wenn ich meine nächste berufliche Tätigkeit gemäss meinen inneren Neigungen und Bedürfnissen wählen würde und nicht nach Verdienst, Ansehen, Kosten/Nutzen.

Vermutlich schrieb ich dies schon früher in meinem Blog: "Leider" habe ich keine hervorstehenden Talente oder eindeutige Neigungen. Es gibt nichts wovon ich denke: "Das wollte ich schon immer machen! Nun mache ich es endlich!" Ich weiss nur, dass ich mich bisher nie wirklich wohlfühlte indem, was ich tat.

Nun stelle ich aber auch eine gegenläufige Tendenz fest. Es gibt Zukunftsangst und Gedanken von Resignation. Davon, dass ich kaum glaube, dass mir mein Sinn des Lebens durch etwas Meditation und in-mich-gehen so einfach zufallen wird. Wenn es mir 20 Jahre nicht gedämmert hat, weshalb sollte dies nun in ein paar Wochen oder Monaten der Fall sein? Ausserdem wird es mit der Jobsuche immer schwieriger, je länger ich damit zuwarte. Irgendwie drängt es mich, mich wieder möglichst rasch in einen Berufsalltag einzugliedern und somit mein finanzielles Fundament nicht zu gefährden (und meine Rente sicher zu stellen). Am bisher höchsten Punkt der Freiheit sehne ich mich nach einem nächsten Schuhkarton... Es ist einfacher sich über Mauern zu beklagen als sich auf freiem Feld zu bewegen... Aber es nützt nichts. Es ist mir wichtig. Ich muss da durch.

Bis jetzt habe ich erst eine einzige Bewerbung verschickt, für einen Job, der rein gar nichts mit dem zu tun hat, was ich bisher machte. Etwas ganz Anderes. Kein Büro, kein PC, keine Planung, keine Projektleitung. Eine Arbeit die Aufmerksamkeit fordert und sinnvoll ist. Der sich einfach erschliessende Nutzen der Tätigkeit ist das, was mich reizt. Natürlich bin ich gespannt, ob sich daraus wirklich etwas entwickelt. Ich weiss nicht, ob dies mein Traumberuf werden wird aber es war bisher die einzige realistische Idee, die viele meiner Kriterien erfüllt. Hier im Internet werde ich jedoch erst nach einer gefällten Entscheidung verraten, worum es geht.

In der Zwischenzeit muss ich wirklich versuchen, den Fokus von "Aussen" auf "Innen" zu verlegen und meine inneren Fühler wieder wachsen lassen. Nur so kann ich mir, meiner Begabung und Einzigartigkeit auf die Spur kommen. Erst wenn ich diese erkannt habe und ausleben kann, kann ich zur vollen Blüte kommen und somit mein Leben und das Leben meiner Mitmenschen bereichern.

letzter Arbeitstag

Schon nach dem Aufstehen beeindruckten mich die bevorstehenden Ereignisse... Für ein letztes Mal (für sehr lange Zeit) klingelte der Wecker um mich für einen Arbeitstag als Angestellter aufzuwecken. Duschen, rasieren, wie immer. Beim aus dem Hause Gehen musste ich aber zweimal nachdenken, ob ich alles dabei hatte. Es ist kein normaler Arbeitstag, sondern der Letzte.

Gearbeitet habe ich eigentlich nichts mehr. Ich kontrollierte nocheinmal, ob ich alle EDV-Systeme entsprechend nachgeführt habe, löschte letzte, persönliche Daten und machte mich zumindest elektronisch schon einmal unsichtbar. Dann spazierte ich durch das Firmengebäude und verabschiedete mich von den Mitarbeitern die ich kannte. Manch nettes Wort wurde mir mit auf den Weg gegeben und wenn man es auch nicht wirklich wollte, so hatten doch die meisten Gespräche eine etwas traurige Note. Nach der Mittagspause holte ich die bestellten Partybrote und das Bier für den Apéro und stellte alles in den Geheimkühlschrank im Labor. Nachmittags nahm ich ein letztes mal an unserem Teammeeting teil und dann war es also soweit. Die Zeit des Abschiedsapéros und des Abschiednehmens war gekommen.

Natürlich musste mein Vorgesetzter nach dem Anstossen ein paar Dankesworte sprechen und dann lag es an mir, mich zu verabschieden. Im Vorfeld hatte ich mich entschieden keine Rede vorzubereiten, sondern spontan zwei, drei Worte zu sagen. Ich wollte keine Ansprache halten und berufliche Highlights der letzten zehn Jahre ausgraben, denn das ist mir jetzt, so ganz am Schluss, nicht mehr wichtig. Wichtig sind die menschlichen Beziehungen die sich in dieser gemeinsamen Zeit etablierten und die sich nun zwangsläufig verändern werden. Wenn man eine Firma verlässt, verlässt man auch eine kleine Welt mit ihrem eigenen Beziehungskosmos und während man ein paar wenige Leute auch später noch sieht und trifft, so wird man doch die meisten der "bekannten Gesichter" aus den Augen verlieren. So ist das nunmal.

Ich habe den Anwesenden gesagt, dass ich die letzten Jahre nicht mehr wegen der Arbeit, sondern wegen Ihnen, wegen den zwischenmenschlichen Beziehungen und natürlich auch wegen dem netten Geld hier gearbeitet habe. Oh, halt, den feinen Gratis-Kaffee habe ich in der Aufzählung noch vergessen. Anyway; die Arbeit an sich und die komplexe Prozesslandschaft einer Weltfirma, das war es, was mich mürbe gemacht hat und was mir so gesehen auch gehofen hat, diese Workforce Optimierung positiv anzunehmen. Die Zeit für eine Veränderung ist nun gekommen und das eröffnet für beide Seiten neue Möglichkeiten. Während des Sprechens spürte ich mein Herz stark klopfen und langsam bildete sich ein Klos im Hals. Abschied nehmen fällt immer irgendwie schwer...

Der Apéro war aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Die Partybrote waren sehr fein und auch das Bier hat gut geschmeckt und für alle gereicht. Langsam konnte ich mich entspannen und so stellte sich auch bei mir ein rundes Gefühl ein. Ja, so ist es gut, so kann ich gehen. Ganz zum Schluss gab ich -als quasi letzten Akt- meine Zutrittkarte ab. Nun bin ich draussen... das war mein letzter Arbeitstag.